Hühnchenpeperonata


Heute ist natürlich Sonntag. Und sonntags, fressen wir Fleesch in Sachsens armen Haushalten.

Für das Fleisch haben wir nur begrenzte Mittel. Also, nehmen wir Huhn. Der Peperoni ist im Winter sau teuer. Vielleicht hilft diese oder jene Konserve. Bisweilen sind die im Zwei-Für-Eins-Sortiment. Das ist alle Mal besser als an die Katholische Tafel zu schreiten, die wir über Steuern zusätzlich bezahlen. Das erspart uns auch das Glaubensbekenntnis vor der sparsamen Mahlzeit.

Zwiebeln sind nach wie vor, recht preiswert zu haben und winters, auch ziemlich gesund. Die schneiden wir recht grob in Spalten. Dafür braucht es kein Brett.

Wir schwitzen die Zwiebel etwas an und geben die in mittelgroße Stücke geschnittene Hühnchenbrust dazu. Sind die Hühnertitten zu teuer, nehmen wir eben Keule.

Ich erinnere mich an den Film: „Abgang mit Stil“ und muss wirklich herzlich lachen. Ein Meisterwerk der besonderen Art.

Peperoni werden meist etwas gesäuert beim Konservieren. Das ist gut so. Wir gießen lediglich das Öl oder die Mariade ab und halten uns das etwas für Salate, Risotto, Pasta oder Suppe zurück.

Sobald also das Hühnchen etwas Farbe angenommen hat, geben wir die Peperoni dazu, würzen mit Salz, etwas Pfeffer, Zucker und bei Appetit, Aglio. Aglio ist der Knoblauch. Jetzt kann der Koch etwas Dunst anstreuen. Reisdunst geht genau so gut wie der von Mais- oder Weizen. Etwas Hähnchenbrühe aus dem Wasserhähnchen passt gut und reicht als Aufguss. Wir decken den Topf ab und lassen das nach dem Aufkochen auf Stufe eins der Induktionsplatte ziehen.

In fünfzehn Minuten ist das fertig.

Wer unbedingt Beilagen dazu möchte, kann sich kurz vor dem Abdecken nach dem Aufkochen des Geflügels, Grieß-, Reis-, Kartoffel- oder Polentanocken auf das Gericht legen.

Die Nocken sind natürlich bei mir auffindbar unter Rezepte, Klößen und Knödeln.

Die Größe der Nocken gibt auch vor, wie lange Sie heizen müssen. Ein DDR-Sprichwort unter Köchen hilft etwas: „Je kleiner, desto schmeckts.“ Mitunter haben Sie so die Möglichkeit, Ihren Energieverbrauch der neuen Situation anzupassen. Sie müssen genau den Prozentsatz einsparen, den ihre Lieferanten verteuern. Auf diese Art sorgen Sie zumindest dafür, daß Ihre Energielieferanten mehr exportieren müssen. Und ob Ukrainer mehr für Strom zahlen können als Sie, überlassen wir den Geschäftsgebaren Ihrer Lieferanten.

Kartoffeln und Ricotta


In den Armenküchen der sächsischen Weber, war Kartoffeln mit Hering bereits ein Sonntagsessen. Ich schätze, heute wird das nicht viel anders sein bei den Besatzern. Wochentags wurde der Hering oft mit Leinöl oder Quark ersetzt. In Sachsen wird der Quark zu Pellkartoffeln natürlich mit Salz, Pfeffer, Zucker, Kümmel oder Kümmelöl und reichlich frischer Zwiebel gewürzt. Kräuter, wenn sie denn im Garten stehen, sind herzlich willkommen. Es gibt eine Variante ohne Kümmel; dafür mit Dill.

In Italien haben wir fast das gesamte Jahr, frische, neue Kartoffeln. Hier gibt es Ricotta. Ricotta wird etwas anders hergestellt als Quark. Ricotta ist ein Frischkäse und wird gelabt.

Die gleichen Zutaten wie im Quark, verwende ich bei Ricotta. Was soll ich sagen? Die neue Heimat schmeckt anders, aber keinesfalls schlechter.

