Fortsetzung Die Saisonpause


Wie unsere Wintersportler zum Beispiel. Unsere Ausbeuter hätten das gerne.

Joana sagt mir, sie könne mich an ihrem freien Tag gern begleiten auf die Seiser Alm. Wir nehmen uns vor, Morgen, ganz früh, aufzubrechen. Mit dem frühen Aufbruch möchten wir den Kontakt mit diversen Kontrollpersonal entgehen. Die kurze Fahrt würde sonst zu einer kostspieligen Tagesreise. Die arbeitslosen Mitbewohner sind sozusagen vom Besuch dieser Alm von Vornherein ausgeschlossen. Ich möchte dort aber arbeiten. Kein Grund, sich schon am Eingang ausnehmen zu lassen.

Die Fahrt ganz früh, hat sich als goldige Entscheidung heraus gestellt. Wir können kostenlos dem Sonnenaufgang folgen. Leider habe ich den Fotoapparat vergessen. Das könnte immerhin der letzte Besuch dieser Alm sein. Bei den Waffen, die allein in den Tälern Südtirols und dem Trentino liegen, dürfen wir bei einer Antwort der angegriffenen Macht davon ausgehen, diese Berge das letzte Mal zu sehen. Und wer weiß bei den Diktaturen so recht, wann der Punkt erreicht ist. Die Gier ist grenzenlos. Die eingesetzten Vertreter sind verrückt genug.

Rudolf erwartet uns schon. Auf dem Parkplatz vorm Hotel stehen noch zwei Autos. Eigentlich dachte ich, die Autos der Familie zu kennen. Für gewöhnlich stehen die teuren Schlitten eine Etage tiefer. Vielleicht hat der Sohn eine neue Freundin. Oder gar die Tochter einen neuen Freund?

Im Büro angekommen, empfangen mich schon zwei Kollegen. Hiesige. Rudolf stellt sie mir vor. Nach deinem Kaffee bekommen wir trocken mitgeteilt, die zwei Kollegen sind mein Ersatz. Ich sei aus dem Rennen. Hiesige Kollegen gehen vor.

„Ich kann einen Kollegen von hier unmöglich einem Fremden vorziehen“, ist die trockene Antwort. Die Zwei zeigen etwas Mitgefühl. Das war es. Joana ist stinksauer.

„Kein Geld?“

„Du wolltest mir noch einen offenen Rest bezahlen“, sag ich zu Rudolf. Rudolf greift in die Schublade seines Schreibtisches und zückt einen Umschlag.

„Unterschreiben? Wo muss ich unterschreiben?“

„Das ist nicht notwendig heute.“

„Na denn. Tschüss.“

Wie mir scheint, ist das die Abfindung. Bedanken muss ich mich dafür nicht. Ich habe ja gearbeitet dafür.

Die Suche beginnt von Neuem. Wir bleiben nicht auf der Alm. Der Appetit kommt etwas kurz bei der aktuellen Stimmung. Wir könnten noch bei anderen Betrieben vorbei schauen. Aber eine große Tour auf der Alm ist ausgeschlossen. Dort drohen schon erhebliche Busgelder. Ob die Förster mich noch kennen wollen, ist fraglich.

Auf der Rückfahrt müssen wir kurz anhalten. Die Schranke bleibt unten. Ich gehe ins Häusel und frage, was das denn kostet, zur Arbeit auf die Alm zu fahren. „Es gibt einen Pass dafür. Der kostet zehn Euro.“

„Was? Ich soll zehn Euro drücken um da zu arbeiten?“

„Ja.“

„Sie finden das normal?“

„Ja.“

„Na denn, schönen Tag noch.“

Die Schranke geht nicht auf. Wir fahren den Abzweig durch den Ort. Etwas Stolz muss sein.

Zurück zu Hause, schaue ich natürlich sofort nach, bei wem ich mich beworben habe. In Frage kommen Betriebe, bei denen ich noch nicht vorstellig war. Das Passeier lockt. Dort rufe ich an. Die Antwort der Chefin klingt verlockend. Natürlich frage ich jetzt Freunde, ob sie den Betrieb und sie Chefin kennen. Der Arbeitsweg wäre kurz. Das lockt. Der Nachteil ist, ich müsste zwei Mal durch Meran. Im Trockenen geht das. Bei Nässe und den vielen lackierten Fußgängerüberwegen, kann ich von einem ziemlich hohen Risiko sprechen. Dank diverser Gesetze sind die Fußgänger auch nicht mehr die gleichen wie früher. Man stürzt heute mit dem Handy vorm Gesicht über die Straße. Ein Blick nach oben? Vielleicht in den Verkehr? Aussichtslos. Die Stadt gehört den Dümmsten. Irgendwie scheint auch Keiner mehr das Leben und die Gesundheit zu schätzen.

Ich werde schon morgen zum Termin eingeladen. Joana kann nicht mitfahren. Sie muss uns schon wieder den Lebensunterhalt verdienen. Das hatten wir uns etwas anders vorgestellt. Joana ist gelernte Verkäuferin. Komisch. Gelernte Verkäuferinnen werden nicht benötigt. Fast wie bei den Köchen.

