Fortsetzung Begraben im Weiher


Marco hält sich jetzt an Radim.

„Radim. Hat Ema sie zufälliger Weise angerufen, wo sie ist?“

„Soviel ich weiß, schläft sie gerade in einem Hotel, in dem sie putzt.“

„Sie hat dort ein Personalzimmer?“

„Ja.“

„Wissen sie den Name des Hotels?“

„Gutmut. Sie müsste dort sein.“

Marco ruft gleich Donato an. Er soll mal ins Hotel Gutmut fahren und nach Ema fragen. Donato bricht sofort auf. Das lässt er sich nicht zwei Mal sagen.

Toni kommt mit seinen Frauen vom Frühstück zurück. Die Autos haben sie mit poliert.

„Das macht drei Euro“, sagt er zu Marco.

„Naja. Das könntest du dann immer für mich machen. Du bist preiswerter als meine Frau.“

„Ach nein. Veronika trinkt wohl immer zwei Gespritzte dazu?“

„Vergeß Matteo nicht. Der bekommt immer einen Eisbecher bei Cesare.“

„Gut, das ich das erfahre. Macht sechs Euro.“

„Hier sind zehn. Der Rest ist für Monika, die sicher die Autos geputzt hat.“

„Woher weißt du das?“

„Ich habe die Fingerabdrücke genommen.“

„Du Schnüffler.“

Eigentlich gibt es nichts zu lachen. Radim hält seine Mama in den Armen. Der Papa sitzt ganz ruhig auf dem Gästesofa. Er macht den Eindruck eines abgeklärten Mannes, der schon sehr viel erlebt hat.

Toni geht zu ihm.

„Ich habe den Mädchen immer gesagt, sie sollen nicht in den Westen auf den Strich gehen.“

„Wieso Strich? Die haben doch hier gearbeitet.“

„Ist das etwa kein Strich?“

Toni spürt sofort, hier ist wenig zu machen.

„Sie hätten bei uns auf dem Bauernhof ein besseres Leben als hier.“

„Das glaube ich gern“, antwortet Toni. Ihm gefällt das ländliche Leben auch bedeutend mehr als die Hektik in den Städten.

„Wir haben heute Internet und viele Möglichkeiten, unsere ländlichen Produkte direkt zu verkaufen. Wie früher in der CSSR. Da gab es keine Not.“

„Warum sind die Mädchen weg gegangen?“

„Die haben sich von ihren Freunden breit schlagen lassen. Die kamen mit neuen Autos, schicken Klamotten und vielen Geschichten.“

„Aber das hat auch ein paar Vorteile. In den anderen Gebieten können sie Ideen für zu Hause sammeln.“

„Sicher. Wenn es die richtigen Ideen sind.“

„Wie viel Geld hat Ema nach Hause geschickt?“

„So um die tausend Euro jeden Monat.“

„Schickt sie immer noch Geld?“

„Ja. Regelmäßig. Mitte des Monats.“

„Es fehlen keine Überweisungen?“

„Nur, wenn sie nach Hause kommt. Das ist sehr teuer. Überall wird kassiert.“

„Es gibt ja Pendler, die das als Linienverkehr fahren.“

„Ja sicher. Die fahren nicht bis zu uns. Die Straßen sind auch unsicher geworden. Kein Vergleich zu früher.“

„Fährt sie immer allein nach Hause?“

„Oft mit ihrer Schwester. Die Zwei haben sich gut verstanden.“

„Wie viel Geld hat Iva geschickt?“

„Ähnlich viel wie Ema.“

„Also, auch tausend Euro?“

„Ja.“

„Die Frauen haben zusammen, jeden Monat, zwei Tausend Euro geschickt?“

„Ja. Auch mehr.“

„Sie haben sich nicht gefragt, wie sie das Geld verdient haben?“

„Schon. Es gibt bei uns bestimmte Zweifel.“

„Das haben sie aber niemals angesprochen?“

„Nicht direkt.“

„Wir gehen davon aus, die Frauen haben sich Etwas dazu verdient.“

„Wir auch.“

„Wir gehen davon aus, sie haben sich das nicht mit Arbeit dazu verdient.“

„Das sehe ich zwar etwas anders. Sex ist auch Arbeit. Vor allem, Sex ohne Liebe.“

„Haben sie die Vermutung, die Frauen sind dieser Tätigkeit nachgegangen?“

„Es könnte sein. Es kann aber auch ganz gewöhnliches Trinkgeld sein. Wir wissen es nicht. Ema hat immer gesagt, sie bekommt ein gutes Trinkgeld.“

Toni muss sich da mal bei Monika etwas schlau machen. Er kennt sich nicht aus auf dem Gebiet. Monika schon. Als Trinkgeld kann man Vieles bezeichnen. Toni sieht dort keinen Grund, zu ermitteln. Er möchte lediglich wissen, in welchem Umfeld sich die zwei Frauen bewegt haben.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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