Ein besonderes Gericht ergibt sich bei einer Südtirol-Italienischen Freundschaft. Dabei vermische ich den hier üblichen Magerquark mit Mascarpone und Ricotta. Gebe ich in diese Mischung noch Sardellen rein, könnte Unsereiner glauben, im Erzgebirge zu sein.

So nah sind die verschiedenen Welten.

Kleine Ausfahrt 110121


Gestern sind wir wieder Mal ausgefahren. Eigentlich wollte ich wissen, ob ich das schon mit dem Moto fahren kann. Um es kurz zu schreiben; es geht nicht. Auf der Südtiroler Seite des Eggentals wäre das bedingt fahrbar. Ab der Höhe Laurin-Welschnhofen ist es aber sehr anspruchsvoll. Angesichts der Fahrkünste der Autofahrer, die wir schon mittlerweile als hirnrissig beschreiben können, rate ich den Motoristi von so einer Tour ab. Auf der Fleimser Seite befand sich stellenweise Schneeglätte auf der Straße, die sich langsam in Eisglätte verwandelt. Mir fielen auch wieder die Panzer auf, die über keinerlei Spritzschutz verfügen, Kurven schneiden und deren Fahrerinnen in Tunnels, Aufblend- von Abblendlicht nicht unterscheiden können. Wann wird das endlich kassiert!? Liebe Fahrerinnen: Im Tachometer, neben oder unter der Geschwindigkeitsanzeige vor ihren verschmierten Augen, brennt ein blaues Lämpchen. Das zeigt Ihnen, Sie benutzen gerade Aufblendlicht. Ich rede noch nicht von den sechs anderen brennenden Leuchten an ihrem Panzer. Und wenn Sie Steinschläge auf Ihrer Scheibe haben, ist es garantiert einer Ihrer Kollegen ohne Spritzschutz. Sie können dann gemeinsam zu Carglass gehen und dort ein Käffchen trinken für 100.-Euro:-))

Ich habe nicht fotografiert. Joana hat das übernommen. Immerhin waren auf dem Berg, -6°C. Der Himmel war blau und wolkenlos. Auf den Hauptstraßen war reger Lieferverkehr. Bis auf wenige Ausnahmen, sind alle kleinen Hotels und Restaurants geschlossen. Der Besuch dieser Einrichtungen, auch im Freien, ist uns eh untersagt. Dann nehmen wir uns eben die Banane und den Kaffee mit. Unser Schaden ist das ganz sicher nicht. Die Kleinunternehmer leben von ihren Umsätzen. Sie klauen sich ihr Geld nicht aus dem Steuersäckel. Wir haben übrigens im „Parlament“ des Landes, Damen sitzen, die tatsächlich im Monat, eintausend Euro verfahren. Man könnte jetzt fragen, an welcher Straße der tägliche Dienst statt findet. In Pandemiezeiten, wohlgemerkt! Und jetzt die Hauptfrage:

Wer zahlt uns Saisonarbeitern die Kilometer, die wir tatsächlich fahren? 

Was stellen wir fest? Ich sage es hier nicht. Um die Familie zu sehen, fahren unsere Saisonarbeiter, täglich wohlgemerkt, mehrere hundert Kilometer zu ihren Lasten. Und die Arbeiter klauen sich keine 12000.-Euro im Monat!

Es wird langsam Zeit, das eigene Gewissen zu prüfen. Ich rede von einem Südtiroler Gewissen. Ist das nun ein Volk oder nicht? Ich  sage es auch gern im Vergleich mit der DDR. Bei uns hätte sich das ein Abgeordneter, ein von arbeitenden Menschen gewählter Vertreter des arbeitenden Volkes, garantiert nicht getraut! Er wäre zu dem, umgehend aus dem Parlament, dem Kreis- oder Bezirkstag relegiert worden.

Leseprobe Der Saisonkoch – Zweiter Monat


Jetzt beginnt der Zweite Monat und ich glaube fast, das passt in die aktuelle Zeit.

