Fortsetzung Die Saisonpause


Wie vermutet. Ich bin selbst daran Schuld. Da bleibt mir noch, Agnes anzurufen. Agnes geht ran.

„Mach dir keine Sorgen. Ich hatte deine Anmeldung nur noch nicht abgeschickt.“

Mir fällt ein Stein vom Herzen. Also doch ein Wegeunfall. Wenn Alles gut geht.

Trotz des Wegeunfalls ließ die Rechnung nicht lange auf sich warten. Die Beköstigung. Eine Rechnung von fast tausend Euro. Ich staune. Wir haben das nicht gewusst. Dann hätte ich die Kost natürlich abgelehnt. An sich war die Kost nicht schlecht. Krankenhauskost eben. Trocken Brot, etwas Butter oder Speckfett und bisweilen ein Stück Wurst oder Käse, hätten mir gereicht. Wer den ganzen Tag in überhitzten Küchen steht, hat eigentlich keinen Appetit auf warmes Essen. Warmes Essen regt den Appetit an. Man frisst zu viel. Bei dem gleichen Essen in Kalt, würden wir uns mit der Hälfte begnügen.

Ich frage jetzt bei der Gewerkschaft, ob es für das Essen eine Hilfe gibt. Nein. Es gibt ein Tagesgeld und das habe ich bekommen. Schön zu wissen, das Tagegeld der Gewerkschaft in der Krankenhauskasse wieder zu finden. Für ein Menschenrecht. Für Essen.

Wir schwören uns, zukünftig auf die Leistung dieses Etablissements zu verzichten. Das Menschenrecht des Essens im Krankenhaus müssen wir in Zukunft selbst in die Hand nehmen.

Zu Hause habe ich natürlich als Erstes den Kontakt mit Rudolf aufgenommen. Bis zum Saisonbeginn dauert es noch knapp zwei Wochen. Ich soll unbedingt mal vorbei kommen. Mit dem Motorrad wird das nichts. Das muss noch gebaut werden. Dafür habe ich kein Geld. Markus in der Werkstatt sagt mir, dafür gäbe es eine Landesversicherung. Die zahlt bei Schäden, die durch Steinschläge auf den Landesstraßen verursacht werden. Bei der Frage, wo ich diese Leute erreiche, wird Markus etwas stummer. Also, nutze ich meinen Urlaub, um den Mann zu finden, der mir den Schaden bezahlt. Die Suche samt Telefonaten dauert. Wie scheint, habe ich es mit einem streng versteckten Amt zu tun. Keiner kann mir Auskunft geben. Die Recherche verläuft im Sand. Dabei habe ich sicher fünfzig Telefonate geführt. Mit einem Handy zum Kartentarif hätte ich tausend Euro bezahlt. Zum aktuellen Stand sieht es so aus, als würde ich für die Suche nach Arbeit einen Kredit benötigen. Das ist schon ein starkes Stück – Freiheit. Ich stelle das mir gerade vor. Auf die Frage nach Sicherheiten bei meiner Südtiroler Sparkasse sage ich, Arbeitssuche. Das Gelächter könnte ich draußen auf der Algunder Straße hören. Nun weiß ich nicht, ob das so gewollt ist. Ab einem gewissen Alter jedoch, empfinde ich das als Schikane. Im günstigsten Fall. Ich frage mich, mit welcher Laune dann ein Arbeiter seine Stelle antritt. Und schon sehe ich die Begründung der Sprachlosigkeit meiner neuen Landsleute. Die kennen das System zu gut. Es ist ein Unterdrückungssystem. Uns DDR Bürgern ist das völlig unbekannt. Trotzdem wir bisweilen einen ähnlichen Vorwurf zu hören bekommen. Das ist leider eine Lüge, die meinen neuen Landsleuten eingetrichtert wurde. Dabei gilt einfach zu wissen; sobald ein sozialistisches Land besser mit seinen Mitbürgern umgeht als ein kapitalistisches, wird es um einhundert Jahre zurück gebombt und restlos geplündert. Ein fadenscheiniger Grund findet sich immer in westlichen Propagandastuben. Die Verantwortlichen jammern dann vor Tribunalen, wenn sie erwischt werden.
„Ich habe von Nichts gewusst.“

Leider steht ihnen aber das Recht im Weg. Das nennt sich, niederer Beweggrund. Sie haben es für Geld getan. Und wer hat schon Mitleid mit Söldnern?

Der Söldner ist damit ein bewaffneter Prolet. Dazu zählt auch der Maulsöldner. Würde der Söldner dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen, sprich – der gerechten Verteilung von Arbeit und Erlös, wäre sicher eine Zieländerung das Ergebnis seiner Arbeit. Leider haben diese Söldner die gleichen Lebensschulen besucht wie unsere neuen Gastgeber.

Die falschen. Sie sind der Meinung, für ein gutes Leben muss man sich erbärmlich schinden. Oder gar das Leben riskieren.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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