Begraben im Weiher


Nach dem Duschen reden die Zwei über Ema, Iva und Danka. So viel Monika bisher gehört hat von den Eltern und Radim, haben die Drei mit dem Wissen der Familie, Etwas dazu verdient. Jozefa hat mehr gewusst als Ludvik. Das konnte Monika bereits heraus hören.

„Wir müssen morgen zu Sibyla und Danka“, sagt sie zu Toni.

„So, wie du gerade duftest, wird es wohl etwas später.“

„Halte mich nicht immer von der Arbeit ab.“

„Du wirst doch nicht etwa wie die anderen Frauen?“

„Wie meinst du das?“

„Vor der Hochzeit, drei Mal täglich; nach der Hochzeit, einmal jährlich. Mit dem Ehemann.“

„Du kannst es ja mal ausprobieren.“

Beim Kaffee fragt Toni, Monika:

„Ist Ema noch erreichbar?“

„Sie ist bei ihrer Familie.“

„Die Familie muss unbedingt vollständig hier bleiben.“

„Ich sage es Marco.“

„Bleibst du hier?“

„Ich muss noch die ganzen Daten auswerten. Mir wäre das am liebsten.“

Toni fährt nach Unten. Dort wartet schon wieder Marco. Bei ihm ist Donato. Doris kommt sofort mit dem Kaffee.

„Doris. Ich muss wissen, ob auch Danka bei dir war.“

„Geb mir mal bitte das Bild von ihr. Ich frage Julian.“

„Die sind auf den Strich gegangen“, sagt Marco. „Aber nur in Familie – selbst organisiert.“

„Dann besteht ja die Möglichkeit, die Konkurrenz hat da etwas mitgesprochen.“

„Das untersuchen wir gerade.“

„Kennst du die Hauptakteure?“

„Ja. Alle.“

„Hast du die schon vorgeladen?“

„Wir befragen die gerade.“

„Ich muss zuerst zu Sibyla und dann zu Felix.“

„Die Frau war auch bei uns“, sagt Julian.

„Kannst du dich noch erinnern, was die an hatte?“

„Sie kam fast immer in den gleichen Sachen.“

„War sie so fleißig wie Ema und Iva?“

„Das muss ich Garib fragen.“

„Ich komme heute Abend vorbei.“

„Bis dann.“

Toni fährt als Erstes zu Felix. Felix erkennt ihn schon von Weitem. Die Tür öffnet sich.

„Ich muss wissen, ob du alle drei Frauen kennst.“

Toni zeigt ihm die Bilder.

„Die waren immer zusammen.“

„War Sibyla auch dabei?“

„Immer.“

„Hast du ein brauchbares Foto von Sibyla?“

„Aber natürlich. Ich habe fast schon eine Sammlung.“

„Ich brauche nur das Gesicht.“

„Das werden wir leicht finden.“

Die Sammlung ist ziemlich umfangreich. Von gut gekleidet bis Akt.

„Sibyla ist sehr schön.“

„Ja eben. Das ist ein schwerer Verlust für mich.“

Toni findet ein Porträtfoto.

„Das würde ich gern behalten. Bis die Ermittlung abgeschlossen ist.“

„Gerne. Informiere mich bitte, wenn du mehr weißt.“

„Versprochen.“

Jetzt fährt Toni zu Sibyla. Sibyla sieht ihn schon vor dem Haus kommen. Sie steht gerade im Garten und telefoniert.

„Das ist ein schönes Motorrad“, sagt sie zu ihm.

„Danke. Ich habe ein paar Fragen an sie.“

„Ich bin Sibyla.“

„Toni.“

„Ich muss wissen, ob du auch Danka mit vermittelt hast.“

„Natürlich. Das weißt du aber schon.“

„Waren zu den Tanzabenden bei Doris auch noch andere Mädchen dabei. Du vielleicht?“

„Ich war und bin auch ziemlich oft dort.“

„Am Tag des Mordes auch?“

„Da war ich nur kurz. Jonas war mit. Er hat geschimpft mit mir.“

„Warum?“

„Ich habe zu heftig mit Luis getanzt.“

„Eifersucht?“

„Eher Alkohol.“

„Hast du ein Bild von dir?“

„Was für eins möchtest du gern?“

„Naja. Eine Vorlage brauche ich nicht mehr.“

„Ein Passbild vielleicht?“

„Das wäre richtig. Es kann auch etwas größer sein.“

Sibyla holt ein ganzes Sortiment heraus. Toni rollt mit den Augen. Wie scheint, hat Sibyla auch Pornos gedreht.

„Ist das privat?“

„Naja. Das veröffentliche ich im Netz. Ich habe dort meine Seite. Wir leben auch davon.“

„Dann führst du ja schon ein recht großes Unternehmen.“

„Mir wird das schon fast zu groß.“

„Als Personalvermittlung ist deine Firma aber registriert.“

„Ist das etwa keine Personalvermittlung?“

„Du hast Recht. Es ist eine. Ich ermittle nicht in dem Zusammenhang. Es besteht keine Gefahr.“

„So lange du nicht meine Kundenkartei einliest, geht das ja in Ordnung.“

„Steckt dort so viel Gefahr drin?“

„Nicht für mich.“

Begraben im Weiher


Also, führt die Zwei der Weg heute wieder zu Doris. Kaum sind sie angekommen, werden sie von Doris empfangen. Doris bietet ihnen gleich eine Pizza von Garib, den Pizzaiolo an. Garib erkennt Monika und Toni. Er belegt die Pizza der Zwei etwas üppiger. Er schaut Monika auf die Hüften und legt noch ein paar Scheiben Speck dazu. Doris muss lachen.

„Für Monika“, flüstert er.

Doris nickt ihm zu. Julian, ihr Sohn, hilft heute am Tresen. Er soll die Zwei bewirten. Julian hat auch etwas Überblick bei den Tanzveranstaltungen. Er bedient auch die Gäste im Vereinszimmer. Heute ist das nur Toni und Monika. Sie sind sehr früh zu Doris gegangen, bevor der Ansturm der Touristen einsetzt. Sie wollen auch mit der letzten Bahn nach Oben fahren.

Julian kommt kurz zu ihnen.

„Julian, kannst du dich an diese zwei Frauen erinnern?“

Toni zeigt ihm die Bilder von Ema und Iva.

„Ja. An die hier.“

Julian zeigt auf Iva.

„Die andere Frau hast du nicht gesehen?“

„Nein.“

„Weißt du noch, was Iva an hatte?“

„Daran kann ich mich nicht erinnern.“

„Hat Iva mit Jemandem getanzt?“

„Ich glaube, sie hat nur getanzt.“

„Mit wem?“

„Mit fast Allen, die Vorne sitzen und stehen.“

Das wird schwierig, denkt sich Toni. Am besten, er schickt Monika vor. Monika kann das bedeutend geschickter lösen.