Ab dem Zweiten Monat erspare ich meinen Lesern die Kochlehre, Rezepte und Arbeitsanleitungen. Ab diesem Teil konzentriere ich mich ausschließlich auf die Saisonarbeiter, deren Arbeitgeber und auf die zurück gelegten Wege. Es geht um Arbeitslosigkeit, Vorstellungsgespräche und die Auswirkung auf die Psyche. Meine Südtiroler Leser werden schon einige Südtiroler Betriebe mit finden. Auch den Kontakt mit meinen neuen Landsleuten. Selbstverständlich vergleiche ich die DDR mit meinem neuen Gastgeberland. 

Tag 32

Kurz nach Zwölf wecken wir vom Knallkörpergeräusch in unserer Nachbarschaft auf. Die Gäste von unserer Nachbarin feiern Neujahr und starten ihre Raketen und Knallkörper. Über Meran und in unserem Ort sehen wir ein herrliches Feuerwerk. Nach zehn Minuten hören wir, wie schon die ersten Fahrzeuge ankommen, um Gäste von Doris abzuholen. Die Feier scheint nicht lange zu dauern.

In der DDR gingen Silvesterfeiern bedeutend länger und die Feierlichkeiten waren wesentlich intensiver. Das lag einfach daran, dass in der DDR sämtliche Getränke und Speisen in der Gastronomie, erheblich preiswerter waren und kaum einen Unterschied zu den Ladenpreisen darstellten. Für DDR-Bürger war dem zu Folge, Kultur und Zusammensein, bedeutend erschwinglicher. Zum neuen Jahr erwartete den DDR- Bürger auch kein Entlassungsschein und schon gar keine unerschwingliche Versicherungsrechnung. Aus genau dem Grund, waren unsere Silvesterfeiern ausgelassen und echte Feierlichkeiten. Komischerweise konnten wir uns zum Neuen Jahr auch etwas vornehmen, ohne befürchten zu müssen, dass uns ein äußerer Umstand an der Umsetzung hindert. Genau das aber geschah Neunzehnhundertneunzig. In diesem Jahr wurden alle Wünsche im Juni umgeschrieben und in neunzig Prozent aller Fälle, durch äußere Umstände im Laufe des Jahres gebrochen. Diese Enttäuschungen wirken noch heute und bei sehr vielen unserer Mitbürger waren die Enttäuschungen und Misshandlungen so grob, dass sie sich das Leben nahmen oder mit falschen Medikamenten, umgebracht wurden. Allein in unserer Familie, waren es fünf Angehörige, die in der DDR noch leben würden. Einer unserer Väter wurde bei einer normalen Zuckerkrankheit auf Westmedikamente umgestellt und wir durften machtlos zusehen, wie er binnen einem halben Jahr, auf dreißig Kilogramm Körpergewicht zusammenfiel. Seine Frau, eine meiner Mütter, verstarb an Einsamkeit, weil wir Kinder uns das Geld woanders verdienen mussten. Ein Onkel, der in der DDR einen sicheren Behindertenarbeitsplatz als Beifahrer hatte, wurde entlassen. Er hatte in der DDR einen Arbeitsunfall. Dessen Arbeitsplatz wurde mit der Auflösung seines Betriebes, abgeschafft. Er lebte mit seiner Mutter, meiner Oma zusammen und sie sollten zusammen, von der gekürzten Rente unserer Oma leben. Beide legten sich vor den Gasherd und starben an Gasvergiftung. Unsere Familie hat damit mehr Opfer zu beklagen als kriegsgeschädigte Familien des Zweiten Weltkrieges, in dem wir als Familie, neben der Umsiedlung, auch ein Mitglied verloren. Zum großen Glück, hatte die DDR – Regierung unserer Familie, väterlicherseits, ein Gut mit Boden geschenkt, auf dem sich zu DDR – Zeiten gut auskommen ließ.

Zu jedem Neujahr gehen mir diese Gedanken durch den Kopf und meine Joana übt sich in gemeinsamen Mitgefühl. Es gibt also keinen Grund für uns, ein Neujahr unter diesen Bedingungen zu feiern.

