Fortsetzung Die Spur


Toni fragt die Familienmitglieder, was denn so die Frauen und Männer nach Hause überwiesen haben. Zuerst fanden die Familienmitglieder die Frage etwas zu intim. Nach einigen Erläuterungen sahen sie die Frage ein. Die Summen notiert sich Monika. Monika ist der Meinung, damit eine echte Spur zu finden.

Bevor Monika und Toni gehen wollen, bieten ihnen die Eltern eine echte Spezialität an. Gesalzene Gänsebrust. Die Familie hat auch eine große Gänsefarm. „Speck aus Gänsebrust“, ruft Toni und es duftet, wie in der Räucherkammer seiner Nachbarn. Dareks Vater schneidet ein paar dünne Scheiben ab, gibt ein Polnisches Brot dazu und bietet es den Zweien an. Toni kann nicht Nein sagen. „Ein Genuss“, stöhnt er. Monika kann es nicht erwarten und probiert auch.

„Das fehlt noch bei uns auf der Hütte“, gibt sie mit vollem Mund zum Besten. Dareks Vater gießt noch einen Selbstgebrannten ein. Den müssen die Zwei ablehnen. Die Polnische Familie hat Verständnis dafür.

Nach dem Abgleich mit den bereits genannten Kosten für Unterbringung und Ernährung, sieht Monika einen Fehlbetrag. Und der ist nicht unerheblich. Jetzt müsste Monika noch heraus bekommen, was die anderen Frauen nach Hause schicken und die Ergebnisse vergleichen. Danuta macht gleich den Anfang. Die anderen Frauen werden folgen. Schließlich war Soltan einer ihrer Freunde. Oliwia und Emese wollen das gleich in die Hand nehmen. Vielleicht bestätigt sich Etwas, was Monika gleich vermutete. Entweder zahlen die Frauen Schutzgeld oder einen Zuhälter. Die Frauen müssen noch einmal einzeln vernommen werden. Monika glaubt, in der Gruppe oder im Rahmen des Zimmers, wäre das zielführender.

Am Abend gehen sie mit einigen Frauen ins Hokus – Pokus einkehren. Sie wollen endlich mal sehen, wie Witek und Danuta arbeiten. Das Hokus – Pokus ist eine gut besuchte Gaststätte auf mehreren Etagen in der Bozner Altstadt. Urig eingerichtet, verspricht es etwas Gemütlichkeit. Gegen zehn Uhr abends, füllen sich auch dort langsam die Plätze an der Bar mit jungen Damen. Viele kommen allein. Manche mit Begleitung. Sie gehen in die erste Etage. Die Etage wirkt etwas wie ein Raum mit ein paar Separees. In Jedem Winkel sitzt ein Pärchen. Der pakistanisch wirkende Kellner bietet ihnen sofort ein freies Separee an. Das hat sogar eine eigene Tür. Der Kellner fragt die Zwei, ob er die Tür schließen soll.

„Das ist nicht notwendig. Wir wollen Etwas essen und trinken“, sagt Toni. „Ist Witek da?“

„Witek arbeitet eine Etage höher.“

„Ist dort auch noch ein Tisch frei?“

„Sicher.“

„Dann gehen wir zu Witek.“

Der pakistanische Kellner wirkt etwas beleidigt.

„Und Bogus, wo arbeitet der?“

„Der arbeitet mit Witek zusammen. Bogus ist aber nicht da.“

Toni gibt dem Kellner ein Trinkgeld. Jetzt wirkt er etwas gelöster und begleitet sie an den Fahrstuhl.

Das Essen ist gut und jetzt bekommen sie auch Witek zu sehen. Witek ist der Zahlkellner und der Kellner für die Aufnahme der Bestellungen. Bogus bringt die Getränke. Die Zwei sind gut organisiert. Die Bedienung funktioniert bestens. Zeit für ein paar Fragen, ist keine. Bogus ist entgegen der Behauptung des pakistanischen Kollegen, doch da. Wahrscheinlich sind ihm die Einnahmen wichtiger als der freie Tag.

Nach dem Abendessen gehen die Zwei auf Beobachtungsposten. Das Haus der Vigilstraße ist gut besucht. Monika fallen die vielen Männer auf, die hinein gehen. Ohne Frauen. Sie kommen wieder mit Milena, der Barfrau. Und wo gehen sie hin? Zu dem Transporter mit dem vermeintlichen Diebesgut. Die Männer und Milena verabschieden sich mit einem Küsschen. Oben, aus einem geöffneten Fenster, winkt Liliana. Sie gibt ein paar Handküsschen.

Die zwei Männer gehen weg. Toni und Monika folgen ihnen. Es sind Lastwagenfahrer. Sie gehen in Richtung Innsbrucker Straße. Dort stehen ihre Lastwagen.

„Naja. Die Lieferkette haben wir jetzt. Wollen wir sie aufhalten?“, fragt Toni.

„Mich interessiert nur, ob sie mit den Frauen irgendwie verwandt sind.“

„Dann gehen wir zurück und fragen die Frauen.“

Milena steht noch rauchend auf dem Hof. Die nimmt sich Toni gleich vor. Dabei kommt heraus, die Fahrer sind die Männer von Milena und Liliana.

„Eine Familienunternehmen“, sagt Monika.

Fortsetzung folgt

Blick durch das Passeiertal vom Jaufen in Richtung Meran am 161121

Fortsetzung Die Spur


Am kommenden Morgen fahren die Zwei nach Bozen. Sie sollen die Wohnungen wieder kontrollieren. In der Wohnung von Danuta und Witek auf der Trentiner Straße, haben ganz andere Personen geschlafen. Witek war nicht da und Danuta auch nicht. Jetzt gehen Toni und Monika schnell zur Vigilstraße. Sie sind überrascht. Witek ist hier und Danuta auch. In der dritten Wohnung schlafen Familienangehörige von Darek.

