Neues vom Virus


Reiner Rupp, kein DDRBürger, aber ein sehr guter Spion für unsere Sache, erzählt uns Etwas vom Virus:

Herr Rupp auf RT

„Allerdings stimmt die Behauptung der Bank, dass die existierenden mRNA-Impfstoffe höchstwahrscheinlich auch gegen die Omikron-Variante wirksam sein werden, gerade nicht. Denn die ersten vier mit Omikron infizierten Menschen waren Berichten zufolge alle doppelt geimpft. Und die Hälfte der Infizierten in Südafrika sei zumindest einmal geimpft. Damit ist die Effizienz der aktuellen mRNA-Impfstoffe gegen Omikron genau so schlecht wie gegen die aus Wuhan eingeschleppte Alpha-Variante. Denn sowohl in Europa als auch in den USA infizieren sich aktuell immer mehr doppelt und sogar dreifach geimpfte Menschen. Viele erkranken, etliche kommen ins Krankenhaus und andere sterben sogar.“

Jürgen etwas präziser auf seinem Blog

         „Bis zu 70 % der Coronatoten sind voll Geimpfte

Bei 18 % bis 30 % liegt der Impfstatus angeblich nicht vor

Der letzte RKI Bericht des Robert-Koch-Instituts hat es in sich . 

Laut Tabelle auf Seite 24 gibt es in der im Kern  durch Corona betroffenen Gruppe ab 60 Jahren inzwischen 52 % Coronatote mit vollem Impfschutz.

Zudem ist im Mittel der Impfstatus bei 18 % nicht bekannt. In der aktuellen Woche könnten es sogar 30 % sein.  

Demnach sind bis zu 82 % der Coronatoten doppelt Geimpfte – jedenfalls bis zu 70 % auf jeden Fall.

70 % sind auch realistischer als 52 %, denn wir haben 68 % voll Geimpfte .“

Auszug aus „Der Saisonkoch – Zweiter Teil“


Tag 32

Kurz nach Zwölf wecken wir vom Knallkörpergeräusch in unserer Nachbarschaft auf. Die Gäste von unserer Nachbarin feiern Neujahr und starten ihre Raketen und Knallkörper. Über Meran und in unserem Ort sehen wir ein herrliches Feuerwerk. Nach zehn Minuten hören wir, wie schon die ersten Fahrzeuge ankommen, um Gäste von Doris abzuholen. Die Feier scheint nicht lange zu dauern.

In der DDR gingen Silvesterfeiern bedeutend länger und die Feierlichkeiten waren wesentlich intensiver. Das lag einfach daran, dass in der DDR sämtliche Getränke und Speisen in der Gastronomie, erheblich preiswerter waren und kaum einen Unterschied zu den Ladenpreisen darstellten. Für DDR-Bürger war dem zu Folge, Kultur und Zusammensein, bedeutend erschwinglicher. Zum neuen Jahr erwartete den DDR- Bürger auch kein Entlassungsschein und schon gar keine unerschwingliche Versicherungsrechnung. Aus genau dem Grund, waren unsere Silvesterfeiern ausgelassen und echte Feierlichkeiten. Komischerweise konnten wir uns zum Neuen Jahr auch etwas vornehmen, ohne befürchten zu müssen, dass uns ein äußerer Umstand an der Umsetzung hindert. Genau das aber geschah Neunzehnhundertneunzig. In diesem Jahr wurden alle Wünsche im Juni umgeschrieben und in neunzig Prozent aller Fälle, durch äußere Umstände im Laufe des Jahres gebrochen. Diese Enttäuschungen wirken noch heute und bei sehr vielen unserer Mitbürger waren die Enttäuschungen und Misshandlungen so grob, dass sie sich das Leben nahmen oder mit falschen Medikamenten, umgebracht wurden. Allein in unserer Familie, waren es fünf Angehörige, die in der DDR noch leben würden. Einer unserer Väter wurde bei einer normalen Zuckerkrankheit auf Westmedikamente umgestellt und wir durften machtlos zusehen, wie er binnen einem halben Jahr, auf dreißig Kilogramm Körpergewicht zusammenfiel. Seine Frau, eine meiner Mütter, verstarb an Einsamkeit, weil wir Kinder uns das Geld woanders verdienen mussten. Ein Onkel, der in der DDR einen sicheren Behindertenarbeitsplatz als Beifahrer hatte, wurde entlassen. Er hatte in der DDR einen Arbeitsunfall. Dessen Arbeitsplatz wurde mit der Auflösung seines Betriebes, abgeschafft. Er lebte mit seiner Mutter, meiner Oma zusammen und sie sollten zusammen, von der gekürzten Rente unserer Oma leben. Beide legten sich vor den Gasherd und starben an Gasvergiftung. Unsere Familie hat damit mehr Opfer zu beklagen als kriegsgeschädigte Familien des Zweiten Weltkrieges, in dem wir als Familie, neben der Umsiedlung, auch ein Mitglied verloren. Zum großen Glück, hatte die DDR – Regierung unserer Familie, väterlicherseits, ein Gut mit Boden geschenkt, auf dem sich zu DDR – Zeiten gut auskommen ließ.