Leseprobe Der Saisonkoch – Erster Monat


Waisenkinder müssen um Spenden betteln. Ich kann es nicht fassen. Das ist die Aufgabe des Staates, so etwas zu organisieren. Was ist das für ein Regime, das seine Kinder für das Lebensnotwendigste arbeiten lässt. Im Westfernsehen haben sie das mal der DDR unterstellt. Man filmte damals unseren Werksunterricht und log das Blaue vom Himmel. Das kommunistische DDR-Regime würde selbst Kinder arbeiten lassen, um den Plan zu erfüllen. Unsere Eltern, meist unter faschistischer Erziehung aufgewachsen, glaubten teilweise diesem Unfug. Wohl in der Annahme, sie würden im Westfernsehen die Wahrheit erfahren. Heute wissen wir, dass die Vertreter des kapitalistischen Systems, ausnahmslos verlogene Verbrecher sind. Mir fällt keine dieser Gestalten ein, die bei einem fähigen Staatsanwalt, straffrei ausgehen würde. Im Grunde befinden wir uns seit der Wende in einem durch und durch kriminellen Umfeld. Für DDR-Bürger ist das eine neue Erfahrung, die ganz sicher einer gewissen Anpassung bedarf.

Nach der Essensausgabe packe ich schnell meine drei Sachen und wünsche den Damen eine gute Bescherung, um nicht Beschälung zu sagen. Ich rufe im Haupthaus an, damit sie mich abholen kommen. Fünf Minuten später war mein türkischer Kollege schon da. Ich war noch am Küche putzen. Der Kollege packte meine leeren Behälter, führte mit meinen Kolleginnen noch einen kleinen Plausch bis ich fertig war und los ging‘s. Der Fahrerkollege stellte sich mit Urban vor und sagte mir, er wäre der Hausmann. Er fragte mich, ob er mich bei meinem Auto absetzen soll, was ich bejahte. „Der Chef hat für Jeden ein Weihnachtsgeschenk“, sagte er mir. „Das wird mir sicher nicht weglaufen“, antworte ich ihm. „Meine Frau ist mir wichtiger.“ Am Auto angekommen, verabschiedete ich mich von Urban und sagte ihm, er soll den Kollegen und dem Chef eine frohe Weihnacht wünschen von mir.

Die Fahrt aus dem Tal war die einsamste, die ich bisher erlebt habe. Ich traf keinen einzigen Fahrer, keinen Gegenverkehr, keinen Fußgänger, Niemand. Die Häuser waren mit bescheidenem Weihnachtsschmuck versehen, der teilweise leuchtete. Mit Sachsen, nicht vergleichbar. Angekommen in Prutz, sah ich eine etwas größere Menschenmenge vor der Kirche stehen. Die Kirchenglocken läuteten fast schon inbrünstig. Wahrscheinlich sind reichlich Spendengelder eingegangen, die bekannterweise im Namen vermeintlicher Waisen, hilfsbedürftiger, afrikanischer Kinder oder Kriegsopfern ein gebettelt werden. Der mediale Aufwand ist enorm. Das scheint sich zu lohnen. Nur nicht für die angegebenen Spendenempfänger. Immerhin hat der Pfarrer ein stattliches Gehalt, für das ich schon drei Monate arbeiten müsste. Da soll Einer sagen, Märchen erzählen wäre blauer Dunst, von dem man nicht leben kann. Im Kapitalismus leben etliche Mitbürger fürstlich vom Märchen erzählen.

In der DDR nannten wir das Gewerbe Agitprop; Agitation und Propaganda. Die Vertreter dieses Faches waren unsere Aufklärer, die der Aufgabe nachgingen, die Lügen der Westmedien samt ihrer Vertreter zu widerlegen. Leider logen die Westlügner so heftig, dass eine Sendung oder Versammlung pro Woche nicht annähernd reichte, um deren permanente Lügenkultur zu widerlegen. Im Grunde hätte es gereicht, Westmedien einfach abzuschalten. Nicht wegen der Behinderung der freien Meinungsäußerung; sondern einfach wegen der Behinderung von verbrecherischen Lügen, die alle hoch kriminell sind. Ein Doktor Goebbels wäre dafür am Galgen gelandet. Er wusste das selbst zu verhindern.

