Fortsetzung Der Saisonkoch – Sommersaison – Frühjahr


Joana wartet auf mich. Sie ist wach.

„Wie ist die Arbeit?“

„Recht gut. Sie geben mir Zwei Acht. Fünfhundert sind für den Weg.“

„Das brauchst du auch. Tank, Reifen und Durchsichten.“

„Das habe ich Florian auch so gesagt. Wie geht es bei dir?“

„Ich muss mir langsam eine andere Firma suchen.“

„Das glaub ich schon. Du hast schon wieder zehn Kilo verloren.“

„Nur Fünf.“

„Aber dein Hintern hängt schon in der Kniekehle.“

Joana lacht.

„Und zieht der Arsch auch Falten, wir bleiben doch die Alten.“

Die Nacht ist schnell vorbei. Immer, wenn ich in einem neuen Betrieb anfange, bin ich die ersten Tage ziemlich ausgelaugt. Eine Kollegin sagte mir mal, das läge an zu viel Input. Soll der Mensch erst mal erraten, was damit gemeint ist. Ich kann das selbst bei einem Computer nicht erklären. Wie soll ich das ins Leben übersetzen. Sagen wir einfach dazu, in den ersten Tagen ist viel zu lernen und zu beachten. Bei mir wird das in diesem Jahr langsam zur Routine. Einige Arbeitgeber erschrecken wegen der Gradlinigkeit, die sich daraus ergibt. Eigentlich ist das ein Vorteil. Es erspart uns zu viele Umwege. Der lästigste Umweg entfällt. Das Lecken des Hinterteils des Chefs.

Am kommenden Morgen darf ich den Vinschger Lastverkehr in vollen Zügen genießen. Selbst in den Tunnels herrscht schwerer Nebel. Man könnte schon fast dazu neigen, Aufblendlicht und Nebelscheinwerfer zu aktivieren. Auf dem Zweirad ist das etwas komplizierter. Wir haben kein Nebellicht. Außerdem schlucken wir die volle Dosis an Abgasen. Das führt nicht selten, tagsüber, zu nachhaltigen Kopfschmerzen. In einem langem Tunnel am Iseosee, haben mich einmal Carabinieri mit Blaulicht auf der Gegenspur, an so einer Lastwagenkarawane vorbei geführt. Bergauf. Sie fuhren in der Schlange. Beim Passieren ihres Autos, haben sie Blaulicht gezeigt. Ich dachte, jetzt bist du fällig. Ein Irrtum, wie sich dann heraus stellte. Das erinnerte mich streng an Filme, in denen Opfer im Auto mit Abgasen ermordet werden. Das Gefühl bekommt ein Zweiradfahrer in diesen Tunnels. Einige der Tunnels gleichen einem Ofenrohr, das zum Schornstein führt.

In dem Fall, ist es vielleicht angebracht, den Tunnel recht zügig zu passieren. Leider spielen da nicht Alle mit. Die typischen Strichfahrer sind angesagt. Auch auf der Gegenspur lassen sich Manche dazu verleiten, direkt auf den Zweiradfahrer zu zuhalten. Neid und pure Dummheit darf auch hierzulande, Auto fahren. Von roten Nasen und gelben Augen mal abgesehen. Wehe, denen schmerzt der Kopf. Da saufen sie zwei Liter vom Sauersten, den der Keller zu bieten hat. Auf Ex. Ich frage mich manchmal, warum sich die Kamikaze – Fahrer nicht an irgendeine Front begeben, an der sie massenhaft Menschen umlegen können. Ganz legal. Dort bekommen die auch kostenlos zu Saufen und zu Kiffen. Die Hinterbliebenen jeden Alters, dürfen sie dort auch ficken. Zu Hause wird ihnen dafür sicher kein Prozess gemacht. Im Gegenteil. Die Chance wächst, mit einem Denkmal oder gar den Nobelpreis geehrt zu werden. Zu Hause ist das ein einfacher Mordversuch. Ich filme das schon seit geraumer Zeit. Eigentlich fahre ich immer mit Knieschützern. Ein tausend Euro teurer Seitenspiegel wäre mir schon Genugtuung. In vielen Fällen, ist der Seitenspiegel das Teuerste am Auto.

Kaum bin ich da, treffe ich Konrad, meinen Kollegen. Ich denke, er will seine Unterlagen holen. Nein. Er hat über reagiert und will zurück kommen. Wahrscheinlich ist ihm bewusst geworden, wie schwierig eine Arbeitsplatzsuche ist. Vielleicht hat er auch etwas Mietdruck oder eine Frau, die im nächsten Cafe gern sein volles Konto verwaltet.

Florian fragt mich, ob ich bei ihm Zweiter Koch sein möchte.