„Hier ist ganz schön Bewegung in der Belegung“, sagt Monika. Jetzt gehen sie schnell auf den Parkplatz zu den drei Kleinbussen. Wie der Zufall es will, befinden sich da einige ausgebaute Autoradios und anderes Diebesgut. Wenn sie das jetzt anzeigen und ihre Kollegen bestellen, wird ihre Ermittlung schwer gefährdet. Toni fotografiert das. Mehr nicht.

„Heute ist Nachtdienst angesagt.“

„Das sollte ich schon die Tage tun.“

Toni telefoniert und bestellt einen Boten für Oliwia und Emese. Man muss sich treffen oder Nachrichten abholen. Es geht um den Abend von gestern. Jetzt gehen sie in die Bar von Hannes. Der soll sagen, wer in der Wohnung von Barbara und Halina gerade wohnt. Kaum sind sie angekommen, steht auch schon Hannes vor ihnen. Er weiß, wer da ist. Sie gehen zusammen zur Familie von Darek. Jolka ist auch da. Sie streitet gerade mit Dareks Eltern. Es geht um eine geplante Hochzeit. Oliwia übersetzt Toni das Wesentliche. So, wie das Toni begreift, wollte sich Jolka scheiden lassen und Soltan heiraten. Die Familie war nicht einverstanden. Jolka hätte den Erbanteil des Familienvermögens halbiert. Der Familienbesitz besteht aus reichlich Land.

„Das ist ein Mordmotiv“, sagt Toni zu Monika.

„Hören wir noch ein bisschen zu, was noch so Alles heraus kommt“, antwortet Monika.

Jolka sagt, sie hätte mit ihrem körperlichen Einsatz immerhin erst mal den Familienbesitz gerettet. Die Eltern sehen das ein. Trotzdem bestehen sie darauf, das Land der Familie nicht teilen zu wollen. Insgesamt sehen sie die Tatsache des Todes von Soltan als eine Art Erlösung von dem Problem. Jolka auch. Sie entschuldigt sich für den Fehltritt. Die Familie hat ihr das großzügig verziehen. Wohl auch deswegen, weil Jolka ja immer noch, mit körperlichem Einsatz, das Familienvermögen sichert.

„Wir sind dir viel schuldig, Jolka“, sagt der Vater Dareks. Jolka bedankt sich dafür. Soweit hat das Oliwia übersetzt. Mehr ist nicht wichtig, hat sie gesagt.

„Darek kann es aber nicht gewesen sein“, sagt Toni.“Darek hat ein sicheres Alibi, das von sehr vielen Kollegen bestätigt wird.“

„Vielleicht war es Jemand von der Familie?“, sagt Monika. „Wir müssen heraus bekommen, wann die hier waren.“

„An sich, geht das leicht zu ermitteln. Wir fragen die Frauen und Hannes.“

Hannes nickt. „Die waren im gesamten vergangenen Quartal nicht hier.“

„Und wo anders?“, fragt Toni.

„Das weiß ich nicht.“

„Welches Auto fahren die Eltern?“

„Einen Kleinbus, wie sie im Hof stehen. Sie bringen den Überholten und nehmen einen Gebrauchten mit.“

„Wer macht das sonst?“

„Entweder eine der Frauen oder die Männer.“

Das scheint gut zu funktionieren. Toni kann das nach vollziehen. Dabei findet er keine erkennbare Spur. Es sei denn, irgend Jemand sagt, ein Familienmitglied sei da gewesen. Bisher gab es keinen Hinweis in der Art.

Oliwia soll jetzt zu der Familie gehen und ihr sagen, Toni möchte mit ihnen sprechen. Gesagt, getan.

Toni und Monika werden freundlich empfangen. Das Wohnzimmer liegt voller Würste, Trockenfleisch,Brot und sonstigen Gaben. Einige Fotos, Karten und Briefe von Freunden und Nachbarn sind dabei. Jolka hat feuchte Augen. Sie entschuldigt sich. Sie muss wieder zur Arbeit gehen.

Oliwia spielt die Dolmetscherin. Zwei Familienangehörige sprechen auch Deutsch. Etwas unsicher und nicht ganz perfekt.

Die Familie kannte Soltan persönlich. Er war ein Mal mit Darek da und zwei Mal ohne, Jolka besuchen. Man hat damals wegen der Hochzeit gestritten. Aber man hätte sich geeinigt. Jolka sollte als Mitgift, eine Ablöse bekommen. Sie war damit einverstanden. Soltan selbst hätte gesagt, er hat zu Hause auch viel Land als Erbe zu erwarten. Das Ganze geht also ohne nachhaltigen Streit zu lösen. Toni sieht sein Motiv zusammenbrechen.

‚Was jetzt‘, denkt er sich.