Leseprobe Der Saisonkoch-Erster Monat


In der Lobby drängen sich schon die Wintergäste. Alle haben Ski, Stöcke und irgendwelche Mützen in der Hand. Der Skibus hält direkt vorm Haus und auf den warten unsere Gäste. Später kommt noch ein Skibus, der mit seinen Passagieren eine Rundfahrt unternimmt. Bei der Rundfahrt werden andere Skigebiete besucht. Die Touristen sind noch nicht in der Lobby. Sie sitzen noch am Frühstückstisch. Der Bus kommt und es entsteht ein Gedränge. Unsere Gäste sind im Urlaub. Ich kann nicht verstehen, warum sie so drängeln. Und das am frühen Morgen. Der Busfahrer kommt mit einem Kollegen herein und holt bereits die ersten Ski ab. Die Ski stellen sie in korbähnliche Gestelle, die sie am Bus montiert haben. Ich gehe aus der Hotelempfangshalle vor die Tür und sehe, in der Nacht ist wenig Schnee gefallen ist. Zum Weihnachtsmarkt ist es nur ein kleines Stück. Musik ist schon zu hören. Der Glühweinstand hat schon offen. Die ersten Kunden stehen davor. Am frühen Morgen. Ich höre nebenbei, wie sich die Leute verabschieden und bis zur kommenden Woche verabreden. Sie trinken Glühwein und wollen tatsächlich noch nach Deutschland fahren. Das erklärt mir dann schon den seltsamen Fahrstil dieser Kunden. Vom Markt sind nur drei Stände offen. Der Speckstand, Glühweinstand und der Stand von einem einheimischen Bauern, der etwas geschnitzte Volkskunst verkaufen möchte. Mit ihm spreche ich, weil er mich gefragt hat, ob ich der neue Koch vom Alfred bin.
„Nein. Meine Frau ist bei Alfred Zimmermädchen. Ich mache hier nur meinen Krankenstand.“
„Host di geschnittn.“
„Recht streng, sagt der Dok.“
„Du bist net hiesig. Du kommst aus Deitschlond. Aus‘m Oschten.“
„Wir sind zur Wende nach Meran ausgewandert und arbeiten hier in der Wintersaison.“
„Un im Sommer orbeiteste bei eich driem?“
„Ja. Ich arbeite meist auf den Bergen, weil da die Saison kürzer ist.“
„Do hier biste gut versichert. Geht scho. Bei eich driem, isses do schlimmer.“
„Ich bin hier noch nicht so erfahren, um das bestätigen zu können. Größere Arbeitsunfälle hatte ich noch nicht. Krank war ich nie.“
„Du werst Di umschaun. Vor ollm, wenn Du‘n Zahnarzt braugscht.“
Das war mir schon mal eine Warnung, über die ich bisher nie nachgedacht habe. Ich schlendere noch etwas über den Weihnachtsmarkt, den ich nicht besonders aufregend finde. Unsere sächsischen Weihnachtsmärkte sind da schon um Längen interessanter. Die haben mich aber nie besonders interessiert, weil ich zu Hause auch gearbeitet habe in der Zeit. Mir taten die Leute eigentlich leid, die sich stundenlang wegen eines Nussknackers oder sonstigem Kram anstellen. Die Sachen wurden in der DDR wie Gold gehandelt. Es gehörte einfach zum guten Ton, diesen Kram zu verschenken. Wenn man in der Gastronomie arbeitet, vor allem zu den Feiertagen, kann sich so ein Gefühl schlecht entwickeln. Man findet das Gehabe albern und kindisch. In meinen Augen ist das Geschäftemacherei. Nach den Ferien, wurde in der Schule verglichen und präsentiert, was man so zu Weihnachten abgesahnt hat. Unsere Eltern haben uns relativ fürstlich beschenkt. Durch ihren Beruf als Wirtsleute, hatten sie recht wenig Zeit, mit uns die Freizeit zu verbringen. Vater war immer ganz stolz, wenn er seine riesengroße Brieftasche auffaltete und ein Scheinchen herauszog, um zu bezahlen. Unsere Eltern haben für dieses Gefühl, extrem schwer gearbeitet. Unsere Selbsterziehung im Umfeld der Freunde, hat aber aus uns recht brauchbare Menschen werden lassen. Wir haben gelernt, uns selbst zu helfen. In dem Sinne, sind wir unseren Eltern recht dankbar. Sie haben sich, aus Zeitmangel, einfach selten eingemischt. Dadurch sind wir sehr emotionale Menschen geworden, die auch diverse Regeln streng hinterfragten. Die Erziehung wurde noch durch ein sozialistisches Schulsystem ergänzt, das wir in der DDR bekamen. Wir sahen unsere Lehrer und Erzieher länger und öfter als unsere Eltern. Das war nicht zu unserem Nachteil. Unsere Mutter war eine ausgemachte Kramsammlerin und schleifte uns über Märkte aller Art. Das Hobby war ihr eigentlich wichtig, weil unsere Mutter mit diesem Kram, das Gasthaus verschönerte. Für Mutter war das ihre ganz persönliche Erholung, die sie manchmal auch etwas undosiert genoss.

