Fortsetzung Der Betrieb läuft


Fortsetzung Der Betrieb läuft

Die jungen Frauen aus Amerika sehen meinen Sohn und geben sofort Freudengeräusche von sich, die wir vielleicht als Quieken oder Jubeln bezeichnen. Sie klingen in etwa, wie die Fanrufe bei Konzerten. Mein Junior, Alex, rollte mit den Augen bei dem Anblick. Nach der Gepäckablage stürmten die jungen Frauen meine Küche und fingen an, in meinen Rohstoffen, ihre Speisewünsche zu suchen. Der Dolmetscher wollte eigentlich, dass sie gehen. Das habe ich nicht zu gelassen. Schließlich wollte ich auch meine Show. Und zwar, ohne Eintrittsgeld. Zudem war mir die Gegenwart dieser jungen Frauen sehr angenehm. Alle waren fast schon übertrieben freundlich. Zumindest wirkte das bisweilen etwas aufgetragen. Neugierig waren sie auch noch. Sie wollten unbedingt sehen, wie ich ihr Essen zubereite. Joana und Andrea bekamen reichlich Komplimente für ihr Aussehen. Das Wort, das ich am meisten hörte, war:

„Very nice.“

Unsere Restaurant gefiel ihnen besonders. Sie fanden es kuschelig. So übersetzte mir das jedenfalls der Dolmetscher.

Mir jedenfalls, gelang es nicht, sämtliche Äußerungen zu verstehen. Die Frauen redeten sehr oft untereinander. Ich konzentrierte mich mehr auf deren Gesten. Und die waren einladend und freundlich.

„Warum machen Sie diese Show?“, fragte ich sie.

„Die meisten jungen Frauen beklagten den großen Brustumfang. Eine Operation zur Verkleinerung der Brüste wäre aber unglaublich teuer zu Hause. So würden sie sich das Geld zusammen sparen.“

Sie gaben uns allen Tickets für ihre Auftritte. Wir sollten unbedingt ihre Show besuchen. Der Junior bekam auch ein Ticket.

Fortsetzung folgt

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„Früher haben wir wenigstens Ausfahrten und Konzerte bekommen. Das ist wie weg geblasen.“

„Ja. Aber Du hast gesagt, Kommunisten sind Scheiße.“

„Jetzt muss ich sogar beim Doktor bezahlen. Der will zehn Mark und hält mir seinen Lauscher an die Brust. Das wars.“

Ich muss die Zwei nach Hause fahren. Sie haben nicht mal das Fahrgeld, das sich verzehnfacht hat. Manne kann den Arzt nicht mehr bezahlen. Gerlinde auch nicht. Die Drei leben in Existenzangst. Wir packen ihnen etwas Essen zusammen, ein paar Brote, Konserven und ich fahre sie nach Hause. Trostlos endet was blühend begann.

Das kommende Wochenende kommt schon der erste Bus. Unser Ort hat jetzt angeblich eine Partnergemeinde im Westen. Und die besuchen uns. Die blöden Kommentare unterscheiden sich kaum von den Kommentaren der Gäste unserer ersten Gaststätte. Im Gegenteil. Sie sind erniedrigender. „Warum schmeißt Du die nicht raus“, zischt Joana. „ Die angepinselten Nutten mit ihren großen Fressen. Keine von denen hat je gearbeitet.“

Joana hat schon Recht. Geschenke haben die keine mit. Nicht mal Souveniers. Wer hat denen die Fahrt gezahlt?

„Wir haben eine Spendensammlung für Wunderbachwitz gemacht. Der Pfarrer freut sich.“

„Das glaub ich gerne. Der hat es auch bitter nötig.“

„Was gibt es denn heute zu Essen?“

„Die Gemeinde bezahlt Ihnen heute:

Champignonsuppe

Salatteller

Roulade mit seidenen Klößen und Anhaltiner Spargel

Eierschecke mit einem Kirschlikör“

„Spargel haben wir selbst zu Hause, massenhaft.“

„Aber der Gemeinderat, dem auch maßgeblich Bürger ihrer Stadt angehören, hat dieses Menü genehmigt.“

Nach dem Essen sagen mehrere, „der Spargel schmeckt besser als unserer:“

„Vielleicht kann ich ihn besser kochen?“

So habe ich wenigstens dabei, für etwas voreingenommene Unterhaltung gesorgt.