„Wie hoch wäre denn die Ablöse?“, fragt Monika trocken nach. Das scheint eher eine vergleichende Neugierde zu sein. Wie scheint, möchte sie das mit Südtiroler Verhältnissen vergleichen. Bei der Frage kommen stattliche Beträge heraus, bei denen selbst Südtiroler blass werden würden. Die Angebote reichen von stattlichen Einmalzahlungen bis zu lebenslangen Abfindungen in Form von Renten. Dabei schien ein Familienmitglied das andere, überbieten zu wollen. Toni schluckt, obwohl er selbst Nutznießer einer vergleichbaren Regelung ist. Jetzt begreift er langsam den Wert seiner Hütte. Dafür haben Familienmitglieder schwer gearbeitet.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Spur


Die Tür öffnet sich und sämtliche Knechte kommen herein. Sie decken schnell den Tisch. Das Essen hat Josef schon fertig gemacht. Es dauert nicht lange und zwei junge Frauen kommen hinzu. Sie arbeiten nicht auf dem Hof. Sofort nach dem Eintreten reichen sie die Hand zum Gruß und stellen sich mit Linda und Zelma vor. Toni hört ihren Ungarischen Akzent. Ihr Abend ist schon ausgebucht. Sie arbeiten in einem Hotel des Ortes. Abends müssen sie wieder gehen. Zum Abdecken. Ein Polnischer Knecht lästert: „Zum decken.“ Alle am Tisch lachen.

Barbara erklärt das Monika etwas genauer. „Die Kolleginnen kommen oft sehr spät oder erst früh am Morgen.“

„Du kennst sie?“, fragt Toni.

„Wir kennen uns alle untereinander.“

Toni fragt die Frauen und Josef, ob er deren Zimmer mal sehen darf. Josef ist sofort einverstanden. Linda wirkt etwas aufgeregt. „Unser Zimmer sieht etwas aus. Wir hatten bis jetzt keine Zeit zum Putzen.“ Monika sagt den Zweien, sie sind Einiges gewöhnt. Barbara bestätigt das und beruhigt ihre Kolleginnen.

Das Zimmer sieht aus wie die in Bozen. Es liegen Pariser und Unterwäsche herum. Die Betten sind mit Flecken sämtlicher Körperflüssigkeiten garniert. Zelma wird knallrot dabei und kann sich schlecht das Lachen unterdrücken. Monika kann sich einen Scherz nicht verkneifen. „Masturbieren müssen sie sicher nicht mehr.“

„Das scheint nur so“, antwortet Linda. „Wie ist es bei ihnen?“

Zelma lacht und gibt Linda ein Küsschen. Toni kann sich das Lachen schlecht verkneifen. Bei der Suche im Zimmer fällt den Beiden nichts auf. Nur, die vielen Handys. „Wir haben für jede Verbindung ein Handy“, sagt Linda. „Kann ich die mal kurz kontrollieren?“, fragt Monika. „Bitte“, antwortet Zelma.

„Tatsächlich“, sagt Monika. „Jedes Handy hat eine Verbindung im Telefonbuch.“

Die Zwei verabschieden sich und werden freundlich verabschiedet.

Josef bringt die Zwei an die Tür. An der Tür werden sie von Josefs Frau empfangen. Sie kommt gerade nach Hause. „Oi“, sagt sie kurz zu den Zweien. „Josef hatte mich schon angerufen. Habt ihr Etwas gefunden?“

„Nein. Schönen Tag noch.“

„Danke, gleichfalls.“

Die Knechte striegeln gerade zwei Haflinger. Das Haar der Pferde zupfen sie sorgfältig ab und sammeln es in einem Sack. „Wir machen Schmuck daraus“, sagt ihnen ein Knecht.

„Zigeunerkunst aus Polen“, antwortet Toni.

Alle lachen.

Auf der Heimfahrt werten die Zwei ihre Erkenntnisse aus. Sie scheinen der Lösung näher zu kommen. Die Frauen arbeiten für ihre Familien und Kinder. Die sind nicht kriminell. „Wir müssen uns deren Umfeld genauer ansehen“, sagt Monika. Toni findet auch keine Hinweise auf die Zuhälterei der männlichen Kollegen. Das scheint sich tatsächlich um Volksmund zu handeln. Es gibt aber Hinweise darauf, die Männer der Frauen scheinen ihre Tätigkeit zu organisieren. Darek hat nach den bisherigen Erkenntnisse, seine Handelsgüter gekauft. Er ist von Haus zu Haus gefahren und hat dort, nicht benötigte Dinge gekauft. Das Gleiche hat er in Hotels, Leihbetrieben und Gaststätten getan. Er ist ein ehrlicher Händler von Gebrauchtgütern. Die Nachfrage zu Hause scheint groß zu sein.

Im Büro bekommen die auch die entsprechenden Meldungen der Zollbehörden. Es gibt keine Hinweise über Zollvergehen und versuchten Schmuggel.

Bei den Schmugglern und Dieben muss es sich also um andere Leute handeln. Die Frage ist jetzt, ob die Soltan auf dem Gewissen haben.

„Von irgend Jemand müssen die aber die Hinweise bekommen“, sagt Toni. „Es gibt trotzdem Verbindungen zu den Schmugglern.“ Toni hat sich nicht umsonst verbissen in diese Vermutung.

Fortsetzung folgt

Das ist ein Foto vom 15112015:-))

Fortsetzung Die Spur


Beim Besuch des Stalles, fallen Monika recht hektische Tätigkeiten auf. In der Tenne stehen zwei Fahrzeuge mit polnischen Targas. Unter den Knechten ist eine Frau. Und die erkennt Monika. Barbara. Barbara ist wunderschön und nicht so dürr wie ein Kleiderbügel. Angeblich ist sie zu Hause im Urlaub. Toni möchte Barbara vernehmen. Josef gibt ihm das gute Zimmer dafür. Eigentlich sind auf Bauernhöfen die guten Zimmer nur für Sonntage und Feiertage reserviert. Es sei denn, besondere Feierlichkeiten liegen an. Gäste kommen natürlich auch in den Genuss des guten Zimmers. Dafür müssen sie sich auch nicht extra die Haxen abkratzen oder gar das Schuhwerk wechseln. Gastfreundschaft auf ländliche Art eben.

