Begraben im Weiher


„Gehen die Familienmitglieder der einen Familie, mit Mitgliedern der anderen zusammen aus?“

„Ja. Henrich war mit Iva befreundet. Auch mit Ema.“

„War Henrich der Hahn im Korb?“

„Die anderen Frauen sind auch oft zu Henrich gegangen. Er ist eben der einzige Mann.“

„Der hat es gut“, stöhnt Toni.

Gita muss laut lachen.

„Neidisch? So gut ist das Henrich nicht bekommen.“

„Warum?“

„Wir waren manchmal etwas zickig untereinander. Und das haben wir an Henrich ausgelassen.“

„Also du hast auch mit Henrich…?“

„In der Not? Was soll ich tun?“

„Aber Sex habt ihr doch genug gehabt?“

„Ohne Liebe? Das ist Arbeit. Henrich ist unser Altar. Wir beichten bei ihm. Und er berät uns.“

„Sammelt Henrich auch das Geld ein?“

„Nein.“

„Das machen nur die Deutschen?“

„Und Sibyla. Manchmal auch Danka.“

„Ihr notiert euch aber, was ihr eingenommen habt?“

„Natürlich. Wir sagen das auch unseren Kolleginnen. Wir rechnen Alles zusammen und teilen es dann auf.“

„Ihr seid damit eine Genossenschaft.“

Jetzt lachen die Zwei zusammen.

„Besser kann man es nicht beschreiben.“

„Naja. Genossenschaften verdienen bei uns hier eine besondere Unterstützung. Wie sieht das aus mit den Familienmitgliedern der Hoteliers?“

„Das wären eigentlich jene, um die unsere Frauen balzen.“

„Und? Gibt es da Erfolge?“

„Bei dem einen und anderen Mädchen schon. Aber meist nicht fest und nachhaltig.“

„Geht es nur um die Chefs oder auch andere Familienmitglieder?“

„Am meisten werden die Söhne umworben.“

„Am meisten?“

„Ja. Mitunter auch die Töchter.“

„So vielfältig kann die Welt sein.“

„Was gut ist, kann nicht verboten sein.“

„Gibt es Eifersüchte?“

„Reichlich.“

„Auch Streit deswegen?“

„Nicht unter uns Frauen.“

„Ihr freut euch, wenn die Kollegin Erfolg hat.“

„Genau. Wir haben alle Etwas davon.“

Das Gespräch dauert noch lange. Es geht noch um Einzelheiten der Gastgeberfamilien. Auch um die eigenen Familien und deren Konkurrenz untereinander. Die interne Konkurrenz scheint die Taktik zu verbessern, mit der die Frauen vor gehen.

Man spricht sich ab. Die Eine zeigt Das. Die Andere eben Dieses. Die Eine putzt eben die Wohnung der Familie mit. Die Andere wäscht die Kleidung. Alle werden irgendwie gebraucht. Jede kann eine Tätigkeit besonders gut. Die Frauen wollen damit eine Art – Abhängigkeit erzeugen. Fast wie Ehefrauen.

„Was kannst du besonders gut?“

„Ich kann am besten Büros putzen.“

„Ah ja. Dann kennst du dich ja aus in den Firmen.“

„Ganz sicher.“

„Aber die Lohnzettel füllst du noch nicht aus.“

„Leider nicht.“

„Arbeitest du auch als Bürokraft?“

„Das habe ich gelernt. Hier gibt es dafür keine Stellen. Ehrlich gesagt, ist mir Zimmermädchen auch lieber.“

„Das glaube ich gern.“

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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