Zu jedem Neujahr gehen mir diese Gedanken durch den Kopf und meine Joana übt sich in gemeinsamen Mitgefühl. Es gibt also keinen Grund für uns, ein Neujahr unter diesen Bedingungen zu feiern.

Ritten im September 2014

Auszug aus „Der Saisonkoch-Erster Monat“


Ich gehe zuerst die Technik kontrollieren. Die gesamte Küche läuft mit Gastechnik. Auch der Dämpfer. Ich bin stocksauer. Niedertemperaturküche ist mit so einem Dämpfer schlecht zu realisieren. Ich frage Acar, ob wir in der Küche mobile Bain Maries haben. „Zwei“, ist die Antwort. Ich bin beruhigt. Da koche ich den Braten für den kommenden Tag darin. Für heute geht das nicht mehr. Heute haben wir eh ein, für mich, einfaches Menü. Acar hat schon betont, dass wir heute, wegen mir, dem neuen Kollegen, ein flüssiges Menü kochen. Ich bin begeistert. Wir kochen heute:
Vorspeisen vom Buffet
Kartoffelsuppe
Hühnchenbrühe
Penne Amatricana
Nußspätzle zu brauner Butter
Kalbsgeschnetzeltes Tiroler Art an Pilawreis und Buttererbsen
Pilzgeröstel an Röstkartoffeln/Polenta und Vichykarotten
Topfennocke in Kirschkonfit
Eisbecher
Ich kann zwar nicht verstehen, warum in Österreich immer Eisbecher angeboten werden, nehme das aber beruhigt zur Kenntnis. Unser Hotel arbeitet mit zwei Wahlmenüs. Ich gehe eigentlich immer von drei Menüs aus und muss mich dann bei der Behälterwahl etwas korrigieren. Reserven können trotzdem nicht schaden. Kurz, nachdem ich das Menü gelesen habe, frage ich Acar, ob er bewusst, zwei Mal Kartoffeln im Menü haben möchte. „Oh. Das ist mir gar nicht aufgefallen. Danke für den Hinweis.“ Ich antworte ihm, dass wir die Röstkartoffeln mit Polenta ersetzen könnten. „Im Geröstel sind eh ein paar Kartoffeln dabei“, sage ich ihm noch mit. „Ich schau mal, ob wir Polentamehl da haben.“ Acar kommt wieder mit ausreichend Polentamehl unterm Arm. Es ist mittelfeines Mehl. „Ist das alles“, frag ich ihn. „Ja.“ „Das nehmen wir.“ Normalerweise mische ich feines Polentamehl mit mittelfeinem und grobem. In Südtirol geht das noch etwas besser. Dort gibt es Musmehl. Das ist das feinste Maismehl im Angebot. Sozusagen, ein Maisdunst. Der Dunst ist ein weißes Maismehl und macht die Polenta beim Kochen etwas heller.

