Fortsetzung Der Saisonkoch – Frühjahr


Die Alm hinauf bedarf es einer Sondergenehmigung. Zu der Zeit, zu der ich fahre, sitzt keiner im Kassenhäuschen. Wahrscheinlich soll ich die Gebühr jetzt durch den Türschlitz werfen. Das hat ungemeine Vorteile bei der Steuerabrechnung. Nicht für mich. Für den Spendenempfänger.

Alle Gebäude sind noch unbeleuchtet. Wahrscheinlich bin ich der Einzige, der sich um diese Zeit auf Arbeit bewegt in diesem Gebiet. In Bozen ist das etwas anders. Die niederen Kasten sind dort schon recht zahlreich unterwegs. Die Bäcker, Hausmänner, Frühstücks- und Reinigungskräfte auf alle Fälle.

Auf den Almen schlafen die Angestellten im Betrieb. Das macht die Lage so ruhig um diese Zeit. Ich bin sozusagen, ein ausgemachter Ruhestörer. Und dazu noch mit dem gehassten Zweirad unterwegs. In der Hoffnung, doch Einige mit meinem Yoshimura zu wecken, gebe ich natürlich etwas verhalten Gas. Bisweilen taucht vor mir ein stolzer oder weniger stolzer Rehbock auf. Die gehen mir, in Südtiroler Manier, ziemlich langsam und verhalten aus dem Weg. Einige nicken mir zu. Man könnte denken, sie grüßen oder bedanken sich. Ich blende in ihrem Revier selten auf. Der Weg ist mir bekannt und zu schnell fahre ich in dem Gebiet ohnehin nicht. Die Anzeige für den Momentanverbrauch zeigt mir vier Liter. Da benötigen selbst Rasenmäher mehr.

Die Straße ist seit meinem letzten Besuch hier, endlich in Ordnung gebracht. Ich sehe keine Steinschläge. Unsere Schwerlastkipper, die wir bei Bauvorhaben in den Bergen einsetzen, sind auch der Auslöser von Steinschlägen. Es sind die Vibrationen, die diese Maschinen verursachen. Fünfzig Tonnen arbeiten nicht still vor sich hin. Das kennen wir doch von unseren Hausfrauen; oder? Ich finde, alle mehrspurigen Fahrzeuge haben in den Alpen nichts zu suchen. Bis auf unsere Busse und Baufahrzeuge. Ein verhaltenes Tempolimit würde den Genuss sogar noch steigern. Erwachsene Motoristi wissen das.

Kaum bin ich Oben, begrüßt mich ein Sonnenaufgang, der mich sofort auffordert, ein Foto zu schießen. Ich könnte das jeden Tag aufs Neue tun. Es ist einfach überwältigend. Ich gehöre jetzt nicht zu den Leuten, die jeden Berg auswendig mit dem Namen kennen. Mir reicht, wenn ich unsere Lebensmittel in Italienisch aussprechen kann. Das schützt uns vor Hunger. Bis jetzt. Die verschiedenen Gipfel hingegen, bringen oft Unwetter. Und das nicht zu selten. Genau an denen sammeln sich die Wolken bei Tiefdruck. Motoristi wissen das. Sie kennen jeden Berg. Nicht vom Namen her. Nur wegen seiner Anziehungskraft. An jedem Berg scheint ein Stoppschild für Durchziehende zu kleben.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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