Hinweis


Hinweis

Liebe Leser, Freunde und Unterstützer,

mit dem 62. Tag ist der Zweite Teil meines Buches fertig.

Ich muss es natürlich Korrekturlesen, so gut es geht, formatieren und fertig machen zur Veröffentlichung.

Ich hoffe natürlich, dass Sie mir diesen Teil so zahlreich abkaufen wie den Ersten-. Sie finanzieren mir damit meine Rente, die ich weder von dem Einen noch von dem Anderen bekomme. Hauptsache, sie haben uns unsere DDRRentenkasse geklaut.

Geplant ist, dass ich schon morgen mit dem Dritten Teil beginne.

Danke für Ihr Verständnis

Der Saisonkoch

Ankündigung


Ankündigung

Liebe Leser,

mit dem Tag 61 wird der zweite Band meiner Erzählung fertig. Wie üblich, werde ich das auf Amazon veröffentlichen. Demnächst gibt es die Bände sowohl als Ebook als auch gedruckt bei mehreren Buchhändlern und auch in anderen Sprachen.

Als Cover zu dem Band werde ich dieses Mal ein winterliches Foto des Karer Sees aus den Eggental verwenden. Sämtliche Einbände meiner Romane habe ich selbst fotografiert.

Vielen Gästen Südtirols werden die Blicke bekannt vorkommen.

Im dritten Band werden wir etwas mehr von Südtirol erleben. Ganz speziell werden wir die besonderen Eigenarten der lieben, einheimischen Bevölkerung kennen lernen und zusammen reichlich lachen.

Der Saisonkoch

Brühe/Jus auf Vorrat


Brühe

Mal etwas Grundsätzliches zu Brühe und derer Herstellung.

Mit der neuen Technik ist es möglich, sich Brühe auf Vorrat herzustellen. Früher mussten wir Brühe reduzieren und das Ergebnis einkochen oder einfrieren.

Das ist seit Langem nicht mehr nötig.

Generell nimmt der Koch heute seine Fleisch- und Gemüseabschnitte und stellt aus denen seine Brühe oder Jus her. Und zwar als Trockenbrühe oder Trockenjus. Genau diesen Vorrat kann der Koch lange lagern und er benötigt dafür auch keine sensiblen Lagerflächen wie Kühlhäuser etc..

Fleischabschnitte, Sehnen, Knochenputz ebenso wie Gemüseputz von Wurzel- Lauchgemüsen: z.B.

Sellerie, Lauch, Zwiebel, Karotten…

usw., schneidet sich der Koch etwas kleiner, friert die kurzfristig ein und verarbeitet die gefroren zu Brühpaste oder Trockenbrühe. Trockenbrühe stellt sich der Koch aus relativ mageren Zutaten her und Brühpaste aus den relativ fetten Bestandteilen.

Der Salzgehalt sollte, in etwa, bei zehn Prozent liegen.

Das Einfrieren erleichtert das Kuttern.

Beim Kuttern für gekörnte Brühe ist darauf zu achten, dass das Fleisch/der Fisch und das Gemüse nicht zu sehr püriert werden. Erleichtern kann man sich das Kuttern, indem der Koch grobes Salz und etwas Zucker benutzt. Das Ergebnis sollte fein körnig sein (vergleichbar mit grobem Grieß). Anschließend gibt man das Ergebnis auf ein mit Küchenkrepp belegtes Backblech und trocknet es bei 60-70°C.

Beim Kuttern kann man, je nach Geschmack, etwas Zucker, Pfeffer, Gewürze der Wahl, Kräuter (z.b. Rosmarin, Petersilie usw.) zugeben.

Zu Brühpaste verarbeiten wir die fetteren Bestandteile des Fleisches. Die Prozedur ist die gleiche, wie bei der Fertigung von Brühpulver. Eventuell kann man bei Bedarf den Salzgehalt etwas erhöhen. Die Paste ist bei Raumtemperatur nur nicht so lange haltbar ohne Qualitätsverluste. Die Paste ist sozusagen, ein Frischeprodukt. Zu beachten ist, dass die Paste in einem Behälter, ohne Luftblasen zu hinterlassen, gedrückt werden soll.

Bei Trockenjus wird etwas mehr Zucker und etwas Tomatenkonzentrat dazu gegeben. Die Trocknung erfolgt als gleichzeitiger Röstvorgang bei 160-180 °C.

Dabei sollte der Koch das Produkt gelegentlich umstechen. Nach der Röstung bei 180°C, trocknen wird das Produkte bei 60-70°C restlos.

Jus lässt sich auch pastös herstellen. Dabei sparen wir uns das nachträgliche Trocknen nach dem Rösten.

