Fortsetzung Der Saisonkoch – Frühjahr


Die Ausgabe ist ein bisschen hektisch. Martha will immer eingreifen. Gundula wird dadurch sehr nervös. Martha möchte natürlich ihre Stammgäste zuerst versorgt wissen. Das Essen, welches für Gundula bestimmt ist, trägt Martha ab. Dadurch entsteht etwas Stau. Gundula trägt das mit Fassung. Wahrscheinlich macht das Martha schon immer so. Gundula hat sich daran gewöhnt.

Während der Küchenreinigung klingelt das Telefon. Beim Blick auf den Bildschirm sehe ich, es ist Oleg. Ich nehme das Gespräch an. Martha und Gundula haben spitze Ohren und plötzlich auch Zeit, dem Gespräch zu zuhören. Die Stammgäste interessieren nicht mehr. Oleg scheint sehr gefragt zu sein.

„Bist du es, Karl?“

„Ich muss dich faulen Strick vertreten.“

„Ich mache nur ein zwei Tage frei. Martha wollte mir kein Frei geben. Ich habe schon das zweite Jahr keinen freien Tag.“

„Und keinen freien Abend.“

„Du Spinner.“

„Bei wem bist du denn öfter?“

„Bei Angela.“

„Das auch noch. Hast du überhaupt noch Säfte?“

„Für Angela immer.“

„Können wir uns sehen?“

„Ich bin bei Angela. Das ist im Ort. Verrate mich nicht.“

„Mach dir noch einen schönen Abend. Bis morgen oder übermorgen.“

„Ich komme morgen gegen Mittag.“

„Oleg kommt morgen wieder“, sage ich den zwei hungrigen Damen. Die fallen sich fast in die Arme bei der Nachricht.

‚Mein Gott. Der Druck muss gewaltig sein‘, denke ich mir.

Martha wirkt wie aufgezogen. Sie hilft mir sogar bei der Küchenreinigung.

„Du bist ein Engel“, haucht sie mir ins Ohr. Ich habe fast den Eindruck, sie hat mir ihre Zunge mit ins Ohr gesteckt.

„Heute ist euer Frauentag.“

„Den kannst du mit uns feiern.“

„Das kann ich nicht. Ich habe eine schöne, liebe Frau.“

„Das stimmt. Deine Joana ist ein Schatz.“

„Und? Sie hat dir auch schon geholfen.Habt ihr noch eure Schweine und Kälber?“

„Die haben wir unserem Nachbarn übergeben. Der kümmert sich.“

„Wenn wieder ein Läufer anfällt, sagt mir bitte Bescheid. Ich brauche etwas Fleisch.“

„Schwein oder Kalb?“

„Jungfrau.“

„Du Ferkel!“

„Willst du wieder das ganze?“

„Aber sicher. Nicht größer als sechzig Kilo.“

„Ich sag es dem Nachbarn.“

„Gebt mir bitte auch die Innereien.“

„Wird gemacht.“

Martha klopft mir auf den Hintern.

„Oi. Der ist immer noch so stramm wie früher.“

„Das kommt vom Motorrad fahren.“

„Du Schlimmer.“

Ich brauche nicht auspacken. Gibst du mir ein Handtuch von euch?“

„Gundula kann dir auch den Rücken abtrocknen.“

„Das glaub ich gern. Gib mir einfach ein größeres Handtuch.“

Wir lachen zusammen. Hellmar kommt in die Küche. Plötzlich wird es still.

„Die Gäste warten.“

Die Gäste sind wahrscheinlich gleich an die Rezeption gerannt. Die können im Urlaub keine fünf Minuten warten. Italiener sind in der Beziehung bedeutend geduldiger.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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