Am frühen Morgen lernen wir das erste Mal, wie sich Westdeutsche an einem Frühstücksbuffet benehmen. Sie packen Alles ein, was nach Essen aussieht. Aber auch unsere Dekoartikel. Mundgeblasene Vasen aus Lauscha. Jetzt ist das privates Westeigentum, das mit Waffen verteidigt wird im Notfall. Die kleinen Schnitzereien aus unserer Glasvitrine, sind auch in ihren Taschen gelandet. Ich frage sie bei der Abreise, ob sie zufälligerweise etwas mitgenommen hätten.

„Nej“, schallt es fast einhellig aus ihren breiten Fressen.

„Soll ich erst die Polizei holen?“

„Unsere Polizei ist doch schon da“, antwortet dieses Drecksvolk, laut lachend.

Ich rufe auf der Gemeinde an und sage Bescheid, dass ich dieses Gesindel nie wieder aufnehme. Die haben bei uns Hausverbot!

Fortsetzung folgt

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„Früher haben wir wenigstens Ausfahrten und Konzerte bekommen. Das ist wie weg geblasen.“

„Ja. Aber Du hast gesagt, Kommunisten sind Scheiße.“

„Jetzt muss ich sogar beim Doktor bezahlen. Der will zehn Mark und hält mir seinen Lauscher an die Brust. Das wars.“

Ich muss die Drei nach Hause fahren. Sie haben nicht mal das Fahrgeld, das sich verzehnfacht hat. Manne kann den Arzt nicht mehr bezahlen. Gerlinde auch nicht. Die Drei leben in Existenzangst. Wir packen ihnen etwas Essen zusammen, ein paar Brote, Konserven und ich fahre sie nach Hause. Trostlos endet was hoffnungsvoll begann.

Das kommende Wochenende kommt schon der erste Bus. Unser Ort hat jetzt angeblich eine Partnergemeinde im Westen. Und die besuchen uns. Die blöden Kommentare unterscheiden sich kaum von den Kommentaren der Gäste unserer ersten Gaststätte. Im Gegenteil. Sie sind erniedrigender. „Warum schmeißt Du die nicht raus“, zischt Joana. „ Die angepinselten Nutten mit ihren großen Fressen. Keine von denen hat je gearbeitet.“

Joana hat schon Recht. Geschenke haben die keine mit. Nicht mal Souvenirs. Wer hat denen die Fahrt gezahlt?

„Wir haben eine Spendensammlung für Wunderbachwitz gemacht. Der Pfarrer freut sich.“

„Das glaub ich gerne. Der hat es auch bitter nötig.“

„Was gibt es denn heute zu Essen?“

„Die Gemeinde bezahlt Ihnen heute:

Champignonsuppe

Salatteller

Roulade mit seidenen Klößen und Anhaltiner Spargel

Eierschecke mit einem Kirschlikör“

„Spargel haben wir selbst zu Hause, massenhaft.“

„Aber der Gemeinderat, dem auch maßgeblich Bürger ihrer Stadt angehören, hat dieses Menü genehmigt.“

Nach dem Essen sagen mehrere, „der Spargel schmeckt besser als unserer:“

„Vielleicht kann ich ihn besser kochen?“

Der Anhaltiner Spargel war griechischer. Der wäre dem Westpublikum zu billig gewesen. Uns nicht.

So habe ich wenigstens dabei, für etwas voreingenommene Unterhaltung gesorgt.

