Fortsetzung Die neuen Spuren


Jolanda wurde schon in die Pathologie gebracht, als Toni und Monika eintrafen. Der Bericht kommt wahrscheinlich schon heute. Kolozs sitzt weinend auf dem Bett seiner Mutter. Lajos scheint das gelassener zu nehmen. „Ich habe das irgendwie erwartet. Mutter wusste zu viel. Wie Soltan.“

Jetzt wird Toni nicht nur hellhörig. Er wird ehrgeizig. Schon bei Jolanda hatte er erwartet, von ihr endlich einen Tipp zu bekommen.

„Lajos, die Verschwiegenheit hat offensichtlich nichts gebracht. Vielleicht willst du mir sagen, was hier vor sich geht?“

Monika vermutet, ‚hier gibt es Jemand, der sich schützen muss. Wer war bei allen Gesprächen zugegen?‘ Sie sieht einen zentralen Punkt. ‚Irgendeine Gruppe oder Einzelperson verfügt über alle Informationen. Wo laufen diese Informationen zusammen?‘ Der Kopf von Monika arbeitet.

Toni verfolgt den gleichen Weg. Er möchte heraus bekommen, welche Beteiligungen bei den einzelnen Geschäften, Gaststätten und Hotels bestehen. Vielleicht findet er dort Zusammenhänge.

Lajos möchte mit Monika und Toni reden. „Aber nicht hier“, hat er gesagt.

„Müssen wir dich nach dem Gespräch in Sicherheit bringen?“, fragt Toni. Lajos weiß es nicht.

„Wir nehmen Lajos und Kolozs mit zu uns“, sagt Monika. „Zumindest so lange, bis sie wieder nach Hause fahren.“

Alle fahren ins Bozner Büro. Dort liegen schon die Laborergebnisse. Jolanda ist vergiftet worden. Morgen können die Laboranten sagen, was Jolanda gegessen und getrunken hat. Das wäre dann schon eine entscheidende Spur.

„Wart ihr gestern noch einmal auswärts Essen?“, fragt Toni die zwei jungen Männer.

„Nein. Wir haben unser Essen kommen lassen. Pizza.“

„Und die Getränke?“

„Ein paar Getränke haben wir von zu Hause mit gebracht. Einige Getränke haben wir im Laden gekauft.“

„Wie sieht es aus mit Kaffee, Tee zum Frühstück und zur Jause?“

„Jolanda hat in letzter Zeit, Baldriantee getrunken. Soltans Tod hat sie sehr mitgenommen.“

„Ist das Geschirr noch da?“

„Nein. Das haben alles die Toxikologen mit genommen.“

„Gut danke. Mein Beileid.“

Die ersten Ergebnisse kommen.

Die Beweise

In Jolandas Baldriantee sind reichlich Spuren von Eisenhut gefunden worden. Jolanda ist praktisch im Schlaf gestorben. Das beruhigt die zwei Söhne etwas. Ihre Mutter hat sich wenigstens nicht quälen müssen. Die Söhne gehen von Selbstmord aus. Toni und Monika nicht. Jolanda sah nicht so aus, als wöllte sie ein Geheimnis mit ins Grab nehmen. Sie hatte Monika auch angedeutet, ein paar mehr Fakten zu präsentieren.

So, Ihr Lieben; hier breche ich die Veröffentlichung von „Leblos im Schnalser Stausee“ im Blog ab.

Das spannende Ende ist wie immer als Ebook und gedruckt verfügbar.

Das Team von WP hilft mir, für die Ebooks im PDF-Format eine Bezahlschranke einzurichten.

Die kommenden Beiträge widme ich diversen Küchentipps, Arbeitsanleitungen, Rezepten und, wenn die Möglichkeit besteht, Berichten von ein paar Giros – auch mit dem Auto.

Aktuell gibt es wieder ein paar Ausgangssperren, die streng regional gehandhabt werden. Es kann also passieren, wenn unser Ort von reichlich Kranken geflutet wird, die Kammer wieder abgeschlossen wird. Dann drehe ich täglich meine Runde im Ort und werde von da aus etwas berichten.