„Gerne. Das hat nur einen Nachteil. Slavko ist der Zweite.“

„Dann haben wir eben zwei Zweite Köche.“

„Ich bezweifle, dass das gut geht.“

Eigentlich nicht. In vielen Küchen gibt es zwei Erste oder zwei Zweite Köche. Das drückt eben etwas auf das Portemonnaie des Wirtes. Mir wäre das egal.

„Das schaffst du für Zwei Acht pro Monat?“, frage ich nach.

„Für das Geld kann ich das nicht.“

„Dann will ich Eins Acht plus Fünfhundert – Weg.“

Und schon wären wir bei dem Gehalt von Leo.

„Ich muss mir das überlegen. Du hörst von mir.“

Den letzten Satz habe ich schon sehr oft gehört bei uns. In Amtsdeutsch übersetzt, heißt das, die Probezeit nicht bestanden.

Die Suche geht weiter. Ich könnte jetzt eigentlich Gottes gläubig werden. Weil ich noch keine Klamotten und Werkzeuge mitgenommen habe. Ich müsste jetzt schon überlegen, wo ich überall meine Sachen suchen kann. Ich hätte wochenlang zu tun, die wieder zusammen zu suchen. Denn im heiligen Land der Südtiroler wird fleißig geklaut. Die stille Eigentumsübertragung gehört hier zur Grundnorm.

Also, weiter suchen. Es gibt noch Firmen in meinem Register, die mir geantwortet hatten. Trotzdem rufe ich sicherheitshalber den Rudi an. Rudi ist ein Arbeitsvermitteler aus Brixen.

„Ich suche schon wieder. Gib mir mal bitte Bescheid.“

Auf dem Amt kann ich mich noch eintragen lassen. Der Gang macht mir immer besonders viel Mühe. Dort wird mir mit Schulungen gedroht oder gar mit Umschulungen. Zu was wollen die einen gelernten Gärtner, Gleisbauer, Bergmann und Meisterkoch umschulen? Zu einem Bettler? Ich bin der festen Überzeugung, die beherrschen ihren Beruf nicht annähernd so gut, wie ich einen meiner Berufe.

Die Umschulungen sind also Alibiveranstaltungen. Damit soll die Arbeitslosenstatistik verschönert werden. Komisch. Als ich nach fragte, ob sie mir einen Sprachkurs für Italienisch anbieten können, donnerten gleich die Rechnungsbeträge über den Schreibtisch. Der Arbeitslose soll einen kostenpflichtigen Sprachkurs belegen. Dann kann ich mir ja meine Arbeit gleich kaufen gehen. So, nach der Devise: Biete für acht Tausend Euro einen Arbeitsplatz als Apfelpflücker.

Wenn sich daran nichts ändert, wird es sicher nicht lange dauern und die Saisonkräfte reisen in Caravans an. Das bekommen die Südtiroler von einigen Vorbildern bereits vorgeführt. Ich bin mir sicher, das gefällt einigen Vertretern hier.

Beachten Sie bitte: Ich baue gerade meine Seite:

http://www.dersaisonkoch.com/serendipity/

um auf WordPress. Jetzt könnte ich eigentlich etwas Hilfe gebrauchen. Ich suche mir das im Netz zusammen. Profis reden oft mit ihrer Maschine. Sicher nicht mit Anwendern und Amateuren.

Geburtstag


Die Südtiroler Arbeiterpresse

Die DDR hat heute ihren Geburtstag und natürlich der Präsident der Russischen Förderation, Wladimir Putin.

Beiden gratulieren wir heute herzlichst.

Wir in der DDR mussten unsere Fahne nicht so oft anschauen, wie die der USFaschisten oder der EUFaschisten. Arbeiter haben dazu auch wenig Zeit. Wenn uns der Erich oder der Walter besucht haben, wurden im Betrieb eilig ein paar Papierfahnen an Schaschlikstäben verteilt. Die haben die drei Schwenkungen locker durchgehalten. Dann war Schluss. Bei den EU- und US – Faschisten ist das bissl anders. Die nähen ihre Dreckslappen sogar an unsere Kochjacken und schwingen in nahezu jedem Film dieses Utensil. Krank! Die Fahnen der Arbeiter, dazu zählen auch Bauern, werden in dieser Diktatur verboten. Auch krank. Wir möchten mit unseren Fahnen nur daran erinnern, von wessen Arbeit dieses strotzfaule, großmäulge Gesindel lebt. 

Dagegen empfinde ich es schon fast als Konzerterlebnis, die DDR-, die Russische-, die Südtiroler- oder die italienische Hymne zu hören. Dazu höre ich auch gern die Hymnen unserer sozialistischen Brudervölker. Und von denen werden es täglich mehr. Das ist echter Klimawandel!

Der Ossi gibt uns heute eine Feiertagsgeschichte

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