Barbara zeigt sich überrascht. Sie hat nie behauptet, im Urlaub zu sein. „Wer hat das gesagt?“, will sie wissen.

„Ihre Mitbewohner in Bozen“, antwortet Monika.

Toni hält sich etwas zurück. Monika kann das Herz und den Mund einer Geschlechtsgenossin leichter erweichen. Barbara spürt sofort, woher der Wind weht. „Ich arbeite in Bozen ein bis zwei Mal die Woche. Unsere Familie möchte essen. Ich sorge dafür. Die Damen von hier machen das für Posten, Gold, Geld, Grundstücke und Luxus. Auch für einen Trauschein mit anschließender Scheidung. Was ist das? Etwa kein Strich?“

Monika muss lachen. Toni schmunzelt bei der Bemerkung. Eigentlich hat er Barbara jetzt im Sack. Die richtigen Fragen und er erfährt so ziemlich Alles.

„Barbara; sag mir mal, ob ihr hier auch Diebesgut lagert.“

„Hier nicht. Das verteilen wir sofort auf unsere Lastwagen.“

„Warum stehlt ihr?“

„Wir müssen essen und trinken. Unsere Ärzte wollen jetzt auch Geld. Wir haben auch kranke Eltern.“

Toni versteht das. Monika sicher auch.

„Gab es Streit mit Soltan?“

„Soltan war mein Freund. Wir hätten nie gestritten.“

Die Aussagen klingen wahr. Auch am Gesicht ist keine Spur einer Lüge.

„Kennst du Jolka?“

„Aber ja. Wir gehen zusammen in Bozen anschaffen.“

„Wer ist die Chefin? Jolka oder du?“

„Das Finanzielle macht alles Jolka.“

„Kommt bei euch auch Hannes kassieren?“

„Der ist leicht glücklich zu machen.“

„Steht ihr auch in der Bar neben eurem Wohnhaus?“

„Aber sicher.“

„Barbara; geb mir mal bitte deine Telefonnummer.“

„Ruf mich aber bitte nicht an. Unsere Telefone kontrolliert irgend Jemand.“

„An welchen Tagen erreichen wir dich in Bozen?“

„Ganz sicher, am Freitag. Unseren Standort kennt ihr ja. Du musst aber unbekannte Freier schicken.“

Eigentlich hat Toni alles erfahren, was er betreffs des Schmuggels erfahren wollte. Das Diebesgut wird kaum zwischen gelagert und sofort weg gefahren. Gerade auch in kleinen Mengen. Das Lager ist dann sicher zu Hause in Polen.

Monika hat von den Telefonen die Nummern aufgeschrieben. Das zu überprüfen, überlässt sie einer anderen Abteilung.

Die Befragung der anderen Knechte brachte trotzdem dieses und jenes Detail ans Licht. Auf alle Fälle, kennen sich Alle untereinander. Offensichtlich werden auch die Kollegen bisweilen versorgt. Immerhin sind die auch sehr lange von zu Hause weg.

Josef hört, wie Monika, Toni fragt, wo sie jetzt etwas essen gehen.

„Wir haben jetzt Jause“, sagt Josef und lädt die Zwei dazu ein.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Spur


Bei Schorsch finden sie Ersatzteile für Fahrzeuge.

„Wenn ich Etwas brauche, komme ich zu dir“, sagt Toni. Er hält einen Kettensatz von seiner Marke in der Hand, den er sonst nicht unter vierhundert Euro bekommt.

„Ist der original?“, fragt er.

„Was ist original in der heutigen Welt?“

Toni muss ihm Recht geben.

Sie verabschieden sich von Schorsch. Als Nächstes fahren sie nach Graun. In Graun ist Toni relativ oft. Vor allem dann, wenn er ins benachbarte Österreich zum Tanken fährt. In Graun auf dem Parkplatz am Turm, treffen sich oft die motorisierten Kollegen. Graun ist dabei der Ausgangspunkt für gemeinsame Touren. Die dabei eingesparten dreißig Cent je Liter, können sie dann einem Imbissbetreiber zu kommen lassen. Die kleine Umverteilung findet Toni gerecht.

Der nahe gelegene Stall mit dem angebauten Stadel ist ihr Ziel. Auch hier finden sie den Bauer umgehend. Er fährt gerade mit dem Traktor den Mist zusammen.

Nach der Vorstellung gehen sie sofort in die entsprechenden Räume. Rudi zeigt ihnen gleich sein Lager. Sie werden stutzig. Hat vielleicht Schorsch hier schon angerufen? Rudi ist erstaunlich, gründlich informiert. Rudi macht sein Geschäft mit Sportschuhen und Fahrradzubehör. Toni würde sich nicht wundern, wenn er das örtliche Sportgeschäft direkt beliefert. Eine tiefe Kontrolle ergibt nichts Neues. Es sei denn, die Lager sind frisch geräumt. Nebenbei erkundigt sich Monika bei Rudi nach den Frauen und Helfern auf de Hof. Dabei kommen ein paar nützliche Informationen heraus. Die Frauen übernachten oft in den Hotels der Umgebung. Vornehmlich außerhalb der Saisonzeiten. In den Saisonzeiten stehen ihnen Möglichkeiten bei den privaten Vermietern offen. Es gibt auch Personalunterkünfte, die rege genutzt werden.

Toni und Monika wird langsam aber sicher die Größe des Netzwerkes bewusst.