Fortsetzung Die neuen Spuren


Langsam aber sicher, muss Toni zugeben, mit der Ermittlung im Milieu, gar nicht so falsch zu liegen. Wahrscheinlich liegt die Spur doch in diesem Umfeld. Wenn jetzt noch Menschenhandel und Scheinhochzeiten dazu kommen, wird die Ermittlung für die Zwei zu umfangreich. Selbst Marco kann da nicht helfen. Die Frauen berichten jetzt bereits von Ukrainerinnen mit falschen Pässen. Das hat eine deutsche Mafia eingeführt. Offensichtlich reichen denen ihre Arme sehr tief in diesen Sumpf. Toni und Monika tun das erst Mal als Volksmund ab, obwohl das von den betreffenden Frauen selbst so geäußert wird. Ihre ersten Bezugspersonen wären Deutsche gewesen. Das Gleiche sagen auch die Frauen aus Polen, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien. Das Thema ist den Zweien zu heiß. Sie wollen sich auf den Mord konzentrieren.

Die angesprochenen Hoteliers kommen aus ganz Südtirol. Das ist den Zweien auch viel zu groß. Sie müssen sich zwar der Spuren bedienen, können aber schlecht Ermittlungen gegen alle Genannten führen. Der Mord würde dadurch nie aufgeklärt werden. Sie versetzen sich in die Situation von Soltans Hinterbliebenen.

Sie konzentrieren sich jetzt auf Geldflüsse. Dort sehen sie die Hauptspur.

Toni gibt Oliwia und Emese die Weisung, die Mietabrechnung direkt zu kontrollieren. Damit müssen sich die Zwei dafür stark machen, Jolka und Danuta, auch Barbara, die Zahlungen weitgehend aus der Hand zu nehmen. Monika, Emese und Oliwia sollen Luca bei der Eintreibung unter die Lupe nehmen. Wem übergibt der das Standgeld? Das ist nicht einfach. Luca geht schwer zu verfolgen. Die anderen Frauen würden sofort merken, wenn eine der Beiden verschwindet. Ein gespielter Freier muss wieder zur Arbeit. Toni kennt einen aus seinem Büro. Patrick. Patrick bekommt den Auftrag, gelegentlich eine der Beiden Kolleginnen, als Freier abzuholen. Er muss sich etwas in der Nähe der Frauen aufhalten und abwarten, wann Luca kassieren kommt. Dann soll er Oliwia oder Emese in seine Wohnung mitnehmen. Zumindest soll dieser Eindruck entstehen. Die entführte Kollegin kann dann mit ihm, Luca verfolgen.

Toni ist noch etwas misstrauisch. Monika soll mit Abstand folgen und kontrollieren. Toni will verhindern, Luca das Abschütteln seiner Verfolger zu ermöglichen.

Der Tag ist damit erst mal geschafft. Bei der Sichtung der bisherigen Unterlagen, beschließen die Zwei, das Umfeld von Hannes genauer zu beschatten.

In der Bar von Hannes arbeiten zwei Angestellte. Manuel und Emil. Beide sind Einheimische. Emil ist der Sohn eines Ungarischen Saisonarbeiters und der Südtiroler Mutter. Der Ungarische Saisonarbeiter lebt nicht mehr hier. Emil lebt bei seiner Mutter als Ernährer der Kleinfamilie. Monika plant, Emese dort ins Spiel zu schicken. Emese bemerkte einmal nebenbei, Hannes würde an ihr etwas Gefallen finden. Sie glaubt, mit etwas körperlichen Einsatz, ihm und Emil etwas näher zu kommen. Oliwia wurde von ihren Kolleginnen bereits zu einer Heimfahrt eingeladen. Sie weiß noch nicht genau, was die Kolleginnen mit Heimfahrt meinen. Den Gardasee oder wirklich das zu Hause in Polen. Um das heraus zu bekommen, braucht sie noch ein oder zwei Tage. Sie weiß jetzt immerhin, ein Großteil ihrer Kolleginnen kommt aus den Nachbarorten ihrer Heimat. Darin sieht sie auch die kleine Gefahr, erkannt zu werden.

Die Nacht ist kurz. Kaum liegen die Zwei auf dem Aschbach im Bett, klingelt das Handy von Toni. Die Nachricht ist extrem traurig. Jolanda ist tot in ihrem Zimmer gefunden worden. Ihre Söhne haben sie gefunden, nachdem sie Viola verabschiedet haben.

Toni fährt mit dem Dienstauto, mit dem sie auch nach Hause gefahren sind. Das Wetter ist miserabel. Die Seilbahn fährt noch nicht.

