Fortsetzung Der Saisonkoch – Sommersaison


Ich bin mir in der Branche sehr wohl bewusst, für den Gast alles tun zu wollen, was einen Gastgeber auszeichnet. Das Ganze hat aber Grenzen. Die Grenzen des gewerblichen Tuns. Wir werden für eine Dienstleistung bezahlt, die im Rahmen von Gesetzen statt findet. Die Gesetze gelten sowohl für die Gewerbetreibenden als auch für deren Angestellte. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich selbst diese Regeln aufgebürdet hat. Ich gehe also davon aus, jeder Mensch dieser Gesellschaft ist mit den Gesetzen vertraut und damit, mehr oder weniger zufrieden. Gesetze sind das vorherrschende Diktat der jeweiligen Gesellschaft. Sobald die Gesetze vorliegen, akzeptiert und durchgesetzt werden, sprechen wir von einem gesellschaftlichen Diktat. Von einer Diktatur. Der Koch oder Angestellte lebt aber nicht nur in der gesetzlichen Diktatur sondern auch noch im Diktat seines Arbeitgebers. Doppelte Diktatur. Wäre er noch unglücklich verheiratet, käme die dritte Diktatur dazu. Die seines Hausdrachens. Genau diese drei Diktaturen scheinen sich untereinander schlecht zu verstehen. Ist der Koch zu lange auf Arbeit, wird ihm sein heimischer Diktator gehörig die Leviten lesen. Im Fall von Kindern im Haushalt, steigert das noch die nervliche Belastung. Eigentlich stehen jetzt die drei Diktatoren im Wettstreit darum, wer für den Sklave der angenehmste Diktator ist. Und dafür scheinen die Damen im Fall von Köchen, irgendwie die besseren Waffen zu haben. Wehe, der Gesetzgeber, der Unternehmer und der Hausdrachen sind weiblich. In dem Fall, hilft wirklich nur ein nächtlicher Unfall oder reichlich Alkohol.

Beim Verlassen des Hauses fällt mir gerade dieser Zusammenhang auf. Die Theke unseres Restaurants ist voll belegt. Vielleicht auch wegen Elena. Elena hat ihr Geschirr gut ausgelegt in einem zu kleinen Brusthalter. Mit dieser Auslage, kann man bisweilen auch die Gläser halbvoll befüllen. Einem Gastwirt oder Baristen, würde das so nicht gelingen. Sie grüßt auffällig laut beim Abschied. Alle, vor dem Tresen, drehen sich um. Sie wollen den neuen Koch sehen. Schließlich muss die örtliche Nachrichtenagentur arbeiten. Morgen weiß das schon der Friseur und auch der Kollege.

Auf dem Parkplatz vor dem Haus sammelt sich die Jugend. Disco ist angesagt. Selbst die Gemeindepolizei ist zugegen. Man grüßt freundlich.

„Ah. Der neue Koch.“

Für mein Motorrad muss ich mir einen anderen Platz suchen. Wir haben ja eigentlich eine Tiefgarage. Der Hof hinter dem Haus wäre auch passend. Mir ist das bei der Jugend etwas zu gefährlich. Ich kenne den Südtiroler Überschwang. Der verleitet mitunter zu tollkühnen Taten. Und wem soll ich die sonst zutrauen als jungen Leuten? Hierzulande gibt es reichlich Erwachsene, die das den Jungen vorführen.

Auf der kurzen Heimfahrt begegne ich reichlich jungen Leuten im Auto. Die neu eröffnete Disco scheint der Renner zu werden. Die Lage ist auch außerordentlich günstig. Kein Anwohner wird gestört. Die Wege sind kurz. In der DDR würde vielleicht ein kleiner Pendelverkehr eingerichtet. Aber das kommt hier sicher auch.

Joana freut sich bei meiner Ankunft. Obwohl ein wirkliches Treffen zwischen uns, nahezu unmöglich ist. Gastronomie. Dafür gibt es keine Entschädigung. Wir haben aber Gott sei Dank, reichlich Stellen für heimliche Gebete. In Einsamkeit. Viele dieser Stellen sind auch mit Spendenbüchsen gesegnet. Für wen?

Der erste Tag treibt mich schnell ins Bett. Die kurze Dusche muss reichen. Joana legt mir schon meine neue Arbeitskleidung zurecht.

„Hast du schon über den Lohn verhandelt?“

„Ja. Es gibt über Zweitausend.“

„Das sind ja fünf Euro Fünfzig die Stunde. Das ist dein Rekord.“

„Netto!“

„Jaja.“

„Das sind 20 Cent mehr Stundenlohn als in der DDR. Immerhin.“

„Aber, in der DDR bist du nach der Arbeit, Tischtennis spielen gegangen.“

„Das können wir gern noch tun jetzt.“

„Ich muss in fünf Stunden raus.“

„Dann; Gute Nacht.“

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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