Ich schätze, die vier Arbeitswege hin und zurück, müsste sie auch bezahlen als Verkäuferin. Lassen wir es so. Als Zimmermädchen hat sie wenigstens acht Monate Arbeit. Zumindest, wen sie den Streit der Saisonbetriebe untereinander aus dem Weg gehen möchte.

Die Einladung zum Termin hebt etwas die Stimmung bei uns. Wir belohnen uns mit einer Pizza von Doris aus der Nachbarschaft. Etwas Luxus muss ein.

Fortsetzung Die Saisonpause


Wie vermutet. Ich bin selbst daran Schuld. Da bleibt mir noch, Agnes anzurufen. Agnes geht ran.

„Mach dir keine Sorgen. Ich hatte deine Anmeldung nur noch nicht abgeschickt.“

Mir fällt ein Stein vom Herzen. Also doch ein Wegeunfall. Wenn Alles gut geht.

Trotz des Wegeunfalls ließ die Rechnung nicht lange auf sich warten. Die Beköstigung. Eine Rechnung von fast tausend Euro. Ich staune. Wir haben das nicht gewusst. Dann hätte ich die Kost natürlich abgelehnt. An sich war die Kost nicht schlecht. Krankenhauskost eben. Trocken Brot, etwas Butter oder Speckfett und bisweilen ein Stück Wurst oder Käse, hätten mir gereicht. Wer den ganzen Tag in überhitzten Küchen steht, hat eigentlich keinen Appetit auf warmes Essen. Warmes Essen regt den Appetit an. Man frisst zu viel. Bei dem gleichen Essen in Kalt, würden wir uns mit der Hälfte begnügen.

Ich frage jetzt bei der Gewerkschaft, ob es für das Essen eine Hilfe gibt. Nein. Es gibt ein Tagesgeld und das habe ich bekommen. Schön zu wissen, das Tagegeld der Gewerkschaft in der Krankenhauskasse wieder zu finden. Für ein Menschenrecht. Für Essen.

Wir schwören uns, zukünftig auf die Leistung dieses Etablissements zu verzichten. Das Menschenrecht des Essens im Krankenhaus müssen wir in Zukunft selbst in die Hand nehmen.

Zu Hause habe ich natürlich als Erstes den Kontakt mit Rudolf aufgenommen. Bis zum Saisonbeginn dauert es noch knapp zwei Wochen. Ich soll unbedingt mal vorbei kommen. Mit dem Motorrad wird das nichts. Das muss noch gebaut werden. Dafür habe ich kein Geld. Markus in der Werkstatt sagt mir, dafür gäbe es eine Landesversicherung. Die zahlt bei Schäden, die durch Steinschläge auf den Landesstraßen verursacht werden. Bei der Frage, wo ich diese Leute erreiche, wird Markus etwas stummer. Also, nutze ich meinen Urlaub, um den Mann zu finden, der mir den Schaden bezahlt. Die Suche samt Telefonaten dauert. Wie scheint, habe ich es mit einem streng versteckten Amt zu tun. Keiner kann mir Auskunft geben. Die Recherche verläuft im Sand. Dabei habe ich sicher fünfzig Telefonate geführt. Mit einem Handy zum Kartentarif hätte ich tausend Euro bezahlt. Zum aktuellen Stand sieht es so aus, als würde ich für die Suche nach Arbeit einen Kredit benötigen. Das ist schon ein starkes Stück – Freiheit. Ich stelle das mir gerade vor. Auf die Frage nach Sicherheiten bei meiner Südtiroler Sparkasse sage ich, Arbeitssuche. Das Gelächter könnte ich draußen auf der Algunder Straße hören. Nun weiß ich nicht, ob das so gewollt ist. Ab einem gewissen Alter jedoch, empfinde ich das als Schikane. Im günstigsten Fall. Ich frage mich, mit welcher Laune dann ein Arbeiter seine Stelle antritt. Und schon sehe ich die Begründung der Sprachlosigkeit meiner neuen Landsleute. Die kennen das System zu gut. Es ist ein Unterdrückungssystem. Uns DDR Bürgern ist das völlig unbekannt. Trotzdem wir bisweilen einen ähnlichen Vorwurf zu hören bekommen. Das ist leider eine Lüge, die meinen neuen Landsleuten eingetrichtert wurde. Dabei gilt einfach zu wissen; sobald ein sozialistisches Land besser mit seinen Mitbürgern umgeht als ein kapitalistisches, wird es um einhundert Jahre zurück gebombt und restlos geplündert. Ein fadenscheiniger Grund findet sich immer in westlichen Propagandastuben. Die Verantwortlichen jammern dann vor Tribunalen, wenn sie erwischt werden.
„Ich habe von Nichts gewusst.“

Leider steht ihnen aber das Recht im Weg. Das nennt sich, niederer Beweggrund. Sie haben es für Geld getan. Und wer hat schon Mitleid mit Söldnern?

