Fortsetzung Der Saisonkoch – Frühjahr


Am kommenden Tag fahre ich natürlich recht früh hin, um mich zu erkundigen, ob ich angenommen werde.

Hannes und seine Frau, Elena sitzen im Büro hinter Riesenbergen von Papier. Beide haben einen ziemlich roten Kopf und stöhnen vor sich hin. Der unendliche Papierkram scheint den Zweien die restlichen Nerven zu rauben. Hannes sagt aber kein Wort zu mir. Er duldet diese Art der Folter. Der Besitzer des Hauses steht bei ihnen. Offensichtlich hat man gerade wegen der Pacht verhandelt. Es ging um den Außenbereich und die Tiefgarage. Ich staune. Eine Tiefgarage haben wir auch noch.

Generell erfährt ein frischer Angestellter täglich etwas Neues. Das geht in manchen Betrieben einen Monat lang so. Peinlich wäre das, wenn ich erst nach einem Monat erfahre, wo sich die Personaltoilette befindet. Das ist mir leider schon passiert. Zum Glück, würde ich sagen. Ich hätte sonst bereits am ersten Tag mein Essen durch den Haupteingang verloren. Wieso putzt ein Hygienepersonal nicht die eigene Toilette nach deren Benutzung?

Hannes hat sich entschieden, mit mir zu sprechen. Er führt mich wieder durch das Haus und zeigt mir die Lager. Nebenbei gibt er mir den Hinweis, bei uns befindet sich auch eine Discothek. Er öffnet mir die Tür zu diesem Raum. Wunderschön, muss ich sagen. Wer Discotheken aus der DDR oder dem Ostblock kennt, weiß, wir haben uns eher um die Musik und die Frauen gekümmert. Die Einrichtung war uns im Grunde egal. Hier scheint das anders zu sein. So eine schöne Discothek haben wir auch am Comer See besucht. Wir waren dort fast die einzigen Besucher. Vielleicht waren wir dort nur zu zeitig? Kann sein. Jedenfalls hat es uns dort bis drei Uhr früh gefallen.

In dieser Discothek würde mir es auch gefallen. Ein Meisterstück.

Die weitere Führung bringt uns in eine Art Kino. Jedenfalls scheint mir, es wäre ein Kino gewesen.

„Das wird unsere neue Bar.“

Das glaube ich gern. Dort steht bereits der Sohn vom Chef, Simon. Am Tresen stehen doch tatsächlich Handwerker und verrichten dort ihren Dienst mit einem Glas in der Hand. Wollen wir hoffen, sie haben den Stundenzettel nicht dabei.

„Ist das der neue Koch?“

Die reden nicht mit mir. Die reden mit Hannes. Hannes scheint sich etwas zu schämen bei der Frage.

Stutzig macht mich nur eine Bemerkung. Der „neue Koch“.

Wie kann ich bei einer Neueröffnung der neue Koch sein? Das zu beantworten, überlasse ich den Geistern am Tresen.

Hannes rät mir, morgen anzufangen. Ich könnte gleich bei der Grundreinigung der Küche helfen. An sich ist der Gedanke recht günstig. Auf die Art lerne ich die Räumlichkeiten und Wege kennen. Ich bin einverstanden. Außer dem sind auch die Lieferungen für die Eröffnung einzuräumen. Ein Hausmann soll mir helfen. Der ist im Moment nicht zugegen.

Wir gehen zurück ins Büro und unterschreiben den Arbeitsvertrag.

Danach entscheide ich mich, eine Runde ins Schnalstal zu fahren. Ich brauche dringend frische Luft und etwas Ablenkung. Die innere Freude muss ich irgendwie beruhigen. Zu Hause möchte ich nicht all zu euphorisch wirken. Joana würde mir wieder ein paar Standpauken halten. Nach einer kleine Runde, würde ich mich etwas abkühlen und sogar ein bisschen verbraucht wirken. So nach der Methode von Beamten: „Ich hatte heute Stress.“

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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