„Wenn die ihre Beute gut verteilen und bewegen, finden wir nichts“, sagt Toni. Genau das, denkt sich auch Monika. „Wir müssen sie in der Bewegung erwischen.“

Trotzdem fahren sie jetzt zu dem letzten Hof. Es geht weit ins Langtauferer Tal hinein. Dort werden sie schon erwartet. Josef sitzt ebenfalls auf seinem Traktor. Er hat Stöpsel im Ohr. Toni meint, Musik bei ihm zu hören. Er gibt ein Zeichen. Josef stellt die Musik ab und nimmt die Stöpsel aus dem Ohr. Toni und Monika stellen sich vor. Josef tut so, als wäre er überrascht. Er bittet die Zwei in die Küche. Dort sieht es etwas unaufgeräumt aus. Auf die Frage, wo seine Familienangehörigen sind, antwortet er eher schüchtern. „Sie arbeiten in Samnaun.“

Die zwei Kommissare sehen, das Leben in dem Tal ist nicht einfach. Das Tal ist ziemlich kalt und eine gängige Infrastruktur gibt es auf dem Reschen nicht. In Zeiten der geschlossenen Grenzen war das Leben dort einfacher.

Auf die Frage, ob er noch schmuggelt, antwortet er ziemlich gelassen: „Ja“. Seine Lagerräume zeigt er freiwillig und ohne jeglichen Druck. In der Küche liegen vier Handys. Das macht Monika stutzig. Mit einem Zeichen gibt sie Toni zu verstehen, er solle Josef mal etwas ablenken. Monika will nur sehen, wem die Handys gehören und welche Rufnummern sie haben. „Das sind die Handys meiner Knechte“, sagt Josef, als er das Interesse Monikas bemerkt.

„Wo sind die?“

„Sie arbeiten in der Tenne und im Stall.“

Fortsetzung folgt

Ein Blick ins Cembratal

Fortsetzung Die Spur


Marco bleibt im Büro und befragt die Frauen weiter. Später möchte er sich einige der Betriebe der Frauen noch anschauen. Er möchte heraus bekommen, ob die jeweiligen Chefs der Betriebe beteiligt oder gar involviert sind. Sollte sich das bewahrheiten, stehen einige große Durchsuchungen an. Die Fahrt durch das Vinschgau wird wieder zur Qual. Eilige Einsätze könnten sie nur mit Blaulicht erzwingen. Selbst da würden sie schwer behindert. Der Transitverkehr ist einfach unerträglich. Toni freut sich heimlich über seinen Wohnort weit oberhalb dieses Durcheinanders. Toni beklagt sich gerade wieder bei Monika über Autofahrer, die auf dem Mittelstrich herum eiern. Die neuen Autos sind Panzer in seinen Augen. Er kann weder durch deren verklebte Scheiben schauen noch deren Fahrstil verstehen. Motorradfahrer möchten die Köpfe der Fahrer sehen, um deren geplante Handlungen lesen zu können. Deshalb müssen sie nahe des Mittelstriches fahren. Nur so können sie den Verkehr folgen. Monika versteht das. Sie sitzt immerhin Hinten drauf. Wie üblich, beginnt der nächste Stau nach Naturns und Kastelbell, kurz vor Schlanders. Die zu vielen Ampeln und Fußgängerüberwege sind verantwortlich für diesen Stau. Das zieht sich durch das gesamte Vinschgau. Besonders schlimm ist es in Kastelbell und auf der Töll. Jeder einzelne Fußgänger oder Radfahrer kann den gesamten Verkehr stoppen. Wenn sie nacheinander kommen, ergeben sich Staus, die ganz sicher nicht dem Umweltschutz dienen.

Selbst mit dem Motorrad benötigt Toni heute fast zwei Stunden bis auf den Reschen.

In den Proben haben die Laboranten, Spuren von Pferden gefunden. Von ganz bestimmten Pferden. Von Haflingern. Außerdem sind Proben von echtem Südtiroler Grauvieh zu sehen. Es gibt nur drei Ställe mit diesem Viehbestand auf dem Reschen. Das macht die Suche weniger aufwändig. Ein Gehöft ist in St. Valentin auf der Heide. Das zweite in Graun und das dritte ist ziemlich versteckt in Kappl im LangtauferTal.

Monika freut sich schon darauf, dieses sehr schöne Tal endlich mal besuchen zu können.

In St. Valentin machen sie den ersten Abstecher. Der Bauer steht vor dem Haus. Toni muss nicht lange warten. Er zeigt seine Marke und sagt, sie müssen den Stall und den dazu gehörigen Stadel kontrollieren. In den Bergen ist das oft ein Gebäude, ein Einhof oder ein Paarhof. Die Landbevölkerung vom Reschen war ziemlich arm und ging traditionell, gern dem Schmuggel nach. Entsprechend angepasst wurden auch die Räumlichkeiten dieser Höfe. Die Suche nach den Räumen kann mitunter ziemlich zeitaufwändig sein. Der Bauer begleitet sie passiv, aber verschmitzt lächelnd. Von allein zeigt er den Zweien nichts. An jeder Tür fragt Toni, was darin steht.

Schorsch, der Bauer, tut meist so, als wüsste er es nicht. Im Stadel gibt es mehrere Böden, die teilweise auch in die Erde eingelassen sind. Keller oder Gewölbe. Schon im ersten Gewölbe werden sie fündig. Das Gesuchte ist aber nicht dabei. Den Fund nutzt Toni jetzt erpresserisch. Er fragt Schorsch jetzt aus, ob er etwas von den Polnischen oder anderen Schmugglern weiß. Schorsch redet wie ein Buch. Monika überlegt, was davon wahr ist und was geträumt. Auf alle Fälle, könnten sie einen ganzen Schmugglerring auffliegen lassen. Dafür haben sie aber kein Interesse. Es ist nicht ihre Aufgabe. Sie erfahren trotzdem sehr viele Namen und lernen auch die Infrastruktur der vielen Schmugglergruppen kennen. Jede Gruppe schmuggelt eine andere Ware. Es gibt keine Konkurrenz.