Der Söldner ist damit ein bewaffneter Prolet. Dazu zählt auch der Maulsöldner. Würde der Söldner dem gesellschaftlichen Fortschritt dienen, sprich – der gerechten Verteilung von Arbeit und Erlös, wäre sicher eine Zieländerung das Ergebnis seiner Arbeit. Leider haben diese Söldner die gleichen Lebensschulen besucht wie unsere neuen Gastgeber.

Die falschen. Sie sind der Meinung, für ein gutes Leben muss man sich erbärmlich schinden. Oder gar das Leben riskieren.

Fortsetzung Die Saisonpause


Das Mittaggeschäft ist ziemlich umfangreich. Ich komme sehr spät zur Mittagspause. Der Abend beginnt zeitiger als ich erwarte. Schon fünf Uhr stehen Gäste vor dem Restaurant. Damit habe ich keine Stunde, Ruhe gehabt. Addiert mit der sehr kurzen Nacht, ergäbe das keine sechs Stunden, Ruhezeit. Das ist eindeutig zu wenig für diese Arbeit.

Für einen Monat und das Geld, das wir brauchen, wäre das in Ordnung. Zur Saison auf der Seiser Alm würde ich aber ziemlich verbraucht antreten. Vielleicht kann ich noch ein – zwei freie Tage vor dem Saisonbeginn heraus schindern. Ich muß fragen.

Agnes sieht mir meine Sorgen an.

„Hast du etwas?“

„Ja. Es geht um die Arbeitszeit und den Saisonbeginn oben auf der Alm. Ich muss da recht frisch sein. Zwei – drei Tage vor Saisonbeginn hätte ich gern frei.“

„Das geht ohne Weiteres. Es haben sich auch schon Köche auf unsere Anzeigen gemeldet.“

Das Abendgeschäft schlägt Alles. Im Ort ist ein Trubel und jeder Gast sucht ein Restaurant. Wahrscheinlich sind sehr viele Ferienwohnungen gebucht. Hotels versorgen in Halbpension. Es kann aber auch sein, viele Gäste haben die Halbpension abgebucht und nehmen nur Frühstück. In Wandergebieten ist das keine Seltenheit. An jeder Ecke steht ein Imbiss oder eine Hütte. Es gibt einfach zu viele Restaurants. Man könnte fast denken, Essen wäre der eigentliche Urlaubszweck. So viel kann kein Mensch fressen.

Gehe ich von einem Menschen mittleren Alters aus, der vielleicht noch etwas Diät machen möchte im Urlaub, ist das Angebot einfach viel zu groß. Seien wir ehrlich. Ein Büroangestellter benötigt am Tag um die eintausend fünfhundert Kalorien. Wohlgemerkt; wenn er seine Figur behalten möchte. Die Kalorien, die er zum Wandern benötigt, werden leicht mit Getränken bedient. Ein Menü, wie wir es bieten am Abend, als dritte Mahlzeit am Tag, würde ohne die anderen Mahlzeiten völlig reichen. In einem Restaurant packen wir die Teller voll bis zum Rand. Zwei Mal am Tag. Wir rechnen, das Frühstück wird in den Ferienwohnungen sehr oft ausgelassen. Die Gäste bereiten es sich dort selbst zu.

Eine knappe Woche geht das gut. Am Wochenende ist auf der Kastelruther Straße Stau. Auch zu meinem Feierabend. Ich muss über die Völser Straße fahren. Dort erwarte ich etwas weniger Stau. Für den Verkehr in Richtung Bozen besteht dort eine größere Gefahr. Besonders für Zweiräder. Die Ränder der Linkskurven grenzen an eine zweihundert Meter tiefe Schlucht. Abends und in der Nacht, fahre ich diese Kurven fast in Schrittgeschwindigkeit. An Wochenenden sind dort sehr viele Ochsen unterwegs. Die glauben, die Völser Straße gehört ihnen allein. Der weithin sichtbare Lichtkegel interessiert die nicht. Vielleicht wissen sie auch damit nichts anzufangen.

Just an diesem Wochenende, passiert mir ein unglaublicher Unfall. Nicht in einer Linkskurve. Nein. In einer Rechtskurve. Die ist aber verdeckt und dunkel. Genau dort ziehe ich es vor, auch in Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Das hilft aber in diesem Fall nicht. Vor mir liegt ein Riesenbrocken. Natürlich unbeleuchtet. Und in diesem Riesenfels steckt ein Panda. Die drei Meter Reaktionsweg sind auch bei Schrittgeschwindigkeit zu wenig. Man könnte fast denken, als Fußgänger würde ich auch auf das Auto auflaufen. Dessen Rücklichter waren aber beleuchtet. Etwa in Kerzenlichtstärke. Der Fahrer sitzt noch drinnen. Mir hat es die vorderen Stoßdämpfer fast bis an den Krümmer geschoben. Ich halte mich natürlich am Lenker fest, um zu reagieren. Doch ausgerechnet das scheint ein Fehler zu sein. Mein Lenker hat mich auf den Panda geschleudert. Wie ein Katapult. Beinahe hätte ich den Fels erwischt. Rekordverdächtig. Zum Glück bin ich mit meiner Lederkombi unterwegs. Ich hätte mir alle Knochen gebrochen bei dem Flug.