Garib bemerkt die Fragen von Monika.

„Zeig mir mal die Bilder.“

Monika zeigt sie ihm.

„Die Zwei habe ich gesehen. Sie sind häufig nach Draußen gegangen. Immer mit einem Anderen. Ich glaube, sie bumsen Draußen und im Keller.“

Die Männer am Tresen halten sich dagegen etwas zurück. Sie schauen sich untereinander an und lachen. Schorsch ist auch da.

„Wenn du mir die so zeigst, kenne ich die Mädchen.“

„Waren die oft hier?“

„Immer dienstags.“

„Warum hast du das nicht gleich gesagt?“

„Naja. Du weißt schon.“

„Warst du auch mit den Mädchen, Draußen? Wir haben die Proben vom Sperma.“

Monika blufft. Von Schorsch gibt es keine Spuren.

„Das letzte und vorletzte Mal nicht.“

„Wieso nicht?“

„Als Zehnter?“

„Ach so.“

„Was hast du immer gegeben?“

„Sie waren recht günstig. Günstiger als in Meran und Bozen. Vierzig.“

Monika lacht.

„Für eine Hasennummer?“

Schorsch muss auch lachen.

„Was denkst du? Willst du es mal probieren?“

„Das würdest du nicht überleben in deinem Zustand.“

„Bei dir hätte ich drei Leben. Du hast Recht. Es war eine schnelle Nummer.“

„Eine Handnummer oder eine richtige?“

„Für eine Handnummer wollte sie Dreißig.“

„Und du glaubst jetzt, das war eine richtige Nummer?“

„Warm und schön war es auf alle Fälle.“

Beide lachen.

„Wärmer als bei deiner Hilde? Die hat doch auch ein schönes Büromaß.“

„Naja. Das ist eben kein lebendiges wie deins.“

„Du Schlawiner. Danke für deine Auskünfte.“

Schorsch versucht, beim Gehen, Monikas Hintern zu berühren. Monika greift blitzschnell mit einem festen Griff in den Schritt von Schorsch zurück.

„Usch!“

„Verschluck dich nicht.“

Toni hat das beobachtet und lacht sich fast krumm.

„Der kann jetzt drei Tage nicht fahren.“

„Das stimmt. Bei Johanna in der Garage jedenfalls nicht.“

„Der Griff war nicht schlecht.“

„Den habe ich für dich trainiert. Bei Schorsch habe ich aber ins Leere gegriffen.“

„Der Arme.“

„Du meinst, die arme Hilde.“

„Naja. Hilde hat den Hof und zwei Knechte.“

Monika gibt Toni einen Kuss.

„Saug nicht so stark.“

„Warte ab. Dann.“

Die Zwei fahren in die Hütte. Toni stellt das Wasser an. Monika spielt die Aufnahmen auf ihren Computer. Sie trägt die Kopfhörer und hört sich schon einen Teil an bis das Wasser warm ist. Toni schaut ihr zu. Wahrscheinlich hat sie schon etwas bemerkt. Sie lacht. Und das ausgerechnet bei dem Thema.

Begraben im Weiher


Verena hat den Sprechfunk des Büros eingeschaltet und nimmt die familiären Gespräche auf. Ludvik ahnt das und spricht kaum ein Wort. Mama Jozefa ist gesprächiger. Radim auch.

Ema erzählt teilweise von ihren Erlebnissen. Verena staunt. Sie hätte nie gedacht, was hierzulande mit den Saisonkräften passiert. Sie hört schon fast süchtig zu als die Drei zurück kommen.

„Hast du Etwas erfahren?“, fragt Marco.

„Ich habe Alles aufgenommen.“

„Mach eine Kopie und gebe das Toni mit.“

Monika wird das auswerten. Sie hört Sachen, auf die Toni kaum achtet.

Marco bringt die Familie ins Hotel in Bozen. Die Familie soll sich bereit halten und bei den Ermittlungen helfen. Papa Ludvik kennt sich etwas aus. Er hat zu Hause in den Betriebskampfgruppen mitgewirkt. Dort wurden sie für die Abwehr von Sabotagen geschult. Er betont mehrmals sehr innig, dass er die Täter überführt sehen möchte. Marco verspricht ihm das.

Die Ermittlung beginnt

Nachdem sie die Familie im Hotel untergebracht haben, schmieden Marco und sein Team den neuen Schlachtplan. Das ist bereits der dritte. Es gibt zwei Richtungen. Entweder ist Iva mit Ema verwechselt worden oder Iva war das Ziel.

Die Gruppe muss breit ermitteln. Toni glaubt immer noch etwas an einen sexuellen Missbrauch. Die Spuren schließen das zwar teilweise aus. Aber sie lassen dennoch Möglichkeiten für diese Spekulation zu.

„Vielleicht war es einfache Eifersucht?“, fragt Monika.

„Die Frage wäre, wer auf wen eifersüchtig war“, antwortet Toni. Marco nickt.

„Wir müssen in das dritte Hotel, in dem Iva und Ema gedient haben.“

„Also, müssen wir morgen in das Hotel Wanderhut“, sagt Toni.

„Vergesst bitte nicht den Gasthof Schleuse“, sagt Marco.

„Wir müssen auch noch mal zu Felix, Sibyla und Danka.“

Mit ihrem neuen Erkenntnissen ist das sogar schon zwingend. Die neuen Fragen suchen nach Antworten.

Mittlerweile gehen Toni und Monika davon aus, die Frauen oder eine von ihnen war bei Doris zur Tanzveranstaltung. Und die ist immer Dienstags. Die Frage wäre jetzt, heraus zu bekommen, ob die Gastronomen diese Tanzveranstaltung besucht haben oder nicht.

Begraben im Weiher


Monika und Toni verabschieden sich von der Familie und von Marco. Sie möchten sofort ins Hotel Gutmut fahren. Ein paar Fragen wollen sie direkt den Hoteliers stellen. Vielleicht treffen sie auch gleich Ema.

Auf der Vinschger Straße in Rabland treffen sie zwei Autos der örtlichen Carabinieri. Die stehen gerade vor dem Gutmut Hotel. Ein paar schaulustige Touristen stehen mit offenem Mund am Hoteleingang und im Foyer. Fehlt eigentlich nur noch deren Finger im Nasenloch und eine heraushängende Zunge. Die Touristen stehen wie angewurzelt. Es stinkt fürchterlich nach billigem Parfüm und Schweiß im Foyer.

„Slalom ist angesagt. Halt dir die Nase zu“, sagt Toni zu Monika.

Die Touristen reagieren gar nicht, obwohl Toni das in normaler Lautstärke gesagt hat. Sie wirken wie gelähmt.

