Fortsetzung Die Ermittlung


„In der Garage sind sämtliche Autos ausgeräumt worden.“

„Wo ist der Chef des Hauses?“

„In seinem Büro.“

„Führe uns bitte zu ihm.“

Im Büro begrüßen die Kommissare den Chef, der sich mit Florian vorstellt.

„Uns wurden die Autos der Gäste ausgeräumt. Ich habe auch meine Kollegen in Österreich davon informiert. Die haben reagiert und ihre Gendarmerie angerufen. Die Gendarmerie meldet einen Todesfall in dem Zusammenhang. Einen Rumäne. Bei ihm wurden einige gestohlene Gegenstände gefunden.“

„Gut. Wir müssen mit unseren Österreichischen Kollegen reden. Wir melden uns“, sagt Toni.

Marco hat kein Wort gesagt. Er hört sich an, wie Toni vorgehen möchte.

„Das fehlt uns gerade noch“, sagt Toni. „Ein grenzübergreifender Fall. Und das zu unserem Schnalstaler.“

„Der Schnalstaler Fall ist doch auch grenzübergreifend“, antwortet Marco und lacht dazu. Monika lacht mit. Sie findet das spannend. „Irgendwie passen die Fälle auch zusammen“, sagt sie zu Toni. Toni überlegt etwas. „Du könntest Recht haben.“ Er gibt Monika ein Küsschen dafür. Marco applaudiert.

„Gehen wir einkehren oder zum Imbiss am Turm?“

„Wenn der noch auf hat, gehen wir dorthin.“

Der Imbiss hat noch geöffnet. Menschenschlangen, wie in der Saison, stehen nicht davor. Die Drei müssen nicht warten und werden sofort bedient. Gerade fährt ein Bus auf den Parkplatz. Die Türen öffnen sich und scheinbar alle Fahrgäste rennen gleichzeitig in Richtung Toiletten. Monika lacht.

„Bei zwei Toiletten und einer Sitzungszeit von zwei Minuten pro Benutzer, stehen die Letzten genau zwei Stunden.“

Die Drei amüsieren sich darüber.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Ermittlung


Die Liebesbriefe überfliegt er kurz. Dabei findet er Namen von Frauen und Freundinnen. Einheimische sind dabei. Toni staunt und erzählt es Monika. Monika fängt sofort an, weiter zu lesen. Marco sagt, die Spurensicherung hätte über zwanzig verschiedene Fingerabdrücke und Genspuren, allein an diesen Artefakten sicher gestellt.

„Ich hatte schon vermutet, dass es lustig wird“, sagt Toni.

„Wir müssen zuerst die anderen Hotels ermitteln“, antwortet Marco. Die Drei stellen die ersten Anfragen an die verschiedenen Büros zusammen.

Der Arbeitstag ist schnell zu Ende gegangen. Die Drei wollen heute Pizza essen gehen.
„Am besten, wir gehen gleich in Rabland gegenüber der Aschbachbahn einkehren“, sagt Toni. Gared, der Pizzaiolo, bäckt eine hervorragende Pizza.

Nach dem Abschied fahren die Zwei wieder auf ihre Hütte. Es ist etwas frisch. Toni stellt tagsüber einen Elektroheizer an. Der ist mit einem Temperaturfühler. Wahrscheinlich ist das Gerät kaputt gegangen. Ersatz hat er bereits da. Vielleicht kann er das Gerät bauen. Er stellt den Heizlüfter in seine Werkstatt.

Monika möchte auch den Tauchsieder im Duschwasser anstellen. „Das geht nicht zusammen“, sagt Toni. „Ich habe den Vertrag über drei Kilowatt.“

„Dann können wir erst morgen duschen. Heute wird sich kalt gewaschen“, sagt Monika.

„Ich habe die Induktionsplatte. Auf der können wir kurz die Schüssel mit dem Waschwasser erwärmen.“

Monika ist begeistert. Toni hat also doch warmes Wasser.