Reschensee 2013

Auszug aus „Der Saisonkoch-Erster Monat“


Jetzt kommen gerade wieder vier unserer Hausgäste, auf die wir bereits warten. Sie benötigen kein Essen. Sie haben schon unterwegs gegessen. Der Sohn hat noch eine rot gelbe Tüte in der Hand. Entsorgen dürfen wir die. Zum Glück, müssen wir nicht zu unserem Abfallbehälter gehen, um dem Kind ein Essen zu bereiten. Er ist bereits satt davon. Auf meine Frage, ob ich ihm, ein mit kaltem Braten belegtes Brot von unserem Bäcker machen soll, fragt er zurück, was das sei. Den Eltern bot ich ein Sauer Rindfleisch vom Pitztaler Rind an. Das Rindfleisch ist von unserem Nachbarn. Kaum habe ich die Gäste angesprochen, sagte der zu unserem besoffenen Chef, der Koch sei ein Ostdeutscher. Der Chef konnte darauf schon gar nicht mehr reagieren.
„Wollen sie dennoch Etwas zu essen?“, fragte ich diesen Gast. „Kannst Du rheinischen Rostbraten?“.
„Ne. Wie geht der?“
„Du musst das Fleisch in Scheiben abschneiden und braten. Dann gibst Du Sauce und frittierte Zwiebel, extra, drauf.“
„ Wir sind aber hier in Tirol.“
„Tiroler Rostbraten eß ich nicht.“
„Sie haben aber keinen Koch mit“, sage ich lächelnd zu dem Mann.
‚Der fährt nach Österreich, um Rheinischen Rostbraten zu fressen‘, denk ich mir.
„Vielleicht nehmen Sie Schnitzel?“
„Rot-Weiß.“
„Was ist das?“
„Mit Ketchup-Mayo.“
„Kein Wiener Schnitzel?“
„Ne!“
„Also, Mailänder Schnitzel?“
„Schnitzel. Rot-Weiß.“
„Bratkartoffel oder Pommes?“
„Bommes.“
„Mit Salat?“
„Ne.Pfui!“
„Ein, zwei, drei oder vier Schnitzel?“
„Für misch, eins.“
‚Sind die so blöd oder können die nicht zusammen bestellen‘, denk ich mir.
Seine Frau grölt mit so einer heißeren, dunklen Stimme, dass sie nichts essen will.
Die Kinder wollen Pommes Rot-Weiß.
‚Frisst dieses Volk nur Stallfutter?‘, frag ich mich gedanklich.
Offensichtlich. Es kamen keine anderen Bestellungen. Die kennen keine Lebensmittel. Der Chef hat sich leise verdrückt. Eigentlich wollte ich ihn fragen, ob er das Schnitzel vom Kalb oder Schwein macht. Soltan hat schon die Schweinsoberschale in der Hand. Er zieht gerade die Decke ab und gibt mir die geputzte Oberschale. Kaiserteil, heißt das in Österreich. Ich schneide ein Schnitzel ab, klopfe und paniere es. Die Fritteuse ist inzwischen heiß und ich backe das Schnitzel und die Pommes, in der Fritteuse. Soltan schneidet inzwischen die Zitrone, gibt in kleine Schalen jeweils Mayonnaise und Ketchup. Das Schnitzel samt Pommes ist fertig und wir stehen schon wieder und warten. Die Bonmaschine kratzt einen seltsamen Ton und wir bekommen wieder eine „umfangreiche Bestellung“. Ein Spiegelei mit Speck und Bratkartoffeln. Nachdem ich die Bratplatten von den zweihundert vierzig Grad auf rund einhundert sechzig abgesenkt habe, erlaube ich mir, die Bratkartoffeln und das Spiegelei, direkt auf der Platte zu braten. Eine Augenweide. Zum Würzen der Bratkartoffeln nutze ich gleich die Gewürzmischung für Krustenbraten, die beim Chef auf dem Gewürzregal stand. Das Spiegelei ist fertig und wir stehen wieder. Langsam können wir uns schon an die Reinigung der Küche machen. Es ist weit nach zweiundzwanzig Uhr.