Donato steht mit seinen Kollegen vor der Rezeption. Die junge Rezeptionistin spricht Italienisch mit Donato. Ihm scheint das zu gefallen. Sein Kollege sieht Toni kommen und sagt:

„Sie gehen gerade zu Ema in ihr Zimmer. Die Rezeptionistin hat bei ihr angerufen.“

„Dann warten wir hier gleich mit. Im Foyer wird Monika freundlich begrüßt von einer Freundin. Die Zwei werden von ihr zum Kaffee eingeladen. Monika sagt nicht nein.

Kurze Zeit später kommen die Kollegen von Donato. Mit Ema.

„Wir sollen Sie diesem Mann übergeben“, sagt Donato zu Ema. Ema sieht nicht besonders traurig aus. Wahrscheinlich weiß sie noch gar Nichts vom Tod ihrer Schwester.

„Monika, mach du das bitte.“

„Ema?“

„Ja.“

„Ihre Familie ist bei den Carabinieri in Bozen. Ihre Schwester wurde tot aufgefunden.“

Ema scheint das relativ gefasst zu nehmen.

„Fahren wir gleich?“

„Wenn sie können, ja.“

„Ich muss mich nur umziehen. Kommen sie mit?“

Monika geht zusammen mit Ema in ihr Zimmer. Das Personalzimmer wirkt etwas abgelebt. Ema hat es sich mit ein paar Blumentöpfen verschönert. Das spärliche Licht in ihrem Zimmer wird die Blumen schnell eingehen lassen.

„Das ist ein schönes Zimmer. Es könnte nur etwas heller sein“, sagt Monika.

„Ich bin hier nur zum Schlafen.“

Monika fällt das Doppelbett auf.

„Schläft bei ihnen noch eine Kollegin mit im Zimmer?“

„Manchmal. Im Frühjahr und im Herbst. Zur Zeit ist wenig Betrieb.“

„Typisch Juni.“

„Es ist trotzdem viel Arbeit. Die Einheimischen sind im Urlaub.“

„Haben sie keinen Urlaub?“

„Zum Saisonende.“

Ema zieht sich ohne Scheu vor Monika um. Sie zieht sich Jeans mit einer recht luftigen Bluse an.

„Gefällt ihnen das?“

„Für die Polizei scheint mir das etwas zu offenherzig.“

Ema zieht ein Jäckchen darüber.

„Gut so?“

„Perfekt.“

Toni steht etwas gelangweilt an der Rezeption. Die zwei Frauen haben viel zu tun. Die Rezeption ist belagert von Touristen.

Toni fragt sich, wie die Frauen bei deren Fragen dabei so locker bleiben können. Die zwei Kaffee hat er bereits ausgetrunken. Als er Monika mit Ema zusammen sieht, freut er sich. Er hat eigentlich nicht damit gerechnet.

Die Drei fahren allein nach Bozen. Donato hat sich bereits zurück gezogen. Er wollte einen Aufruhr bei den Touristen vermeiden. Die sind ihm zu neugierig.

Kaum sind sie in Bozen am Polizeigebäude, erkennt Ema, Jozefa am Fenster.

„Ist mein Vater und Bruder mit da?“

„Ja.“

Mutter und Tochter begrüßen sich lächelnd. Toni registriert das.

„Trauer sehe ich keine“, sagt er zu Monika.

„Jeder trauert anders“, antwortet Monika etwas schnippisch. Sie streichelt Toni dabei über den Hinterkopf.

Radim küsst seine Schwester etwas intensiver als Mutter. Papa Ludvik gibt ihr nur die Hand und streichelt sie mit der anderen. Er scheint die Tränen zu unterdrücken.

Toni und Monika beobachten die Gesten ziemlich genau.

„Ich kann nichts Unnatürliches feststellen“, sagt Monika leise zu Toni. Die Zwei gehen derweil mit Marco etwas trinken.

„Sara hat die Protokolle schon fertig. Die kannst du dir dann mitnehmen.“

„Mir fällt so Nichts auf. Die Protokolle sind wichtig.“

Fortsetzung Begraben im Weiher


Marco hält sich jetzt an Radim.

„Radim. Hat Ema sie zufälliger Weise angerufen, wo sie ist?“

„Soviel ich weiß, schläft sie gerade in einem Hotel, in dem sie putzt.“

„Sie hat dort ein Personalzimmer?“

„Ja.“

„Wissen sie den Name des Hotels?“

„Gutmut. Sie müsste dort sein.“

Marco ruft gleich Donato an. Er soll mal ins Hotel Gutmut fahren und nach Ema fragen. Donato bricht sofort auf. Das lässt er sich nicht zwei Mal sagen.

Toni kommt mit seinen Frauen vom Frühstück zurück. Die Autos haben sie mit poliert.

„Das macht drei Euro“, sagt er zu Marco.

„Naja. Das könntest du dann immer für mich machen. Du bist preiswerter als meine Frau.“

„Ach nein. Veronika trinkt wohl immer zwei Gespritzte dazu?“

„Vergeß Matteo nicht. Der bekommt immer einen Eisbecher bei Cesare.“

„Gut, das ich das erfahre. Macht sechs Euro.“

„Hier sind zehn. Der Rest ist für Monika, die sicher die Autos geputzt hat.“

„Woher weißt du das?“

„Ich habe die Fingerabdrücke genommen.“

„Du Schnüffler.“

Eigentlich gibt es nichts zu lachen. Radim hält seine Mama in den Armen. Der Papa sitzt ganz ruhig auf dem Gästesofa. Er macht den Eindruck eines abgeklärten Mannes, der schon sehr viel erlebt hat.

Toni geht zu ihm.

„Ich habe den Mädchen immer gesagt, sie sollen nicht in den Westen auf den Strich gehen.“

„Wieso Strich? Die haben doch hier gearbeitet.“

„Ist das etwa kein Strich?“

Toni spürt sofort, hier ist wenig zu machen.

„Sie hätten bei uns auf dem Bauernhof ein besseres Leben als hier.“

„Das glaube ich gern“, antwortet Toni. Ihm gefällt das ländliche Leben auch bedeutend mehr als die Hektik in den Städten.

