Fortsetzung Der Saisonkoch – Frühjahr


Elena, die Frau vom Chef, kommt mit Simon, dem Sohn in die Küche. Sie möchten das Personalessen in die Bar mitnehmen. Dort ist wahrscheinlich vorübergehend, der Personalspeiseraum. Es könnte natürlich auch sein, die Lösung ist für die Dauer so vorgesehen. Das gibt reichlich Arbeitsweg. Die Bar ist mit einem separaten Eingang von Außen erreichbar. Von Innen, weiß ich den Weg noch nicht.

„Wie komme ich in die Bar?“

„Komm mit.“

Ich folge den Zweien. Zuerst gehen wir durch unser Restaurant mit Separee, dann durch die Pizzeria – auch mit Separee , dann an den Toiletten vorbei in die Bar. Ich stelle mir gerade vor, irgend eine Restauration davon hat schon geöffnet.

„Können wir das Personalessen nicht im Separee unseres Restaurants servieren?“

In diesem Zimmer ist sogar ein Platz für ein Buffet vorgesehen. Auch die Elektroanschlüsse. Elena klopft sich auf die Stirn.

„Mein Gott, Das habe ich noch gar nicht bemerkt.“

„Ich glaube, später werden sich die Gäste dort hin setzen, wo sie einen Platz finden.“

Trennen lässt sich das bei den Gästen nur mit verschlossenen Türen. Und das wäre vielleicht etwas unproduktiv. Ich kann das nur vermuten. Wer kann sich einen Türsteher leisten, der die Pforten aufreißt, wenn sich ein Bus oder größere Menschenmenge nähert. Gerade unsere Italienischen Freunde reisen in größeren Gruppen. Einer von ihnen wird in das Restaurant geschickt. Wenn der keinen Platz sieht, geht die ganze Gruppe. Ehe Hannes aus dem Büro kommt, ist die Gruppe bereits im Schnalser Tunnel.

Im Grunde sind das alles nur Schwierigkeiten, die bei Neueröffnungen vorkommen. Mit etwas Routine sind die schnell vergessen. Trotzdem scheint mir, sind bestimmte Gäste ziemlich nachtragend in der Beziehung. Die kommen deswegen nicht wieder. Gepaart mit dem schlechten Ruf des wirklich schönen Objektes, ist das kein guter Beginn.

Gabriel kommt in die Küche. Ein aufgeweckter, freundlicher Mann mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

„Morgen ist unsere erste Disco. Was kochst du den jungen Leuten?“

Mit der Frage bin ich etwas überfordert.

„Ich bin sicher nur bis neun Uhr da. Habt ihr zu der Zeit schon Gäste?“

„Die kommen viel später, schätze ich.“

„Wir waren doch schon bei dir in der Disco. Habt ihr eine Küche oder einen Raum, in dem ihr Speisen zubereiten könnt? Du hast mir den nicht gezeigt.“

„Ein kleiner Raum wäre schon da.“

„Kannst du in dem warm kochen? Gibt es eine Zu – und Abluft?“

„Meines Wissens, nicht.“

„Biete doch den jungen Leuten Würstel und belegte Brote an.“

„Das klingt gut.“

„Später kann man dann auch Suppen und Salate mit anbieten.“

„Ich überlege mir das noch.“

„Zur Eröffnung kann ich dir mit deiner Hilfe, ein paar Sandwichs machen.“

„Deswegen bin ich bei dir.“

Gabriel braucht ziemlich lange, um auf den Punkt zu kommen. Eine gute Südtiroler Gewohnheit. In Sachsen bezeichnen wir diese Taktik als Weichklopfen. Günstig eingesetzt, erzwingt das bei Zeitmangel eine Zusage.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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