Auszug aus „Der Saisonkoch-Erster Monat“


Hinweis. Tag Sieben ist der 7.Dezember

Tag sieben

Mich weckt ein harsches Klopfen an der Tür. Mutter. Sie ruft, ich hätte ein Telefonat aus Österreich. Ich spring in den Trainingsanzug und stürze zum Telefon. Der Anrufer ist ein Hotelier aus dem Pitztal. Ihm wäre der Koch weggelaufen, ob ich nicht gleich anfangen könnte. Ehrlich gesagt, verstehe ich nur die Hälfte von dem Tiroler Genuschel. Ich frag ihn, ob er denn auch ein Zimmermädchen benötigt, weil ich gern mit meiner Frau arbeiten möchte. Für die hätte er schon reichlich Aufgaben. Gelegentlich schicke ich für Joana auch Bewerbungen für Tutto fare, Mädchen für Alles, heraus, weil Joana auch fürstlich kochen kann. ‚Das hat sie schließlich bei mir gelernt‘, denke ich mir stolz. Joana weiß schon Bescheid. Sie hört die ganze Zeit zu.
„Soll ich packen?“
„Ja.“
„Wollt Ihr schon widder los?“, fragt Mutter. „Mir missen“, geb ich zur Antwort.
„Brauchste Kaffee?“
„Zwe Liter.“
„Wo issn der Vater?“
„Draußen.“
„Vater, mir missen schon widder weg.“
„Du bist doch noch gar ni da.“
„S‘nächste Mal komm‘mer länger. Saisonende.“
„Noja, iss gut. Gute Fohrt.“
Mutter steht schon mit dem Kaffee in der Tür und Joana mit den Taschen.
„Hamm‘mer was vergessn?“
„Ne.“
Wir drücken Mutter und verdrösten sie auf das Saisonende.
„Gute Fohrt. Fohr langsam.“
Mutter hat feuchte Augen und ist etwas rötlich geworden im Gesicht.
Ich kann noch gar nicht fahren, weil ich ganz sicher noch ziemlich besoffen bin. Joana hat sich schon von ganz allein hinters Lenkrad gesetzt. „Wo müssen wir denn hin?“, fragt sie mich und ich sage Ihr, dass es nach Imst geht. „Imst? Ah ja.“ Unsere Saisonarbeit hat auch einen großen Vorteil. Wir können uns das Navigationsgerät sparen. Zu aller Unglück, müssen wir uns freitags auf den Weg nach Österreich begeben. Unser Glück ist aber, dass wir nicht in der Schlange der Millionen DDR-Bürger stehen, die am Wochenende nach Hause fahren von ihrem Frondienst im Westen. In unserer Schlange fahren Urlauber und die Beamten der Besatzer der DDR, die das natürlich, großzügig besoldet bekommen. Die Besatzer der DDR nennen das Aufbauhilfe. Zunächst fahren wir zurück in die Kreisstadt, um uns bei unseren Geschwistern und Familienangehörigen zu verabschieden. Marco hatte dafür drei Wohnungen im Neubauviertel der Kreisstadt gebucht. Das sind leere Wohnungen ehemaliger Arbeiter der DDR. Schöne Wohnungen. Ich habe in so einer Wohnung gelebt. Für achtzig Mark im Monat. Das kostet heute eine Nacht in unserem Eigentum, das wir mit aufgebaut haben. Wir drücken uns gegenseitig und sind traurig, dass wir schon wieder weg müssen. Die Geschwister haben versprochen, uns zu besuchen, wenn es die Zeit erlaubt.

Auszug aus „Der Saisonkoch-Erster Teil“


Etwas für den Gaumen und zum Probieren zu Hause. Der Erste Teil meiner Serie „Der Saisonkoch“ ist ein Kochbuch, gemischt mit persönlichen Abenteuern.

Mit Soltan schreibe ich noch das Menü für den Tag, an dem er, der erste Koch ist. Wir schreiben es zum ersten Mal etwas einfacher, damit Soltan nicht überfordert wird.