Haltbarkeit: Brühpulver würde ich einmal pro Jahr herstellen und Brühpaste, jedes halbe Jahr.

Es gibt keinen Grund, ein Lebensmittel weg zu werfen!

Wer Lebensmittel anständig ausnutzt, wird seinen monatlichen Verbrauch erheblich reduzieren.

Im Umgang mit Lebensmitteln äußert sich die Wertschätzung der Arbeit unserer Bauern.

Weihnachsgeschichte


Saisonarbeiter kommen zum größten Teil aus ehemals sozialistischen Ländern, die im Zuge der Konterrevolution, vorübergehend wieder unter kapitalistischen Bedingungen dahin vegetieren. Damit ziehen natürlich auch die entsprechenden Bedingungen des Kapitalismus wieder ein. Armut, Hunger, Bettelei, Arbeitslosigkeit, politische Verfolgung, Krankheit, ausufernde Kriminalität und damit verbunden, hohe Kosten für Wohnen, Nahrung und Gesundheit.

Saisonarbeiter haben entweder keine Arbeit und damit keine Lebensgrundlage oder sie arbeiten genau an den Tagen für das Wohl derer, die Feiertage begehen können.

Bisweilen versuchen professionelle Gastgeber, ihren Saisonarbeitern die Feiertage etwas zu versüßen, indem sie entsprechende Feiern organisieren. Die Feiern sind natürlich ein Freizeitbestandteil. Nach einem Fünfzehn – Stunden – Arbeitstag mit der Drohung, am kommenden Tag, den gleichen zu erleben, ist die Stimmung zu der Feier natürlich sehr bescheiden. Von Ausgelassenheit kann da keine Rede sein. Genau das ist aber der Gedanke hinter einer Feier. Man möchte bei einer Feier sein wahres Ich zeigen und das von Mitfeiernden, kennen lernen. Genau auf dieser Grundlage entstehen Partnerschaften wie Ehen und tiefe Freundschaften.

Saisonarbeiter haben keine positive, innere Beziehung zu Feiertagen. Diese emotionale Empfindung können Saisonarbeiter nicht aufbauen. Sie sind getrennt von Familie, Bekannten, Nachbarn und ihrer Heimat mit den entsprechenden Traditionen.

Saisonarbeiter sind weit entfernt von ihren Eltern und Kindern, wissen nicht, ob es ihnen gut geht oder ob sie auf dem Sterbebett liegen. Sie werden direkt daran gehindert, ihren Familienangehörigen bei zu stehen.

In dem Sinne, möchte ich keine Fröhlichen Festtage wünschen, weil ich nicht weiß, wie meine Angehörigen und Bekannten diese Tage erleben.

Tag 39


Tag 39

Joana weckt mich, gibt mir einen Kuss und geht. Der Kaffee ist schon fertig und ein Brötchen liegt auch noch da. Das reicht für den Tag. Allgemein esse ich am Tag nur einmal. Je früher, desto besser. Das viele Probieren und Kosten tagsüber, macht eine vollwertige Mahlzeit überflüssig in unserem Beruf.

Als Erstes gehe ich runter zu Marco. Der ist noch nicht da. Maria bringt mir einen Kaffee. Ich sage ihr nicht, dass ich gerade vom Kaffeetrinken komme. Alfred kommt und fragt mich, ob es mir bei Ruth immer noch gefällt. Nebenbei richte ich ihm den Schönen Gruß von Ruth und Martin aus. Irgendeinen Grund hat er, warum er mich fragt. Ich frage ihn nicht danach.

„Jetzt kommt die ruhigere Zeit.“

„Naja. Das ist gut so. Die Kollegen wollen auch mal frei haben. Ich schätze, dass da einige Tage zusammen gekommen sind.“

Die Unternehmerschaften vergessen das leicht.

„Haste Recht. Das wird jetzt trotzdem schwierig. Die Kollegen wollen die freien Tage zusammenhängend. „

„Bei Dursun, der nur halbe freie Tage bekommt, wird sich das eine gute Woche hinziehen.“

Ich reize Alfred etwas. Irgendwann muss er sich eh um einen zweiten Hausmann bemühen. Den Schlag auf den Hinterkopf hat er verstanden.

„Ich suche schon die ganze Zeit einen zweiten Hausmann. Langsam werden unsere Anforderungen immer höher.“

„Die Preise aber auch.“

Alfred lacht: „Du Schlawiner!“

„Ich muss los. Bis heute Abend.“

„Machs gut.“

Alfred habe ich mit meinem Sächsisch schon etwas angesteckt. Er redet das schon fast fließend. Maria gibt sich noch Mühe. Sie lacht immer, wenn ich etwas sage. Maria spielt oft den Dolmetscher und sagt mir, wie das jeweilige Wort, tirolerisch gesprochen wird. Das ist schon auch wichtig. Vor allem, wenn ich verstehen möchte, was Leute um mich herum in Mundart sprechen.

