Begraben im Weiher


„Welche Kollegen sind verheiratet?“

„Zwei.“

„Die anderen Kollegen haben eine Freundin?“

„Das schätze ich mal. Obwohl. Bei Andreas bin ich mir nicht sicher.“

„Wieso?“

„Andreas ist von der anderen Straßenseite.“

„Ach so.“

„Also bleibt ein Kollege. Wo finde ich den?“

„Bei uns in der Garage.“

„Wie heißt er? Sag ihm bitte Bescheid. Ich komme sofort vorbei.“

„Er heißt Jonas. Ich gebe ihm Bescheid.“

Toni fährt sofort los. In ein paar Minuten ist er beim Weißen Kreuz auf der Meraner Straße in der Garage. Die Jungs wirken etwas hektisch. Ein Notruf ist eingegangen.

„Jonas?“, ruft Toni.

Ein recht junger Mann kommt gelaufen.

„Jonas. Ich muss gleich los. Was gibt es?“

„Hast du eine Freundin namens Sibyla?“

„Nein. Die wohnt bei Andreas. Sibyla ist seine Braut.“

„Dann entschuldige meine Nachfrage. Schönen Tag noch. Ah, wo wohnt Andreas? Ist der hier?“

„Andreas ist im Büro. Er rechnet gerade seine Kilometer ab.“

„Danke.“

Im Büro ist es relativ ruhig. Es riecht nach Kaffee.

Hinter der zweiten Tür findet Toni, Andreas. Der ist etwas überrascht. Seine Kollegen haben ihm schon gesagt, wer ihn sucht.

„Was gibt es so Wichtiges?“

„Ich heiße Toni. Ich ermittle in einem Todesfall. Dafür muss ich mit Sibyla sprechen.“

„Sibyla ist zu Hause.“

„Wo wohnst du? Kannst du mitkommen?“

„Mitkommen kann ich nicht. Ich bin in Bereitschaft. Du musst zum Greitenweg. Ich rufe Sibyla an. Sie steht vor dem Haus und wartet auf dich.“

Vom Weißen Kreuz am Busbahnhof in Lana ist es nicht weit zum Greitenweg. Andreas hat wirklich einen kurzen Arbeitsweg. Beneidenswert, findet Toni.

Toni nimmt die Abkürzung. Er muss ein paar Meter über den Bürgersteig fahren. Zwei Touristen protestieren lautstark.

„Was fällt ihnen ein?!“

„Das ist ein Notfall.“

Toni will sich nicht in ein Wortgefecht mit den Touristen einlassen. Die glauben wahrscheinlich, sie hätten Lana gekauft.

Kurz darauf trifft Toni auf Sibyla. Die winkt ziemlich auffällig. Eigentlich muss sie nicht unbedingt winken. Toni erkennt sie auch so. Sie ist ziemlich knapp bekleidet. Bei der Figur, findet Toni das sogar schön.

„Ich bin Toni und ermittle im Todesfall von Ema.“

„Ema ist tot?“

Sibyla bricht in Tränen aus.

„Folgen sie mir bitte.“

Die Zwei gehen ins Haus. Sibyla wäscht sich schnell das Gesicht.

Die Wohnung sieht recht gemütlich aus. Vielleicht etwas verspielt.

„Mir wurde gesagt, sie betreiben eine Stellenvermittlung für Zimmermädchen.“

„Ja.“

„Sie sind selbst auch Zimmermädchen?“

„Das macht mir die Vermittlung einfacher. Ich kenne viele Betriebe persönlich.“

„Seit wann kennen sie Ema?“

„Wir sind zusammen mit Danka aus Hronec gekommen.“

„Können sie mir etwas über Ema und Danka erzählen?“

„Unser Heimatort ist auch ein Tourismusgebiet. Wir haben Winter- und Sommersaison. Trotzdem verdienten wir zu wenig. Deswegen sind wir von dort gegangen.“