„Wir haben heute Internet und viele Möglichkeiten, unsere ländlichen Produkte direkt zu verkaufen. Wie früher in der CSSR. Da gab es keine Not.“

„Warum sind die Mädchen weg gegangen?“

„Die haben sich von ihren Freunden breit schlagen lassen. Die kamen mit neuen Autos, schicken Klamotten und vielen Geschichten.“

„Aber das hat auch ein paar Vorteile. In den anderen Gebieten können sie Ideen für zu Hause sammeln.“

„Sicher. Wenn es die richtigen Ideen sind.“

„Wie viel Geld hat Ema nach Hause geschickt?“

„So um die tausend Euro jeden Monat.“

„Schickt sie immer noch Geld?“

„Ja. Regelmäßig. Mitte des Monats.“

„Es fehlen keine Überweisungen?“

„Nur, wenn sie nach Hause kommt. Das ist sehr teuer. Überall wird kassiert.“

„Es gibt ja Pendler, die das als Linienverkehr fahren.“

„Ja sicher. Die fahren nicht bis zu uns. Die Straßen sind auch unsicher geworden. Kein Vergleich zu früher.“

„Fährt sie immer allein nach Hause?“

„Oft mit ihrer Schwester. Die Zwei haben sich gut verstanden.“

„Wie viel Geld hat Iva geschickt?“

„Ähnlich viel wie Ema.“

„Also, auch tausend Euro?“

„Ja.“

„Die Frauen haben zusammen, jeden Monat, zwei Tausend Euro geschickt?“

„Ja. Auch mehr.“

„Sie haben sich nicht gefragt, wie sie das Geld verdient haben?“

„Schon. Es gibt bei uns bestimmte Zweifel.“

„Das haben sie aber niemals angesprochen?“

„Nicht direkt.“

„Wir gehen davon aus, die Frauen haben sich Etwas dazu verdient.“

„Wir auch.“

„Wir gehen davon aus, sie haben sich das nicht mit Arbeit dazu verdient.“

„Das sehe ich zwar etwas anders. Sex ist auch Arbeit. Vor allem, Sex ohne Liebe.“

„Haben sie die Vermutung, die Frauen sind dieser Tätigkeit nachgegangen?“

„Es könnte sein. Es kann aber auch ganz gewöhnliches Trinkgeld sein. Wir wissen es nicht. Ema hat immer gesagt, sie bekommt ein gutes Trinkgeld.“

Toni muss sich da mal bei Monika etwas schlau machen. Er kennt sich nicht aus auf dem Gebiet. Monika schon. Als Trinkgeld kann man Vieles bezeichnen. Toni sieht dort keinen Grund, zu ermitteln. Er möchte lediglich wissen, in welchem Umfeld sich die zwei Frauen bewegt haben.

Auszug Begraben im Weiher


„Ich habe Proben von sechs verschiedenen Männern.“

„Nur Männer?“

„Frauen wären zwar auch nachweisbar. Aber die kann ich so nicht bestimmen.“

„Du bräuchtest also Gentests?“

„Nicht unbedingt. Wir haben in einem Jahr, Proben von unserer ganzen Bevölkerung bekommen. Die haben sie uns doch freiwillig und lächelnd gegeben.“

„Ah. Jetzt brauchst du also nur vergleichen?“

„Das dauert jetzt keine zwei Tage, dann kann ich dir alle Namen mit Adresse sagen.“

„So schnell habe ich noch keinen Fall gelöst.“

„Bedanke dich bei deinen Mitbürgern.“

„Das wird schönen Ärger in den Familien geben.“

„Ich denke, Bratpfannen werden jetzt sehr gut verkauft.“

„Und Viehtreiber.“

Sie lachen.

„Das werden aber nicht unbedingt die Täter sein“, setzt Alois nach.

„Würdest du als Täter solche Spuren hinterlassen?“

„Naja. Vielleicht war es ein Streit?“

„Gut. Das kann schon sein. Dann hätten wir aber noch ein paar andere Spuren gefunden.“

„Ach so. Du gehst von einer Überraschung aus?“

„Zu neunzig Prozent.“

„Dann wird es eine heitere Suche.“

„Du musst dir dein Geld schon verdienen.“

„Nach Mitleid klingt das nicht gerade.“

„Wo gehen wir Frühstücken?“

„Du bekommst nach diesem Anblick ein Frühstück runter?“

„Naja. Alois hat das Mädchen gut raus geputzt. Sie ist appetitlich parfümiert… . Alois, du hast doch nicht etwa….?“

„Du meinst Fotos geschossen?“

„Das auch.“

„Ja sicher. Ich mache das bei allen meinen Kundinnen unter Vierzig.“

Alle lachen.

„Dann hast du ja eine schöne Sammlung.“

„Die kannst du dir vorne im Büro anschauen. Du wirst überrascht sein, wie schön Frauen über Vierzig aussehen.“

„Du kleiner Lüstling. Was sagt denn Erika dazu?“

„Naja. Sie ist recht zufrieden mit mir und meinen anatomischen Kenntnissen.“

Monika muss lachen.

„Die fehlen Toni bisweilen.“

„Er lernt noch“, antwortet Alois.

„Wir gehen in die Tankstelle.“

„Zu Cesare?“

„Aber sicher.“

„Dann kannst du ja auch gleich mein Auto mit waschen.“

„Sonst noch Etwas?“

Sara möchte mit gehen. Monika nimmt sie an die Hand. Wie zwei Kindergartenkinder. Marco fährt in seinem Auto allein. Er kommt nach, sagt er. Er wartet auf die Familie von Ema. Die muss jeden Moment anreisen.

Marco muss nicht lange warten. Die Familie reist an. Die Mutter hat schon entzündete Augen.

„Sie weint schon auf dem gesamten Weg“, sagt der Kollege von Marco.

Die Familie stellt sich vor. Mutter Jozefa macht das. Sie zeigt auf den Papa und sagt Ludvik. Beim dem jungen Mann gibt sie zum Besten, Radim stammt aus ihrer ersten Ehe. Radims Vater ist bei einem Forstunfall ums Leben gekommen.

„Dann haben sie schon Einiges an Trauer erlebt“, sagt Marco zu Jozefa.

Die Mutter antwortet nicht. Die Familie wirkt etwas verschlossen. Typisch für Bergvölker, denkt sich Marco.

Marco fährt die Familie zu Alois.

„Sie müssen uns die Frau identifizieren.“

Jozefa sieht das ein. Die Augen werden etwas trockener.

„Das ist Iva. Wo ist Ema?“

„Wir wissen es noch nicht. Wir haben eine landesweite Suche veranlasst. Auch in Österreich und der Schweiz.“

„Ema wollte immer gern nach Deutschland.“

„Von Deutschland war sie enttäuscht. Das wissen wir jetzt.“

„Das hat sie mir am Telefon aber nie gesagt.“

„Sie wird ihre Gründe gehabt haben.“

Radim mischt sich ein.