Salate und Kalte Vorspeisen vom Buffet
Brokkolicemesuppe
Fleischbrühe vom heimischen Hirsch und grünem Wacholder
Schaumbrot vom Truthahn auf einem Reisrösti
Gratin von Penne, Tomate und Mozzarella
Rindsgulasch vom heimischen Alprind zu Böhmischem Knödel und Apfelrotkohl
Störfilet pochiert in Dillsauce zu Salzkartoffel und Spinat
Gemüsestrudel in Kräuterkäsesauce an Kartoffelpürree und Artischocke
Bayrisch Creme in Waldbeerkonfit
Eis
Beinahe hätte ich vergessen, das Menü für den Tag, nach meinem freien Tag, zu schreiben. Das wäre dann das Menü für Mittwoch. Eigentlich passt das gut, weil wir noch unsere Bestellungen ergänzen müssen. Dem Pistenpersonal werden wir gleich Truthahnschnitzel geben.
Truthahnschnitzel in Champignonrahm, Kartoffelpürree und Mischgemüse
Das Mittwochmenü sieht dann so aus.
Kalte Vorspeisen und Salat vom Buffet
Linsensuppe
Kalbsfleischbrühe mit geröstetem Wurzelgemüse
Käsepressknödel in Lauchsauce
Bratwürstchen vom Hirsch an Polentanocke
Lammkeule rosa im eigenen Saft an Sandkartoffeln und Bohnen
Forelle Müllerin gebraten in brauner Butter zu Schnittlauchkartoffeln und Schwarzwurzel
Panierte gebackene Champignons in Weinschaum an Wildreis und Ratatouille
Birnengrießflamri in Rumsauce
Eis

Soltan sagte mir, dass er das Truthahnschnitzel auch gleich für unsere Kollegen mit kocht.

Auszug aus „Der Saisonkoch-Erster Monat“


Wir erwarten heute zwei Busse. Achtzig Gäste haben sich angemeldet. Die Busfahrer haben angerufen. Wir haben Schopfbraten mit Knödel und Sauerkraut empfohlen. Die Gäste beider Busse haben das bestellt. Das machen wir auch gleich mit zum Personalessen für die Pistenarbeiter und zum Tagesgericht. Ich gehe ins Kühlhaus und hole die acht Schweinskämme. In einem Blixer mache ich die Gewürzmischung für den Schopfbraten fertig. Sie besteht aus Salz, Zucker, Pfeffer, Kümmel, Majoran, Knoblauch und Öl. Damit reibe ich die Kämme ein, stelle den Ofen auf einhundert achtzig Grad, setze den Kerntemperaturfühler auf sechsundsechzig Grad und schon ist meine Arbeit beendet. Beobachter würden jetzt denken, die Köche werden auch immer fauler und sie jammern noch dazu. Wenn ich den Ofen schon mal auf der Temperatur habe, nutze ich gleich den freien Raum, um eine Jus mit anzusetzen.

Soltan kommt gerade mit der Bestellung unserer Hausgäste. Und siehe da, wir haben wieder Kranke bei uns im Hotel. Heute erfreuen wir uns an einer ganz speziellen Diät. Das Essen soll salzfrei sein. Unser Kellner steht schon in der Tür und lacht. Ich frage ihn, ob der Gast jetzt kein Brot oder andere Dinge vom Buffet isst. „Sie isst alles“, bekomme ich als Antwort. „Wie sieht sie denn aus?“, frag ich. „Spak“, ist die Antwort. Spak ist, glaub ich, spindeldürre. „Aber“, sagt unser Kellner Andreas, ein Ungar, „sie steht auf Fünfundzwanzigzentimeterabsätzen“. „Sie steht?“, frag ich. „Nein. Sie muss die Beine hinlegen, wenn sie sitzt“, antwortet Andreas. Andreas ist mir erst jetzt aufgefallen. Er ist etwas später angereist. Andreas ist unser Oberkellner. Ein recht sympathischer Mensch. Er wirkt etwas verschlagen.
Unsere Salzdiätkundin isst also Brot, Marmelade, Kuchen, Kekse und vieles mehr. Das ist alles mit Salz. Ich frage Andreas, ob unser Essen salzarm oder salzfrei sein soll. Sie hätte salzfrei gesagt. Wir kochen fünfzehn verschiedene Essen und sollen jetzt die fünf bestellten Gänge, ohne Salz kochen. Das macht dann schon mal zwanzig verschiedene Essen. Wir warten mal ab, ob eventuell, noch ein Fall von Diät dazu kommt. Nicht, dass wir vielleicht noch Töpfe bestellen müssen. Andreas hat die Dame etwas befragt und beraten und plötzlich möchte sie nur noch salzarme Kost. Andreas hätte das falsch verstanden, meint sie. „Ich hab ihr einfach gesagt, was sie bereits zum Frühstück verzehrt hat“, sagt Andreas zu mir. Plötzlich wäre sie gesund geworden. „Rot ist sie aber nicht geworden“, sagt er. „Da hat sie ja Blutarmut. Die müsste Salz essen“. Es ist schon auffällig, dass ausgerechnet die dünnen, „gesunden“ Menschen, die meisten Allergien und Unverträglichkeiten anzeigen. Mangelernährung verändert wahrscheinlich auch das Gehirn.