Fortsetzung folgt

Gestern waren wir zusammen mit dem Auto im Cembra Pass. Meine Frau hat mich fotografiert. Ich habe bewusst den Hintergrund Mauer und alter Kastanienbaum gewählt. Meine Frau muss das Fotografieren noch etwas lernen. Die zwei Jahre Gefängnis ohne Arbeit und ohne jeglichen Verdienst, haben mir zwanzig Kilo Zugewicht eingebracht. Das sind in etwa 120000 Kcal zu viel an Bord. Teilen wir das durch 730 Tage, sind das pro Tag in etwa 165 Kcal zu viel. Wöllte ich die Kcal wieder abnehmen, müsste ich rund 600 Stunden Rad fahren. Das wären dann 25 Tage ohne Unterbrechung. Das ist nur ein Beispiel dafür, was uns diese unfähige (faschistische) Diktatur angetan hat. Die neuen Diktatoren kommen nicht in braunen Hemden. Sie kommen überschminkt, mit gefärbtem Haar in Strapsen und bunten Blusen:-))

Fortsetzung Die Spur


Am kommenden Tag werden die Kommissare von Emese und Oliwia besucht. Die Beiden sprechen von einer regen Nachfrage. Toni vermeidet, nachzufragen, ob die Ermittlungen Haut an Haut stattfinden. Trotzdem fragt er neugierig, wie viel Trinkgeld dabei heraus springt. In erster Linie interessiert ihn, um welche Größenordnungen es sich bei den Einnahmen handelt. Emese ist etwas schöner als Oliwia. Das ist zumindest der Eindruck Tonis. Monika hingegen, sieht Oliwia als schöner an. Beide reden von beträchtlichen Einnahmen. Daraus resultiert eine starke Nachfrage. Offensichtlich hat das Kreuze schwingen des Papstes und seiner Helfer, wenig gebracht in Südtirol. Das zumindest, entnimmt Toni den Schilderungen der Kolleginnen. Monika hört ganz interessiert zu. Sie bewundert die zwei Kolleginnen. Ermittlung im Nahkampf.

Emese glaubt, Hannes ist in dem Geschäft involviert. Sie hat bemerkt, wie er die Frauen einteilt. Außerdem reden die Mädchen davon, Hannes regelmäßig mit Naturalien bezahlt zu haben. Wie das gemeint ist, muss sich Toni nicht extra ausmalen. Er glaubt, Hannes geht nur einer Gelegenheit nach. Oliwia zerschlägt Tonis Gedankengang. Sie hat bemerkt, die Plätze in der Bar sind fest einkalkuliert. Die Bar ist deshalb gut besucht. Toni würde das als Puff bezeichnen, wenn das stimmt.

Das Gespräch dauert etwa zwei Stunden. Die Fakten sind erdrückend.

„Jetzt müsst ihr aber endlich schlafen gehen“, sagt Monika mitleidvoll. Nicht umsonst. Sie müssen heute noch auf den Reschen. Das Lager für das Diebesgut scheint gefunden zu sein. Die Proben sind ziemlich aufschlussreich. An nur drei Gebäuden, haben sie diese Proben gefunden. Praktisch haben sie vor dem Lager gestanden. Es ist ein Stall. Und der ist als das, in Benutzung.

Der Stall als Lager ist gar nicht mal dumm gewählt. Kein Mensch der Umgebung würde irgendeinen Verdacht schöpfen bei dem regem Verkehr im Umfeld des Stalles. Es braucht schon ein paar Arbeiter, welche die Tiere versorgen. Nicht mal Ausländer würden sonderlich auffallen. Generell arbeiten in der Landwirtschaft Tirols und Südtirols, sehr viele Ausländer als Knechte und Erntehelfer. Das unterschiedet die Landwirtschaft kaum von dem Touristikgewerbe. Die Gastwirtschaft als auch die Landwirtschaft als Familienunternehmen, scheint so nicht mehr zu funktionieren. Damit erhöht sich der Anteil der passiven Nutznießer dieser zwei Gewerbe erheblich.

Monika bestätigt das. Die Größe ihres Unternehmens, wäre ohne Fremdhilfe nicht leistbar. Manchmal kommt sie bei ihren Ermittlungen schwer ins Grübeln.

Fortsetzung folgt

Mezzolombardo – Blick in Richtung Trentino

Fortsetzung Die Spur


Im Meraner Büro wartet schon wieder Marco. Nach Bozen fahren sie mit dem Dienstauto. Heute stehen Vernehmungen an. Oliwia hat einige Erkenntnisse gewinnen können. Emese kann frühere Vermutungen bestätigen.

Monika und Toni gehen als Erstes in die Trentiner Straße zu Witek und Danuta. Die Zwei schlafen noch. Nach dem Klopfen stellt Toni fest, das Zimmer ist voll belegt. Vier Personen schlafen heute hier. Dem Anschein nach, hat es eine wilde Nacht gegeben. Die Unterwäsche liegt verstreut im Zimmer. Und nicht nur das. Neben dem Bett liegen benutzte Pariser. Monika zählt heimlich. Neun Stück. Sie schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.

„Neidisch?“, fragt Oliwia.

„Nicht beim Anblick dieses Zimmers“, antwortet Monika. Toni muss lachen. Marco fragt sich, über was die diskutieren. Er schüttelt den Kopf.

„Wer sind denn die zwei anderen Damen?“, fragt Monika.

„Liliana und Milena. Die kennen sie doch aus der Vigilstraße,“ antwortet Witek.

