Beschreibung Zweiter Teil


Beschreibung Zweiter Teil

Die Stellenbewegung des Ersten Teiles setzt sich im Zweiten fort. Dazu kommt die Bewerbungsphase für die Sommersaison. Dafür investieren Sie ihre gesamte Freizeit. Auf Deutsch: Saisonkräfte haben keine Freizeit.

Es existiert nur Arbeit und Schlafen.

Angereichert wird das durch Arbeitsunfälle und Pannen, die Sie einfach nicht bezahlen können.

Abstecher nach Hause zu Trauerfeiern und Ähnlichem, müssen Sie mit Kündigungen erzwingen. Für diese Zeit haben Sie keinerlei Versicherung und Verdienst. Bei den Unternehmerfamilien dürfen Sie aber beobachten, wie sie ihre Angehörigen und Freunde des Ortes, geschlossen und intensiv betrauern. Das Recht steht ihnen als Saisonkraft nicht zu. Selbst die Arbeitslosenversicherungen streichen Ihnen die erste Woche der Arbeitslosigkeit. Angeblich als Ausgleich für Urlaub; den Sie nie bekommen haben.

Ihre doppelten Arbeitstage kennt kein einziger Gesetzgeber und vor allem, keine Rentenkasse.

Schon Marx machte uns auf den Diebstahl von Mehrwert aufmerksam. Im Fall von Saisonkräften, beträgt der Diebstahl genau einhundert Prozent. Und wehe, Sie sagen das!

Ihre Arbeitszeit beginnt in Saisonbetrieben in aller Regel zwischen Sieben und Acht Uhr. Den Betrieb verlassen Sie frühestens zweiundzwanzig Uhr. Es gibt vielerorts eine Art Mittagspause bzw. Nachmittagsruhe, die Sie entweder für den Arbeitsweg benötigen oder in ihrem Bett verbringen. Sie treten ja eine zweite Schicht an. Bei Verkäuferinnen z.b., ist das Teil der Arbeitszeit. Bei Saisonkräften nicht.

Die Leibeigenschaft diverser Vorgängerzeiten, war im Gegensatz zur Saisonarbeit, himmlisch.

Das Traurigste an unserem Beruf ist, dass Ihnen Ungelernte, durch Erbschaft und andere Glückszustände zu Besitz Gekommene, Ihren Beruf neu lernen möchten. Dabei haben diese Leute Null Ahnung vom Kochen, geschweige von den richtigen Rohstoffen. Dümmlinge versuchen, Ihnen Ihre Bildung und ihre Kenntnisse aus zureden. Sie werden behandelt wie Dreijährige.

In allen Teilen versuche ich, Ihnen das etwas lustig zu vermitteln. Gut ausgebildete Fachleute sind sozusagen umgeben von Aufschneidern und völlig ahnungslosen Besitzern, Bürokräften und Betreibern. Häufiges Lachen und Auslachen hilft ihnen, diese Schmach zu überleben.

Der Grundsatz der DDR: „Erst der Meisterbrief und dann der eigene Betrieb“ wird hier im gesamten Tourismus durch „Ich habe das Geld und dann darf ich“ ersetzt. Genau auf diesem Niveau läuft der gesamte Tourismus ab.

Bewerbungsgespräche führen mich auch nach Südtirol und in den Alpenbereich. Die Saisonarbeiter kennen die Alpen- und Touristikhochburgen besser als deren Betreiber und Besucher.