Leseprobe Die Saisonpause


Wir werden uns sicher im Betrieb wieder treffen. Denke ich mir.

Die Fahrt hinauf ab Blumau bis nach Völs ist untertags ziemlich gefährlich. Am besten, man kennt als Zweiradfahrer die Zeiten, in denen Busse das Tal passieren. Die können in unübersichtlichen Kurven für Überraschungen sorgen. Leichter Lastverkehr ist in dem Tal auch anzutreffen. Die größte Gefahr geht aber von Touristen und Rasern aus, die sich nicht an den Rechtsverkehr halten. Dazu zählen auch ausländische Zweiradfahrer.

Am liebsten fahre ich die Straße ganz früh morgens und spät abends. Zu diesen Zeiten gebe ich Aufblendlicht, um mich meinem Gegenverkehr zu zeigen. Die Einheimischen tun das Gleiche. Das funktioniert sehr gut. Tagsüber nutze ich eher die Straße nach Klausen. Die ist wesentlich sicherer. Viele Kollegen nutzen lieber diese Straße. Natürlich mit dem Auto. Generell gilt das Auto in Südtirol für den Arbeitsweg als die sicherste Bewegungsmethode. Das hat aber einen Nachteil. Stau. Gerade Köche müssen sich aber vier Mal zur Arbeit und zurück bewegen. Selten bei diesen Entfernungen. Da bevorzugen wir schon ein Zimmer für die Nachmittagsruhe. Der Nachteil ist schnell ausgemacht. Der Koch trifft seine Familie nicht mehr. Das betrifft alle Arbeitsstellen, bei denen ich mich bewerbe. Ob ein freier Tag reicht, die Familie zu pflegen, laß ich mal dahin gestellt. Der Ausweg wäre eigentlich schnell zu finden. Ich gehe als Frühstückskoch oder bewerbe mich nur für die Abendausgabe. Dafür gibt es zwar weniger Gehalt, aber als Frühstückskoch sehe ich wenigstens meine Frau und die Familie. Als Abendkoch treffe ich meine Frau oder Familie auch nicht. Oder nur begrenzt.

Wir haben uns dafür eingerichtet. Joana schläft sofort nach der Arbeit und kann mit mir zusammen einen Teil des Abends verbringen. Deshalb fahre ich abends nach Hause. Also, haben wir zusammen das Frühstück und einen Teil des Abends. So lange wir das Geld benötigen, ist das die beste Methode.

Mir kommen schon ein paar Kollegen entgegen. Schätze ich. Vielleicht sind es auch Bäcker oder Leute, die dem gleichen Rhythmus nachgehen wie wir. Eine junge Frau ist dabei. Sie fährt nicht nur zügig. Sie fährt sportlich. Mit sportlich meine ich auch das Schneiden der Kurven. Dabei hat sie eine Zigarette im Mund. Nicht in der Hand und am Lenker. Sie lenkt mit zwei Händen. Ich habe den Eindruck, die halbe Zigarette steckt schon bei ihr im Hals. Der Augenblick der Begegnung ist zu kurz, um das genauer zu sehen.

Ich schätze, der Frau werde ich jeden Morgen begegnen.

Kaum bin ich in Völs, sehe ich schon den ersten Arbeiterverkehr. Ich gehe davon aus, sie arbeiten alle in der Gastronomie. Natürlich brechen jetzt auch Arbeiter der Industrie auf, die sieben Uhr ihren Arbeitsbeginn im Tal haben. Genau diesen Verkehr möchte ich vermeiden. Ab hier geht es zügig.

Ich will ein anderes Mal die Zeit über Klausen stoppen. Eventuell käme sogar die Autobahn in Betracht. In diesen Fällen benötige ich aber mehr Benzin. Das muß ich noch genau ausrechnen. Schließlich möchte ich Geld verdienen und nicht für die Mineralölgesellschaft arbeiten.

Kaum bin ich auf Arbeit, begrüßt mich der Wirt persönlich. Ich gebe ihm gleich ein Kompliment für sein zeitiges Erscheinen. Normal bin ich allein in den Betrieben zu dieser Zeit.

„Ich bin immer früh der Erste“, sagt er zu mir. Er hat sogar schon diverse Rohstoffe zurecht gelegt, die ich bis Mittag vorbereiten soll. Kurz darauf verabschiedet er sich.

„Ich gehe füttern.“

„Wie viele Kühe hast du denn?“

„Dreißig. Wir haben auch Schafe, Ziegen und Schweine.“

„Das ist ein ganz schönes Programm.“

„Ich mach das nicht allein. Der Knecht kommt noch. Zuerst trinken wir einen Kaffee.“

Beim Kaffeetrinken stellt sich Alfons vor. Er ist der Vater von Agnes, der Wirtin. Er kümmert sich nur um die Tiere. Der Knecht betritt die Küche. Nach der Begrüßung, stellt er sich mit Wladimir vor. Er ist ein Slowake. Wladimir fährt die gesamte Technik des Betriebes. Das macht ihn ziemlich wertvoll für die Familie. Auf mich wirkt er etwas dominant.