Am frühen Morgen lernen wir das erste Mal, wie sich Westdeutsche an einem Frühstücksbuffet benehmen. Sie packen Alles ein, was nach Essen aussieht. Aber auch unsere Dekoration. Mundgeblasene Vasen aus Lauscha. Jetzt ist das privates Westeigentum, das mit Waffen verteidigt wird im Notfall. Die kleinen Schnitzereien aus unserer Glasvitrine, sind auch in ihren Taschen gelandet. Ich frage sie bei der Abreise, ob sie zufälligerweise etwas mitgenommen hätten.

„Nej“, schallt es fast einhellig aus ihren breiten Fressen.

„Soll ich erst die Polizei holen?“

„Unsere Polizei ist doch schon da“, antwortet dieses Drecksvolk, laut lachend.

Ich rufe auf der Gemeinde an und sage Bescheid, dass ich dieses Gesindel nie wieder aufnehme. Die haben bei uns Hausverbot!

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Wir fahren zu Joanas Mutter. Vor dem Haus steht ein örtlicher Beerdigungsunternehmer. Er schüttelt den Kopf.
„Herbert hat sich im Schuppen erhängt“, sagt er zu uns.
„Er war unser bester Freund und in unserer Mannschaft.“
Herbert war leidenschaftlicher Kegler.
Bei Mutter steht der Hausarzt unserer Familie. Auch der ABV ist da. Die Nachbarn schauen teilweise hinter Gardinen hervor oder öffnen Spalten ihrer Haustüren. Herbert war extrem beliebt in der Gegend. Älteren hat er die Anliegerordnung gemacht, gestreut, gefegt und auch Hecken verschnitten.
„Ich konnte ihn allein vom Fenster abnehmen. Er wog keine dreißig Kilo mehr“, sagt der Bestatter.
Heinz, unser Hausarzt, sagt: „Seine Verdauung war restlos hinüber.“
„Er hat bei uns ziemlich viel gegessen“, sag ich zu Heinz.
„Ja. Aber wie er es gegessen hat, hat er es auch wieder verloren. Das ist fast wie ein Durchfall nach einer Infektion.“
„Wie lange ging das schon so?“
„Das kam mit der Umstellung auf die neuen Medikamente. Und die begann vor einem halben Jahr.“
„Also waren die Medikamente schuld?“
„Das darf ich so nicht sagen.“
Wir fragen Mutter, ob sie mit zu uns fahren möchte.
„Das tut mir sicher gut jetzt.“
Joana packt ihre Sachen. Wir nehmen Mutter mit zu uns.

Der Betrieb läuft


Unsere Hausgäste sind alle schon weg. Sie kommen im Laufe des Tages wieder. Dann haben wir auch unser Restaurant geöffnet.

Mischa kommt wieder. Er will mir etwas helfen.

Rolf und Julia bauen oben in unserer Dusche. Dann geht er teilweise noch bestimmte Leitungen abdrücken und kontrollieren.

„Alles bestens. Wir sind fertig.“

„Wunderbar.“

Er gibt mir die Rechnung. Mit der Heizanlage, möchte er über zweihundert Tausend. Den Materialkauf haben wir schon vorfinanziert. Es gab zwischendurch Ärger, weil die Bank einen Lieferanten nicht zahlte. Rolf und Julia sind mit uns auf die Bank gefahren. Er hat getobt dort. Zwei Tage später war das Geld da. Wir stellten uns gerade vor, Rolf wäre ein DDR Handwerker. Julia schüttelt den Kopf. Sie kann die Gebaren nicht verstehen.

„Die fühlen sich hier auf wie der letzte Abschaum. Zu Hause würden die sich das nicht getrauen.“

Die Zwei schämen sich aufrichtig für ihre Landsleute aus dem Westen.

Joanas Mutter ruft an. „Es ist was Schlimmes passiert!“

„Was?“

„Nicht am Telefon. Kommt mal her. Allein!“

Wir entschuldigen uns bei Steffen und Mischa. Sie sollen derweil mal auf unser Haus aufpassen. Sie versprechen das.