Den Reschen runter in Richtung Pfunds gab es keine Probleme. In Pfunds selbst, stand eine Gendarmenkontrolle, die mich anhielt:

„Sie haben den DDR Führerschein. Gilt der noch?“

„Sie sind der Gendarm. Ich kann Ihnen das schlecht sagen. Ich weiß nur, dass ein Führerschein noch nicht verfällt.“

Im Grunde kann man in dem System nicht sagen, was deren Vertretern morgen einfällt. Es ist nicht das erste Mal, dass ich deswegen solche Fragen beantworten soll.

„Wohin fahren Sie?“

„Ich möchte auf Arbeit zu Ruth und Martin.“

„Achso. Sag bitte einen Schönen Gruß.“

„Mach ich. Bis bald.“

Ich bemerke, dass in Österreich besonders gern Fahrer mit italienischen Autonummern angehalten werden. Der einheimische Arbeiterverkehr fährt an mir vorbei und deren Fahrer lächeln mitunter. Dabei wissen fremde Köche, wie besoffen ihre österreichischen Kollegen auf Arbeit ankommen. Bei uns in Südtirol ist das nicht viel anders. Ausländer sind gut beraten, sich da nicht einzumischen.

Bei Wolfgang und Maria wollte ich noch mal vorbei schauen. Die Zeit dafür habe ich. Maria steht an der Rezeption und Wolfgang in der Küche. Wolfgang war über die Feiertage nicht zur Jagd. Er hat genug Reserven. Er steht allein in der Küche mit einem Kollegen, der gerade aus dem Kühlhaus kommt. Es ist Zolt. Er fällt mir fast um den Hals:

„Die Saison war schlimm dieses Jahr.“

„Seid Ihr jetzt zu Zweit?“

„Nein. Ein Neuer kommt etwas später. Wir bereiten nur vor.“

„Und Markus?“

„Die sind auch zu Dritt in der Hütte. Die haben mehr zu tun als wir in diesem Jahr.“

Wir trinken noch einen Kaffee zusammen, schnattern etwas über die Feiertage und die Familien. Es wird Zeit, sich zu verabschieden. Wolfgang freut sich, dass ich bei Ruth arbeite:

„Der Platz bei Ruth ist sicher aber für sehr wenig Geld.“

Oje, dieser Rat war ja fast schon tödlich. Ich sage dazu nichts, weil sich jede Äußerung, im Tal sofort herum spricht. Irgendwie erklärt sich da auch das stumme Wesen der Tiroler. Wenn Einer etwas sagt, weiß es am Tag darauf, der ganze Ort. Der Gag ist eigentlich, dass die Einheimischen gerade die DDRGastarbeiter bezichtigen, besonders redselig zu sein.

Ich komme bei Ruth und Martin an. Die jungen Kollegen sind schon da und beim Frühstück. Wie ich von Ruth erfahre, gibt es heute als Tagesessen:

Tortellini

und

Leberkäse mit Ei und Püree.

‚Da hab ich wenig zu tun‘, denke ich mir. Irrtum!

Ruth verlangt von mir, dass ich drei Strudel und mindestens drei Blechkuchen backe. Dabei zeigt sie auf die großen Bleche. Der Backofen vom Herd hat hoffentlich Umluft. Sonst muss ich jedes Blech einzeln oder sechs Bleche im Dämpfer backen. Und da würde mir die Jugend aufs Dach steigen. Ich frage Ruth und sie gibt mir eine positive Antwort. Der Backofen hat Umluft. Ich kann zwar alle Bleche mit einem Mal schieben, muss sie aber trotzdem umhängen. Backöfen sind mit Ober- und Unterhitze ausgestattet. Das ist manch Mal eben zum Vorteil und das andere Mal, zum Nachteil. Strudel backe ich Ruth vier Stück. Das geht etwas besser in den Gastronormbehältern.

„Ihr seid heute zu Zweit“, sagt Ruth noch. Offensichtlich ist Jan und seine Danka nur da, um etwas Geld abzuholen. Sie wollen Einkaufen gehen. Martin macht heute Zahlmeister zum Lohntag. Er sitzt mit der Brille am Frühstückstisch und hat einen Haufen Lohnunterlagen dabei. Ich hab mich schon gewundert. Alle wirken heute besonders freundlich und locker.