Am Morgen duschen die Zwei. Toni macht das eigentlich nicht gern. Wegen dem Schweißfuß. Als Ausnahme geht das.

Ins Büro fahren sie zusammen. Mit dem Motorrad.

Marco wartet schon. Er hat einen Diebstahl mit aufzuklären. Der Diebstahl wurde heute von Hotelgästen angezeigt. Zufällig müssen Toni und Monika auch in das Hotel. Darek hat dort gearbeitet. Dort stehen ein paar Erkundungen an.

Sie fahren gemeinsam auf den Reschen.

Die Apfelbauern sind noch voll bei der Ernte. Andere sind schon bei der Nachbereitung. Überall stehen grüne, große Paletten voll mit Äpfeln. Mit kleinen Traktoren fahren die Bauern die Kisten ähnelnden Paletten zusammen. Aller paar Kilometer kommt ihnen ein Lastwagen entgegen, auf dem diese Kisten voller Äpfel stehen.

Kaum sind sie aus Mals raus, werden sie von einem recht frischen Wind empfangen. Monika zieht den Kragen zusammen. Kurz darauf kommen sie in St. Valentin an. Im Ort herrscht relative Stille. Sie sehen wenig Touristen.

Bis nach Graun, wo sie hin müssen, sind es nur wenige Kilometer. Kaum sind sie am Hotel St. Joseph angekommen, werden sie schon vom Portier erwartet.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Ermittlung


Toni hat eigentlich genug erfahren. Jetzt könnte er noch andere Kollegen anhören. Ohne Spuren hingegen, kann er nichts anfangen. Sie müssen jetzt das Gesagte und das Gefundene auswerten. Vielleicht findet er noch am See einige Hinweise. Dort hat er aber eigentlich genug gefunden. Die Funde aus dem Zimmer muss er auch noch auswerten. Jetzt ginge es eigentlich darum, die anderen Arbeitsstätten ab zu klappern und dort Zeugen oder Beweise zu finden. Er schaut in seine Notizen. Die jeweiligen Arbeitsverhältnisse sind abzurufen. Er muss aufs Patronat, auf das Arbeitsamt, die INPS und eventuell – ungemeldeten Arbeitsverhältnissen nachgehen. ‚Das wird lustig‘, denkt er sich. Er sieht vor sich reichlich zuckende Achseln.

Im Büro wartet Monika schon sehnsüchtig.

„Hast du schon irgendwelche Unterlagen gefunden?“

Toni übergibt ihr den gesamten Fundus.

„Suche mal bitte, wo Soltan überall gearbeitet hat.“

„In Kurzras hat sich wohl keine Spur ergeben?“

„Naja, Ein paar lose Verdächtige. Sonst wenig.“

Monika packt die Bilder aus.

„Ist er das?“

Sie hält Toni ein Bild unter die Nase.

„Ja.“

„Naja. Mit dem hätte ich auch Schafe gehütet.“

„Nur Schafe?“

„Bei Schafen kann man öfter mal wegschauen.“

Monika lacht. Toni steckt immer noch im Fundus fest. Er ist hoch konzentriert. Ringe, Kettchen, kleine Bildchen und ein paar Liebesbriefe sind dabei.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Ermittlung


Der Zimmerkollege von Soltan kommt. Er stellt sich mit Petr vor. Marco schreibt sich Peter auf. Petr berichtigt ihn und sagt. „Petr.“

„Was ist der Unterschied?“

„Es wird wie Pjotr gesprochen.“

„Ach so. Waren sie mit Soltan befreundet?“

„Wir arbeiten seit acht Jahren zusammen.“

„Hier oder auch wo anders?“

„Hier in Südtirol. Im Pustertal, auf der Seiser Alm und auf dem Reschen.“

„Gefällt es ihnen hier in Südtirol?“

„Die Landschaft etwas. Die Arbeit nicht.“

„Was verdienen sie hier?“

„Mit a la carte und Kasse, etwa zweitausend fünfhundert. Ohne Kasse und a la carte, eintausend vierhundert.“

