Giro 160822


Nach dem Touristentrubel habe ich heute mal eine Ausfahrt probiert. Letztendlich in Richtung Reschen. Auf dem Stilfser Joch war mir zu viel Betrieb. Eigentlich wollte ich mal nach Sulden. Ich dachte mir, erst Mittag zu fahren. Die Spekulation, Mittag besonders viele Touristen in den Restaurants zu wissen, auch unsere Arbeiter, hat sich bestätigt. Die Straße war staufrei. Seit fast einem Monat.

Langsam treffe ich unsere Bauern mit ihren Traktoren. Geerntet wird auch schon teilweise. Was, weiß ich nicht.

Ich bin in der Nacht, also nach neun Uhr abends, zurück gefahren. Da war ich bis auf etwas Werksverkehr und zwei Lastwagen, der Einzige. Unsere Carabinieri kontrollieren zum Glück wieder. Die Sommerferien sind vorbei. Der ausländische Gegenverkehr, meist westdeutsche Luxuslimousinen, kam mir grundsätzlich mit Aufblendlicht entgegen – ohne abzublenden. Neuerdings bedient sich der Gegenverkehr reichhaltiger Lichtanlagen, so dass man glaubt, einer rollenden Disco zu begegnen. Komisch ist, die Discofahrer scheinen trotzdem nichts zu sehen. Die Straße liegt voller toter Katzen.

Zum Glück haben wir Touristen. Wir würden sonst an einer Katzenüberbevölkerung leiden. Jetzt, wo das Futter so teuer ist.

Einäugige Fahrer kommen mir reichlich entgegen. Wahrscheinlich fehlt ihnen der Wille, an unseren Tankstellen und in den Werkstätten, zehn Euro für den Lampenwechsel auszugeben. Das ist zu teuer.

Es gibt Hoteliers, die ihre Halbpensionspreise nicht angehoben haben. Trotzdem sich der Netto – Einkauf um rund 50% verteuert hat. Die Gastgeber werden regelrecht bestraft. Das Salatbuffet wird während einer Ausgabe von einer Stunden, drei Mal leer gefressen. Manche überlegen schon, statt Salatteller, Zwei- und Drei – Liter – Schüsseln auf dem Buffet zu platzieren. Die Hotels scheinen langsam zur Armenküche zu verkommen.

Eine ganz alte Übung habe ich wieder entdeckt. Man schwingt auf der Heimfahrt das Auto so lange beim Tanken, dass auch noch der letzte Tropfen billiger Sprit in die Droschke passt. Man spart immerhin zehn Cent pro Liter.

Die Zimmermädchen kommen sich langsam vor wie die Südtiroler Mülldienst. Die Zimmer liegen voller deutscher Verpackungen von nachgeahmten Lebensmitteln. Am Tisch abends, reden die zwei, die von einem Vierbettzimmer zum Abendbrot antanzen, von nahezu dreißig Krankheiten. Es gibt sie noch. Nur, im Krankheitsbild hat sich etwas verändert. Man frisst jetzt wieder Fleisch. Und Fisch. Offensichtlich will man sich den Schreck an der heimischen Supermarktkasse ersparen. Dort kostet der Fisch weit über zwanzig Euro das Kilo. Zwei essen jetzt für die im Zimmer Verbliebenen mit. Ich schätze, Taschenkontrollen werden bald zur Grundnorm in Italienischen Speisesälen. Oder, Kassenhäuschen – vielleicht.

Wir reden also von verhungerten, nicht sauberen Bettlern aus dem Norden, die in den Süden fahren und dort Berge von heimischen Müll entsorgen.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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