Fortsetzung Der Saisonkoch -Sommersaison


In den Emails steht, deutsche Motoristi wollen mich zu einem Giro einladen. Mit denen bin ich schon einmal gefahren. Beim letzten Mal waren Typen dabei, die ich als Beamte erkannte. Die hatten Etwas gegen einen DDR Führer. Das brachten die auch unverhohlen zum Ausdruck. Sie versuchten, mich mit ihren Propagandakram zur Weißglut zu reizen. Ihnen hat nicht geschmeckt, als ich ihnen erklärte, sie leben von dem Geld, welches sie uns geklaut haben. Einer war dabei, der sich glatt als Ostdeutscher ausgab. Und das mit schwäbischem Dialekt.

Geld für die Führung haben sie keins bezahlt. Kaffee von mir nahmen sie gern. Ausgeben wollten sie keinen. Meine Führungen, die ich stets gemütlich angehe, fanden sie zu langsam. Sie wollten Rammeln. Dabei sollte ich ihnen wahrscheinlich beibringen, wie wir hierzulande die Kurven anfahren. Sie selbst, konnten das nicht, wenn ich ihnen nachschaute.

Das können die doch auch in ihren Gewerbegebieten und auf ihren Autobahnen zu Hause üben. Wenn ihnen der Ausblick nichts bringt, was wollen die dann hier? Auf alle Fälle, haben sie mich mit typisch westdeutschen Gewohnheiten gelangweilt. Bevor wir ein Restaurant betraten, standen die tatsächlich eine halbe Stunde davor und studierten deren Speisekarte. Die fanden tatsächlich einen Preisunterschied bei Nudeln. Nur den an der Tankstelle, den fanden sie nicht. Ich sollte ihnen wahrscheinlich jene Tankstellen zeigen, die ich bevorzuge. Auf alle Fälle, war mit Denen kein Gespräch möglich. Ich existierte für die nicht. Mit Denen wollte ich natürlich keine Giro drehen. Und das schrieb ich zurück.

Der Morgen war entsprechend klebrig. Schon das Aufsteigen auf das Moto fiel mir schwerer als sonst. Irgendwie kommt es mir auch ziemlich frisch vor. Bei den Temperaturen muss ich etwas langsamer fahren.

Die kalte Luft scheint wirklich jeden offenen Schlitz zu finden. Der Betrieb auf der Autobahn ist heute erträglich. Ich könnte fast spazierend fahren. Die Luft ist gut. Eigentlich eine Seltenheit auf dieser Autobahn.

Der zweite Tag ist recht zügig vorbei. Bei einem Gespräch erkläre ich Nicolo, er solle lieber in mobile Geräte investieren. Nicolo muss lachen.

„Die Geräte hier sind nicht meine. Ich investiere nur in mobile Geräte.“

Das freut mich ungemein. Endlich treffe ich einen Kollegen, der sein Handwerk versteht. Nicolo zahlt mich wieder aus. Ich frage nach einer Prämie. Er zückt noch ein Scheinchen. Das reicht wenigstens für den vollen Tank.

„Wenn du mich wieder brauchst, rufe an.“

Bei mir liegen zwei Bewerbungen an. Eine ist in Brixen und die andere wieder im Eggental. Nach Brixen nutze ich gleich die Landstraße. Um diese Zeit rechne ich mit wenig Verkehr. Das stellt sich schnell als Irrtum heraus. Allein auf diesem Abschnitt von keinen zwanzig Kilometern, treffe ich auf drei Baustellen. Vor jeder Ampel steht ein Stau. Natürlich fahre ich immer bis an die Ampel, um dort wenigstens der Erste zu sein, der durch die Baustelle kommt. Ein Deutsches Auto fährt vor mir Links raus. Er will mir den Weg versperren. Zum Glück sind im Gegenverkehr zwei Lastwagen mit Steinen. Die müssen sicher zu den Baustellen. Und schon zuckt der Deutsche schnell zurück. Er hat sogar etwas Glück dabei. Ein Landsmann wollte die Lücke gleich schließen. Jetzt entsteht durch diesen klugen Autokutscher ein Stau, der sich gewaschen hat. Er muss rückwärts in seine Reihe zurück. Das wird zum Problem. Seine Vorderfrot versperrt dem Kipper den Weg. Bei der Gelegenheit frage ich mich oft, was diese Ochsen treibt in ihrem Urlaub. Sicher ein IQ von weit unter Vierzig. Die Leute hätten in der DDR nicht mal die Hilfsschule abgeschlossen. Und das, bei unseren wirklich gut geschulten Lehrern. Dem Inhalt des Autos nach zu urteilen, arbeitet dieser Kutscher in einem kirchlichen Altenheim. Der Kasten hängt voller Kreuze und Utensilien, die in solchen Einrichtungen zu Hauf benutzt werden. Komisch finde ich die Größe des Autos. Offensichtlich ist das an den Bewohnern dieser Einrichtung eingespart worden. Da soll Einer sagen, an unseren Senioren wäre kein Geld zu verdienen. Verdienen ist vielleicht der falsche Ausdruck.

Marmolada

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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