„Und zu Hause? Was verdienen sie da?“

„Einhundert Euro weniger.“

„Warum sind sie dann hier?“

„Weil ich im vergangenem Jahr, hier, Ja gesagt habe. Ich hatte auch ein paar Freunde hier. Damit ist gesagt, ich komme nächstes Jahr nicht mehr.“

„Mein Beileid. Trotzdem müssen sie mir noch etwas zur Verfügung stehen wegen Soltan.“

„Gerne.“

„Hatte Soltan eine Freundin?“

„Zu Hause hat er keine. Ich spreche auch Ungarisch. Wir haben uns oft besucht.“

„Und hier?“

„Schon. Mal Diese oder mal Jene. Zuletzt ging er scheinbar etwas fester mit Jolka.“

„Jolka klingt aber nicht ungarisch.“

„Jolka ist Polin. Sie ist, glaub ich, mit Darek verheiratet.“

„Also, ist sie mit Soltan fremd gegangen.“

„Das glaube nicht. Darek ist mein Oberkellner und Jolka die Barfrau. Ich glaube, Darek hatte nichts dagegen, wenn Jolka etwas dazu verdient.“

„Er ist sozusagen, der Zuhälter.“

„Das auch nicht. Darek braucht Kontakte. Er handelt auf dem Bauernmarkt auch mit gebrauchten Skiausrüstungen, Textilien, Fahrrädern und Kinderspielsachen aus dem Westen.“

„Alles klar. Ich komme noch auf sie zu.“

„Sie können ruhig du zu mir sagen.“

„Ich bin Marco. Mein Kollege ist Toni. Seine Frau ist Monika.“

„Danke Marco. Bis später.“

Toni hat Darek zu sich rufen lassen. Das hat etwas gedauert. Darek leitet gerade das Nachfüllen des Buffets. Es gibt viele Beschwerden, weil das Buffet angeblich zu leer wäre. Dazu hat er gerade eine Auseinandersetzung mit einem Gast, der das Fünf-Minuten-Ei moniert.

„Sie sind hier auf fünfzehn hundert Meter Höhe. Da werden Fünf-Minute-Eier etwas weicher.“

Der Disput geht ewig. Eine Serviererin muss Darek losreißen. Jetzt streitet sie mit dem Hotelgast.

„Sie bekommen doch die Frühstückseier inklusive.“

Der Hotelgast stammelt, „ja, aber…“

„Das sind unsere Frühstückseier, die inklusive sind.“

Der Gast hat das vermutlich begriffen. Er zieht kleinlaut vom Platz. Darek wundert sich, wie die Kollegin das gemeistert hat. ‚Die lasse ich jetzt immer die Problemfälle klären‘ denkt er sich.

Marco schüttelt mit dem Kopf. Erst jetzt begreift er, mit welchen Leuten sich das Hotelpersonal befassen muss. Toni lacht. „Jetzt willst du kein Gastwirt mehr werden.“

„Gott bewahre.“

Darek kommt jetzt lächelnd. Die Frage, ob das Lächeln aufgesetzt ist oder nicht, stellt sich Toni jetzt nicht. Er bemerkt den rasanten Verfall der Freundlichkeit. Darek wird ernster.

„Ist Soltan ein Freund gewesen von Ihnen?“

„Ich bin Darek.“

„Ich Toni.“

„Soltan ist gelegentlich mit Jolka ausgegangen.“

„War dir das recht?“

„Schon.“

„Jolka st aber deine Frau; oder?“

„Ja. Aber ich arbeite, wenn sie frei hat und umgekehrt.“

„Also geht es um Freizeit, Abwechslung und Spaß.“

„Besser kann man es nicht sagen.“

„Wo lebst du in Polen?“

„Im Gebiet Lublin – Bialystok.“

„Hat deine Familie dort Besitz?“

„Sehr großen Besitz. Landwirtschaft.“

„Und warum arbeitet ihr hier?“

„In Polen ist die Landwirtschaft seit der Europäischen Union kaputt gemacht worden. Wir können davon nicht leben.“