Den Teig setze ich heute gleich mit der Maschine an und gebe ihn zum Ruhen ins Kühlhaus. Während dessen, schäle ich die Äpfel und schneide sie gleich um das Kerngehäuse in Stücke. Die Stücke lasse ich durch die feine Scheibe der Küchenmaschine. In der Schüssel würze ich die Scheiben mit gemahlenem Zimt, gemahlener Nelke, Zucker, Zitrone und einer Prise Salz. Ruth hat, „Gott sei Dank“, alle Gewürze gemahlen da. Sonst hätte ich sie erst mahlen müssen.

Emil kommt mit seiner Vorbereitung gut vom Fleck. Er braucht keine Hilfe.

Ich such mir in der Küche einen Platz, an dem ich den Teig ausrollen kann. Emil zeigt ihn mir. Er ist etwas zu gebaut mit Geschirr. Und siehe da. Es ist ein Marmorarbeitstisch.“Den Tisch habt Ihr lange nicht gebraucht“, sage ich zu Emil.

„Nein. Wir haben Strudel und Kuchen vom Bäcker kommen lassen. Dein Vorgänger konnte nicht backen.“

„Ich hatte einen Vorgänger?“

„Ja. Der hat die Arbeit nicht geschafft und hat laufend durchgedreht. Letzte Woche hat er geschmissen.“

„Ist Topfen im Haus?“

„Der ist gestern frisch gekommen.“

Na dann, geht es ziemlich schnell. Ich backe auch gleich ein – zwei Quarkkuchen mit. Einen als Eierschecke und den anderen als Kirmes. Für die Apfel- und Quarkkuchen setze ich noch eine Konditorcreme an. Das reicht. Von der Creme mach ich gleich etwas mehr, weil ich die für die Quarkkuchen mit nutze. Jetzt, bevor ich die Kuchen auflege, schalte ich den Backofen ein und heize auch den Dämpfer vor. Emil ist schon fertig mit seinen Sachen. Er ist schnell und routiniert. Das mit dem Dämpfer, hat er von mir abgeschaut. Den Quark kann ich gleich mit einer sehr guten Handrührmaschine in einem doppelt großen Kübel würzen und umrühren. In einem Topf oder Eimer macht das zu viel Krach und es schadet der Maschine.

Für die Kuchen samt Strudel habe ich jetzt eine und eine halbe Stunde gebraucht. Ich bin aus der Übung. Das ging schon mal schneller. In einer Stunde und zehn Minuten ist alles fertig gebacken. Ich hoffe doch, dass unsere Gäste etwas abbekommen. Die Kuchen sehen gut aus. Wenn das Joana sehen würde. Ich muss fragen, ob ich ihr ein Stück mitnehmen darf.

Zu Mittag verkaufen wir etwas um die zweihundert Portionen mit den Arbeiteressen. Das ist wenig. Martin fragt laut, wo die Gäste sind und wird schon etwas zerrig. Er gießt sich einen Obstler ein und schluckt den mit einem Ruck weg. Danach herrscht Ruhe. Kamil, unser Abspüler, macht inzwischen die Teller für die Jause fertig. Mira, seine Frau, setzt die Kaffeemaschine an. Der Betrieb funktioniert wie geschmiert. Das Team arbeitet sicher schon ein paar Jahre zusammen.

Ruth kommt in die Küche und zeigt mir, wie groß die Kuchenstücke portioniert werden. Jetzt weiß ich, warum sie drei große Bleche braucht.

Martin drückt mir meinen Tageslohn in die Hand und wünscht mir einen schönen freien Tag. Sie haben meinen freien Tag nicht vergessen. In manchen Betrieben muss ich für einen freien Tag, zwanzig Mal betteln. Ich bin positiv überrascht.

Sechs Stunden Arbeit in Sechs-Tage-Woche, ergäben eine Wochenarbeitszeit von sechsunddreißig Stunden. Nur vier Stunden mehr pro Woche und ich wäre vollbeschäftigt. Vielen Leuten ist nicht im Geringsten klar, was eine Arbeitszeit von sieben bis vierzehn Uhr und von siebzehn bis zweiundzwanzig Uhr bedeutet in einer Sechs-Tage-Woche. Neben vier Arbeitswegen, ist das zwei Mal, schwere Arbeit an einem Tag. Ich habe viele Kollegen, die halten das keine zehn Jahre aus. Kollegen, die das dreißig Jahre lang tun, sind dreißig Jahre lang, Leistungssportler. Profileistungssportler bekommen dafür, in der gleichen Zeit, mehrere Millionen an Gage.