Fortsetzung folgt

März 2016

Fortsetzung Die neuen Spuren


„Wir müssen noch einmal umkehren. Ich habe vergessen zu fragen, wie Soltan zu Jolka stand.“

Die Zwei gehen zurück zu Jolanda. Die steht schon im Hausflur und streitet mit Hannes. Monika versteht ein paar Brocken. Es geht um Geld. Als Jolanda, Toni sieht, hält sie inne. „Eine Frage habe ich noch. Wie weit war die Beziehung zwischen Soltan und Jolka fortgeschritten? Haben Familienangehörige davon gewusst?“

„Ja. Meine Kinder haben davon gewusst. Wir waren schon mit dem Ausrichten der Hochzeit beschäftigt. Hier, auf dem Land, wird das noch traditionell gefeiert. Drei Tage lang. Für so einen Anlass, muss bei uns, Einiges vorbereitet werden.“

„Ah. Und die liebe Jolka hat ihr Tanzgeld schon in Bozen eingesammelt“, wirft Emese ein. Sie hört die ganze Zeit zu.

„So kann man das auch sehen“, bestätigt Jolanda.

„Wir jedenfalls, bekommen nichts geschenkt.“

Emese beruhigt sich sofort. Sie fühlt sich angesprochen. Ihre Dienstreise samt eventuellem Vergnügen, zahlt die ungarische Bevölkerung.

„Wann waren sie das letzte Mal in Südtirol?“

„Meine Kinder sind öfter hier als ich. Fragen sie bitte die.“

Im Grunde muss das Toni nicht erfragen. Emese bekommt das auch so heraus. Dann gibt es noch die Videobeweise von den Mautstationen und Kamerasystemen. Tonis Büro könnte das genauer sagen als die Mutter der Kinder.

Eigentlich ist Alles gesagt. Monika möchte Hannes noch Etwas fragen.

„Wir haben bei dir recht hohe Kontobewegungen festgestellt“, sagt sie zu Hannes.

„Ich habe mehrere Häuser. Die kosten auch Etwas.“

„Danke. Wir werden das prüfen.“

Das Gespräch beendet Monika sofort. Eigentlich ist Alles, was sie wissen wollten, gesagt worden.

Vor der Tür sagt Monika, „die Ungarn waren es meiner Meinung nach nicht.“

„Offensichtlich haben sie Forderungen an Hannes“, sagt Toni. „Mir scheint, da deutet sich bald eine Erpressung an.“

„Umsonst werden die Kinder nicht gekommen sein“, sagt Emese. „Wir haben auch diverse Hoteliers am Garda mit Hannes gesehen. Nicht hier; im Restaurant.“

„Oh! Jetzt wird es lustig“, sagt Toni. „habt ihr die erkannt?“

„Aber sicher. Einige Frauen haben uns gesagt, wer es ist. Es sind schließlich ihre Chefs.“

„Das machen wir im Büro. Langsam aber sicher, können wir unsere Tarnung aufgeben.“

„Das Restaurant auf dem Aschbach wäre uns lieber“, sagt Emese und lacht dabei.

„Genehmigt. Machen wir es wieder dort.“

Oliwia gesellt sich in die Runde auf dem Hausflur.

„Ich hab das jetzt mit den Lieferungen von dem Diebesgut heraus bekommen. Das wird in kleinsten Mengen, gut gestreut, in über fünfzig Fahrzeugen nach Polen gebracht.“

„Das ist die Aufgabe eine Sonderermittlungseinheit“, sagt Toni. Er bedankt sich bei Oliwia. Oliwia wird das in Polen melden. Ihre Behörden werden sich darum kümmern. Das Netzwerk wird ihres Wissens, von Wenigen geführt. Die Landsleute sind nur Lieferanten. Sozusagen, freie Mitarbeiter. Die österreichischen Kollegen sind in der Beziehung schon etwas weiter. Oliwia arbeitet auch mit ihnen zusammen. „Der Lorbeerkranz wird ganz sicher nicht an die Südtiroler Kollegen gehen“, sagt sie lachend. Monika und Toni geben ihr Recht. „Wir wollen den Preis auch nicht.“

Offensichtlich geht es auch um Schmuck. Deren Besitzer haben wahrscheinlich eine Prämie ausgesetzt. „Wer es sich leisten kann“,sagt Toni, „könnte sicher auch Privatdetektive auf die Diebe hetzen.“

„Wir arbeiten da bedeutend effektiver“, gibt Oliwia lächelnd zu Besten.

