Fortsetzung Der Saisonkoch – Sommersaison


Am Morgen frühstücken wir zusammen. Danach kann ich mich noch eine Stunde hin legen. Zum Einschlafen lege ich mir einen Film ein. Mir geht zu viel durch den Kopf.

Um diese Zeit hat Joana normal das Glück, auf wenig Verkehr zu treffen. Heute könnte das etwas anders sein. An Wochenenden beginnt der Rückreiseverkehr recht zeitig. Natürlich kostenfrei über die Vinschger Straße und den Reschen. Dafür stehen wir auch gern im Stau und riskieren einen Unfall. Für was zahlen wir Versicherung?

Zu der Zeit, zu der ich fahre, steht bereits das gesamte Vinschgau. In alle zwei Richtungen. Ich überlege, ob der Weg durch die Obstplantagen günstiger wäre. Ich bin aber sicher nicht der Einzige, dem dieser Gedanke kommt. Ich versuche es auf der Hauptstraße. Mit dem Motorrad wird mir das schon gelingen.

An der Hauptstraße angekommen, sehe ich schon die ersten Frühstücksbeutel an unseren Straßenrändern liegen. Bei dem Anblick frage ich mich oft, ob es nicht günstiger wäre, den Leuten einfach ein Päckchen Kekse mit zu geben. Der Rest liegt eh am Straßenrand. Schade. Bei dem Verkehr trauen sich nicht mal unsere Köter an die Beutel. Die jedenfalls, scheinen zu wissen: Für ein billiges Essen riskiere ich nicht mein Leben. Durch den Tunnel kann ich heute nicht fahren. Ich versuche den Umweg durch Naturns. Oft geht mir durch den Kopf, wie hier früher der Verkehr stand. Kein Anwohner traute sich über die Straße. Es gab viel Verletzte und Tote. Heute steht in dem Ort auch Alles. Das gleiche Bild trotz Umgehung. Ich muss ankommen. Was bleibt mir übrig? Ich nutze den Fußweg. In allen Straßen und Seitengassen stehen Autos. Die Mehrzahl mit ausländischem Kennzeichen. Zum Glück ist heute Samstag. Samstags ist das Mittagsgeschäft nicht so hart wie sonntags.

Ich stelle mir gerade vor, in einem Haus brennt es. Die Feuerwehr käme nicht einen Schritt vorwärts. Das ist kein Zustand. Das ist eine Katastrophe. Wann wird endlich eine Maut für den Transit verlangt? Die Leute müssen weg von dieser Straße. Zu einer touristischen Erschließung gehört ein Gesamtkonzept. In kapitalistischen Ländern gibt es das nicht. Der Markt regelt Alles, sagt man entschuldigend. Ich sehe keinen Markt. Und schon gar keine Regeln, die eingehalten werden. Anarchie und Bußgeld. Gehirn? Fehlanzeige.

Der Parkplatz vorm Restaurant ist ziemlich belegt. Die Türen sind alle verschlossen. Ich fahre an die Hinterseite. Walter ist schon wieder beim Aufräumen.

Der Hof steht voller Flaschen und Dosen.

„Die Jugend bringt sich Alles von zu Hause mit“, stöhnt er.

„Bei den Preisen, verstehe ich das.“

Wir schauen gerade auf die Werbung für einen Drink.

9,90 Euro.

„Eine Runde unter Freunden kostet einen Monatsgehalt.“

Walter lacht.

„Für die Miete braucht es vierhundert von denen“, füge ich hinzu. Walter scheint das Lachen nicht zu vergehen.

„So ein Haus ist teuer.“

Das kann ich nicht beurteilen. Wir haben hier kein Haus in der Größe.

„Der Unterhalt sind Kosten. Kannst du die nicht absetzen?“

Er kann es sicher. Ich will jetzt nicht mit ihm darüber diskutieren.

„Ich muss das Essen vorbereiten.“

„Was kochst du heute?“

„Ich habe noch ein paar Koteletts.“

„Dann komme ich auch mal schauen.“

Ich bin mir sicher, er kommt nicht. Irgendwie scheint das Verhältnis zwischen Hannes und ihm etwas angespannt. Ich kenne den Grund nicht. Wie ich unsere Gastgeber kenne, kann es sich nur um Geld handeln. Vielleicht ist Hannes im Rückstand. Und das, am Eröffnungswochenende.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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