Fortsetzung Der Saisonkoch – Frühjahr


Martha sagt mir, was es heute gibt. Zum Glück sind es nur drei Gänge. Eigentlich würde das schon reichen. Immerhin bietet Martha auch eine Jause. Und die ist gut bestückt.

Der Blick ins Kühlhaus verrät mir mehr. Das ist fast leer. Martha verweist mich auf die Gefrierzelle.

„Wir leben von der Reserve“, sagt sie bitter lächelnd.

Oleg hat wahrscheinlich keine Bestellungen mehr ausgeführt. Jetzt ist Kahlschlag angesagt. Und das ausgerechnet im späten Frühjahr. Immerhin sind schon reichlich Touristen unterwegs. Auch Motorradgruppen.

„War Oleg allein in der Küche?“

Ich frage das nicht umsonst. Für Einen allein ist die Aufgabe ziemlich belastend. Nicht unmöglich. Aber, es darf wirklich keinen Zwischenfall geben. Und das in einer Küche? Einem der gefährlichsten Arbeitsplätze.

Oleg hat an sich kaum Arbeitsweg. Die Treppe runter und wieder zurück. Bei dem Arbeitspensum, kann auch das ziemlich belastend sein. Den Fahrstuhl kann man kaum benutzen. Der wird von den Gästen nahezu belagert.

Gundula kommt wieder. Ein blondes Mädchen im Dirndl. Fast wie bei Riefenstahl. Und üppig sieht sie aus.

„Ich zeig dir dein Zimmer.“

„Das würde ich schon finden.“

„Jetzt, nach dem Umbau?“

„Dann zeig es mir bitte. Hast du sonst noch Etwas zu bieten?“

„Die Anmache ist jetzt verboten.“

Wir lachen zusammen. Martha schaut etwas misstrauisch. Sie wird doch nicht eifersüchtig sein?

Wir sprechen kaum auf dem Weg zum Zimmer. Wohl eher in der Vermutung, von Kameras und Mikrofonen belauscht zu werden. In einigen Personalzimmern durften wir solche Utensilien schon finden.

Das Zimmer ist schön und ziemlich hell. Der Ausblick scheint mir besser als aus manchem Hotelzimmer. Und das kostenlos. Ganz nicht. Wir zahlen ja mit unserer Arbeit. Und mit unserer ständigen Verfügbarkeit.

Tatsächlich steht der neueste Fernseher im Zimmer. Oleg muss sich das wirklich verdient haben. Gundula lacht, als ich das sage.

„Du hast alle Programme hier.“

„Hast du schon nachgeschaut?“

Gundula wird etwas rot.

„Natürlich. Ich bin ungebunden.“

Der Wink mit dem Zaunpfahl. Und ausgerechnet trifft der mich. Joana würde ziemlich böse schauen. Nicht wegen der Bemerkung. Wegen dem Blick, den Gundula mit der Bemerkung verknüpfte. Fehlt nur noch, sie sagt – ich trage keine Unterwäsche.

Mir geht gerade ein Film mit Tom Selleck in Jesse Stone durch den Kopf.

„Bist du verheiratet?“

„Ja.“

„Wo arbeitet dein Mann?“

„In Vomp beim Landmaschinenbau.“

„Ist er Landmaschinenschlosser?“

„Er hat bei uns als ZT – Techniker gearbeitet.“

„Wie oft seht ihr Euch?“

„Ein bis zwei Mal im Monat.“

„Wenn das der falsche Monat ist…“

Gundula lacht.

„Du meinst den falschen Tag. Rolf ist fast zwanzig Jahre älter als ich.“

„Also, fast wie ich.“

„So alt bist du schon?“

„Du willst mir ein Kompliment geben?“

„Sicher.“

„Wir sehen uns dann Unten. Ich packe nicht groß aus.“

„Ich denke auch, Oleg kommt bald wieder.“

Gundula geht und ich lege mich noch einmal kurz hin. Dreißig Minuten müssen reichen. Das Menü ist eine Leichtigkeit. Martha hat vereinzelt neue Technik gekauft. Damit kann ich recht zügig arbeiten.

Nach meinem Schläfchen gehe ich nach Unten. Martha hat aufgehört, in der Küche zu arbeiten. Die Vorbereitungen hat sie ins Kühlhaus gestellt. Wenigstens hat sie das Dessert schon fertig. Oder war der schon fertig? Es ist Topfenstrudel. Mir kommt vor, der war vorher schon gefroren vorrätig. Die Form erinnert mich an das Kühlregal in diversen Kaufhallen.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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