Nach dem Unwetter

Auszug aus „Der Saisonkoch-Erster Monat“


Muchmat kommt wieder mit seinen drei Habseligkeiten, packt die Verpflegungstüte und verabschiedet sich unter Tränen. Er wäre gern geblieben, weil es ihm bei uns gefallen hat. Schade. Seine Vorbereitung hat uns sehr geholfen. Er sagt: „ In einem Monat kann ich wieder kommen.“ Der Chef sagt: „Einen Monat kann ich nicht warten; jetzt, in der Saison.“ „Komm‘ nächste Saison wieder, Muchmat.“

„Im Sommer?“

„Ich schau mal“, sagt der Chef. Im Sommer kommen, normal, andere Saisonarbeiter. Meist Alleinköche. Da gibt es bedeutend weniger Gäste in dem Gebiet. Wie Muchmat, geht es zahlreichen Saisonkräften. Sie sehen weder ihre Familien, ihre Kinder noch ihre Eltern. Eine Entschädigung dafür, gibt es nicht. Im Gegenteil. Für die Hin- und Rückfahrt nach Hause, kann der Saisonarbeiter, pro tausend Kilometer, auch eintausend Euro einplanen. Er hat dafür schon mal einen Monat umsonst gearbeitet. Fast wie ich. Auf der zu fahrenden Strecke stehen Strauchdiebe und Schutzgeldpresser in einer schier endlosen Reihe. Muchmat kennt Straßenabschnitte, bei denen auf zehn Kilometer, zwanzig automatische Blitzgeräte stehen. Da reden wir noch gar nicht von den über der Straße befindlichen Leitzentren, die alles filmen. Sogar die kleine Notdurft am Straßenrand. Damit wird natürlich die Durchschnittsgeschwindigkeit erheblich gesenkt. Schließlich darf der Tagelöhner und Wanderarbeiter, seine Familie nicht sehen. Der muss natürlich für eintausend Kilometer eine Zweitagesfahrt einplanen. Man fragt sich dann, warum Autos gebaut werden, die locker zweihundert Stundenkilometer fahren. Für die unterentwickelten Hormone? Oder schlimmer; für zu kleine Geschlechtsteile? Dazu kommen Aktionen, die sich wie direkte Bestrafungen darstellen. Baustellen. Ich kenne keine Methode, Geld so sinnlos an befreundete Konsortien zu schieben, wie uns das mit Baustellen vorgestellt wird. Praktisch fährt der Muchmat bei eintausend Kilometer Fahrt, durch sechshundert Kilometer Pseudobaustelle, einspurig, wenn’s geht. Er trifft auf der gesamten einspurigen Strecke, nicht einen Arbeiter. Da wird schon aus Hobby gesperrt.

Ich erinnere mich an Jahre, in denen die gesamte Strecke von Innsbruck nach Kufstein, einspurig verlief. In beide Richtungen, wohlgemerkt. Zur Saisonferienzeit. Jetzt frag ich mich ganz verstört, wofür ich dann die Autobahnschutzgeldsteuer zur Autosteuer bezahle. Wahrscheinlich für die durchgehende Autobahn nach Syrien. Dazu zahle ich an der Autobahn für Benzin und Diesel, vierzig Cent mehr als außerhalb der Zone. Bei den Bauarbeiten ohne Bauarbeiter, kein Wunder. Neben den optischen Wegelagerern, gibt es also auch noch die Tankstellenmonopole, die selbst die Benutzung von Toiletten, zu einer Strafzahlung definieren. ‚Du musst ja nicht fahren. Bleib zu Hause‘. Für eine braune Wasserbrühe namens Kaffee, eine Beleidigung dieses Getränkes, zückt man in ausgewählten, nach Toilette stinkenden Raststätten, locker vier Euro. Da ist der ruhige Kaffeeautomat in der Tankstelle, schon fast eine Erlösung.