Blick vom Kiosko ins Nonstal über Gles nach Madonna

Fortsetzung Die Saisonpause


Nach Kastelruth ist der Arbeitsweg halbwegs erträglich. Ich muß nur etwas um die siebzig Kilometer fahren für einen Weg. Das zwingt mich trotzdem auch jeden zweiten Tag an die Tankstelle. Auf dem Weg habe ich aber die Möglichkeit, ausgiebig die Preise zu vergleichen. Und das lohnt sich. Der Unterschied beim Preis pro Tankfüllung von drei Euro, summiert sich im Monat leicht zu vierzig Euro. Die freundliche Bedienung an der Tankstelle kann das leider nicht ersetzen.

Neben den Tankkosten, warten wie üblich die Wartungskosten für das Zweirad. Bei etwa dreihundert Kilometern am Tag, lege ich monatlich ohne Freizeit bis zu acht Tausend Kilometer zurück. In fünf Monaten käme ich dafür eine Runde um die Erde. Das ist Umweltschutz der ganz besonderen Art.

Acht Tausend Kilometer zwingen mich auch zu einem monatlichen Reifenwechsel. Und der kostet mich locker Dreihundert und Fünfzig Euro.

Auf alle Fälle bin ich morgens richtig aufgeweckt, wenn ich den Arbeitsplatz betrete. Wenn nichts dazwischen kommt. Bei dem Arbeitsweg steigt natürlich auch das Unfallrisiko. Ich will jetzt nicht behaupten, das würde mich zu einem riskanten Fahrstil animieren. Schließlich ist der Unfall auf dem Arbeitsweg noch gut versichert. Zumindest dem Buchstaben nach. Den Ernstfall konnte ich noch nicht testen. Rechne ich jetzt die üblichen Verzögerungen und Hinternisse allein bei der Überweisung von Arbeitslosengeld ein, würde ich das auch nicht ausprobieren wollen.

Bei dem Arbeitsweg würde sich anbieten, dringende Post mit zu befördern. Leider erfordert das eine Extralizenz. Und die würde doch sicher wieder einen Haufen Geld kosten. Also, lasse ich das System so schlafen, wie es ruht.

Die neue Arbeitsstelle bringt uns wieder ein gemeinsames Frühstück zurück. Ich kann endlich wieder mit meiner Frau morgens aufstehen. Joana weckt mich trotzdem etwas später. Erst, nachdem sie aus dem Bad von ihrer Morgentoilette zurück ist. Selbst den Kaffee hat sie schon zubereitet. Nicht sie. Die Maschine. Die muß aber rechtzeitig eingeschaltet werden. Der Filtervorgang dauert schon auch seine Zeit.

Warum stehe ich zusammen mit meiner Frau auf? Große Arbeitswege in Südtirol erfordern die Kenntnis der Arbeitsbewegungen. Es gibt bestimmte Hauptstraßen, die regelmäßig um die gleiche Zeit, restlos verstopft sind. Dem Arbeiter stehen zwei Möglichkeiten zur Wahl. Er fährt deutlich eher zur Arbeit oder er kommt zu spät. Letzteres will so, keiner. Immerhin steht der Arbeitsplatz auf dem Spiel. In meinem Fall mit diesem Weg, ist die deutlich frühzeitige Variante, die beste. Ich kann, wenn ich auf Arbeit bin, noch eine kleine Ruhe einlegen. Das wäre dann Nachtruhe in Etappen. In diesem Fall ist das sehr verlockend, weil mir mein neuer Chef ein Zimmer zur Verfügung stellt. Unsere Hoteliers in den Bergen bieten ausreichend Möglichkeiten für ihr Personal, dort zu übernachten. Dieses Angebot führt gleichzeitig zur Einsparung des Kilometergeldes seitens des Landes. Wir sind schließlich keine Landespolitiker, die lediglich ein paar Worte in ihrem Einkaufszentrum sagen müssen, um das als Dienstreise abzurechnen.

Einen Nachteil hat der Arbeitsweg. Beide Wege finden ausnahmslos im Dunkeln statt. Und das trotz Sommerzeit. Wir leben schließlich nicht im nördlichen Uralgebiet, in dem es die halbe Nacht ziemlich hell bleibt. Wie üblich in den Bergen, gibt es in den Nachtstunden auch die meisten Niederschläge. Im vergangenem Jahr benötigte ich in fünf Monaten, nur auf zwei Fahrten keine Regenbekleidung. Die nassen Straßen erhöhen das Unfallrisiko für Zweiradfahrer gewaltig. Der Druck, dem Autofahrer ausgesetzt sind, wird durch sie bisweilen auf die Zweiradfahrer delegiert. Zweiradfahrer spüren das in jeder Kurve, die von Autofahrern regelmäßig geschnitten werden. Selten, weil sie das sportlich finden. Es geht um Zeit und Verschleiß. Autofahrer sind tatsächlich der Meinung, sie würden damit Zeit und Reifen sparen.