„Mir hat sie es gesagt mit dem Hinweis, ich soll Mutter Nichts sagen.“

„Alles klar. Danke. Machen sie das bitte unter sich aus.“

„So einfach ist das aber nicht. Der Deutsche, der sie in Deutschland beschäftigt hat, kam auch nach Südtirol als Tourist.“

„Doch nicht etwa in das Hotel, in dem Ema gearbeitet hat?“

„Doch. Ema sagte mir, er möchte sie wieder haben in Deutschland.“

Begraben im Weiher


Nach den Äußerungen von Doris, geht Toni nicht davon aus, die angesprochenen Männer würden Frauen mit Gewalt zu Etwas zwingen. Sie sind sozusagen, Hunde die laut bellen. Deren Auftreten ist eher ein Zeichen von Unbekümmertheit. Monika sagt, unsere Frauen könnten damit leben. Sie würden das eher als Kompliment auffassen. Oder als Bestätigung ihrer Schönheit. Der Täter muss ein anderer sein. Einer mit Ängsten. Die einfache Lebenslust ist ganz sicher nicht die Ursache für diesen Mord.

Toni muss die Erkenntnisse eine Nacht überschlafen. Er glaubt, die Laborergebnisse bringen mehr ans Tageslicht. Monika muss lachen über die Bemerkungen von Doris. Sie findet es schön, wenn eine Frau durch das gezeigte Interesse des Mannes eine Bestätigung erfährt. Unter dem Einfluss von Alkohol, kann es dann schon auch mal zu Berührungen kommen, die im normalen Leben eher nicht Gang und Gäbe sind. Deswegen wird niemand ein Fass aufmachen. Je einfacher das Leben, desto einfacher die Lebensart.

Die Zwei wollen die letzte Bahn erreichen. Die geht neunzehn Uhr. Danach ist nur noch die recht mühsame Fahrt mit dem Auto oder dem Motorrad möglich. Ein Fahrrad lehnt Toni ab. Monika auch. Das ist ihnen zu gefährlich. Ein Quad könnten sich die beiden in ihrer Garage einstellen. Ein Elektroquad. Das haben sie oben bei Toni zu stehen. Die Batteriefüllung reicht gerade bis zu Monikas Hütte. Der Weg täuscht etwas. In der Luftlinie sind das gerade mal zwei Kilometer. Aber, den Weg entlang, kommen leicht zwanzig Kilometer heraus. Und die sind sicher nicht flach. Toni überlegt, ob er das Fahrzeug nicht mal in Richtung Rabland testet. Bei schlechterem Wetter wäre das eine Alternative.

Toni fragt trotzdem, ob denn die Zwei gelegentlich vorbei kommen.

„Aber natürlich. Zum Feierabend sind sie bei mir. Meist gegen sechs Uhr.“

„Also, sind sie heute da?“

„Aber sicher.“

Warum nicht gleich so? fragt sich Toni.

Doris schickt sie zu Toni ins Vereinszimmer.

Beide stellen sich mit ihrem Namen vor. Sie wissen, worum es geht. Luis ist besonders traurig.

„Ein liebes schönes Mädchen. Sie hatte so weiche Haut. Babyhaut.“

Herbert ist das auch aufgefallen. Er bestätigt das. Beide weinen fast.

„Die Vorstellung, ihr sei etwas passiert, macht mich sehr traurig.“

Monika bestellt bei Doris zwei Obstler.

Die Bahn ist jetzt gefahren. Verpasst. Die zwei Bauern erzählen sehr Viel über Ema und ihre Freundinnen. Das macht Toni sehr neugierig. Sie erzählen von vier Frauen, die fast immer zusammen kamen. Toni fällt die Aussage von Sibyla und Danka ein.

Toni zeigt den Zweien das Foto von Ema.

„Das ist nicht Ema“, sagt Luis fast erfreut.

Herbert erschreckt fast. Er zieht Toni das Foto aus der Hand, schaut es genau an und sagt das Gleiche.

„Dann müsst ihr mich morgen mal zur Schau begleiten.“

„Aber gerne.“

Wieso reden die Männer und Doris immer von drei oder vier Frauen? Toni vermutet bereits Etwas. Monika hält sich nicht zurück. Monika ruft Donato an. Donato lässt die Zwei hinauf fahren. Auf der Fahrt verspricht er ihnen, Felix, Sibyla und Danka mit zu bringen. Die Schau kann beginnen.

Oben angekommen, bringt die Freude, Monika natürlich etwas Lust. Sie entblättert sich, legt sich ins Bett und fordert Toni auf, das Wasser zu heizen. Toni schaut ihr zu und stolpert beinahe über die eigenen Stelzen.

„Ein Bein zu lang?“, fragt Monika.

„Ich hatte immer Probleme beim Laufen auf drei Beinen.“

„Morgen hast du sicher keine mehr.“

„Ich nehme dich beim Wort.“

Monika schaut an die Tür ob die Brötchen schon da sind. Sie sind da. Sogar ein Stück frische Butter. Ein Zettel liegt im Beutel. Die Bauern wünschen sich die Aufklärung. Alle lieben Ema. Ema ist als sehr hilfsbereit bekannt. Sie hilft selbst beim Heu wenden auf der Alm. Toni ist das nie aufgefallen. Monika auch nicht. Sie dachten immer, das wären die jeweiligen Familien.

Sie fahren mit der Bahn nach Unten. Bei Doris sitzt Donato und wartet.

„Wir fahren nach Bozen zu Alois.“

Zwei Autos werden gebraucht. Die zwei Bauern fahren mit Toni und Monika. Felix, Sibyla und Danka fahren in einem zweiten Auto. Ohne Signal.

Kaum sind sie in Bozen zur Leichenschau angekommen, sagt schon Sibyla vorm Betreten das Gebäudes, sie glaubt nicht, es wäre Ema. Sie hätte sich geirrt.

Drinnen hat Alois, Alles vorbereitet. Die Identifikation kann beginnen.

Felix schüttelt den Kopf. Das ist nicht meine Frau.

„Wer ist es dann?“

Felix weiß es. Danka und Sibyla auch. Die sagen es nicht. Felix sagt es.

„Das ist Iva, die Schwester von Ema.“

Danach führt Toni die zwei Bauern zu der Schau. Beide sind der Meinung, das ist Ema.

Toni schlussfolgert daraus, die Bauern hätten Ema nie wirklich kennen gelernt.

„Ihr habt immer mit Iva getanzt“, sagt Toni.

Die Zeugen werden wieder nach Hause gebracht. Toni ist mit Monika bei Marco geblieben. Sie schmieden einen neuen Schlachtplan. Marco soll die Unterlagen zu Iva anfordern.

Es dauert nicht lange und die hübsche Sekretärin von Marco, Sara, betritt mit den Unterlagen den Raum.

„Du wirst immer schöner, Sara. Hast du schon einen Freund?“

Monika tritt Toni unter dem Tisch mit dem Absatz auf den Zeh. Sara hat das gesehen.

„Tritt ihn noch einmal. Etwas höher.“

„Der Schaden wäre mir zu groß.“

Die zwei Frauen lachen.

Iva ist die Schwester von Ema. Die Frage ist jetzt, wo Ema sich aufhält. Marco nimmt die Unterlagen und fragt telefonisch in der Gemeinde Hronec nach. Man vereinbart einen Chat. Das geht zügig genug. Sie sind bereits unterwegs und werden bald eintreffen.