Auf meinem Weg nach Nauders, treffe ich im Paznauntal schon reichlich Arbeiterverkehr in Richtung Landeck. Diese Leute fahren routiniert und zügig. Es gibt kaum Behinderungen oder Stau. Viele biegen unterwegs ab. Sie kommen aus den kleinen Ortschaften im Paznauntal. Um in diese Ortschaften zu gelangen, muss man gut fahren können. Das ist in allen Alpentälern gleich. Gelegentlich sehe ich ein paar Touristen. Meist sind es holländische Nummern. Dieses Mal fahre ich durch den Tunnel. Die Luft drinnen ist etwas klarer als an den Feiertagen. Nachmittags ist wenig Lieferverkehr zu sehen. Langsam scheint sich die Lage zu entspannen.

Bis nach Nauders komme ich heute ohne jegliche Behinderungen. Nauders hingegen scheint sich langsam mit Holländern zu füllen. Ich sehe auch ein paar italienische Landsleute.

Heute steht Alfred vor dem Hoteleingang. Ich frage ihn, ob er heute Gepäckträger ist. Er lacht. „Bisweilen würde mir das gut tun; die Bewegung, meine ich.“

„Im Gasthof meiner Eltern habe ich das getan.“

„Und; hat es sich gelohnt?“

„Bei dem Besatzervolk, nicht.“

„Und bei den Anderen?“

„Da schon. Es waren sehr viel bekannte Künstler dabei. Die waren aber mitunter in ihrem Freizeitverhalten sehr anstrengend für mich.“

„Das glaub ich sofort. Trinken wir noch einen Verlängerten?“

„Gerne. Ich hab zwei Stück selbstgebackenen Kuchen mit. Eins können wir fressen.“

„Den haste für Joana mitgebracht, oder?“

„Ja.“

„Die Joana braucht den mehr als ich.“

Dabei greift er sich auf seine Taille.

„Mit Fressen mein’ste sicher, dass er gut geworden ist.“

„Aber sicher!“

„Ich nehm’ne Ecke. Scheiße; der ist gut! Back den mal für mich morgen!“

„Da brauch ich Topfen. Den muss Marco da haben.“

„Wenn nicht, hol ich den selbst.“

„Na dann. Bis morgen.“

„Gute Nacht!“

Joana ist schon auf dem Zimmer und wartet auf mich. „Wollen wir fahren?“

„Wie wird morgen das Wetter?“

Wir schauen schnell nach und müssen feststellen, dass Niederschläge angekündigt sind. Also, bleiben wir da. Joana freut sich auf den Kuchen und wundert sich nicht, dass er etwas angeknabbert ist. „Das war Alfred, oder?“

Wir schauen noch zwei Filme, von denen ich, einen nicht ganz schaffe.

Seidne Kleese (sächsisch) für Seidene Klöße


Seidne Klöße sind Klöße aus gekochten Kartoffeln und den Gnocchi ziemlich ähnlich.

Ich will jetzt nicht rausbekommen, wer wem das Rezept geklaut hat.

Ich erkläre drei Wege, die Klöße zu fertigen. Alle sind gut. Sie erfordern aber unterschiedliche Wareneinsätze.

Die klassische Methode ist, geschälte Pellkartoffeln durch eine Presse zu drücken. Diesem Teig geben wir ein – zwei Eigelb zu, etwas Dunst, Salz und Muskat. Der Teig wird kurz mit den Händen gewirkt und schon können wir Klöße formen.

Dunst ist der „Grieß“, der allgemein als doppelgriffiges Mehl oder italienisch, als Semola rimacinata bezeichnet wird. Am besten ist die Variante vom Hartweizen.

Die zweite Methode wird in einem Schlagbehälter der Küchenmaschine hergestellt. Dort eignet sich die Schneebesensatz. Die Kartoffeln werden als Salzkartoffeln relativ weich gekocht, abgegossen und für einen Augenblick, entdampft. Damit werden sie etwas trockener. Die trockenen Kartoffeln geben wir heiß in die Küchenmaschine, etwas Muskat dazu und lassen die Maschine die Kartoffeln zerrühren. Nach und Nach, geben wir Eigelb dazu und zwar so lange, bis der Teig relativ fest wird. Das Eigelb bindet den Teig. Jetzt lassen wir den Teig auf der Tischplatte abkühlen. Im abgekühlten Zustand kneten wir wieder Dunst ein und fertig ist der Kloßteig. Diese Methode funktioniert auch mit einem Handrührgerät oder mit dem Rührvorsatz für Mixstäbe.

Die dritte Methode ist meine Lieblingsmethode. Die kalten oder warmen, geschälten, gekochten Kartoffeln kommen mit dem Eigelb (nicht direkt auf die heißen Kartoffeln), Salz (bei Pellkartoffeln) Dunst und Muskat in den Kutter. Ein paar Umdrehungen und der Teig ist fertig.