„Herzliches Beileid.“

„Danke.“

„Wenn ich noch Fragen habe, treffen wir uns.“

Toni denkt gerade an die Bauernfamilien in Europa. In Polen und der Ukraine läuft das gleiche Szenario. Seine Familie hat deshalb aufgehört mit Landwirtschaft. ‚Die Leute, die alle Menschen ernähren, werden in dieser Diktatur behandelt wie Abschaum. Sie werden millionenfach von ihrem Land und ihrer Arbeit vertrieben. Jetzt gehen sie bei Denen abspülen und Müll wegräumen, die nichts an sie für ihre Produkte bezahlen wollen. Im Kaufhaus, auf dem Markt und im Hotel, bezahlen sie dumm – lächelnd den zwanzigfachen Preis.

Darek möchte, wie alle seine Nachbarn, sein Land nicht noch an Besatzer und Plünderer verlieren. Genau deshalb geht er und seine Familie, arbeiten. Darek hat es scheinbar weit gebracht. Er ist Oberkellner und hat damit die Kassengewalt.

Wenn einer seiner Kollegen klaut, muss er zahlen.

Fortsetzung folgt

Die Ermittlung


Die Ermittlung

Toni meldet sich bei Silvio an. Er möchte das Personalzimmer von Soltan sehen.

„Jetzt muss ich wieder ins Schnalstal“, sagt er zu Marco am Telefon.

„Soll ich mit suchen?“

„Das kannst du schon. Wir müssen schnell sein, bevor irgend Jemand das Zimmer zu stark verändert.“

„Ich rufe Silvio an, er soll das Zimmer versiegeln.“

„Hab ich schon getan.“

„Wir treffen uns dort.“

Toni fährt mit dem Motorrad. Das Wetter ist etwas wechselnd. Der Himmel sieht nicht besonders einladend aus. Toni packt die Regenkombi mit ein.

Bis nach Kurzras hinauf bleibt es trocken. Es scheint sich etwas auf zuziehen.

An der Rezeption wartet Silvio bereits. Er hat Sorgenfalten auf der Stirn. Ganz ruhig sagt er zu Toni: „Hoffentlich merken unsere Gäste nichts.“

Die Sekretärin bringt wieder den Kaffee. Heute trägt sie Hosen. Die trägt sie so eng, wie eine zweite Haut. Ihr Schambereich ist bildhaft in die Hose gedruckt.

„Ist sie schon mal sexuell belästigt worden?“, fragt Toni, Silvio. „Ich hab fast den Verdacht, sie will das.“

„Beklagen kann die sich aber nicht bei dem Auftritt. Das wäre damit vergleichbar, als würde ich Hosen aus Frischhaltefolie tragen.“

„Du Scherzbold. In der Saison sind alle mal in Not.“

„In Dauernot oder gelegentlich?“

Marco kommt zu dem Gespräch. Er hört lieber etwas weg. Ihn interessiert das wenig.

Beide gehen auf das Zimmer. Das Siegel ist gebrochen. Es war Besuch da. Die Kollegen, welche die Zwei treffen, wissen von nichts. „Vielleicht waren es Gäste.“

‚Es gibt wieder keine Schuldigen‘, denkt sich Toni.

„Die glotzen überall rein. Auch in unsere Zimmer.“

„Die Ausrede ist gut“, sagt Marco zu einem Angestellten.

„Wir brauchen von Allen die persönlichen Daten“, fügt er an.

Eigentlich stehen die unten in den Arbeitsverträgen. Trotzdem will Marco das mit den Pässen abgleichen.

„Ich hab schon Pferde kotzen sehen“, sagt er zu Toni.

Soltan hat auf dem Zimmer nicht allein geschlafen. Der Kollege von Soltan arbeitet gerade. Er musste aus dem Zimmer ausziehen. Das erklärt den Beiden das kleine Durcheinander. Neben diversen Proben, nehmen die Zwei Briefe, Notizen und Bilder mit. Sogar das Handy liegt noch da.