Heute Morgen fahre ich gemütlich los. Auf der Mebo, der Schnellstraße zwischen Bozen und Meran, sind kaum Menschen unterwegs. Ich muß nicht rammeln. Die Luft ist noch frisch. Selbst durch Bozen fahre ich um diese Zeit in Seelenruhe. Nur ein paar Kleintransporter und Lieferanten sind unterwegs. Manche fahren in meine Richtung. Die mir gut bekannten Lieferanten treffe ich alle. Manche gestandene Fahrer erkennen mich am Motorrad. Sie geben Lichtzeichen. Ich winke zurück.

Fortsetzung Die Saisonpause – Das letzte Kapitel


Die Zwischenarbeit

Mit der Zwischenarbeit ist natürlich mein Saisonurlaub beendet. Diesen Urlaub habe ich diesjährig in erstaunlicher Ruhe und voller Erholung verbracht.

Ich nehme mir vor, mich zu Hause zu wiegen. Immerhin benutze ich gerade meine größte Motorradkombi. Größer habe ich sie nicht. Im vergangenem Jahr mußte ich zeitweise den Trainingsanzug anziehen. Meine größte Kombi erlaubt mir zwanzig Kilo Übergewicht. Mit dem Gewicht, in dieser Kombi, laufe ich wie ein Roboter. Verkehrsbedingte Reaktionen mit dem Motorrad sind damit nur noch eingeschränkt möglich. Gerade im Frühjahr und im Herbst, ist aber der Verkehr auf der Straße, der die wenigste Rücksicht nimmt. In diesen Zwischenjahreszeiten gewinnt Sturheit und Unsicherheit.

Ich kann mir das nicht erklären. Liegt das am Wetter?

Mit der Zusage im Gepäck, gestalte ich die Heimfahrt gemütlich. Ich habe Joana nicht extra angerufen. Ich will sie überraschen. Jetzt könnten wir mit einer Flasche Wein oder ein paar Blumen den Tag abschließen. Oder einen kleinen Ausgang organisieren. Geht nicht. Das Geld wird alle und wir sparen. Vielleicht wird es eine Pizza bei Doris.

Joana freut sich sehr über die Nachricht. Sie fällt gleich wieder in den Organisationsmodus. Kochwäsche, Messer, Schürzen, Schuhe und etwas Taschengeld legt sie bereit. Die volle Ausrüstung schleppe ich am ersten Tag selten an. Ich nehme mit, was in den Koffer des Motorrades paßt und unbedingt benötigt wird. Manchmal, aber nur, wenn es der freie Tag Joanas erlaubt, benutzen wir das Auto. Damit karre ich meine ganze Ausrüstung auf einmal zur Arbeit. Leider hat sich diese Methode als nicht vorteilhaft erwiesen. Manche Arbeitsverhältnisse, in die ich sehr viel Hoffnung investierte, dauerten eben nur drei oder vier Tage. In dem Fall bekomme ich die volle Ausrüstung mit dem Motorrad nicht weg. Oft habe ich dann Joana bemüht, mit dem Auto vorbei zu kommen, um meine Ausrüstung zu holen. Das funktioniert oft, aber nicht immer. Und schon beklage ich neben dem Arbeitsplatzverlust, auch noch den Verlust wertvoller Ausrüstungen. Die scheint sich irgendwie in Luft aufzulösen. Nachfragen werden mit einem Lächeln und Kopfschütteln beantwortet. In ganz speziellen Fällen, wird mir sogar mein Eigentum abgestritten. DDR Bürger kennen das von ihren Besatzern aus dem Westen. Es wird konfisziert mit einem Lächeln im Gesicht. Wohl in der Kenntnis der Wehrlosigkeit der Opfer.

„Das gehört doch dem Betrieb.“

„Wie kommt dann mein Name darauf?“

Natürlich werden den Betrieben bisweilen Arbeitsmittel gestohlen. Manche gehen auch kaputt. Für den Betrieb sind das Kosten. Für mich nicht. Die Ausgaben des Betriebes werden von der gesamten Gesellschaft bezahlt. Meine nicht. Mein Eigentum ist meines. Von meinem Lohn geschaffen. Das Betriebseigentum ist von der gesamten Gesellschaft geschaffen. In Form von Kosten, Zuschüssen, Freibeträgen und Abschreibung. Selbst die Käufe, Kredite und Zinsen haben wir als Gesellschaft bezahlt. Nicht der vermeindliche Eigentümer. Der hat nur einen kleinen Beitrag bezahlt. Seine Leistung und die der Familie. Trotzdem steht dort sein Name drauf. Würde ich jetzt sagen, das ist mein Betrieb oder zumindest teilweise meiner, bekäme ich umgehend einen Platz in der Nervenanstalt. In diesem System. Einem System, das Diebstahl legitimiert. Der Lohn ist eben nicht der Anteil an dem Betrieb, den wir gemeinsam so geschaffen haben. Der Lohn ist eine zeitweise Abfindung. Und schon landen wir bei Karl Marx und dem Mehrwert. Und das ausgerechnet in einer Hotelküche.