Fortsetzung folgt

Seeimpressionen

Fortsetzung Die neuen Spuren


Toni geht mit Monika sofort zur dritten Wohnung. Nach dem Klopfen öffnet eine schöne Frau mit dunklem Haar. Sie ist schätzungsweise vierzig Jahre alt. Sie bittet Monika und Toni herein. Beim Betreten begrüßen die Kommissare zwei junge Männer und eine noch schönere junge Frau. „Meine Kinder“, sagt Jolanda. Sie stellt ihre Kinder auch gleich vor. Bei dem Namen Kolozs tritt ein recht stämmiger junger Mann hervor. Als sie Lajos nennt, zeigt sich ein schlanker, gewitzt wirkender junger Mann. Beim Aufruf von Viola hebt die Tochter die Hand. Die erste kurze Befragung ist nur einem Thema gewidmet. Monika möchte wissen, als was die Kinder Jolandas arbeiten und wo.

Kolozs arbeitet in einer deutschen Autofabrik in Ungarn. Lajos arbeitet als Kellner und scheint das Lieblingskind von Jolanda zu sein. Er bringt wahrscheinlich das meiste Geld nach Hause. Viola ist Verkäuferin in einer Österreichischen Kette. Bei der kurzen Befragung wird schnell klar, warum Soltan in Südtirol arbeitete. Kolozs verdient bei der Deutschen Autofirma zu wenig und Viola geht es nicht anders bei dem Österreichischen Händler. Lajos arbeitet im Sommer am Balaton. Im Winter in Österreich. Er hat mit Soltan die Familie ernährt. Tragisch ist das, weil Lajos endlich seine eigene Familie gründen will. Er hat sich dafür ein Haus gekauft. Sein Gehalt fällt damit schon mal aus.

Eine weitere Befragung wäre eigentlich sinnlos, weil Toni sofort bemerkt, der Familie fehlt jedes Motiv. Sie werden doch nicht ihren Haupternährer umlegen. Ganz ausschließen kann er die Familie trotzdem nicht. Manchmal gibt es so starke Motive, die selbst in die Grundfeste einer Familie eingreifen.

Die Verabschiedung ist freundlich. Jolanda drückt Toni noch eine halbe Ungarische Salami in die Hand. Toni weiß in dem Moment gar nicht, wie er reagieren soll. Er nimmt die Pick einhundert ganz steif entgegen und drückt sie Monika in die Hand. Jolanda hat ein paar Tränen in den Augen.

„Wir werden den Täter finden“, sagt Monika.

„Das bringt mir Soltan nicht zurück“, antwortet Jolanda schluchzend.

Vor der Tür sagt Toni zu Monika, „die waren es ganz sicher nicht.“

„So sicher bin ich mir nicht. Eigentlich wissen sich die Ungarn etwas zu helfen. Der Autoteilemarkt funktioniert gut dort.“

„Du meinst, sie klauen sich den Lohn, der ihnen vorenthalten wird?“

„Sicher.“

„Das geschieht der Firma recht!“

„Damit entsteht aber ein Schwarzmarkt. Und der ist mitunter auch gefährlich.“

„Stimmt, meine Gute.“

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die neuen Spuren


Nach dem Treffen fahren die Zwei wieder ins Büro. Verena hat Toni eine Notiz auf den Tisch gelegt. Die Familie von Jolka war auch da. Auf dem Zettel steht nicht, ob es die ganze Familie war oder nur die Eltern. Also, war nicht nur die Familie von Darek in Südtirol, sondern auch die Familie von Jolka. Der Kreis der Verdächtigen wächst. Interessant wäre jetzt, zu erfahren, wann sie da waren. Zunächst wollen die Zwei heraus bekommen, welche Autos die jeweiligen Familien fahren. Bei Dareks Familie ist es klar. Bei Jolkas Familie wird das nicht viel anders sein. Die Nummern hat sich Monika schon notiert. Jetzt werden die Zwei Kontakt mit Sterzing und dem Mautsystem von ANAS aufnehmen. Deren Videos werden benötigt. Die ASFINAG aus Österreich kann ebenfalls sehr behilflich sein. Da die Kollegen dort so und so ermitteln, dürfte die Antragstellung kein Problem darstellen.