Ankündigung


So, Ihr Lieben; mein neuer Titel wird weder ein Krimi, ein Tagebuch, noch eine Liebesgeschichte.

Mein neuestes Buchprojekt wird eine Novelle. Den Arbeitsnamen gebe ich gleich mal mit bekannt: „Die Saisonpause“.

In der Novelle behandele ich die Art der Freizeit, die Saisonarbeiter zwischen den Saisons haben. Es geht also um Urlaub, um Bewerbungen, um Vorstellungsgespräche, um das Eintreiben offener Lohnforderungen, um Familienbesuche auch an Grabsteinen und um die Zustände in diversen Betrieben. Natürlich werden Gesprächspartner, Freunde, Urlaubsbekanntschaften, Ämter und andere Bodengänge die Handlung bestimmen.

Adventsgebäck


Adventsgebäck

Jetzt ist die Zeit, Weihnachts- und Adventsgebäck zu backen.

Ich gehe jetzt nicht auf die einzelnen Rezepte ein. Auch nicht, auf das Gelingen oder nicht.

Mit meinem Tipp, möchte ich jedoch ein maßgebliches Kriterium des Geschmackes und Gelingens erwähnen.

Die Feuchtigkeit der Backware.

Unsereiner weiß, wovon er spricht. Gerade, weil wir aus einer Region kommen, in der Stollen der Maßstab des Könnens ist.

Eine Methode des Backens ist die Zugabe von süßen Bröseln in den jeweiligen Teigansatz. Bei Lebkuchen darf es Soßenkuchen sein. Bei Mürbeteig und Hefeteig kann es geriebener, getrockneter Biskuit sein oder geriebener Keks. Die Brösel werden kurz vor dem Portionieren und Backen zugegeben und, mitunter recht mühevoll, glatt eingearbeitet.

Die wichtigste Tätigkeit kommt aber noch. Und zwar, unmittelbar nach dem Backen.

Köche haben es relativ einfach in Profiküchen. Sie können die Backwaren bei Bedarf befeuchten. Wohl in der Kenntnis, dass getrocknete und trockene Ware bedeutend länger gelagert werden kann. Es gilt die Richtlinie, je trockener eine Backware, desto länger ist sie lagerbar.

Diverse Backwaren erwirbt man auf Vorrat, andere, werden frisch verzehrt.

Der Stollen ist neben dem Plätzchen und Lebkuchen eine Backware, die bei richtiger Verarbeitung, eine gewisse Lagerung benötigt. In dieser Zeit wird der Stollen, nach dem Backen und vor dem Bestreichen, befeuchtet. Heute geht das in Profiküchen etwas schneller. Die Backware wird nach dem Backen oder vor dem Servieren, einfach ein paar Minuten gedämpft.

Nach dem Dämpfen gibt man die Backware in ein Behältnis, auch Foliensäcke sind geeignet und lagert die Backware kühl aber nicht in Kühlmöbeln.

In Haushalten gibt es kaum Dämpfer. Dort muss die Backware mit einem Feinsprüher, der mit etwas Rumwasser 1:2/1:3 gefüllt ist, besprüht werden. Einmal sprüht der Bäcker kurz nach dem Backvorgang und mindestens ein zweites Mal, nach dem Abkühlen. Gleiches gilt bei gelagerten Backwaren.

Nach dem Besprühen muss das Gebäck wieder luftdicht verpackt werden.

Erst nach diesem Reifevorgang, kann das Backgut bestrichen oder beschichtet werden. Eine kleine Druck- oder Kostprobe schadet nicht. Die Befeuchtung im abgekühlten Zustand, dauert etwa einen bis zwei Tage.

Ist uns nach der Probe das Gebäck noch immer zu trocken, werden wir die Befeuchtung wiederholen müssen. Nach dem zweiten Versuch, ist das dann schon Routine.

Bis in die jüngste Vergangenheit, hat man der Backware in Dosen oder Schachteln, Feuchtigkeit spendende Zutaten zu gegeben.

Der Nachteil ist schnell erwähnt. Es besteht Schimmelgefahr bei dieser Methode.

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