Gekocht wird wie immer im siedenden Wasser, das nicht sprudeln darf.

Eine Methode gibts noch für ganz Eilige:

In eine Schüssel etwas warmes oder heißes Wasser geben, Salz, Muskat und getrocknete Kartoffelflocken ( für Püree ) einrühren, etwas warten bis es quillt, ein – zwei Eigelb und Dunst zugeben, kneten und daraus Klöße formen:-))

Die Klöße kochen in etwa, je nach Größe, zwischen zehn und fünfzehn Minuten.

Croutons sind Pflicht in Seidenen Klößen und die sollten unbedingt in Butter geröstet werden. Wie üblich, geht auch Toast, der nach dem Toasten mit Butter bestrichen wird.

Ein kleiner Ausflug zum Saisonende an den Gardasee/Sirmeone


Saisonende am Gardesee bei Freunden

Nach dem Zeitung lesen, ein Imbiss. Aber schön der Reihe nach:-))

Keine Hektik und immer schön einzeln:
…und jetzt zum Nachtisch:
…und danach, etwas ruhen:-))

Tag 36


Tag Sechsunddreißig

Es ist Samstag und wir wecken nicht durch den Wecker auf, sondern vom Lärm am Hotel. Ein Bus mit relativ jungen Leuten ist angekommen. Mit dem Blick aus dem Fenster, sehen wir, es sind holländische Gäste. Wir hören Dursun, wie er „Pst“ zischt und sehen ihn danach heftig gestikulieren. Wahrscheinlich hat Alfred die Personalzimmer bewusst so platziert, dass wir mit unseren Gästeanreisen aufwecken. Ich glaube, dass Alfred, diese Gäste schon gestern Abend erwartet hat. Aus dem Grund, steht Dursun auch schon in der Tür. Die Anreisenden hätten sonst läuten und etwas warten müssen. Es kann auch sein, dass der Busfahrer schon vorher angerufen hat.

Von den Anreisenden macht keiner irgendwelche Anstalten, Türen und Behälter, leise zu betätigen. Im Gegenteil. Wir hören jedes Wort und jede Handlung. Am lautesten gehen sie mit den Skiern und den Taschen um. Bei Einigen denke ich, dass sie schon in Skischuhen ankommen. Sie trampeln derartig laut, dass Schlagbohrmaschinen dagegen wie Haarföne klingen. Joana und ihre Kolleginnen werden sich über den Zustand des Foyers freuen. Eigentlich führt Dursun die Skigäste direkt in den Skiraum. Dort können sie die Ski, Skischuhe und die gesamte Skiausrüstung deponieren. Offensichtlich gibt es so viele Diebstähle bei den restlos, ehrlichen Westeuropäern, untereinander, dass sich Keiner dieser Anreisevariante bedient. Dursun soll ihnen Alles auf die Zimmer schleppen. Marlies wird für Dursun heute ein Extrafrühstück vorhalten müssen.

Wir trinken gemeinsam Kaffee und erzählen uns, was wir so am Vortag erlebt haben. Köche sind im Allgemeinen, ziemlich viel gewöhnt. Aber es sind Schilderungen Joanas dabei, die selbst mir den Kaffeegeschmack verderben können. Ein Bad war bis an die Decke mit Dünnschiss bespritzt, ein anderes, mit Kotze verstopft und in einem Zimmer, waren selbst die Betten mit diesen Garnituren versehen. Manchmal denke ich mir, dass selbst Krankenhäuser, kein, so ein Aufkommen an Stuhl – und Magenproben aufweisen können wie Hotels. Man könnte fast davon ausgehen, dass die gesunden Menschen im Krankenhaus liegen und die kranken, im Hotel. Unsereiner würde sich zu Tode schämen, so ein Zimmer zu hinterlassen. Ahu hat Joana gestern erzählt, dass sie ein Zimmer putzen musste, welches von einem Hund oder soll ich Kalb sagen, vollgeschissen wurde. Offensichtlich hat dieser Riesenhund auch noch im Bett geschlafen und von hübschen Hündinnen geträumt. Ein menschlicher Mitbewohner war jedenfalls nicht anwesend in dem freien Bettplatz. Ich wüsste jedenfalls kein Beispiel, bei dem ein DDR – Urlauber, jemals so ein Zimmer hinterlassen hätte. Nicht mal unsere Bauarbeiter waren zu solchen Zimmerhinterlassenschaften fähig, wenn sie am Abend davor ein Saufgelage abgehalten hatten. Offensichtlich ist in der neuen kapitalistischen Gesellschaft die Hemmschwelle soweit gesunken, dass sich selbst Tiere eher schämen als unsere Mitbürger. Anders, jedenfalls, kann ich mir das nicht erklären.

