Fortsetzung Die Saisonpause


Nach Kastelruth ist der Arbeitsweg halbwegs erträglich. Ich muß nur etwas um die siebzig Kilometer fahren für einen Weg. Das zwingt mich trotzdem auch jeden zweiten Tag an die Tankstelle. Auf dem Weg habe ich aber die Möglichkeit, ausgiebig die Preise zu vergleichen. Und das lohnt sich. Der Unterschied beim Preis pro Tankfüllung von drei Euro, summiert sich im Monat leicht zu vierzig Euro. Die freundliche Bedienung an der Tankstelle kann das leider nicht ersetzen.

Neben den Tankkosten, warten wie üblich die Wartungskosten für das Zweirad. Bei etwa dreihundert Kilometern am Tag, lege ich monatlich ohne Freizeit bis zu acht Tausend Kilometer zurück. In fünf Monaten käme ich dafür eine Runde um die Erde. Das ist Umweltschutz der ganz besonderen Art.

Acht Tausend Kilometer zwingen mich auch zu einem monatlichen Reifenwechsel. Und der kostet mich locker Dreihundert und Fünfzig Euro.

Auf alle Fälle bin ich morgens richtig aufgeweckt, wenn ich den Arbeitsplatz betrete. Wenn nichts dazwischen kommt. Bei dem Arbeitsweg steigt natürlich auch das Unfallrisiko. Ich will jetzt nicht behaupten, das würde mich zu einem riskanten Fahrstil animieren. Schließlich ist der Unfall auf dem Arbeitsweg noch gut versichert. Zumindest dem Buchstaben nach. Den Ernstfall konnte ich noch nicht testen. Rechne ich jetzt die üblichen Verzögerungen und Hinternisse allein bei der Überweisung von Arbeitslosengeld ein, würde ich das auch nicht ausprobieren wollen.

Bei dem Arbeitsweg würde sich anbieten, dringende Post mit zu befördern. Leider erfordert das eine Extralizenz. Und die würde doch sicher wieder einen Haufen Geld kosten. Also, lasse ich das System so schlafen, wie es ruht.

Die neue Arbeitsstelle bringt uns wieder ein gemeinsames Frühstück zurück. Ich kann endlich wieder mit meiner Frau morgens aufstehen. Joana weckt mich trotzdem etwas später. Erst, nachdem sie aus dem Bad von ihrer Morgentoilette zurück ist. Selbst den Kaffee hat sie schon zubereitet. Nicht sie. Die Maschine. Die muß aber rechtzeitig eingeschaltet werden. Der Filtervorgang dauert schon auch seine Zeit.

Warum stehe ich zusammen mit meiner Frau auf? Große Arbeitswege in Südtirol erfordern die Kenntnis der Arbeitsbewegungen. Es gibt bestimmte Hauptstraßen, die regelmäßig um die gleiche Zeit, restlos verstopft sind. Dem Arbeiter stehen zwei Möglichkeiten zur Wahl. Er fährt deutlich eher zur Arbeit oder er kommt zu spät. Letzteres will so, keiner. Immerhin steht der Arbeitsplatz auf dem Spiel. In meinem Fall mit diesem Weg, ist die deutlich frühzeitige Variante, die beste. Ich kann, wenn ich auf Arbeit bin, noch eine kleine Ruhe einlegen. Das wäre dann Nachtruhe in Etappen. In diesem Fall ist das sehr verlockend, weil mir mein neuer Chef ein Zimmer zur Verfügung stellt. Unsere Hoteliers in den Bergen bieten ausreichend Möglichkeiten für ihr Personal, dort zu übernachten. Dieses Angebot führt gleichzeitig zur Einsparung des Kilometergeldes seitens des Landes. Wir sind schließlich keine Landespolitiker, die lediglich ein paar Worte in ihrem Einkaufszentrum sagen müssen, um das als Dienstreise abzurechnen.

Einen Nachteil hat der Arbeitsweg. Beide Wege finden ausnahmslos im Dunkeln statt. Und das trotz Sommerzeit. Wir leben schließlich nicht im nördlichen Uralgebiet, in dem es die halbe Nacht ziemlich hell bleibt. Wie üblich in den Bergen, gibt es in den Nachtstunden auch die meisten Niederschläge. Im vergangenem Jahr benötigte ich in fünf Monaten, nur auf zwei Fahrten keine Regenbekleidung. Die nassen Straßen erhöhen das Unfallrisiko für Zweiradfahrer gewaltig. Der Druck, dem Autofahrer ausgesetzt sind, wird durch sie bisweilen auf die Zweiradfahrer delegiert. Zweiradfahrer spüren das in jeder Kurve, die von Autofahrern regelmäßig geschnitten werden. Selten, weil sie das sportlich finden. Es geht um Zeit und Verschleiß. Autofahrer sind tatsächlich der Meinung, sie würden damit Zeit und Reifen sparen.

Heute Morgen fahre ich gemütlich los. Auf der Mebo, der Schnellstraße zwischen Bozen und Meran, sind kaum Menschen unterwegs. Ich muß nicht rammeln. Die Luft ist noch frisch. Selbst durch Bozen fahre ich um diese Zeit in Seelenruhe. Nur ein paar Kleintransporter und Lieferanten sind unterwegs. Manche fahren in meine Richtung. Die mir gut bekannten Lieferanten treffe ich alle. Manche gestandene Fahrer erkennen mich am Motorrad. Sie geben Lichtzeichen. Ich winke zurück.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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