Leseprobe Der Saisonkoch-Erster Monat


Aktuell bin ich bei etwa zwei Drittel des Ersten Teiles. Ich habe früher mit Software, Korrektur gelesen und darf jetzt bei Handarbeit feststellen, da schleichen sich schon erhebliche Fehler ein. Die redigiere und korrigiere ich gerade. Im Januar kommt das streng redigierte und korrigierte Buch dann in Neuauflage. Das Vorgängerwerk nehme ich dann für eine Woche raus.

Die derb wirkende Wortwahl habe ich nur teilweise entfernt. Ich möchte aber den Charakter des Buches nicht unbedingt verändern. Das Buch spiegelt schließlich die Gedankenwelt einfacher Menschen wieder, die auch bisweilen in Wut geraten. Mit der derben Wortwahl versuche ich zudem, die fast schon grenzenlose Dummheit gepaart mit der Überheblichkeit unserer Gäste auszudrücken und wie der Arbeiter darauf reagiert. Wer in diesem Gäste-Gastgeber-Verhältnis noch auf eine besondere Qualität spekuliert, tut mir wirklich aufrichtig Leid. Ein Service konzentriert sich wirklich nur noch auf das Nötigste, das zudem auch ziemlich schlecht bezahlt wird. Eine Saisonkraft verdient pro Stunde, rein gerechnet, keine fünf Euro. Für diesen Preis dürfen Sie wirklich nur das Notwendigste erwarten.

AuszugUnsere Kellnerinnen kommen in die Küche und sagen mir, ich solle zu den Kunden gehen. Sie können das nicht Alles beantworten, was sie von den Gästen gefragt werden. Dafür fehlt ihnen auch die Zeit. Ich gehe an den Tisch. Dort sitzen zwei dürre Gestalten, die aussehen als wären es weibliche. Die männlichen Begleiter sitzen bei ihnen und sagen keinen Ton. Die eine bellt mich aus einem steif operierten Mund an, was denn das für Beilagen auf dem Vegetarierteller wären. „Vegetarische“, sage ich ihr. Ich habe den Eindruck, sie wollte eigentlich nur erfahren, wer da kocht und woher der Koch stammt. „Ach.“
„Haben Sie noch Fragen zu dem Essen?“
„Nein. Dasch kenne ich. Wir schind hier jedes Wochenende. Wir wollen nur den neuen Chefkoch schehen.“
„Sind Sie jetzt zufrieden?“
„Wie kochen Schie denn die Käscheschpätschzle?“
„Ich rede mit Kunden, die keine Ahnung von Lebensmitteln und Kochen haben, nicht gern über Essen und wie man das herstellt.“
Einer der Begleiter antwortet mir, dass er meine Antwort nicht gerade schick findet. Die Wortwahl lässt bei mir einige Vermutungen aufkommen. Es scheint, der Begleiter ist die Hausfrau. Bei dem Stecken, kein Wunder, schätze ich.
„Mit Ihnen können wir wohl nicht über das Eschen reden.“
„Wenn ich ehrlich bin; ich hab von dem Essen kochen keine Ahnung. Ich bin nur der Chefkoch. Kochen tu ich schon lange nicht mehr. Haben Sie schon bestellt?“
Zum Glück kommt jetzt meine Kellnerkollegin und befreit mich von der Vorstellung.
„Chef. Du wirst in der Küche gebraucht.“
„Ich wünsche noch einen schönen Abend und guten Appetit.“
Antworten gab es keine.
Kaum in der Küche, kommt die Kellnerkollegin und zeigt mir die Bestellung des Tisches, welche gerade aus dem Bondrucker pfeift. Es sind vier verschiedene Speisen, wie schon vermutet. Komplett vegetarisch. Ausgerechnet bei Wolfgang, der seine eigenen Tiere und die der Nachbarn verarbeitet. Regionaler geht es schon gar nicht mehr. Das Gemüse ist importiert und garantiert nicht frisch. Ich finde es eh ziemlich witzig, wie Vegetarier im Winter an ihren Gewohnheiten festhalten. Wohl in der Kenntnis, dass ihr Essen, dort, nicht wachsen kann zu der Jahreszeit. Auszug