„Der ist ohne Handy aus dem Haus gegangen?“

Toni notiert sich das.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Der Schreck


Monika hat ihm ein Bier mitgebracht. Toni trinkt selten Bier und nur wirklich süßen Wein. Das saure Zeug schmeckt ihm nicht. Egal, unter welchem Pseudonamen das verkauft wird. Trocken, extra trocken oder furztrocken. Monika ahnte das. Sie hat Marsala und Vino Santo ein getan. Toni gratuliert ihr zu dieser Wahl. Bei Bier bevorzugt Toni alkoholfreies. Zum Glück bieten das jetzt auch Südtiroler Brauereien.

Monika ist zufrieden mit ihrem Mann. Der säuft nicht. Und kochen kann der auch noch. Da würde eigentlich nur Eins fehlen. Ausgerechnet das, kann er auch. Ein glücklicher Griff.

Nach dem Abendessen schauen sich die Zwei die Notizen an, die Toni gemacht hat. Monika denkt, das Opfer ist ein Saisonarbeiter. Toni denkt das Gleiche. Es gibt, bis auf drei Bergsteiger, keine Vermisstenanzeigen. Die Bergsteiger werden im Ortlergebiet vermisst. Seit zwei Tagen fliegt die Bergrettung regelmäßig Streife. Bisher gibt es keine Funde.

Das Wetter heute ist sehr ruhig. Die Abendsonne zeigt sich nur mit einem gelbroten Rand hinter den Bergen.

Marco ruft noch einmal an. „Morgen bekommen wir schon die Daten. Gute Nacht.“

Am Morgen fahren die Zwei zur Arbeit. Moni in die Boxerhütte und Toni nach Meran. Für den Weg zur Boxerhütte nutzt Monika neuerdings ein Quad. Ein Elektroquad. Toni hört sie gar nicht bei ihrer Abfahrt. Er nimmt sich vor, in den kommenden Tagen das Teil mal zu probieren. Es sieht recht wuchtig aus.

Das Laub auf der Straße nach Unten ist noch etwas feucht. Toni fährt wie auf Eiern. Er nimmt sich vor, unten in Rabland einen Garagenplatz für sein Motorrad zu suchen. So kann er mit der Seilbahn fahren. Mit dem Auto nach Meran zu fahren, kostet einfach zu viel Zeit. Das Gleiche gilt auch für die Bahn oder gar für das Fahrrad. Ein Elektroquad gänge vielleicht. Nur, mit dem stünde er auch im Stau. Und ob dafür die Batterie reicht? Das bezweifelt Toni zu Recht. ‚Das Motorrad ist und bleibt das Beste‘, denkt er sich.

Kaum ist er im Büro, kommt schon eine Kollegin und bringt die Daten der Proben. Das Opfer ist tatsächlich ein Saisonarbeiter. Er heißt Soltan und ist ein Ungar. Den Papieren nach, arbeitet er schon viele Jahre in Südtirol. In Dorf Tirol, in Schenna und in Meran. Toni steht ein hartes Programm bevor.

Zuerst geht er auf das Arbeitsamt, um zu erfahren, wo Soltan überall gearbeitet hat. Die einzelnen Betriebe müssen abgeklappert werden. Vielleicht gibt es Zeugen und Aussagen. Hat Soltan eine Freundin oder Frau? Gibt es eine Familie bei ihm zu Hause?

Das Amt hat fast alle Daten von Soltan. Marco gibt seiner Veronika die Daten. Veronika sucht in den Unterlagen der Gewerkschaft. Volltreffer. Die Gewerkschaft hat mehr Unterlagen als das Arbeitsamt. Jetzt gilt es nur noch zu erfahren, was Soltan ausgerechnet am Stausee wollte.

Den Unterlagen nach, kommt Soltan vom Plattensee. Balaton. Aus Balatonfüred. Toni kann sich erinnern. Er war dort schon mal drei Tage. ‚Wieso arbeiten die Ungarn vom Balaton ausgerechnet hier?‘, fragt er sich. ‚Die haben dort doch auch Saison.‘ Er kann sich das nicht so richtig erklären.

