Fortsetzung Der Saisonkoch – Frühjahr


Mit einer Ausnahme. Die belagern eine Rezeption tagsüber schon fast dauerhaft. Für Antworten auf die mehrere tausend Fragen, gehen manchen Gastronomen schlicht die Argumente aus. Die beste Methode scheint zu sein, fremdsprachige Rezeptionisten zu beschäftigen.

Martha ist das zu teuer. Die Zwei können sich das einfach nicht leisten. Heute kommen zwei Touristen an die Rezeption, die Übernachtung mit Frühstück gebucht haben und fragen, ob sie weiß, wo es im Ort gute Restaurants gibt. Martha standen die Haare zu Berge.

„Ich gehe nicht einkehren. Haben sie kein Google?“

Dazu hat sie an der Rezeption ausreichend Informationsmaterial, das sogar auf den Zimmern ausgelegt wird. Was weiß Martha, welchen Geschmack die haben und wie viel Geld sie ausgeben wollen?

Nach dem Menü darf ich das erste Mal im Leben das volle Programmangebot Österreichs genießen. Der heiß erwartete Genuss wird schnell zum Desaster. Ich durfte in einer Stunde, zwanzig Mal überteuerte Binden, Tampons, Toilettenpapier, schlechte Autos, Betrügerbanken und -versicherungen konsumieren. Der Gipfel waren Urlaubsangebote, die nie so eintreten, wie sie dargestellt werden. Die nennen das Werbung. Jeder Gastronom käme dafür ins Gefängnis.

Am Ende der drei Stunden, habe ich glatt vergessen, wie der eigentliche Film anfing. Nun weiß ich endlich, warum wir in dieser Diktatur so schnell wegen Demenz entmündigt, weggesperrt und beraubt werden.

Martha klopft an meine Tür. Sie will nur wissen, ob ich bis Mittag bleibe. Hellmar steht hinter ihr.

„Eigentlich wäre das nicht nötig. Trotzdem will ich zur Sicherheit bleiben und Oleg die Küche übergeben.“

Hellmar lächelt. Martha dankt mir und Beide wünschen mir wie aus einem Mund, eine Gute Nacht.

Ich will auch nicht unbedingt mit leerem Magen das Haus verlassen. Vielleicht gibt es noch eine kleine Prämie?

Das Frühstück gibt mir Gelegenheit, das gesamte Personal kennen zu lernen. Die Zimmermädchen sind meines Erachtens, türkischer Abstammung. Zwei Schönheiten sind dabei, die mir fast einen Augenschaden einbringen als sie sich über den Brötchenkorb beugten. Mit ihrer Abstammung habe ich mich etwas geirrt. Die Schönheiten kommen aus Jugoslawien. Die zwei türkischen Kolleginnen sind Aushilfen, wenn Martha etwas voller belegt ist.

Gundula kommt kurz zum Tisch.

„Die Chefin wartet an der Rezeption.“

Wir gehen zusammen zu ihr. Sie gibt mir einen Umschlag. Hellmar kommt mit zwei Flaschen Wein in der Hand. Ich traue mir nicht zu sagen, welche Einstellung ich Wein gegenüber habe. Ich trinke keinen. Vielleicht kann ich den weiter verschenken. Wohl in der Kenntnis, von dem Gesöff keinerlei Ahnung zu haben. Ich kann mir lediglich einen Reim darüber machen, welche Lage besonders gut geeignet wäre, Wein anzubauen. Mit Wein verknüpfe ich gedanklich ein süßes, wohl schmeckendes Getränk. Um die neuartige saure Brühe zu trinken, bräuchte man eigentlich nur Sauerampfer keltern.

Warum muss ich ausgerechnet in einer Branche arbeiten, in der die Einbildung maßgeblich ist?

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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