„Gleich nach Südtirol?“

„Nein. Wir arbeiten auch in Österreich.“

„Wo gefällt es Ihnen mehr?“

„In Österreich.“

„Warum sind sie dann hier?“

„Hier ist die Sommersaison etwas länger.“

„Also pendeln sie zwischen Österreich im Winter und Südtirol im Sommer.“

„Genau.“

„Sind sie auch zusammen ausgegangen hier?“

„Schon auch. Nicht zu oft.“

„Wo?“

„Hier in Lana, in Marling und auch in Rabland.“

„Haben sie hier Anschluss gefunden?“

„Ja. Andreas ist mein Anschluss.“

„Und ihre Freundinnen?“

„Bis jetzt hatten sie weniger Glück.“

„Aber, sie sind doch wirklich schöne Menschen.“

„Das Aussehen allein, scheint nicht zu wichtig.“

„Verstehe. Ihnen wird wahrscheinlich eine gewisse Leichtigkeit unterstellt.“

„Dessen dürfen sie sich sicher sein. Es wird extrem viel gelogen.“

„Was haben sie gelernt?“

„Technische Zeichnerin.“

„Und da bekommen Sie bei uns keine Arbeit?“

„Ich bin Ausländerin und dumm. Meine Ausbildung zählt hier nicht.“

„Alles klar.“

„Die Arbeitsvermittlung betreiben sie nebenbei?“

„Ja. Ich arbeite auch noch als Zimmermädchen. Das Trinkgeld ist mir wichtig.“

„Werden ihnen außer der Reinigung noch andere Verdienstmöglichkeiten angeboten?“

„Man legt uns manchmal etwas mehr Geld aufs Bett.“

„Sozusagen, als Anspielung?“

„Ja. Das funktioniert so.“

„Ist das oft?“

„Ziemlich oft. Es sind immer die Gleichen.“

„Möchten sie alle hier bleiben?“

„Wir suchen hier oder in Österreich einen Mann. Dann können wir hier bleiben.“

„Gut. Ich melde mich wieder wenn die ersten Ergebnisse aus dem Labor eintreffen. Wir haben dann öfter zusammen zu tun.“

„Gerne. Das muss unbedingt aufgeklärt werden. Ich setze mich mit der Familie von Ema in Verbindung. Es sind unsere Nachbarn.“

„Vielleicht kann die Familie zu uns kommen.“

„Ich denke schon, sie kommen.“

„Wir müssen sie noch fragen, ob sie Ema identifizieren können. Das hat zwar Danka schon getan, aber uns ist ihre Meinung wichtig.“

„Ich komme morgen vorbei.“

Toni nimmt die Befragungen alle mit dem Handy auf. Die Aufnahmen gibt er Monika. Monika sammelt sie alle und wertet sie aus. Manche Aufnahmen hört sich Monika zwanzig Mal und öfter an. Sie findet auf diese Art versteckte Hinweise.

Toni meldet seine Erkenntnisse Marco. Marco gibt sie gleich an Donato in Rabland weiter. Donato fallen ein paar Widersprüche auf. Die teilt er sofort Toni mit. Die Frauen haben nicht Alles erzählt. Es gibt Geheimnisse.

Donato erwartet morgen die Identifizierung durch Sibyla. Er möchte Sibyla allein dabei haben. Ohne Danka und Andreas.

Danach soll Andreas, Ema identifizieren. Andreas kennt Ema auch. Donato hat die Familie Emas bestellt. Sie werden von den Carabinieri bei sich zu Hause abgeholt. Die slowakischen Kollegen haben das genehmigt.

Der Abend bringt Toni und Monika zu Doris. Man geht heute Abend Pizza essen. Toni möchte Doris noch ein paar Fragen stellen. Es geht um Tanzabende. Toni vermutet, Ema war bei Doris zum Tanzabend. Der Beweis dafür kommt sicher noch aus dem Labor.

Bei Doris angekommen, zeigt Toni das Foto von Ema.

„Die jungen Frauen kommen immer zu Dritt oder zu Viert zu uns.“

„Haben sie immer Partner, wenn sie gehen?“

„Ein paar junge Männer sind oft dabei. Es scheinen Landsleute zu sein.“

„Gehen sie zusammen nach Hause?“

„Das weiß ich nicht genau. Die Frauen sind oft bis zum Schluss da. Die jungen Männer scheinen eher zu gehen.“

Monika macht sich ihre Gedanken.

„Sitzen auch Einheimische bei den Frauen? Oder tanzt ein Einheimischer mit ihnen?“

„Die Frauen sind beliebt. Ein paar junge Männer von uns tanzen gern mit ihnen.“

„Was ist mit Herbert?“

„Du meinst unseren Eintänzer?“

„Ja.“

„Naja. Du weißt schon. Herbert lässt keine Dame aus.“

„Haben die Frauen gern mit ihm getanzt?“

„Zu gern. Herbert tanzt eben zu gut. Und das gefällt den Frauen.“

„Und was ist mit Luis?“

„Du meinst den Fischzüchter? Luis ist immer eifersüchtig auf Herbert.“

„Ich dachte eher, die machen immer gemeinsame Sache.“

„Den Eindruck könnte man bekommen.“ Doris lacht. Luis hat ihr schon auch oft genug den Hintern begrapscht.“

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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