Joana verabschiedet sich zur Arbeit und ich bin wieder einmal der Faulste in unserer Familie.

Nachdem Joana das Zimmer verlassen hat, widme ich mich den Bewerbungen. Abspüler und Hilfspersonal werden aktuell, ziemlich oft nachsucht. Mich wundert das nicht, weil genau diese Mitarbeiter, die meiste Arbeit haben in unserem Gewerbe. Zudem kommt ein Abspüler als Letzter aus der Küche. Das ist, wenn wir bedenken, dass der Abspüler meist auch der Erste in der Küche ist, schon eine außergewöhnliche Belastung. Oft wird behauptet, diese Mitarbeiter wären Ungelernte und sie hätten doch Etwas lernen können. Dabei sind sie lediglich Opfer irgendwelcher Optimierungsmaßnahmen in Betrieben und ihr Beruf ist aktuell, wenig gefragt. Betroffen sind sehr junge Menschen als auch ältere Berufstätige. Eine Gesellschaft, die sich leisten kann, erfahrenes Personal in Form von älteren Mitarbeitern zu entlassen, ist keine Gesellschaft. Und genau dazu zähle ich unsere Besatzer aus der BRD. Der Umgang mit den Menschen, die den Staat aufgebaut und zu dem gemacht haben, der er ist, können wir nur als verbrecherisch ansehen. Dabei wird von den Besatzern eine Art von Diebstahl kultiviert, den wir DDR – Bürger, gelassen als Raub betiteln können. Raub ist übrigens ein gemeiner Diebstahl gepaart mit Körperverletzung oder deren Androhung. Und genau diesem Vorwurf, machen sich die BRD – Besatzer der DDR gegenüber der Bevölkerung schuldig. In dem Sinne, wird es niemals eine Einheit mit diesen Verbrechern geben. Schon unsere Großeltern mussten vor Deutschen, ihren angeblichen Landsmännern, fliehen. Offensichtlich hat das Tradition in dieser Diktatur.

Langsam rüste ich mich, Marco zu besuchen. Vielleicht hat er etwas zu tun für mich. Alfred steht bei Marco und beide begrüßen mich freundlich. Marco fragt mich, ob ich ihm ein paar Grießnocken herstelle. Er möchte die gratinierte, italienische Variante. Die Suppenvariante ist mit Ei, Butter und Grieß, recht einfach herzustellen. Bei der italienischen Variante wird der Grieß zuerst gekocht und nach dem Abkühlen mit etwas Dunst und Ei gebunden. Erst danach kann man die Nocken abstechen. Natürlich werden diese Nocken mit Parmesan bestreut vor dem Gratinieren. Die Herstellung der Nocken dauert mit dem Abkühlen, etwa zwei Stunden. Marco bedankt sich sehr höflich und lädt mich zum Personalessen ein. Er hat ein paar Entenkeulen geschmort. Eines meiner Lieblingsgerichte. Nach dem Essen begleitet mich Joana mit aufs Zimmer und siehe da, mein Telefon zeigt eine Nachricht. Joana verabschiedet sich und ich rufe die Nummer an, die mir der Adressat hinterließ. Es war das Restaurant an der Langlaufpiste in Galtür. Sie möchten mich gern über Mittag bis zur Jause als Koch. Innerlich freue ich mich, weil sich eine Frühschicht andeutet. Die Einarbeitung kann schon morgen erfolgen. Der Sonntag ist nicht unbedingt ideal, aber ich stimme zu. Arbeitsbeginn ist neun Uhr. Ich renne schnell zu Joana runter und treffe auch Alfred. Ich erzähle Alfred von der Stelle und er kennt natürlich die Restauration und seine Besitzer: „Das ist ein guter Betrieb und sehr liebe Leute.“ Ich beobachte immer das Gesicht von Alfred, wenn er mir von den Betrieben berichtet. Joana kann das besser als ich. Aber bei Alfred bin ich mir sicher, seinen Gesichtsausdruck richtig lesen zu können. Dieser Ausdruck sagt mir: ‚Geh hin!‘

Gegen Drei ist Joana fertig mit ihrer Arbeit und ich erzähle ihr von der Stelle. Sie packt die Tasche wieder, wie immer. Nach dem Kaffeetrinken entschließen wir uns, noch etwas an den See zu gehen. Statt mit dem Auto, fahren wir mit dem Pendelbus. Alfred hat uns eine Karte gegeben, mit der wir kostenlos fahren können. Wir hätten sonst, zu Zweit, an den See und zurück, fast zehn Euro bezahlt. Das ist sicher kein DDR – Preis. In der DDR hätte uns das genau eine Mark zwanzig gekostet. Wenn ich bedenke, dass ich in der DDR fast den gleichen Lohn hatte, traue ich mir, von dem üblichen Wucher zu reden.