Ausfahrt zum Tag der Republik


Ausfahrt zum Tag der Republik

Geschrieben von BeyerKH am Donnerstag, 7. Oktober 2021 | Eintrag bearbeiten

Die „Himmelfahrt“ zum Tag der Republik führte mich heute auf die Mendel-Gampenrunde. Ehrlich gesagt, bereitet mir das Auf- und Absteigen vom Moto noch einige kleine Schmerzen. Das Standbein ist schließlich das Bein mit den Brüchen. Beim Auf- und Absteigen gibt es am Standbein eine leichte Drehung und die drückt bisweilen gewaltig. Dem entsprechend ähnelt das Auf- und Absteigen eher einer Kletterei. Außenstehende würden das vielleicht als ulkig ansehen. Nach so einer Runde muss ich aus der Garage mit meinen zwei Stöcken kriechen. Ich brauche fast einen Tag, um im Wohnzimmer wieder ohne Stöcke laufen zu können. Solche Ausfahrten kann ich bestenfalls, alle zwei Tage unternehmen.

Trotzdem wollen wir nicht vergessen, dass die Ausgangssperre maßgeblich Schuld an meinem Bruch ist. Motorradfahren erfordert tägliche Übung. Vor allem, wenn es darum geht, das Motorrad abzufangen. Das Eingesperrt sein, lähmt den Bewegungsapparat. Und das ist Gift, trotz der täglichen Stunden, die ich allein auf meinem Heimfahrrad verradele. Wenn ich bedenke, knapp sechshundert Tage a 15 bis 20 km…? Da bin ich schon fast durch Sibirien von hier aus.

Meine Fotoreihe beginne ich mal in der Töll. Viele Fotos habe ich nicht geschossen heute. Weißhimmel.

Es braucht schon einige Bearbeitungen, um Hafling anständig zu erkennen.

Trotzdem unterliegt der Blick einer gewaltigen Täuschung. In St.Pauls habe ich das mal deutlich gemacht:

Sobald wir unter den Wolken stehen, bekommen wir auch blauen Himmel zu sehen. Und jetzt habe ich das Foto mal von der Mendel aus geschossen. Bei dieser Perspektive könnte man glauben, es wäre wirklich bedrohliches Wetter:

Das ist mit zwei Fotos schon fast ein Panorama:

Weitere Fotos, vor allem mit Blick auf die Brenta oder gar auf Meran vom Gampen aus, waren mir leider nicht möglich. Das Gedränge war einfach zu belastend. 

Ausfahrt zum Tag der Republik


Ausfahrt zum Tag der Republik

Geschrieben von BeyerKH am Donnerstag, 7. Oktober 2021 | Eintrag bearbeiten

Ausfahrt zum Tag der Republik

Als Migranten haben wir ja das Glück, zwei Tage der Republik feiern zu dürfen.

Zum Einen ist es der 2.Juni…:

Festa della Repubblica

…und zum Zweiten..am 07.10.:

Der Tag der Republik der DDR.

Allgemein sind wir am Tag der Republik zu einer Danksagung in Form einer kleinen Demo mit verschiedenen Rednern angetreten. Anschließend gingen Einige in Restaurants und andere auf einen Ausflug.