Langsam aber sicher trudeln die Kollegen ein. Man möchte die Beförderung von Monika feiern. Auf dem Aschbach. Die Kollegen fahren mit dem Kleinbus. Monika und Toni bevorzugen die Seilbahn. Schon allein deswegen, weil sie morgens gern mit dem Motorrad fahren.

Kaum treffen sie im Restaurant ein, stehen die Kollegen auf und applaudieren. Monika bekommt einen Umschlag. Nach dem Öffnen darf sie lesen, die Kollegen schenken ihr eine Fahrausbildung für das Motorrad. Für die Praxis darf sie schon mal einen Scooter nutzen. Der steht unten am Arbeitsplatz.

Am folgenden Morgen fragt Toni leicht verkatert, ob sie es mit dem Motorrad versuchen, auf Arbeit zu fahren.
„Du bist noch zu besoffen“, antwortet Monika. „Willst du etwa so auf Arbeit fahren wie die Anderen?“

Die Zwei entscheiden sich, mit der Bahn zu fahren.

Nach fast einer Stunde Fußweg ins Büro, fühlt sich Toni wieder frischer. Das braucht er jetzt auch. Jolka muss befragt werden. Sie fahren mit dem Dienstauto nach Bozen. In der Bar von Hannes trinken sie noch Kaffee. Hannes wirkt heute nicht so frisch wie gestern. „Gestern war eine lange Nacht“, sagt er.

„Wo ist Jolka?“, fragt Monika. Hannes wirkt etwas misstrauisch.

„Jolka ist noch da. Sie schläft in der Trentiner Straße.“

„Also bei Witek und Danuta?“

„Ja.“

Die Zwei gehen in die Trentiner Straße. Jolka ist da. In der Wohnung sind gerade acht Personen. Witek sagt, sie haben die dritte Wohnung in der Vigilstraße für Besuch frei gemacht. Das klingt glaubwürdig. Danuta bietet den Zweien gleich Kaffee an. Den lehnen sie nicht ab. Beim Kaffeetrinken fragen sie Jolka noch einmal, wann denn ihre Familienangehörigen nun in Südtirol waren.

„Eigentlich ist fast jeden Monat ein Familienmitglied hier bei uns.“

„Wegen der Autos?“, fragt Monika.

„Nein. Sie kaufen ein paar Lebensmittel und Dinge, die zu Hause gebraucht werden.“

„Wie viele Geschwister hast du?“

„Drei. Die Eltern und Großeltern kommen auch manchmal mit.“

„Du hattest uns aber gesagt, in letzter Zeit keinen Besuch bekommen zu haben.“

„Der Besuch galt nicht unbedingt mir. Es geht um Arbeit, Bewerbungen und Erntehilfe.“

„Gut. Danke.“

Die Auswertungen von den Autobahnkontrollen werden das bestätigen. Toni erwartet die schon im Büro. Damit sind die Angehörigen von Jolka schon mal im Visier von Toni. Er möchte gern wissen, wie die zu Jolka und Soltan standen und stehen. Die Polnischen Kollegen müssen das zu Hause heraus bekommen.

Jetzt gehen sie hinüber in die Vigilstraße. Auf dem Hof steht ein Auto mit Ungarischem Kennzeichen. Monika fragt sofort, ob eventuell Soltans Familie da ist. Volltreffer. Aus dem Grund, sind die anderen Wohnungen stark belegt. Man zieht zusammen, um etwas Platz zu gewinnen.

Fortsetzung folgt

Molveno März 2015

Fortsetzung Die neuen Spuren


Im Büro hinter der Rezeption treffen sie Silvio. Seine Sekretärin hat heute statt dem Kurzen Schwarzen ein noch kürzeres Blaues an. Toni meint, zeitweise den Zwickel zu erkennen. Zufällig hört er, wie Silvio sie ruft. Alenka. Das ist sicher kein Italienischer Name. Alenka hört Toni und Monika kommen und geht sofort zur Rezeption.

„Ist der Chef im Haus“, fragt Toni.

