Fortsetzung Der Saisonkoch – Frühjahr


Tagsüber den Heimweg anzutreten, war eigentlich ein Wunsch von mir. Ich wollte gern noch einmal ein paar türkische Freunde besuchen, die einen Imbiss in Imst betreiben. Die sind nicht mehr dort. Jetzt haben das Einheimische übernommen. Die wollte ich jetzt nicht unbedingt fragen, wie es dazu gekommen ist. Die Unternehmer, eine Jugendgruppe, macht das recht gut.

Die türkischen Unternehmer fand ich jetzt in Landeck. Dort bin ich mal kurz abgestiegen, um einen richtigen Kaffee zu trinken. Kaum habe ich die Kaffeetasse in der Hand, schleichen schon die städtischen Geldeintreiber um mein Motorrad.

„Hier ist Parken verboten.“

„Mit dem Kaffee im Mund, antworte ich süffisant,

„ich halte hier.“

Die Kassiererin musste in Deckung gehen, um meiner Spuckattacke zu entkommen. Sie schlich um mein Moto und schrieb sich meine Nummer auf.

„Die können sie auch mit dem Handy fotografieren“, sag ich zu ihr.

„Nicht, dass sie sich verschreiben.“

Jetzt lacht sie.

„Ein Sachse.“

„Vom Brudervolk aus Südtirol“, habe ich angefügt.

Jetzt lacht sie noch ausgelassener.

„Sie wollen doch sicher einem Vertriebenen kein Bußgeld abverlangen?“

„Ich verzichte.“

„Darf ich ihnen einen Kaffee anbieten?“

„Nein danke. Schönen Tag noch. Und nicht Parken hier.“

Schräg gegenüber ist der neue Imbiss unserer türkischen Freunde. Er hat mich entdeckt und ruft:

„Komm.“

Neben ihm steht eine junge Frau.

„Meine Tochter“, sagt er zu mir. Sie ist schön.

„Mich interessiert neben deinem guten Hamburger nur Eins. Mit welcher Technik macht ihr diese schönen Kinder?“

Die Tochter lacht.

„Ich muss in die Schule“ und schon ist sie weg mit einem jungen Freund aus der Nachbarschaft.

„Langsam aber sicher müsste Landeck, arazi köşesi heißen.“

„Du schlauer Wicht.“

„Naja. Ihr habt doch Landeck voll im Griff, denke ich.“

Tatsächlich haben unsere türkischen Freunde das erkannt, was wir DDR Bürger erkennen mussten. Wir ziehen einfach in das Zentrum der Arbeitsmöglichkeiten für Migranten. Und das ist doch zweifellos die Gastronomie. Da sparen wir uns wenigstens die Maut, die Steuer an unsere Besatzer und Ausgaben für die Heimreisen. Einige Freunde behaupten, sie würden sich auch den Anblick der Familie sparen. Trotzdem überweisen sie Geld nach Hause. Leicht ist das nicht nach dem Abzug der Miete. Zumindest bekommen wir so schnell erklärt, warum unsere Mitstreiter so einen großen Appetit haben beim Personalessen.

Wie üblich, lasse ich mir am Reschen den Tank randvoll. Aktuell spare ich vierundzwanzig Cent je Liter. Das ist schon ein gewaltiger Betrag.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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