Vielleicht wollte er sich zu Hause ein Geschäft aufbauen. Das Geld dafür, konnte er sich hier verdienen.

Jetzt gilt es, heraus zu finden, ob eventuell Angehörige da sind. Toni ist sich sicher, Angehörige zu finden.

Zunächst nimmt er telefonischen Kontakt mit den dortigen Behörden auf. Zu seiner Überraschung, sprechen die sehr gut Deutsch. Offensichtlich sind deutsche Touristen deren Haupttouristen. Österreicher und Schweizer sprechen ja auch deutsch. Er ist überrascht von den guten Sprachkenntnissen.

Es gibt eine Familie von Soltan. Eine Frau, ein Kind und beide Eltern nebst Schwiegereltern. Toni überlegt, wie er dieser Familie die traurige Nachricht übermitteln kann. ‚Sage ich es kurz oder hole ich weit aus? Sage ich es dem Amt?‘

Toni will es persönlich tun. Das Amt zu Hause bei Soltan gibt ihm die Adresse und die Telefonnummer. Die schlechte Nachricht per Telefon zu übermitteln, kommt das Toni etwas unpersönlich vor. Er entscheidet sich, die Nachricht über die ungarischen Kollegen mitteilen zu lassen. Die Angehörigen müssen noch zur Identifikation kommen. Das Land bezahlt die Anreise.

Der Tag ist schnell vorüber. Die Kontakte nach Ungarn waren sehr zeitintensiv. Toni will aber noch die letzte Arbeitsstelle heraus bekommen. Und siehe da, Soltan hat bei Silvio gearbeitet. In dem Hotelklotz in Kurzras. Alpenrast. Der Komplex wirkt wie aus einem Stück. Restaurants, Geschäfte, Dienstleistungen. Alles in einem Komplex. Gegenüber geht die Seilbahn hinauf zum Gletscherhotel. Unten ist alles grün und Oben, fährt man Ski. Traumhaft.

Fortsetzung folgt

Der Giau

Fortsetzung Der Schreck


Toni studiert die Liste gleich vor Ort. Vielleicht entdeckt er Anhaltspunkte. Die Sekretärin schmiert noch etwas um den Schreibtisch und macht einladende, bewusst ungeschickte Bewegungen.

„Darf ich noch Etwas bringen?“

Silvio fragt umgehend, ob Toni einen Kaffee oder Tee möchte.

„Einen doppelten Macciato bitte.“

Auf der Liste sind einige Gastarbeiter eingetragen. Ungarn, Polen, Slowaken und, man staune, Italiener aus Kalabrien. Toni muss die Daten mitnehmen und mit den Papieren bei Marco vergleichen.

Auf dem Weg zurück spürt Toni mit dem Motorrad, die Außenseite ist oberhalb der Viadukte, ziemlich gefährlich. Der Abgrund hinter der kurzen Mauer am Straßenaußenrand, kurz vor Juval, scheint hundert Meter tief zu sein. Ein nachlässiger Fahrer, der üblicherweise die Kurve, Spur übergreifend – ausholend anfährt, kann dort für einen kostenlosen Flugunterricht sorgen. Ein Linienbus reicht für einen Freiflug. Es gilt, vorhandene Spiegel gut zu beobachten. Bei Regen, der dort nicht selten ist, kann das ziemlich problematisch sein.

Unten angekommen, herrscht schon wieder Stau. Und das schon vor Naturns. Zu dieser Tageszeit. Toni schüttelt den Kopf. Er wird bei Naturns abbiegen. Vielleicht fährt er durch die Apfelplantagen. Mit dem Motorrad geht das bei achtsamer Fahrt.

Nach Naturns ist von dem Stau nichts mehr zu sehen. Toni vermutet einen Unfall im Tunnel.

