Fortsetzung Der Saisonkoch – Frühjahr


Nach dem schnellen Ende des Einsatzes, rufe ich natürlich sofort die Stellen an, die für mich noch in Frage kämen. Dazu nutze ich jede Fahrpause. Also auch die Tankpause gepaart mit dem Besuch von Ingrid in ihrem Imbiss. Bei meinen türkischen Freunden der Tankstelle trinke ich einen Kaffee. Bei Ingrid natürlich auch – einen handgebrühten mit Südtiroler Kaffee. Das bringt mich gedanklich sofort nach Hause in unsere Nachbarschaft, der Kaffeerösterei. Ich stelle fest, mit dem neuen Namen hat sich auch die Qualität leicht verbessert. Zumindest im gebrühtem Zustand. Gefiltert haben wir das noch nicht probiert.

Alle Angerufenen waren nicht sofort erreichbar. Die rufen jetzt nacheinander während der Fahrt an. Ich höre das unter dem Helm. Pause lege ich aber keine ein. Ich kontrolliere das zu Hause.

Kaum bin ich da, klingelt das Telefon wieder. Die Nummer kommt mir recht bekannt vor. Die Seiser Alm. Rudolf ist dran.

„Der Einheimische ist gegangen. Du kannst bei uns anfangen.“

Nach der Enttäuschung der Absage trotz Zusage, soll ich jetzt doch dort anfangen. Mein Widerwille wird angesprochen. Er kämpft mit meinem weichen Gemüt. Ich werde Joana fragen, was sie dazu sagt.

Joana sagt mir bei ihrer Ankunft, ich solle doch das Angebot annehmen. Zuviel Ruhe versklavt den Leistungssportler – Koch zu einem sich rasant entwickelndem Übergewicht. Das ließe sich nicht mal mit Wandern oder Laufen beseitigen. So lange kann kein Mensch mit kaputten Füßen rennen. Dann doch lieber eine Versklavung als Koch. Wobei der Weg zur Alm hoch riskant ist. Jede hundertste, unfallfreie Fahrt zur Arbeit und zurück, müsste eigentlich mit einem Feiertag begangen werden. Dagegen sind Rennfahrer mit ihren hundert Kilometer Rennen, reine Fahranfänger. Die Völs hinauf würden sie durchdrehen oder auf dem Grill irgend eines Fahrzeuges landen.

Den kommenden Tag habe ich versprochen. Rudolf erwartet mich. Das Haus ist voll belegt. Gäste vom Spatzenfest sind auch noch im Haus. Die werden teilweise als besonders primitiv beschrieben von den Gastgebern. Ich will jetzt nicht vermuten, das läge an dem hohen Anteil von Thüringer Touristen. Die haben wenigstens anständige Wurst in ihrem Gepäck. Mit Hunger und einem Buffetverbot kann man diesen Gästen schon mal nicht drohen. Die können locker zu spät am Buffet sein. Ich vermute eher, die bekommen an unserem Frühstücksbuffet einen Lachkrampf. Sicher beim Anblick der Aufschnittplatten.

Zur Feier des Tages spendiere ich uns eine Pizza bei Doris. Das Bier lasse ich aus. Dienst. Ein Bier hinterlässt bei mir einen eigenartigen Alkoholspiegel. Wie scheint, nützen bei mir die Berechnungen gar nichts. Entweder bin ich vom Bier tagelang besoffen oder von meinen Kontakten. Das Rätsel konnte ich bisher nicht lösen.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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