Begraben im Weiher


Monika und Toni verabschieden sich von der Familie und von Marco. Sie möchten sofort ins Hotel Gutmut fahren. Ein paar Fragen wollen sie direkt den Hoteliers stellen. Vielleicht treffen sie auch gleich Ema.

Auf der Vinschger Straße in Rabland treffen sie zwei Autos der örtlichen Carabinieri. Die stehen gerade vor dem Gutmut Hotel. Ein paar schaulustige Touristen stehen mit offenem Mund am Hoteleingang und im Foyer. Fehlt eigentlich nur noch deren Finger im Nasenloch und eine heraushängende Zunge. Die Touristen stehen wie angewurzelt. Es stinkt fürchterlich nach billigem Parfüm und Schweiß im Foyer.

„Slalom ist angesagt. Halt dir die Nase zu“, sagt Toni zu Monika.

Die Touristen reagieren gar nicht, obwohl Toni das in normaler Lautstärke gesagt hat. Sie wirken wie gelähmt.

Donato steht mit seinen Kollegen vor der Rezeption. Die junge Rezeptionistin spricht Italienisch mit Donato. Ihm scheint das zu gefallen. Sein Kollege sieht Toni kommen und sagt:

„Sie gehen gerade zu Ema in ihr Zimmer. Die Rezeptionistin hat bei ihr angerufen.“

„Dann warten wir hier gleich mit. Im Foyer wird Monika freundlich begrüßt von einer Freundin. Die Zwei werden von ihr zum Kaffee eingeladen. Monika sagt nicht nein.

Kurze Zeit später kommen die Kollegen von Donato. Mit Ema.

„Wir sollen Sie diesem Mann übergeben“, sagt Donato zu Ema. Ema sieht nicht besonders traurig aus. Wahrscheinlich weiß sie noch gar Nichts vom Tod ihrer Schwester.

„Monika, mach du das bitte.“

„Ema?“

„Ja.“

„Ihre Familie ist bei den Carabinieri in Bozen. Ihre Schwester wurde tot aufgefunden.“

Ema scheint das relativ gefasst zu nehmen.

„Fahren wir gleich?“

„Wenn sie können, ja.“

„Ich muss mich nur umziehen. Kommen sie mit?“

Monika geht zusammen mit Ema in ihr Zimmer. Das Personalzimmer wirkt etwas abgelebt. Ema hat es sich mit ein paar Blumentöpfen verschönert. Das spärliche Licht in ihrem Zimmer wird die Blumen schnell eingehen lassen.

„Das ist ein schönes Zimmer. Es könnte nur etwas heller sein“, sagt Monika.

„Ich bin hier nur zum Schlafen.“

Monika fällt das Doppelbett auf.

„Schläft bei ihnen noch eine Kollegin mit im Zimmer?“

„Manchmal. Im Frühjahr und im Herbst. Zur Zeit ist wenig Betrieb.“

„Typisch Juni.“

„Es ist trotzdem viel Arbeit. Die Einheimischen sind im Urlaub.“

„Haben sie keinen Urlaub?“

„Zum Saisonende.“

Ema zieht sich ohne Scheu vor Monika um. Sie zieht sich Jeans mit einer recht luftigen Bluse an.

„Gefällt ihnen das?“

„Für die Polizei scheint mir das etwas zu offenherzig.“

Ema zieht ein Jäckchen darüber.

„Gut so?“

„Perfekt.“

Toni steht etwas gelangweilt an der Rezeption. Die zwei Frauen haben viel zu tun. Die Rezeption ist belagert von Touristen.

Toni fragt sich, wie die Frauen bei deren Fragen dabei so locker bleiben können. Die zwei Kaffee hat er bereits ausgetrunken. Als er Monika mit Ema zusammen sieht, freut er sich. Er hat eigentlich nicht damit gerechnet.

Die Drei fahren allein nach Bozen. Donato hat sich bereits zurück gezogen. Er wollte einen Aufruhr bei den Touristen vermeiden. Die sind ihm zu neugierig.

Kaum sind sie in Bozen am Polizeigebäude, erkennt Ema, Jozefa am Fenster.

„Ist mein Vater und Bruder mit da?“

„Ja.“

Mutter und Tochter begrüßen sich lächelnd. Toni registriert das.

„Trauer sehe ich keine“, sagt er zu Monika.

„Jeder trauert anders“, antwortet Monika etwas schnippisch. Sie streichelt Toni dabei über den Hinterkopf.

Radim küsst seine Schwester etwas intensiver als Mutter. Papa Ludvik gibt ihr nur die Hand und streichelt sie mit der anderen. Er scheint die Tränen zu unterdrücken.

Toni und Monika beobachten die Gesten ziemlich genau.

„Ich kann nichts Unnatürliches feststellen“, sagt Monika leise zu Toni. Die Zwei gehen derweil mit Marco etwas trinken.

„Sara hat die Protokolle schon fertig. Die kannst du dir dann mitnehmen.“

„Mir fällt so Nichts auf. Die Protokolle sind wichtig.“

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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