Kaum ist er in Meran angekommen, trifft er auch Marco. Marco ist schon vor ihm aufgebrochen. Die gefundenen Sachen geben sie der Spurensicherung. Im Büro überlegen sich die Zwei, wie sie weiter vorgehen.

Heute ist erst einmal Feierabend. Toni fragt Marco, ob er nicht mal mit seiner Veronika auf die Hütte kommen möchte. Matteo, der Sohn, würde sich garantiert darüber freuen. „Immer in der Stadt. Das ist kein Auskommen.“

„Höchstens am Wochenende“, ist die trockene Antwort Marcos. „Unter der Woche hat Veronika einfach zu viel zu tun.“

„Arbeitet sie noch bei der Gewerkschaft?“

„Ja, sicher. Es gibt viel Arbeit bei ihnen, weil die höher liegenden Betriebe schon die Saison beendet haben.“

Marco nimmt sich seine Notizen mit uns fährt nach Hause.

Monika wartet schon. Sie war bei ihren Eltern.

„Diese Woche haben wir viel zu tun. Papa ist krank.“

„Wünsch ihm Gute Besserung von mir. Hast du gleich etwas zu Essen mitgebracht?“

Toni bemerkt zwei große gegrillte Koteletts, eingepackt in Alufolie.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Der Schreck


Soviel Toni weiß, wird der Stausee von Vernagt, mit Fischen zum Angeln besetzt. Neben Saiblingen, werden verschiedene Forellenarten ausgebracht. Mit dem Tageslicht entsteht im See eine Farbe, die etwas an Türkis erinnert. Wäre Toni ein Geologe, würde er hier Kupfer vermuten. Die Farbe gibt es in vielen Seen in Südtirol und im Trentino.

„Kann das Plätschern auch von Fischen verursacht worden sein?“, hakt er im Gehen bei Joseph nach.

„Wenn, dann von einer Riesenforelle“, antwortet Joseph. „So eine hätte ich gern mal an der Angel.“

Markus lacht über die Bemerkung. Er hatte im letzten Jahr den größten Fang.

Bei der weiteren Suche um den See, bemerkt Toni viele italienische Touristen. Sie fotografieren und schauen nebenbei nach ein paar Pilzen. Um den See werden reichlich Pilze vermutet. Weniger Steinpilze, dafür aber reichlich Butterpilze und Goldschwammerln. Um den Stausee stehen reichlich Lärchen. Die wirken wie Magnete auf Pilzsammler.

Die Leute, die Toni trifft, fragt er, wann sie gekommen sind. Erstellt sich als Kommissar vor. Sonst würde er wohl keine Antwort bekommen. Die meisten Besucher sind Gäste in einem der Hotels des Tales. Das Gros kommt aus Kurzras unterhalb des Schnalser Gletschers.

Marco geht indes in Vernagt nach Zeugen suchen. Die Leute wirken teilweise etwas verschlossen. Die Begrüßung ist aber stets herzlich und einladend.

Die Schäferfamilien sind seit vierzehn Tagen vom Schafübertrieb zurück. Das ist eine recht spektakuläre Veranstaltung im Schnalstal. Der Übertrieb gibt reichlich Nachbearbeitung zu Hause. Die Schlachtung der Tiere, die über Winter nicht versorgt werden können, ist angesagt.

Im ganzen Ort riecht es gegen Mittag nach Schöpsernem.

Im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten oder dem Übertrieb, wurden keine Opfer gemeldet. Man ist vollzählig im Ort und im Tal.

Marco ruft Toni an und sagt, er fährt jetzt wieder ins Büro. Die, beim Opfer gefundenen Sachen müssen bestimmt werden. Toni sagt, er bleibt noch etwas. Er möchte noch oberhalb des Sees Befragungen durchführen.

Am See ist Alles erledigt und Toni fährt mit dem Motorrad in Richtung Kurzras. An den Gasthöfen hält er an und befragt die Besucher der Stammtische und die Wirtsleute.

In einem großen Hotel in Kurzras geht Toni an die Rezeption. Dort trägt er sein Anliegen vor. Der Manager, ein italienischer Landsmann, empfängt ihn.