„Nicht persönlich“, sagt Monika.

Selbst Oliwia und Emese haben sie noch nicht kennen gelernt. Die Zwei dürfen sich natürlich nicht anmerken lassen, für wen sie arbeiten. Sie antworten auf die Fragen von Toni und Monika schnippisch und fast abweisend.

Auf die Frage, wo sie denn waren, antwortet Milena, „auf Arbeit.“

Eigentlich müsste das Monika überprüfen.

„Arbeitet ihr bei Darek und Silvio?“

„Natürlich.“

Monika notiert sich das. Sie kann sich nicht an Alle erinnern, die sie bei Silvio hat auflisten lassen.

Hannes kommt wieder vorbei. Er möchte schauen, wie die Zimmer aussehen, sagt er.

Den Zweien kommt das gerade zurecht. Sie wollen Hannes noch etwas ausquetschen.

Hannes lädt sie wieder in die Bar ein. Sie gehen mit und schon läuft die Kaffeemaschine.

„Hast du besonders rege Bewegungen in den Zimmern bemerkt?“

„Nichts.“

„Wir haben Halina und Barbara nicht getroffen.“

„Die sind, so viel ich weiß, zu Hause auf Urlaub.“

„Wann kommen sie wieder?“

„Nächste Woche, so viel ich weiß.“

„Sie sollen sich mal bei uns im Büro in Bozen melden.“

„Ich sage es ihnen.“

„Wer zahlt für gewöhnlich die Miete bei dir?“

„Die Frauen. Das macht normal Barbara.“

„Und wenn die nicht da ist?“

„Dann macht das Danuta.“

Monika möchte mit Danuta reden.

„Wieviel zahlst du Miete hier?“

„Zweihundert und achtzig“

„Für alle Frauen und alle drei Wohnungen?“

„Nein. Für eine Wohnung.“

„Wer bezahlt die anderen Wohnungen?“

„Jolka und Halina.“

„Sind die da?“

„Nein. Heute nicht. Die sind auf Arbeit.“

Emese gibt ein Zeichen. Sie kommt heute ins Büro. Ein Kollege soll sich mal als Freier ausgeben, der sie mit nach Hause nehmen will.

Marco ruft die Kollegen an, ob sie einen haben, den die Frauen nicht kennen. Der Kollege ist da und er kommt heute Abend.

Tonis Telefon klingelt. Die Auswertungen von den Proben sind da. Volltreffer.

Monika und Toni haben vor dem Lagerhaus gestanden, in dem das Diebesgut zwischen gelagert wird.

„Jetzt müssten wir uns wieder dreiteilen können“, sagt Toni.

„Können wir doch. Du, ich und Marco“, antwortet Monika.

„Das machen wir im Büro ab.“

Eigentlich ist für heute Alles gesagt. Die Kommissare gehen ins Büro und nach Hause.

Fortsetzung folgt

Pinkelpause am Molvenosee

Fortsetzung Die Spur


Darek kommt zum Tisch. Er ist etwas rot im Gesicht. Toni macht sich schon seine Gedanken.

„Die Frauen erzählen uns etwas von Partnerschaften zwischen dir und Soltan“, eröffnet Toni das Stelldichein.

„Jetzt, wo ihr Alles wisst, sage ich es euch. Wir haben uns in die Standgebühren geteilt.“

„An wen habt ihr diese Gebühren bezahlt?“

„An einen Boten.“

„Wie heißt der Bote?“

„Luca.“

„Für wen arbeitet er?“

„Das sagt er uns nicht.“

„Wie zahlt ihr die Miete bei Hannes?“

„Das machen die Mädchen selbst.“

„Gab es Streit zwischen euch und Soltan?“

„Gelegentlich. Wegen der Standplätze und Grenzen.“

„Wurdet ihr handgreiflich dabei?“

„Das war nicht nötig. Wir verstanden uns sehr gut.“

Die Befragung dauert noch eine Stunde. Darek wurde dabei nicht sonderlich nervös und bliebt relativ ruhig.

Eigentlich wissen sie jetzt Alles. Eine Frage schickt Monika hinter her.

„Was kassiert Silvio?“

Jetzt kommt Darek etwas in Stottern. Er schaut sich um.

„Zu viel.“

„Bring uns mal bitte etwas Kaffee und zwei Croissant“, beendet Toni das Treffen.

Darek springt erleichtert auf und bringt das Bestellte selbst. „Guten Appetit!“

Die Zwei Detektive wissen jetzt genug. Sie fahren zurück ins Büro.

„Marco. Wir müssen wieder nach Bozen. Am besten, abends.“

Marco ist hocherfreut über den Bericht.

„Ich glaube, Hannes und Silvio hängen da tief drin.“

„Das ist auch unser Eindruck“, antwortet Monika. „Wir müssen bei den Frauen etwas intensiver nachhaken.“

„Das lassen wir teilweise Oliwia und Emese tun. Die sind mittlerweile etwas warm geworden mit ihren Kolleginnen.“

Die Auswertung geht bis spät in den Abend. Veronika hat Matteo schon zu Bett gebracht und kommt ins Büro.

„Wir gehen Essen heute Abend“, befielt sie.

Monika läuft als Erste zu Veronika und beruhigt sie etwas.

Jetzt, wo das Veronika so druckvoll sagt, bekommt Toni einen Appetit auf Haxe oder Rippele. Monika auch, sagt sie. Marco lässt sich nicht lange Betteln. Sie gehen zum Ochsen in die Stadt.