Der Blick über den See in Richtung unserer neuen Heimat ist atemberaubend. Auf dem See ist noch reichlich Betrieb und wir sehen zum ersten Mal, Segelboote mit Kufen dran. Wir sahen zum ersten Mal, Segler, die mit relativ wenig Wind, ungeheure Geschwindigkeiten fuhren. Offensichtlich ist es eine Art, Eisregatta. An den Hängen um den See sind einige Pisten eingerichtet. Sie sind alle gut besucht. Auch die Parkplätze sind voll. Um den See können Langläufer eine Runde drehen. Ein Südtiroler Gastwirt richtet dafür extra Spuren her.

Ob ihm das die Benutzer danken, ist ungewiss. Der Gastwirt hat ein kleines Schild an die Spur gestellt, auf dem er um eine kleine Spende bittet. Wir sehen Keinen, der diesem Schild folgt. Dabei steigen die Leute aus Geländeautos, die sich nicht unter zwanzig Litern bewegen lassen. Wahrscheinlich glauben die Gäste, sie hätten das mit ihrer Pistenkarte beglichen. Das ist fast wie in unseren Hotels. Die Gäste glauben auch, sie hätten mit ihrer Halbpension das Hotel gekauft.

Joana sagt mir, ich hätte schon etwas Farbe bekommen im Gesicht. Ich selbst bemerke das nicht. Auch nicht bei Joana.

Unser Arbeitersport geht jetzt zu Ende und wir fahren mit unserer Freikarte zurück nach Nauders. Der Busfahrer grüßt uns. Es ist wahrscheinlich der, den ich frühmorgens immer treffe. Er stellt keine Fragen, ob wir aus dem Osten kommen. Er ahnt das sicher. Er sagt nur: „Bis morgen.“ Das sagt er zu allen seinen Fahrgästen.

Alfred steht vor dem Hotel und fragt uns: „Wie war’s?“

„Frische Luft und Sonne“, antwortet Joana.

„Jetzt noch ein Käffchen?“ Ich muss lachen, weil Alfred wieder versucht, Sächsisch zu sprechen.

„Dor Leffel muss drinne stehn“, antworte ich ihm.

Wir plaudern noch eine Runde über unsere Gäste und bekommen fast Bauchschmerzen vor Lachen.

Eigentlich hätte ich jetzt noch eine Runde Tischtennis spielen können. Wir gehen hinunter in den Keller. Dort ist der Tischtennisraum. Joana sagt: „Es ist Jemand da.“ Ich öffne die Tür und sehe vier junge Leute beim Spielen.

„Kann ich eventuell eine Runde mitspielen?“, frage ich.

„Gern. Kommst Du aus’m Osten? Wir auch“, antwortete mir ein Spieler in fast schon mitteldeutschem Sächsisch.

„Ich komm aus Hohnsteen.“

„Wir komm’n aus Colditz.“

„Colditz kenn ich vom Porzellan her und vom Tischtennis.“

„Dor Bernd iss Porzellaner. Wir ni. Hohnsteen, wort ma…gegen die hamm mir oh gespielt. Wor ne gute Mannschaft.“

„Ich hab mein’n Schläscher ohm offn Zimmr. Worte ma e bissl.“

Ich renne schnell aufs Zimmer und Joana legt mir meinen Schläger hin. Den nehmen wir immer mit. Leider brauche ich den zu selten. Ich wollte Joana gern diesen Sport lernen und Joana wollte das auch gern spielen. Unsere Arbeit verhindert das.

Joana schaut anfangs zu und geht dann aufs Zimmer. Wir spielen und, ich muss gestehen, dass ich mit dem Tempo meiner jüngeren Sportsfreunde nicht mehr mit halten kann ohne regelmäßiges Training. Trotzdem geben sie mir Komplimente. Nach drei Stunden bin ich aber recht fertig und wir trinken noch ein Bier zusammen. Bei den Gesprächen über die besetzte Heimat kommt fast schon zu viel Frust auf und wir brechen das Thema ab. Die Jungs haben Urlaub mit der Familie. Den muss man sich nicht auf die Art versauen.

Nach vier Stunden gehe ich ins Zimmer. Eine neue Verabredung zu einem Spiel ist nicht mehr möglich. Die Jungs reisen ab und ich muss auf Arbeit. Joana schläft schon.