Fortsetzung Die Saisonpause


Außerdem wird das Geld knapp. Joana bekommt erst im kommenden Monat, Lohn. Meine Rundreisen sind bei den Benzinpreisen auch nicht billig. Jeden Tag, fünf und Zwanzig bis dreißig Euro Benzin, kosten im Monat auch sieben Hundert bis tausend Euro. Die Reifen als auch andere Ersatzteile sind nicht eingerechnet. Ein kleiner Sturz ist mit einem Zweirad immer ein zu kalkulieren. Das wäre das Ende. Gerade im Frühjahr sind bei uns recht wilde Fahrer unterwegs. Nicht nur Motorradfahrer. Auch Kurven schneidende Autofahrer. Während einer kleinen Tour von zweihundert Kilometern, muß ich mindestens zwei Mal einem Unfall verhindern. Erst heute macht eine Frau bei Grün, an unserem Fußgängerüberweg in der Töll eine Vollbremsung. Sie bittet die Radfahrer, bei ihrem Rot, die Straße zu überqueren. Dabei hält der Gegenverkehr natürlich zu Recht, nicht. Ich weiß nicht, wie man diese Krankheit nennt. In einer Situation möchten so viele Fahrer wie möglich, die Ampel passieren. Dort gibt es immer Stau und das recht umfangreich. Ich konnte das Motorrad gerade so bremsen. Die Stoßstange habe ich schon leicht geküßt. Zum Glück hat die es nicht bemerkt. In dem Zustand kann das leicht zum Herzinfarkt führen. Gehirnschlag ist da keiner zu befürchten.

Zu meinen Rundreisen nehme ich für gewöhnlich Getränke und etwas zu Essen mit. Auch reichlich Kaffee. Nicht selten dauern die Runden für mehrere Bewerbungsgespräche, zehn Stunden und mehr. Die einzelnen Objekte fasse ich in Touren zusammen, um die Runden überschaubar zu halten.

Langsam komme ich sogar durcheinander. Wo war ich schon und wie hießen meine Ansprechpartner? In mir entsteht fast der Eindruck, ich würde mit Personen aus einer Familie reden. Bei dem Durcheinander werde ich langsam gezwungen, zu warten, wer mir per Email oder Telefon antwortet und wer nicht. Für gewöhnlich, laufen die Kontakte erst kurz vor Saisonbeginn. Leider kann ich mich nicht in zehn Stücke teilen. Unserem Konto täte das gut.

Zuerst fahre ich nach Kastelruth. Ich dachte mir, von dort auf die Seiser Alm, wäre keine besondere Umstellung nötig. Irrtum. Die fachliche Umstellung ist auch nicht das Problem. Das Problem ist, die Familien kennen sich. Sobald ich dem Einen erzähle, ich war bei dem Anderen, schlägt die Ablehnung zu. Gleichzeitig darf ich lernen, eine angebotene Vertretung ist in den meisten Fällen eine echte Suche nach einem neuen Koch. Man möchte ein Dauerverhältnis unter Vorbehalt. Ich soll die Reserve sein. Kostenlos. Meine Gesprächspartner versuchen mit allen Mitteln, mich ohne eine feste Zusage bei der Stange zu halten. Mir bringt das aber nichts. Das ist Leiharbeit oder Arbeit auf Reserve zu besonders günstigen Konditionen. Ich werde in drei Hotels vorstellig. Alle auf Termin. Schön nacheinander.

Der erste Besuch galt dem Hotel Halbmond. Ein ziemlich großes Anwesen mit einer Ganzjahresgastronomie.

„Sie suchen einen Koch?“

„Ich hole den Chef“, sagt mir die Rezeptionistin mit Slowakischem Akzent.

„Haben Sie dem Chef schon meine Unterlagen ausgedruckt?“

„Ja. Welche meinen Sie?“

„Meine Bewerbung. Karl.“

„Ah ja. Die hat der Chef schon.“

„Guten Morgen“, sagt der Mann, der gerade kommt. Ich hätte nie gedacht, den Chef vor mir zu haben. Er hatte eine Art Jagdanzug an und sah ziemlich mitgenommen aus. Golf spielen war der sicher nicht. Vielleicht war er die vergangene Nacht unterwegs, den frischen Braten für das Wochenende zu schießen. Bisweilen neigen auch einige Hoteliers dazu, in diesen Sachen der Balz zu frönen. Nach der Methode: ‚Schatz, ich bin auf der Jagd.‘

„Ich suche einen Zweiten.“

„Was verdiene ich, wie viele Gäste habe ich zu bekochen und wie sind die Arbeitszeiten?“

Also, die üblichen Fragen. Der Verdienst ist wie immer das schwierigste Thema. Mich wundert das irgendwie. Lohn sind Kosten und die werden bei vollen und halb vollen Hotels sicher eingenommen. Es sei denn, man hat zu viel Personal. Allgemein trifft das aber für Küchen nicht zu.