Es wird sehr spät und Toni kann nicht mehr mit dem Motorrad fahren. Marco ruft die Kollegen von der Stadtpolizei an und fragt, ob sie als Taxi arbeiten können. Die haben nichts gegen eine Kontrollfahrt ins Nächtliche.

Auf der Hütte reicht die Lust und Zeit nur noch für eine Schüssel mit warmem Wasser. Katzenwäsche ist angesagt. Monika wäscht Toni und Toni, mit erregtem Vergnügen, Monika.

Die Drei wollen sich heute etwas später treffen. Das gibt Toni und Monika die Zeit, etwas ausgedehnter zu frühstücken. Zum Glück fahren sie heute nicht mit dem Motorrad. Das Wetter ist sehr bescheiden. Es gibt einen Temperatursturz. Beim Hinausschauen glaubt Monika, Schneeflocken gesehen zu haben.

Tatsächlich. Es hat etwas Schnee gegeben. In der Vinschger Bahn wird der Platz zusehends knapper. Die Zweiradfahrer bevorzugen bei diesem Wetter das Auto und die Bahn. Der Blick von der Seilbahn hinab auf die Vinschger Straße, zeigt Toni einen enormen Stau. Wie scheint, ist ab Naturns, Schrittgeschwindigkeit angesagt. Die Zwei freuen sich, die Bahn gewählt zu haben.

In Meran suchen sie ihren Anschluss. Der Stadtbus bringt sie bis fast vor die Haustür des Büros. Zu den üblichen Bürozeiten ist die Verbindung kein Problem. Aber wehe, sie müssten früher oder später fahren. Bei ihren variablen Arbeitszeiten kommen sie selten in den Genuss einer gängigen Verbindung. Genau deshalb fährt Toni mit dem Motorrad zur Arbeit.

Fortsetzung folgt

Kleine Ausfahrt an den Garda am 081121 – Limone

Fortsetzung Die Spur


Nach Kurzras fahren die Zwei mit dem Motorrad. Am Morgen ist es eiskalt. Viele Stellen sind gefroren. Die kleinen Rutscher manövriert Toni locker aus. Monika fühlt sich trotzdem sicher hinter ihm. Sie umschlingt Toni ganz eng. Man könnte denken, auf dem Motorrad sitzt eine Person.

Am Morgen ist sehr viel Betrieb auf den Parkplätzen in Kurzras. Das Personal der Gletscherbahn bereitet sich gerade für die Auffahrt vor. Im Restaurant gegenüber ist vor dem Tresen kein Platz frei. Im Wintergarten sitzen schon Skiläufer. Auf einigen Parkplätzen stehen Campingautos mit Italienischem Kennzeichen. Sogar Deutsche sind dabei.

Silvio ist noch nicht im Büro. Aber eine Rezeptionistin ist anwesend.

„Silvio ist noch beim Frühstück“, sagt sie und zeigt auf den Frühstücksraum. Am Tisch von Silvio sitzen zwei junge Frauen.

„Hotelchef ist ein schöner Beruf“, stöhnt Toni.

„Nehm dich zusammen“, faucht Monika und zwickt ihm mit den Fingernägeln in den Hintern.

„Das gibt blaue Flecken“, flüstert er zurück.

Die Frauen kennen die Zwei. Sie stehen sofort auf und gehen nach der Begrüßung.

„Arbeitest du gerade an unbegrenzten Verträgen?“, fragt Toni. Silvio lacht.

„Kannst du schon polnisch?“, schiebt Toni nach.

„Hier brauche ich eher Slowakisch“, antwortet Silvio.

„Wir müssen Darek und einige seiner Kollegen und Kolleginnen befragen. Es gibt ein paar offene Ungereimtheiten.“

„Das dauert etwas. Nehmt euch inzwischen etwas vom Buffet. Kaffee ist auch dort.“

„Wenn alle Fälle in Hotels wären, könnten wir uns das Frühstück sparen“, sagt Monika.

„Gegen unser Frühstück in Aschbach ist das hier eher zweite Wahl.“

Beide lachen.

Darek kommt wie zum letzten Mal, etwas später. Toni ist das recht. Er möchte zuerst die Frauen befragen.

Bei der Befragung kommt heraus, sie gehen alle nach Bozen. Dazu erfahren sie, Petr ist wie Darek, auch eine Art Chef. Zuhälter wollen sie jetzt nicht sagen. Trotzdem organisiert er deren Einsätze fleißig mit. Monika fragt sich langsam, wer denn die ungarischen Kolleginnen betreut. Sie steht auf, geht zu Silvio und fragt, ob es einen ungarischen Kollegen gibt.

„Ja. Einen. Den schicke ich dann mit vorbei.“

Die Befragung der Frauen dauert ziemlich lange. Ferenc, der Ungar, kommt im Anschluss an die Befragung der Frauen. Sie haben ihn raus geschickt.

Bei dem Gespräch kommt heraus, Ferenc ist der Mittelsmann, der traditionell die Weisungen von Silvio übersetzt. Damit ist er praktisch ein Hauptmann. Eine zentrale Figur.

Wie bei den Polen und den Slowaken, gehen alle Landsleute zu ihm, um sich zu erkundigen. Bis zu seinem Tod, war das Soltan. Dadurch entwickeln sich ganz spezielle Beziehungen. In wieweit die von den Hauptmännern erpresserisch genutzt werden, können Monika und Toni jetzt nicht klären. Das Schweigen in der jeweiligen Gruppe ist sehr ausgeprägt. Bei der Befragung ergibt sich, alle Hauptmänner organisieren den zusätzlichen Dienst am Straßenrand. Der Gedanke kommt auf, der Tod Soltans könnte etwas mit Konkurrenzkampf zu tun haben.

Fortsetzung folgt

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