„Ja. Ich sage ihm Bescheid.“

„Woher kommen sie, Alenka?“

„Aus Polen.“

„Darek kennen sie?“

„Darek kommt aus unserem Nachbarort.“

„Und die Vigilstraße in Bozen kennen sie auch?“

„Ja. Flüchtig.“

„Was macht Dareks Familie zu Hause?“

„Viehzucht und Landwirtschaft.“

„Und ihre Familie?“

„Das Gleiche. Nur bedeutend kleiner.“

„Lebt ihr davon gut in Polen?“

„Wenn wir davon leben könnten, wären wir nicht hier.“

Oh. Toni schluckt. Die Antwort kam wie eine Ohrfeige.

Silvio kommt.

„Wir brauchen mal einen Raum, in dem wir uns ungestört unterhalten können.“

Silvio wirft Toni und Monika einen fragenden Blick zu.

„Wir gehen ins Konferenzzimmer.“ Er geht vor und die Zwei folgen ihm. Eine Bedienung ist sofort zur Stelle und fragt, was sie wollen. Das Jausen – Buffet ist noch aufgebaut. Silvio bestellt Kaffee und etwas Kuchen.

„Uns interessiert, wie die Trentiner und die Vigilstraße in Bozen organisiert ist“, sagt Monika.

Silvio ist etwas überrascht. Toni beobachtet das genau.

„Was wollt ihr darüber wissen?“

„Naja. Zuerst, wer diese Wohnungen vermittelt hat.“

„Ich. Ich komme aus dem Viertel und kenne Hannes, den Besitzer der Häuser.“

„Wer mietet die Wohnungen der Arbeiter?“

„Wir. Wir mieten sie als Personalwohnungen.“

„Also, zahlt die Hotelgruppe an Hannes die Miete?“

„Ja. Wollt ihr die Abrechnung sehen?“

„Gerne“, sagt Toni.

Silvio geht an seine Ordner und sucht den betreffenden. Monika schaut Toni an. Toni nickt mit den Augen.

‚Die gehen doch bei den Frauen tatsächlich doppelt kassieren‘ denkt sich Toni. ‚Einmal mit der Miete als Betriebsausgabe und einmal in die eigene Tasche.‘

„Wo hat denn eure Hotelkette überall Hotels?“

„Naja. Eigentlich in Bozen, im Unterland, in Brixen, im Vinschgau und sogar im Pustertal.“

„Da ist ja Bozen sozusagen, das Zentrum für die Personalunterkünfte.“

„Wir haben auch in den Hotels noch Kapazitäten. Vor allem, wenn die täglichen Arbeitswege zu weit sind.“

„Wer organisiert die freien Tage?“, fragt Monika noch nach.

„Hauptsächlich die Abteilungsleiter und ich genehmige das oder nicht.“

„Damit weißt du Bescheid, wer gerade frei hat und wer nicht?“

„Exakt.“

„Weiß das außer dir noch Jemand?“

„Die Kollegen von denen, die frei haben.“

„Hannes auch?“

„Den rufe ich an wegen der Zimmerbelegung.“

„Dein Konto ist ziemlich geladen“, sagt Toni.

„Oh. Habt ihr mein Konto kontrolliert?“

„Naja. In einem Mordfall ist das nicht ungewöhnlich.“

„Ich bekomme hier und da ein paar Zuwendungen von Firmen, die bei uns buchen.“

„Für spezielle Zimmer oder Leistungen?“

„Das dürft ihr aber bitte nicht meiner Hotelgruppe sagen. Es gibt schon Firmen, die Seminare und so weiter bestellen. Die geben mitunter ein Trinkgeld.“

„Gehen wir Kaffee trinken“, sagt Monika. Sie hat den Kuchen des örtlichen Bäckers entdeckt.

Im Grund wissen sie jetzt Bescheid. Silvio organisiert den Strich mit Hannes zusammen. Ob jetzt noch andere Hoteliers mit drinnen stecken, müssen die Zwei noch heraus finden.

„Welches Auto fährst du, Silvio?“, fragt Toni.

„Den Maserati in der Tiefgarage.“

„Den Ghibli?“

„Ja.“

„Gebraucht gekauft?“

„Ist das wichtig?“

„Gut, Silvio. Wir sehen uns sicher wieder. Bis zum nächsten Mal.“

„Tschüß. Wir sind demnächst bei euch, Monika.“

„Alle?“

„Ja. Zur Betriebsausfahrt.“

„Bis dann!“

Vor der Tür sagt Monika, „den haben wir schon im Sack.“

Fortsetzung folgt

Allein auf dem Jaufen; scheinbar. Schon bei der Abfahrt kamen uns zwei italienische, mit Ragazzi voll besetzte Autos entgegen, die sich riesig über den Schnee, die Ruhe und die Aussicht freuten. Es ist um diese Jahreszeit einfach schön, durch diese Pässe fahren zu dürfen.

