Der Saisonkoch – Das Frühjahr


Der

Saisonkoch

Die Sommersaison

Das Frühjahr

Erzählung

von

KhBeyer

Die Vorbereitung

Eine Woche vor Saisonbeginn rufe ich natürlich die Arbeitsstelle an, bei der ich die letzte Saison beendet habe. Ich möchte gern konkret wissen, wann wir anfangen. Die Tage des Saisonbeginns sind von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Teilweise liegt das am Wetter. Ausschlag gebend sind die Buchungen und Anfragen. Natürlich sind die Ferienzeiten unsere Hauptsaisons. Gleichzeitig sind die Feiertage, die Tage, an denen gern die Saison begonnen wird. Vor allem die Feiertage des Frühjahres.

Bei meinen Bemühungen, zwischen den Saisons eine Beschäftigung zu finden, hatte ich das Glück, etwas Geld dazu zu verdienen. Zumindest sind für den ersten Monat die Tankfüllungen gesichert. Joana hat schon ihre Arbeit.

Bei der Gelegenheit fällt mir auf, die ungelernten Arbeitskräfte sind bei uns die gefragtesten. Sie sind die billigsten. Als ungelernt gelten alle Arbeitskräfte Osteuropas. Die müssen erst im Laufe der Zeit zeigen, was sie gelernt haben. Oder soll ich sagen, deren Ausbildungen werden einfach nicht anerkannt.

Natürlich wird ein Koch die regionale Küche seines Landes beherrschen. Trotzdem ändert sich kaum Etwas an der Grundausbildung. In der Grundausbildung lernt ein Koch die Grundtechnik des Kochens, die Vorbereitung und Vollendung des Prozesses. Dazu kommen ein paar Grundkenntnisse betreffs der Rohstoffe und der Ernährung. Generell beherrscht ein Koch binnen einer Woche die Regionalküche seines neuen Einsatzortes von der Kochtechnik her.

Kompliziert wird es erst dann, wenn der Koch, Keinen trifft, der ihm fachgerecht, die Fertigung in Kochsprache darlegt. Dann brechen auch für Profis die Welten zusammen.

Aus dem Grund treffen sich neue Kollegen auf der Ebene der Grundküche, die sie gelernt haben. Dabei werden die individuellen Nuancen jedes Kochs etwas vernachlässigt. Die beginnen spätestens vierzehn Tage nach Saisonbeginn zu wirken.

Zunächst rufe ich auf der Seiser Alm in der Edelblüte an, wann denn die Eröffnung ist. Allgemein wird das bei einem Spatzenfest in Kastelruth der Fall sein. Also im Juni.

Dieses Fest ist somit der Saisonbeginn der Seiser Alm. Viele Betriebe öffnen schon eine Woche vor dem Fest. Der Gast soll sich sozusagen, einstimmen.

Am Telefon bekomme ich mit stotternden Worten in Seiser Dialekt, also für mich kaum verständlich, geantwortet. Das macht mich schon etwas stutzig.

‚Die haben mich doch erkannt‘, denk ich mir. Meist wird mir sogar in Sächsisch geantwortet und dabei köstlich gelacht. Rudolf, der Wirt, geht ans Telefon.

„Tut mir Leid. Wir haben einen Einheimischen Koch eingestellt.“

„Also kann ich nur als Zweiter Koch arbeiten?“

„Das geht nicht. Der hat seinen Zweiten Koch mitgebracht.“

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

4 Kommentare zu „Der Saisonkoch – Das Frühjahr“

  1. Hab versehentlich eine 1-Sternbewertung abgegeben. Ich konnte das nicht mehr rückgängig machen.
    Im weitesten Sinne sind wir Kollegen und wir kommen sogar aus derselben Region. Womit ich Sachsen meine.
    Wie du arbeite auch ich in der Saisonhotellerie. Bei mir ist es die Schweiz geworden. Viele deiner Geschichten, egal ob von Kollegen, Gästen oder Chefs, habe ich hier auch genauso erlebt. Es ist teilweise erschreckend. Kollegen die wochenlang durcharbeiten, Personalzimmer, die eher Abstellkammern sind oder die völlige Unplanbarkeit seines eigenen Lebens. Viele wissen nicht mal, wann und mit wie vielen Mitarbeitern der Betrieb die Saison anfängt. Es ist wirklich schön das du das alles niederschreibst. Glücklicherweise habe ich selbst eine Jahresstelle.

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    1. Danke, lieber @mamu. Ich glaube, die Sommersaison, die ich jetzt beginne, wird noch etwas reifer als die vom Winter. Die Geschichten kommen an die Grenze des Unglaublichen. Zumal ich in diesen Teilen auch direkte Kontakte mit Gästen, Motorradgruppen usw. beschreibe. Die Ersten drei Teile (Wintersaison) sind Rohfassungen. Die sind noch nicht Korrektur gelesen. Ich möchte auch die Arbeit vermitteln, die insgesamt hinter einem Buch steckt. Dafür gibt es zwar Programme und Profis, die sind mir aber alle zu teuer:-)) Immerhin vermittele ich damit auch, wie ich mich bei dem Schreiben entwickele. Das erscheint mir wichtig.

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      1. Vielleicht interessiert dich das noch: https://www.woz.ch/-c83b. Es gab in der Schweiz viele Medien, die über die Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe berichtet haben. Inzwischen haben wir in der Hotellerie einen massiven Personalmangel. Auch Leute, die wie ich, ihren Beruf gern machen, gehen inzwischen aus der Branche weg. Einige Betriebe experimentieren deshalb schon mit neuen Arbeitszeitmodellen.
        Viel Glück bei deinen Büchern und eine gute Sommersaison. 🙂

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      2. Hier wird das nicht anders werden. Der Fehler, der gemacht wird, ist systemisch. Im Zuge der Pandemie rief man hierzulande auch eine Art Personalnotstand aus. Letztendlich wurde die eigene Bevölkerung angesprochen. Und jetzt kommt der Witz: Man spricht sogar von einer Fünf-Tage-Woche. Ich denke, wir werden in einiger Zeit auch hier einige Selbstbedienungen finden. Der Viktor in Auer ist dafür eine sehr erfolgreiche Vorlage: https://viktors.it/

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