Bei der Befragung stellt sich heraus, einige Mitarbeiter sind abkömmlich. Silvio, der Manager, findet das aber normal in seinem Betrieb. Toni verlangt die Liste der Mitarbeiter, die fehlen. Silvio lässt sie ihm zusammen stellen.

Eine Sekretärin mit einem Kurzen Schwarzen bekleidet, bringt ihm die Liste. Sie läuft wie auf einem Laufsteg. Silvio lächelt sie an. Toni denkt sich seinen Teil.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Der Schreck


„Die Unterhaltung dazu, ist im Preis inbegriffen“, ruft der Chef von Hinten.

Toni nutzt sein Motorrad, um den See zu umfahren. Vielleicht steht ein verlassenes Fahrzeug da. Mit dem Handy fotografiert er sämtliche Fahrzeuge, die er am See findet. Auch die auf den Parkplätzen. Es sind immerhin, fast dreißig Autos. Er sucht Zeugen. Einige spazieren im Wald und am See. Andere angeln.

Er fragt die Leute, ob sie irgend Etwas bemerkt haben. Die meisten antworten, sie wären gerade erst gekommen. Bei den Anglern sieht das etwas anders aus. Zwei sind schon einige Stunden vor Ort. Einer stellt sich etwas mürrisch als Markus vor. Er kommt aus Naturns. Joseph ist der zweite Angler. Er kommt aus Kartaus. Also, aus dem Tal. Während aus Markus kaum ein Wort heraus zu bekommen ist, wirkt Joseph etwas gesprächiger. Joseph hat aber auch schon reichlich am Brustwärmer genascht. Er bietet Toni einen Schluck an. „Selbst gebrannt.“

„Ich kann jetzt nichts trinken, Danke.“

Auf die Frage, ob er etwas gehört oder gesehen hat, antwortet Joseph: „Etwas schon. Ein Plätschern.“

„Wann hast du das gehört“

„So geschätzt, gegen Vier.“

„Ich notiere mir das mal kurz. Halte Dich bitte zur Verfügung.“

Joseph gibt ihm seine Telefonnummer. Toni reicht ihm seine Karte. Markus gibt er auch eine Karte. „Wenn dir etwas einfällt, ruf mich an.“

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Der Schreck


Die Rettung verpackt das Opfer und verladen ihn in ein Auto.

Auf dem Parkplatz vor der Staumauer versammeln sich schon reichlich Gaffer. Sie fotografieren. Die Carabinieri möchten das nicht. Es gibt Streit. Die Carabinieri wenden ein ganz einfaches Mittel an, um den Streit zu beenden. Sie reden ab jetzt nur noch Italienisch. Schon haben sich die Schaulustigen aufgelöst bis auf ein paar italienische Landsleute. Die haben Respekt und folgen den Anweisungen der Carabinieri.

Inzwischen hat das Cafe mit dem Imbiss geöffnet. Die Gastwirtsfamilie freut sich über die Masse an Besuchern um diese Zeit. Bisweilen müssen sie die nicht konsumierenden Schaulustigen zu etwas Konsum animieren. „Was wünschen sie? Der Platz ist für unsere Gäste reserviert.“ An der Theke amüsieren sich die Wirtsleute. „Ein Kaffee für vier Personen.“

Die beste Methode, den Konsum etwas anzuregen, ist, eine Kanne Wasser zum Kaffee zu servieren. Einen Euro, dürfte der zusätzliche Service, Wert sein. Die Gäste tuscheln hinter dem Rücken der Wirtsleute. „Eine Schande! Leitungswasser für einen Euro. Das gibt es ja in Flaschen billiger.“

„Aber nicht aus polierten Gläsern, die Dame“, antwortet die Tochter des Gastwirtes.

„Der Kaffee schmeckt mir auch nicht!“

„Der kostet aber trotzdem zwei Euro sechzig“, gibt die Kellnerin zum Besten.

Fortsetzung folgt