Iva ist die Zwillingsschwester von Ema. Sie hat Ema vertreten, wenn sie etwas vor hatte.

„Die Zwei haben sich gut in die Arbeit geteilt. Keiner hat das bemerkt.“

„Ich schätze, sie haben einen Lohn steuerfrei gearbeitet.“

„Dann ist ja soweit Alles klar.“

„Alois. Hast du schon die Ergebnisse?“

„Aber sicher.“

„Na. Dann bringe sie endlich mal.“

Alois lacht.

„Die hatte mehr Sex als ihr Frauen zusammen.“

„Beneidenswert“, sagt Sara.

„Ich kann da gerne abhelfen“, sagt Toni.

„Tritt ihn“, ruft Sara zu Monika.

„Du meinst: hilf ihm“, antwortet Toni.

Alle lachen.

Begraben im Weiher


„Welche Kollegen sind verheiratet?“

„Zwei.“

„Die anderen Kollegen haben eine Freundin?“

„Das schätze ich mal. Obwohl. Bei Andreas bin ich mir nicht sicher.“

„Wieso?“

„Andreas ist von der anderen Straßenseite.“

„Ach so.“

„Also bleibt ein Kollege. Wo finde ich den?“

„Bei uns in der Garage.“

„Wie heißt er? Sag ihm bitte Bescheid. Ich komme sofort vorbei.“

„Er heißt Jonas. Ich gebe ihm Bescheid.“

Toni fährt sofort los. In ein paar Minuten ist er beim Weißen Kreuz auf der Meraner Straße in der Garage. Die Jungs wirken etwas hektisch. Ein Notruf ist eingegangen.

„Jonas?“, ruft Toni.

Ein recht junger Mann kommt gelaufen.

„Jonas. Ich muss gleich los. Was gibt es?“

„Hast du eine Freundin namens Sibyla?“

„Nein. Die wohnt bei Andreas. Sibyla ist seine Braut.“

„Dann entschuldige meine Nachfrage. Schönen Tag noch. Ah, wo wohnt Andreas? Ist der hier?“

„Andreas ist im Büro. Er rechnet gerade seine Kilometer ab.“

„Danke.“

Im Büro ist es relativ ruhig. Es riecht nach Kaffee.

Hinter der zweiten Tür findet Toni, Andreas. Der ist etwas überrascht. Seine Kollegen haben ihm schon gesagt, wer ihn sucht.

„Was gibt es so Wichtiges?“

„Ich heiße Toni. Ich ermittle in einem Todesfall. Dafür muss ich mit Sibyla sprechen.“

„Sibyla ist zu Hause.“

„Wo wohnst du? Kannst du mitkommen?“

„Mitkommen kann ich nicht. Ich bin in Bereitschaft. Du musst zum Greitenweg. Ich rufe Sibyla an. Sie steht vor dem Haus und wartet auf dich.“

Vom Weißen Kreuz am Busbahnhof in Lana ist es nicht weit zum Greitenweg. Andreas hat wirklich einen kurzen Arbeitsweg. Beneidenswert, findet Toni.

Toni nimmt die Abkürzung. Er muss ein paar Meter über den Bürgersteig fahren. Zwei Touristen protestieren lautstark.

„Was fällt ihnen ein?!“

„Das ist ein Notfall.“

Toni will sich nicht in ein Wortgefecht mit den Touristen einlassen. Die glauben wahrscheinlich, sie hätten Lana gekauft.

Kurz darauf trifft Toni auf Sibyla. Die winkt ziemlich auffällig. Eigentlich muss sie nicht unbedingt winken. Toni erkennt sie auch so. Sie ist ziemlich knapp bekleidet. Bei der Figur, findet Toni das sogar schön.

„Ich bin Toni und ermittle im Todesfall von Ema.“

„Ema ist tot?“

Sibyla bricht in Tränen aus.

„Folgen sie mir bitte.“

Die Zwei gehen ins Haus. Sibyla wäscht sich schnell das Gesicht.

Die Wohnung sieht recht gemütlich aus. Vielleicht etwas verspielt.

„Mir wurde gesagt, sie betreiben eine Stellenvermittlung für Zimmermädchen.“

„Ja.“

„Sie sind selbst auch Zimmermädchen?“

„Das macht mir die Vermittlung einfacher. Ich kenne viele Betriebe persönlich.“

„Seit wann kennen sie Ema?“

„Wir sind zusammen mit Danka aus Hronec gekommen.“

„Können sie mir etwas über Ema und Danka erzählen?“

„Unser Heimatort ist auch ein Tourismusgebiet. Wir haben Winter- und Sommersaison. Trotzdem verdienten wir zu wenig. Deswegen sind wir von dort gegangen.“

„Gleich nach Südtirol?“

„Nein. Wir arbeiten auch in Österreich.“

„Wo gefällt es Ihnen mehr?“

„In Österreich.“

„Warum sind sie dann hier?“

„Hier ist die Sommersaison etwas länger.“

„Also pendeln sie zwischen Österreich im Winter und Südtirol im Sommer.“

„Genau.“

„Sind sie auch zusammen ausgegangen hier?“

„Schon auch. Nicht zu oft.“

„Wo?“

„Hier in Lana, in Marling und auch in Rabland.“

„Haben sie hier Anschluss gefunden?“

„Ja. Andreas ist mein Anschluss.“

„Und ihre Freundinnen?“

„Bis jetzt hatten sie weniger Glück.“

„Aber, sie sind doch wirklich schöne Menschen.“

„Das Aussehen allein, scheint nicht zu wichtig.“

„Verstehe. Ihnen wird wahrscheinlich eine gewisse Leichtigkeit unterstellt.“

„Dessen dürfen sie sich sicher sein. Es wird extrem viel gelogen.“

„Was haben sie gelernt?“

„Technische Zeichnerin.“

„Und da bekommen Sie bei uns keine Arbeit?“

„Ich bin Ausländerin und dumm. Meine Ausbildung zählt hier nicht.“

„Alles klar.“

„Die Arbeitsvermittlung betreiben sie nebenbei?“

„Ja. Ich arbeite auch noch als Zimmermädchen. Das Trinkgeld ist mir wichtig.“

„Werden ihnen außer der Reinigung noch andere Verdienstmöglichkeiten angeboten?“

„Man legt uns manchmal etwas mehr Geld aufs Bett.“

„Sozusagen, als Anspielung?“

„Ja. Das funktioniert so.“

„Ist das oft?“

„Ziemlich oft. Es sind immer die Gleichen.“

„Möchten sie alle hier bleiben?“

„Wir suchen hier oder in Österreich einen Mann. Dann können wir hier bleiben.“

„Gut. Ich melde mich wieder wenn die ersten Ergebnisse aus dem Labor eintreffen. Wir haben dann öfter zusammen zu tun.“

„Gerne. Das muss unbedingt aufgeklärt werden. Ich setze mich mit der Familie von Ema in Verbindung. Es sind unsere Nachbarn.“

„Vielleicht kann die Familie zu uns kommen.“

„Ich denke schon, sie kommen.“

„Wir müssen sie noch fragen, ob sie Ema identifizieren können. Das hat zwar Danka schon getan, aber uns ist ihre Meinung wichtig.“

„Ich komme morgen vorbei.“

Toni nimmt die Befragungen alle mit dem Handy auf. Die Aufnahmen gibt er Monika. Monika sammelt sie alle und wertet sie aus. Manche Aufnahmen hört sich Monika zwanzig Mal und öfter an. Sie findet auf diese Art versteckte Hinweise.