Fortsetzung Die neuen Spuren


Das Treffen mit den Spitzeln bringt völlig neue, interessante Ergebnisse. Die neuen Spuren führen ins bekannte Milieu. Wahrscheinlich ist doch Zuhälterei und Erpressung im Spiel. Jedenfalls haben die Spitzel heraus bekommen, die Frauen verdienen bedeutend mehr als sie nach Hause schicken. Bisher können Monika und Toni nur schätzen. Die Frauen bezahlen um die Hälfte ihrer Einnahmen an Andere. Zusammen gerechnet, handelt es sich um gewaltige Beträge.

Toni ordnet sofort an, sämtliche Konten aller Beteiligten zu überprüfen. Er glaubt, dort des Rätsels Lösung zu finden. Monika sieht das ähnlich. Monika ist mittlerweile zum Inspektor befördert worden.

„Inspektor Monika“, sagt Toni. „Das muss gefeiert werden.“ Monika ist damit eingestellt und kein freier Mitarbeiter mehr. Sie können jetzt täglich zusammen auf Arbeit und nach Hause fahren. „Hat das Marco eingerührt?“, fragt Monika.

„Sicher“, antwortet Toni.

Die Tür geht auf und Marco kommt. Er hat Prosecco in der Hand. „Ich gratuliere zur Beförderung!“

„Jetzt können wir nichts trinken“, sagt Toni.

„Das trinken wir heute Abend bei Euch auf der Hütte.“

„Alle? So viel Platz haben wir gar nicht.“

„Wir gehen ins Restaurant. Ich habe schon angerufen. Ihr fahrt jetzt noch mal zu Silvio in die Alpenrast.“

Marco gibt Toni einen Zettel in die Hand mit Fragen, die er gern geklärt haben möchte. Es betrifft Kontostände, Einnahmen und Ausgaben. Als das Toni liest, rollt er mit den Augen. „So viel verdient ein Hotelmanager? Warum bin ich Kriminaler?“

„Frag mal bei der Hotelgruppe. Du wirst staunen.“

„Warum?“

„Bei denen verdient er das nicht. Deshalb sollst du ihn befragen. Schau auch gleich mal nach, welches Auto er fährt.“

Das klingt schon ziemlich dringend. Kaum sind sie auf dem großen Parkplatz in Kurzras, sehen sie Darek an seinem Auto. Sie gehen zu ihm.

„Es gibt noch Fragen, Darek“, sagt Toni.

Darek stellt sich nicht dumm und schon gar nicht unwissend. Er scheint sofort zu ahnen, worum es geht.

„Hast du heute frei?, fragt Toni.

„Ja. Ich will mal nach Bozen fahren.“

„Deswegen haben wir ein paar Fragen.“

„Gerne.“

„Wann hat Jolka frei? Habt ihr wenigstens auch mal zusammen frei?“

„Schon. Aber sehr selten.“

„Wer macht eure Schichtpläne?“

„Ich. Die werden im Büro kontrolliert und bei Bedarf angepasst.“

„Wann triffst du deine Frau?“

Darek scheint langsam zu begreifen, um was es geht.

„Ich hole sie manchmal von ihrer Arbeit in Bozen ab.“

„In der Nacht?“

„Ja. Manchmal ist die Zeit bis zum Frühstücksservice ziemlich knapp.“

„Schläfst du auch manchmal in der Vigilstraße?“

„Selten. Meist schlafe ich in der Trentiner.“

„Macht Jolka die Abrechnung mit dem Vermieter?“

„Ja.“

Das Ja klingt etwas aufgeregt. Darek scheint das ziemlich zu stören. Er verzieht sichtbar das Gesicht.

„Wir suchen schon eine geraume Zeit eine andere Wohnung. Mit unseren Papieren ist das nicht einfach. Die Vermieter wollen einfach zu viel.“

Fortsetzung folgt

Wir schauen vom Jaufen in Richtung Sterzing

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