Wäre das der Fall, müßten wir keine Doppelschichten arbeiten. Ich schätze, auf den Lohnlisten stehen Mitarbeiter, die wir nie sehen. In der DDR haben wir auf diese Art, unsere Reparationen für den Zweiten Weltkrieg bezahlt. Auf unseren Lohnlisten standen auch Sowjetische Kriegshelden, die ihr Leben für unsere Freiheit opferten.

Waldbruch in Richtung Manghenpass

Fortsetzung Die Saisonpause


Der Verkehr in den Bergen wäre einfach zu lösen. Eine kleine Kopfrechnung, wenn denn ein Kopf da wäre, würde den Schlüssel liefern. Berechnen wir einfach die Fläche, die ein Auto für zwei Personen benötigt und ein Zweirad. Leider ist Mathematik in Bürokreisen absolut gehaßt. Man kämpft auf seine Art für den Erhalt des Platzes. Ein Auto benötigt nicht nur die vierfache Größe an Platz. Nein. Ein Auto liefert auch mindestens die doppelte Masse an Reifenabrieb. Und der landet eben dort, wo er nicht landen soll. Von den SUV – Panzern in den Bergen will ich gar nicht erst anfangen. Dagegen sind Panda und Punto an Überlegenheit kaum zu übertreffen. In den Bergen sind kleine Autos und kleine Busse die Weltmeister. Ganz einfach deswegen, weil in den Bergen nur begrenzt Platz ist. Und in dieser Situation ausgerechnet Motorradfahrern das Leben schwer zu machen, grenzt eher an mangelndes Mathematikverständnis. Anders kann ich den Übermut leider nicht zart beschreiben. Oder soll ich Blödheit sagen?

Ich finde es sehr schön, wenn ich italienische Rollerfahrer mit ihren Frauen treffe. Ich rede nicht von Lebensgefühl. Ich rede von Erholung. Und genau dafür sind diese Berge da. Wer braucht die Erholung mehr als unsere italienischen Landsleute? Viele arbeiten im Tourismussektor. Sie arbeiten von früh bis in die Nacht. Sie haben nur diese Möglichkeit, ihre sparsame Freizeit zu erleben. Sie sind keine Sesselfurzer, die in Hurghada wie Ölsardinen braten.

Zu Hause berichte ich Joana natürlich von dem freudigen Ereignis. Zugleich muß ich mir Gedanken machen, wie ich das meinen Kollegen am Waalweg beibringe. Gleichzeitig stellt sich mir die Frage, ob ich den anderen Anbietern schon absage. In den vielen Jahren hier habe ich gelernt, nicht eine Zusage gilt zu hundert Prozent. Vor allem, keine telefonische Zusage.

Bei den Kollegen am Waalweg scheint Alles in Ordnung. Wir verabreden uns für den Dienstbeginn.

Der Morgen ist etwas feucht. Am Waalweg ist das ein Problem beim hinauf fahren. Um die Zeit, zu der ich fahre, sind noch keine Wanderer unterwegs. Die Begrüßung ist bestens. Alle sitzen vor dem Haus und frühstücken gemeinsam. Ich komme gerade recht. In den Gesprächen untereinander geht es um Probleme, die ich nicht richtig einordnen kann. Nachfragen will ich am ersten Tag nicht. Bei der Besprechung fällt auch eine Analyse zum heutigen Wetter. Wir rechnen mit weniger Gästen. Es ist teilweise trüb an der Texelgruppe. Im Wetterbericht ist von Regen die Rede.

Waalwege sind leider sehr wetterabhängig. Bei feuchtem Boden sind die Wanderer auch diversen Gefahren ausgesetzt. Neben sehr rutschigem Boden, gibt es auch gelegentlich Steinschläge. Vor allem auch in Gebieten, in denen erst kürzlich Bauarbeiten stattfanden. Und hier wurde eben intensiv an der neuen Seilbahn gearbeitet. Das braucht schon ein paar Jahre, ehe sich der Boden wieder beruhigt. An der Texelgruppe dürfte das sogar etwas länger dauern. Dort regnet es ziemlich oft und mitunter, sehr intensiv.

Eigentlich wäre der ruhige Tag sehr günstig für den Anfang. Zum Anfang kommt es aber nicht. Zwei Herren gehen mit unserem Chef in sein Büro. Nach einer halben Stunde kommt der Chef zu mir. Ich bin gerade beim Pellkartoffeln schälen.

„Ich muß absagen. Wir schließen.“

Ich glaube, dieser Auftritt ist mein kürzester bis jetzt. Im festen Glauben, meinen kürzesten Auftritt von vier Stunden nie unterbieten zu können, mußte ich leider lernen, es geht noch kürzer.

Irgendwie fühle ich mich jetzt erlöst. Weil ich die anderen Bewerbungen nicht abgesagt habe. Jetzt brauche ich eine Beschäftigung für die Zeit bis Juni. Wie stehe ich da, wenn meine Frau buckelt und ich auf der Couch liege?

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