Toni meldet seine Erkenntnisse Marco. Marco gibt sie gleich an Donato in Rabland weiter. Donato fallen ein paar Widersprüche auf. Die teilt er sofort Toni mit. Die Frauen haben nicht Alles erzählt. Es gibt Geheimnisse.

Donato erwartet morgen die Identifizierung durch Sibyla. Er möchte Sibyla allein dabei haben. Ohne Danka und Andreas.

Danach soll Andreas, Ema identifizieren. Andreas kennt Ema auch. Donato hat die Familie Emas bestellt. Sie werden von den Carabinieri bei sich zu Hause abgeholt. Die slowakischen Kollegen haben das genehmigt.

Der Abend bringt Toni und Monika zu Doris. Man geht heute Abend Pizza essen. Toni möchte Doris noch ein paar Fragen stellen. Es geht um Tanzabende. Toni vermutet, Ema war bei Doris zum Tanzabend. Der Beweis dafür kommt sicher noch aus dem Labor.

Bei Doris angekommen, zeigt Toni das Foto von Ema.

„Die jungen Frauen kommen immer zu Dritt oder zu Viert zu uns.“

„Haben sie immer Partner, wenn sie gehen?“

„Ein paar junge Männer sind oft dabei. Es scheinen Landsleute zu sein.“

„Gehen sie zusammen nach Hause?“

„Das weiß ich nicht genau. Die Frauen sind oft bis zum Schluss da. Die jungen Männer scheinen eher zu gehen.“

Monika macht sich ihre Gedanken.

„Sitzen auch Einheimische bei den Frauen? Oder tanzt ein Einheimischer mit ihnen?“

„Die Frauen sind beliebt. Ein paar junge Männer von uns tanzen gern mit ihnen.“

„Was ist mit Herbert?“

„Du meinst unseren Eintänzer?“

„Ja.“

„Naja. Du weißt schon. Herbert lässt keine Dame aus.“

„Haben die Frauen gern mit ihm getanzt?“

„Zu gern. Herbert tanzt eben zu gut. Und das gefällt den Frauen.“

„Und was ist mit Luis?“

„Du meinst den Fischzüchter? Luis ist immer eifersüchtig auf Herbert.“

„Ich dachte eher, die machen immer gemeinsame Sache.“

„Den Eindruck könnte man bekommen.“ Doris lacht. Luis hat ihr schon auch oft genug den Hintern begrapscht.“

Fortsetzung Begraben im Weiher


Monika spürt Etwas. Offensichtlich haben die Frauen sich selbst auch noch angeboten. Der Eindruck verschärft sich, nachdem die die Fotos gesehen hat.

„Ich gehe davon aus, die Frauen haben hier einen Mann fürs Leben gesucht.“

„Mir scheint, das ist der falsche Ort für eine solche Suche“, antwortet Toni.

„So falsch kann der Ort nicht sein.“

„In den Hotels schlafen doch aber selten Männer allein. Die meisten haben doch ihre Frau oder Familie mit.“

„Kommt drauf an. Wenn ein Weinfestival stattfindet, kommen die Vertreter auch allein.“

„Die sind doch zu Hause auch verheiratet.“

„Das wage ich zu bezweifeln.“

„In eurer Hütte sind doch die Wenigsten – Solisten.“

„Da hast du auch wieder Recht.“

„Also gehen wir davon aus, die Frauen auf Suche, stehen in direkter Konkurrenz zu den bereits verheirateten.“

„Du bist mein bestes Stück bisher.“

„Danke. Ich gehe aber trotzdem davon aus, du bist, trotzdem du mich liebst, immer auf der Suche nach einer Verbesserung.“

„Auf der Suche nicht direkt. Die Verbesserung, wie du es sagst, müsste sich mir förmlich aufdrängen.“

„Nach der Aussage, würde dir das Bessere bei Gelegenheit auffallen.“

„So in etwa.“

„Das würde aber bedeuten, du suchst unbewusst.“

„Seit ich mit dir zusammen bin, suche ich nicht mehr.“

Monika scheint die kleine Diskussion etwas lästig zu sein. Toni möchte aber erfahren, was die jungen Frauen dazu bringt, sich ausgerechnet dort nach einem Lebenspartner um zuschauen, wo sich generell nur Gebundene bewegen. Das wäre ja Ziggenkrieg. Eine Frau versucht, der Anderen den Mann weg zu nehmen. Es gibt doch genug ledige Männer.

„Wie erklären wir uns nun die Suche der jungen Frauen?“

„Es könnte vielleicht Not sein. Die Not zwingt die Frauen, sich mit den anderen anzulegen.“

„Der Gedanke scheint nicht all zu abwegig, meine Liebe.“

„Wieso konzentrieren wir uns hier nur auf Frauen? Bei Arbeitern wird allgemein auf die Konkurrenz untereinander gesetzt.“

„Da hast du sicher Recht. Die Arbeiter werden untereinander ausgespielt. Die Wirte bilden da keine Ausnahme. Sie selbst stehen auch in Konkurrenz zu einander.“

„Wir müssen uns mit den wichtigen Dingen befassen. Wo war Ema an ihrem letzten Abend?“

„Ich schätze, es muss irgendeine Tanz- oder Musikveranstaltung gewesen sein.“

„Der Gedanke kam mir auch schon bei Doris in der Laterne.“

„Wieso? Weil bei Doris einmal die Woche Tanzabend ist?“

„Ich glaube, Ema und ihre Freundin Danka waren dort. Danka weiß mehr als sie uns sagt.“

„Wir müssen den Vermittler ausfindig machen.“

Die erste Spur

Monika nimmt sich das zu Herzen. Sie recherchiert im Netz nach dem Vermittler. Am besten, sie rufen bei Danka an, wie der heißt. Danka wird sicher helfen. Sie hat Monika ihre Telefonnummer gegeben.