Mit der Visafreiheit, 1972, wurde natürlich auch das Nachbarland besucht. Je nach Entfernung war das die Volksrepublik Polen oder die Tschechische Republik. Kilometerlange Staus gab es auch schon zu DDR Zeiten. Und das waren garantiert keine Fußgängerstaus.

Unsereiner gab sich dem Böhmischen Knödel mit Gulasch hin. Auf dem Heimweg war der übliche Schmuggel angesagt. Bei mir als Koch und Liebhaber diverser Fischkonserven, waren das Dorschleber und Ölsardinen.

In Hotels und ähnliche Einrichtungen mussten wir nicht gehen. Um im Nachbarland preiswert zu übernachten, reichte es, in einer Gaststätte oder im Kaufhaus, Leute anzusprechen. Gastgeber und Freunde fanden sich ziemlich schnell. Die Freundschaften hielten oft sehr lange und beruhten auf Gegenseitigkeit.

Im Oktober sind wir oft noch mit dem Motorrad gefahren. Die beliebteste Runde war der Grenzübergang Oberwiesenthal auf dem Hinweg; der Rückweg führte uns entweder über Reizenhain, Zinnwald oder über Schmilka.

Generell lohnte sich ein Besuch über drei Tage. Es gab einen etwas erhöhten Tagessatz beim Umtausch. Mogeln konnte man auch; aber eben im Rahmen. Unsere Grenzer waren stets großzügig und freundlich. Das genaue Gegenteil durften wir erst nach der Annexion erfahren. Das wurde immer unter dem Hinweis versteckt, wir wären das ja gewohnt von unserem Regime. Eben das, waren und sind wir eben nicht gewohnt. Misshandlungen und Schikanen an Grenzen, haben wir erst mit dem Westen kennen gelernt. Sozusagen, all inklusive:-))

Große Runden sind ob des Bruches noch nicht möglich. Es wird sicher eine einfache Hausrunde. 

Heute dürfen wir also ein paar Bilder erwarten, die hoffentlich etwas besser werden als das.

Gratulation zum 72.DDR Geburtstag


Allen DDR Bürgern gratuliere ich zu ihrem Geburtstag heute. Ich bin nicht der Einzigste:

https://ddr-kabinett-bochum.blogspot.com/2021/10/unser-feiertag-ist-der-7-oktober.html

https://www.demvolkedienen.org/index.php/de/t-brd/5880-magdeburg-kaempferische-demonstration-gegen-tag-der-deutschen-einheit

http://cleo-schreiber.blogspot.com/2021/10/vor-und-nach-72-jahren-harry-popow.html

VOR UND NACH 72 JAHREN… – Harry Popow

VOR 72 JAHREN…

Leseprobe aus „AUSBRUCH AUS DER STILLE. Persönliche Lebensbilder“ anlässlich des 72. Jahrestages der Gründung der DDR am 07. Oktober 1949

Der Autor wurde 1936 in Berlin-Tegel geboren, wuchs in der DDR auf, arbeitete als Militärjournalist im Dienstgrad Oberstleutnant in der NVA und betätigt sich heute als Blogger, Buchrezensent und Autor. Er ist seit 1961 glücklich verheiratet.

Jetzt kommt noch der Jürgen:

..mit dem:

»Einheitsfrontlied«

»Und weil der Mensch ein Mensch ist,

Drum braucht er was zum Essen, bitte sehr!

Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt,

Das schafft kein Essen her.

 

Drum links, zwei, drei!

Drum links, zwei drei!

Wo dein Platz, Genosse, ist!

Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,

Weil Du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Mensch ein Mensch ist,

Drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern.

Er will unter sich keinen Sklaven sehn

Und über sich keinen Herrn.

Drum links, zwei, drei!

Drum links, zwei drei!

Wo dein Platz, Genosse, ist!

Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,

Weil Du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Prolet ein Prolet ist,

Drum wird ihn kein anderer befrein.

Es kann die Befreiung der Arbeiter nur

Das Werk der Arbeiter sein.

Drum links, zwei, drei!

Drum links, zwei drei!

Wo dein Platz, Genosse, ist!

Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront,

Weil Du auch ein Arbeiter bist«.

Bertolt Brecht, 1934.

Gesungen von Ernst Busch 1971.

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