Danka sagt ihr den Name am Telefon. Auf der Karte ist er auch. Monika wollte feststellen, ob der übersetzt werden muss. Sibyla.

Sie recherchiert nach Sibyla. Und wird fündig. Sibyla ist ein ehemaliges Zimmermädchen, die jetzt die Kräfte vermittelt. Das ist sicherlich ein Schritt nach Vorn. Für sie. Jetzt sucht sie, wo sie Sibyla findet. Die muss doch im Land sein. Oder doch nicht?

Monika ruft Danka noch einmal an.

„Wo hält sich Sibyla auf?“

„Sibyla wohnt in Lana.“

„Ist sie verheiratet?“

„Nein. Sie lebt mit einem Südtiroler zusammen. Krankenwagenfahrer.“

„Beim Weißen Kreuz?“

„Ja.“

„Du musst beim Weißen Kreuz nachschauen, ob du den Freund von Sibyla findest“, sagt Monika zu Toni.

„Das kann ich telefonisch. Wo?“

„In Lana.“

„Fahren wir zusammen?“

„Ich suche noch etwas im Netz.“

Toni ruft das Weiße Kreuz in Lana an. Der Kollege ist nicht leicht zu finden. Keiner weiß Bescheid.

„Ich suche einen Kollegen, der in Lana wohnt.“

Schon wird es einfacher. Die meisten Kollegen kommen von außerhalb.

„Wir haben vier Kollegen aus Lana.“

Begraben im Weiher


Die Zwei verabschieden sich von Felix. Rabland ruft. Sie müssen ins Hotel Auge in Rabland. Das ist ein ziemlich großes Hotel. Toni kennt es. Es liegt im Oberdorf. Sie fahren die schmale Ortsstraße hinauf.

Rabland hat viele kleine und größere Hotels. Trotzdem gilt der Ort als nicht überlaufen. Man setzt auf eine Art sanften Tourismus. Wohl in dem Wissen, wie große Hotels die Infrastruktur belasten.

Sie kommen an der Rezeption des Hotels Auge an. Begrüßt werden sie in gebrochenem Deutsch.

„Wir suchen den Chef des Hauses.“

„Sie meinen die Chefin?“

„Nein. Den Chef.“

„Der Chef kocht gerade. Sie treffen ihn in der Küche.“

„Können sie uns den Chef rufen. Wir möchten nicht in die Küche gehen.“

„Ich versuche es.“

Der Chef kommt. Er stellt sich mit Paul vor.

„Wir möchten sie davon in Kenntnis setzen, dass Ema tot aufgefunden wurde.“

„Ema? Ich kann es nicht fassen. Sie war so fleißig.“

„Hat Ema bei ihnen gewohnt?“

„Nicht dauerhaft. Sie hat bei uns nur drei Mal die Woche gearbeitet. In der Wäscherei.“

„Können wir ihr Zimmer sehen?“

„Ja. Gerne. Sie hat mit einer Kollegin zusammen gewohnt.“

Paul führt sie zu dem Zimmer und klopft. Die Tür öffnet sich. Eine recht leicht bekleidete junge Frau steht ihnen gegenüber. Monika rollt mit den Augen bei ihrem Anblick. Toni scheint schon etwas abgebrüht bei den Bekanntschaften der letzten Tage. Beide stellen sich vor und unterrichten die Frau vom Tod ihrer Zimmerkollegin.

Sie stellt sich mit Danka vor. Sie ist auch aus der Slowakei. Der Tod berührt sie. Sie bekommt feuchte Augen.

Paul bietet sich an, einen Kaffee zu holen. Er möchte die Drei allein lassen.

„Wir möchten gern die Habseligkeiten von Ema mitnehmen. Sie sind unsere Beweisstücke.“

Danka öffnet den Schrank von Ema. Neben diversen Kleidungsstücken, finden sie ein paar persönliche Dinge. Ausweise, Führerschein und die Adressen von zu Hause. In einem Briefcouvert finden sie Fotos von Ema. Leicht bekleidet und ohne Kleidung.

„Wollte Ema ein Modell werden?“

„Das wollen wir alle“, antwortet Danka.

„Sie haben sich wohl auch so ablichten lassen?“

„Eine Agentur hat das für uns getan.“

„Doch nicht etwa ihr Arbeitsvermittler?“

„Genau der.“

„Sie haben sich demnach nicht nur als Zimmermädchen beworben?“

„Wir haben eine Familie zu ernähren.“

„Können sie uns die Agentur sagen?“

„Hier ist deren Karte.“

Toni fotografiert die Karte.

„Die können sie behalten. Ich habe genug davon.“

„Arbeiten sie für die Agentur?“

Danka beantwortet das nicht. Monika fällt auf, einige Fotos sind in diesem Zimmer aufgenommen worden.

„Haben sie die Fotos gemacht?“

„Teilweise ja.“

„Mit dem Handy?“

„Ja.“

„Kann ich ihr Handy mal sehen?“

Danka holt das Handy. Monika spielt die gesamten Galerien auf ihr Handy. Sie notiert sich alle Kontakte und Nummern.

„Wir werten das zu Hause aus. Danke, Danka.“

„Sind sie oft zusammen ausgegangen?“

„Gelegentlich. Wir sind auch zu unseren Hauspartys zusammen gegangen.“

„Haben sie viele Bekanntschaften unter den Hausgästen?“

„Ja schon.“

„Wir melden uns wieder, wenn noch Fragen anliegen.“

„Bitte. Gerne.“

„Ach so, Ich habe vergessen zu fragen, ob sie wissen, in welchen Hotels Ema noch gearbeitet hat.“

„Ja. Hier in Rabland. Im Hotel Gutmut, im Wanderhut und im Gasthof Schleuse.“

„Hat sie in allen Hotels ein Zimmer?“

„Im Gasthof nicht. Aber in den anderen Hotels.“

„Waren sie oft mit dort?“

„Eher selten.“

Die Zwei verabschieden sich von Danka. Paul lädt die Zwei zu einem Stück Kuchen mit Kaffee ein. Toni lehnt nicht ab. Ihm tropft der Zahn. Der Chef bäckt selbst. Er scheint ein glückliches Händchen zu haben. Der Kuchen duftet und sieht gut aus.

„Hat Ema auch im Nachbarhotel mit gearbeitet?“

„Nein. Das ist ein komischer Typ. Wir hatten früher reichlich Streit.“

„Wie Streit?“

„Unser Hotel war mal seines und er hat es uns verkauft.“

„Ja und?“

„Es gab immer Streit um Müll. Wir haben uns den gegenseitig über den Zaun geworfen. Auch die Rasen- und Heckenschnitte.“

„Typisch Südtirol“, lacht Monika.

Die Zwei verabschieden sich.

„Wenn noch Fragen sind, kommen wir gern wieder vorbei.“

%d Bloggern gefällt das: