Fortsetzung Steinschlag im Suldnertal


Monika kann nicht fassen, welches bürokratisches Durcheinander allein wegen ein paar Erfindungen gemacht wird. Der Erfinder oder Verbesserer einer Technik wird für seine Leistung auch noch nachhaltig bestraft. Dazu drohen ihm noch Diebstähle seiner Erfindungen. Unglaublich. Monika fragt sich, ob sie es überhaupt noch mit einem Rechtssystem zu tun hat. Langsam liegt schon der Verdacht nahe, sie verfolgen die Falschen.

Nach ein paar Andeutungen hat Marco an neuen Pedalen gearbeitet. Die Pedalen mit dem in die Sohlen eingearbeiteten Profilen waren Marco nicht gut genug. Dadurch gibt es mehr Stürze, die vermieden werden könnten. Bei seinem System sitzt der Fuß fest und läßt sich leicht lösen. Die Familienangehörigen sagen, es gibt starkes Interesse für das System. Was das genau bedeutet, sagen sie leider nicht. Das rückt auch die Familienmitglieder in den Verdacht. Toni sagt ihnen das. Umberto, Renato und Marisa sind die Geschwister von Marco. Sie kommen gerade zum Tisch im Garten von Luisas Hotel. Reinhold frag sofort, ob sie etwas trinken möchten. Sie lehnen nicht ab. „Eistee.“

„Eistee?“ Den hat Reinhold nicht im Haus. Er fährt sofort los in den Ort und holt ein paar Tetrapack. Im Geschäft fragt die Nachbarin, ob sich schon Etwas ergeben hat mit dem Tod Marco P’s.

„Ich weiß es nicht.“

Seine Nachbarn wissen, er versteht bestenfalls die Hälfte.

Kaum ist Reinhold zurück, geht Toni bei den Familienmitgliedern ans Eingemachte. Alle beantworten die Fragen so gut sie können. Es gibt keine Verdachtsmomente für Toni. Nach deren Äußerungen hat sich Marco P intensiv mit Riemenantrieb und Pedalen beschäftigt. Auch mit der Art der Gangschaltung und dem Sitz.

Toni kommt langsam zu der Überzeugung, sich einem wissenschaftlichem Gebiet zu nähern. Langsam erklärt sich Toni auch die Anzahl der Räder in Marcos Besitz. Es sind acht verschiedene Räder. Die Familienangehörigen sagen, es wären alle ihre Erfindungen und Verbesserungen. Teilweise sind sie auch schon vom Verband genehmigt.

„Gibt es Fälle von Spionage?“, fragt Monika.

Damit hat sie wahrscheinlich den Volltreffer gelandet.

„Ja. Reichlich.“

„Wie haben sie das gemerkt?“

„Man hat unsere Rennräder fotografiert und in den Technikpunkten der Rennleitungen auch protokolliert.“

„Damit sind ihre Erfindungen ja jetzt Allgemeingut.“

„Eigentlich nicht. Kunden müssen bei uns schon nach fragen. Bei Interesse haben sie auch zu bezahlen.“

Langsam scheint Geschmack in die Ermittlung zu kommen. Ein Motiv kristallisiert sich gerade heraus.

Wahrscheinlich müssen Toni und Monika die Labore ersuchen, genauer auf Neuentwicklungen zu schauen. Ein paar Techniker wären nicht fehl am Platz. Das wird schwierig.

Federico und Colo sind wahrscheinlich die Spezialisten, die von den Beiden benötigt werden. Frederico ist noch unterwegs. Die Familie bestätigt, Frederico, Paolo und Colo sind in das Projekt gut eingeweiht.

„Sie sind wie unsere Familienmitglieder“, sagt Mama Julia. Pedro, Marcos Papa, gibt die Zustimmung.

„Wir essen täglich gemeinsam.“

Das will schon etwas heißen, denkt sich Toni. Nach dem Kontakt mit der Familie, glaubt er nicht an einen Schuldigen in diesem Umfeld. Monika auch nicht.

Jetzt wäre noch interessant, heraus zu bekommen, wo sich denn die Mitglieder des gesamten Teams aufgehalten haben zum vermutlichen Tatzeitpunkt.

Und schon leuchten die ersten Probleme. Keiner kann sich so recht erinnern. Im Grunde nicht besonders verwunderlich. Eher normal. Wer führt Protokoll über seinen Tagesablauf? Wenige. Eigentlich lässt sich die Frage leicht beantworten. Die gesamte Familie arbeitet in der eigenen Werkstatt und den dazu gehörigen Laden. Gelegentlich geht ein Familienmitglied etwas einkaufen oder besorgen. Keiner meldet irgend etwas Auffälliges.

Die Befragung ist zu Ende. Die Familie bedankt sich sehr höflich für das Interesse Tonis und Monikas. Toni soll Marco nach Bozen einen schönen Gruß ausrichten. Die Familie bedankt sich auch bei ihm für sein Engagement und das ausgesprochene Mitgefühl.

Die Herzlichkeit ist eine Lebensart der Familie. Das gibt Monika zu bedenken.

Fortsetzung Steinschlag im Suldnertal


Eigentlich will Toni erfahren, ob alle Familienmitglieder anwesend sind. Sein Telefon klingelt. Marco ist dran. Das Labor hat Fingerabdrücke an Marcos Rennrad gefunden. Die sind nicht von Marcos Trainer und Technikern. Es sind mehrere verschiedene.

Marco hat die Österreichischen und Schweizer Kollegen gebeten, vom Team Frickel und vom Team Draft, alle Figerabdrücke zu nehmen. Auch von den Technikern, und Trainern. Auf die Frage nach dem Grund, antwortete er seinen Kollegen: Mordverdacht. Das reicht, um die Proben zu ziehen. Sämtliche andere Proben waren negativ. Bis auf zwei Ausnahmen. Der Techniker vom Team Kette und die Masseuse – Kuiken vom Team – Schoko.

„Wie kommen ausgerechnet denen ihre Fingerabdrücke auf Marcos Fahrrad?“, fragt Toni.

„Gab es vielleicht ein Techtelmechtel zwischen Marco und der Masseuse?“

„Bei dem Aussehen, kein Wunder“, antwortet Marco.

Monika hört aufmerksam zu als die Zwei von Titten und Gestänge reden. Als sie sich über ihren festen Griff unterhielten, griff Monika ein.

„Ihr Ferkel. Wenn das Jemand mit hört, gibt es Schlagzeilen.“

„Trotzdem müssen wir Kuiken befragen.“

„Untersteht euch!“

„Dann musst du zur Massage.“

Monika wird rot bei der Ansage. Warum, weiß sie selbst nicht. Sie spürt das nur. Toni schaut ihr tief ins Gesicht.

„Wie scheint, bist du einverstanden.“

Die Zwei müssen Lachen.

Marco ruft zurück.

„Die zwei Teams sind bei einem Rennen in Verona dabei. Dort können wir deren Fingerabdrücke nehmen.“

„Glück gehabt“, antwortet Toni. Er kennt die Schwierigkeiten mit den Österreichern und Schweizern. Die sind immer verrückt darauf, sich selbst die Kronen aufzusetzen. Die Südtiroler Ermittler spielen bei ihnen die zweite Liga. Das Land ist zu klein. Frei nach der Methode, der Größere gewinnt.

Oft genug haben die Deutschen und Italiener, die Südtiroler Erfolge als eigene ausgegeben. Wobei die Italiener eher dazu berechtigt sind. Erst beim letzten Fall mit dem Schnalser Stausee standen in Österreich die Zeitungen voll. Beim Lesen konnte man den Eindruck bekommen, die Österreicher hätten den Fall geklärt. Toni kann sich gut vorstellen, welche Beförderungen das brachte in der höheren Ebene.

Monika macht sich auf den Weg ins Hotel Mücke. Sie möchte eine Massage buchen. Auf Landeskosten.

Toni bereitet sich auf die Befragung der Familienmitglieder vor. Luise redet kurz mit der Familie am Frühstückstisch. Sie sind alle einverstanden. Luise glaubt, auch etwas helfen zu können. Bei Befragungen nutzen die Italienischen Landsleute gern Worte, die in Südtirol nicht ganz so geläufig sind. Luise kennt ein paar dieser Ausdrücke. Nicht alle. Sie denkt aber, das kann helfen. Außerdem ist Luise etwas neugierig. Sie möchte schon gern wissen, wer bei ihr übernachtet. Bei der Vorstellung, Kriminelle beherbergt zu haben, wird ihr übel. Zumal sie eine recht familiäre Beziehung zu dieser Familie pflegt.

Als Erstes befragt Toni Marcos Mama. Sie setzen sich dazu in den Garten. Mama trägt einen Schal aus Pelz. Toni kennt sich mit Fellen nicht so genau aus. Er schätzt, es ist Biber. Vielleicht auch Otter. Das Fell ist ziemlich langhaarig und daher von der preiswerteren Sorte. Otter scheint es demnach nicht zu sein.

Zur Befragung, die ja ansatzweise schon statt fand, stellt sich heraus, Marco war im Großen und Ganzen ziemlich beliebt in der Familie. Toni möchte aber etwas von Feindschaften erfahren. Und nun wird er konkreter.

„Gab es in der Familie Streit, der nicht bei gelegt werden konnte?“

„Reichlich. Es ging immer um Geld. Vor allem dann, wenn Marco ziemlich hohe Preisgelder einnahm.“

„Gibt es denn in der Familie weniger erfolgreiche Mitglieder?“

„Sie arbeiten alle in der Fahrradbranche. Wir haben eine Werkstatt und einen Handel.“

„Wie sieht es aus mit den Neuentwicklungen von Marco?“

„Deswegen gab es reichlich Streit.“

„Um die Prozente oder um die Lizenzen?“

„Lizenzen gibt es sehr wenige bei uns. Wir können uns die Lizenzgebühren auch nicht leisten.“

„Also werden die eher auf dem Schwarzmarkt gehandelt?“

„Den Eindruck habe ich. Das ist ein sehr kriminelles Geschäft. Wir als Familie, halten uns da raus.“

„Marco macht aber sicher Notizen über seine Erfindungen?“

„Ja. Wir haben dafür ein Archiv. Sicher ist sicher. Wir legen dort, datiert, die Fotos, die Beschreibungen und das Ergebnis ab.“

„Das reicht mir fürs Zweite.“

Die kleine Pfütze da unten ist der Kalterer See

Fortsetzung Steinschlag im Suldnertal


„Er hat auch ein Motorrad bei uns stehen. Das bringt immer ein Lieferwagen von ihm.“

„Jetzt fehlt nur noch, Fahrräder sind auch dabei.“

„Richtig geraten. Drei Stück.“

„Das ist wohl eine Art Messe für den Mann.“

„Er zeigt gern, was er hat.“

„Die fleißigen Leute kennen wir gut.“

Andrea lacht.

„Wir auch. Zu gut.“

„Wie sieht es aus mit Damenbesuch?“

„Da würde ich an deiner Stelle mal mit unserem Zimmermädchen reden. Die fährt gern mal aus mit ihm.“

„Ist die im Haus?“

„Nein.“

„Dann vielleicht morgen?“

„Ich muss ihr das sagen.“

„Dann lass das bitte erst mal so. Sie würde ihm das sagen. Das will ich nicht.“

„Alles klar.“

„Wir sehen uns sicher wieder“, sagt Toni und verabschiedet sich. Carlo grüßt freundlich hinterher und schaut Monika etwas auf den Hintern. Monika scheint das zu spüren. Sie dreht sich um und winkt zum Abschied. Toni dreht sich auch um. Er hat das in der Glastür gesehen. Monika hat also nichts gespürt.

Sie hat es auch in der Glastür bemerkt.

„Aus dem bekomme ich Alles raus“, sagt sie zu Toni. Beide lachen.

„Jetzt bleiben noch die Hotels weiter Oben.“

„Wir müssen die fragen, ob sie Mannschaften im Haus haben. Das macht Marco.“

„Ich schätze, wir lernen das Gebiet genauer kennen, als wir vorher dachten.“

„Wenn dann noch Sulden dazu kommt. Die schlechte Straße dahin. Oje.“

„So schlecht ist die nun auch nicht.“

„Die Hotels dort sind aber viel teurer. Dazu haben die jetzt noch Ski – Saison.“

„Gut. Wir fragen dort nur per Telefon und Email.“

„Trafoi und Stilfs haben wir noch.“

„Sag das bitte Marco. Der ruft an.“

„Auf alle Fälle war das heute schon ziemlich aufschlussreich.“

„Trotzdem müssen wir den Trainer und die Mannschaft noch vernehmen. Das machen wir morgen.“

„Jetzt fahren wir zu Luise und schauen nach der Familie von Marco P.“

„Die hat aber Marco in Bozen schon vernommen.“

„Ja. Trotzdem müssen wir die Gesichter sehen.“

„Gut.“

Luise steht schon wieder in der Küche. Die Familie möchte Etwas zu Mittag. Hauptsächlich für ihre Kinder. Sie verlassen das Haus nicht. Alle sind in Schwarz gekleidet. Drei Kinder spielen im Garten. Reinhold hat ihnen ein Kinderfahrrad gegeben. Mit Stützrädern. Den Kindern sieht man den Verlust nicht an.

Durch ein offenes Fenster hören die Zwei etwas Streit. Wie scheint, geht es um die Hinterlassenschaft. Bei Marco P ist da sicher Einiges zusammen gekommen. Monika spekuliert etwas. Toni zischt – Psst.

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Der schöne Abend ist schnell vorüber. Die Zwei möchten nicht erst in die Boxerhütte fahren. Sie bleiben in Tonis Hütte. Die ist etwas kalt. Toni stellt zuerst das Warmwasser zum Duschen an. Danach schaltet er den Heizlüfter ein. Er ist damit

knapp unter drei Kilowatt im Gesamtverbrauch. Essen kochen müssen sie keins mehr nach dem Spanferkel.

In knapp zwanzig Minuten ist das Wasser zum Duschen im akzeptablen Bereich. Monika geht als Erste. Toni schaut sich das Kino an. Wunderschön. Monika reizt ihn zusätzlich mit ein paar ungeschickten Bewegungen. Seine Bettdecke hebt sich im Hüftbereich. Monika kommt zum Abtrocknen vor den Heizlüfter. Toni ist nicht mehr zu halten. Er muss dringend unter die Dusche. Die Bettdecke verfängt sich in seinem Schritt. Monika muss laut lachen.

„Höchste Zeit, wie scheint.“

Am Morgen ist die Hütte schön warm. Und jetzt, haben sie fast umsonst geheizt. Die kommende Nacht werden sie wahrscheinlich nicht hier verbringen.

Zum Frühstück gibt es kalten Braten vom Spanferkel. Den hat sich Toni vorsorglich einpacken lassen. Marco hat das genehmigt. Der Koch hat den Zweien vier Brötchen mit gegeben. Nur den Kaffee muss Toni kochen. Zum Glück hat er sich eine gute Italienische Kaffeemaschine zugelegt. Eine Filtermaschine. Die stellt er vor dem Waschen ein und danach ist er mit Toni zusammen, fertig. Monika liegt noch etwas träumend im Bett. Der Kaffeegeruch treibt sie in die Duschecke. Monika duscht. Die gleiche Prozedur wie am Abend.

„Du willst wohl, dass wir zu spät kommen?“, fragt Toni.

„Die paar Sekunden fallen doch nicht auf.“

„Ich bin doch nicht Al Bundy.“

„Gestern Abend warst du es.“

Wie scheint, ist Monika etwas zu kurz gekommen. Sie protestiert hörbar. Toni bleibt nichts Anderes übrig als nach zugeben. Das Frühstück scheint sich zu ziehen.

Monika geht noch einmal duschen. Toni nicht. Er wäscht sich.

„Du Ferkel!“

„Eine Katzenwäsche muss reichen. So ist immer ein Teil von dir, bei mir.“

Das hört Monika zu gern.

Die Zwei gehen los. An der Seilbahn stehen schon ein paar Wanderer.

Zuerst möchten sie ins Hotel Pradwurst fahren. Das Team Sattel ist dort. Es gibt ein paar Fragen dort. Der Trainer und der Manager waren bei der ersten Kontrolle nicht im Haus.

Kaum sind die angekommen, sehen sie vor dem Hotel einen roten Ferrari stehen. Sie fragen an der Rezeption, wer das ist. Der Besitzer steht selbst am Empfang. Er stellt sich mit Carlo vor. Die Zwei hören einen leichten Akzent. Carlo sagt, er ruft den Manager.

„Der Manager ist hier. Der Ferrari ist seiner.“

„Was managt der bei dem Auto?“

„Ihm gehört noch ein Autohaus für diese Art Luxusautos“, antwortet Andrea, die gerade dazu kommt. Andrea stellt sich als Chefin vor. Sie klingt einheimisch.

Fortsetzung Steinschlag im Suldnertal


Mit den Fahrern der Mannschaften kommen die Zwei zwar in Kontakt. Die verweigern aber jede Aussage.

„Wer nicht will, der hat schon“, sagt Toni zu Monika.

Einer der Trainer will Etwas sagen, wird aber vom Team Manager zurück gepfiffen.

Toni sagt zu Moni,

„Hier müssen wir unsere Carabinieri einschreiten lassen.“

Gesagt – Getan. Toni ruft gleich den Mariciallo Carlo an.

„Mariciallo, ihr müsst morgen hier einmarschieren.“

„Das besprechen wir heute Abend auf dem Ascheberg.“

„Du hast wohl schon Alles vorbereitet?“

„Bis heute Abend.“

Toni kann jetzt nur noch spekulieren. Er schätzt, der Einsatz findet in seiner Abwesenheit statt. Die Zwei sind jetzt fertig hier. Monika möchte noch einmal bei Luise und Reinhold vorbei schauen. Die Zwei verabschieden sich von Julia. Julia richtet schöne Grüße an Luise aus.

Bei Luise treffen sie bereits die Eltern von Marco P. Die restlichen Familienangehörigen kommen noch. Toni sagt den Eltern, sie sollten sich morgen bei Marco im Bozner Büro einfinden. Marco wird sie sicher abholen lassen. Die Eltern hören das mit Wohlwollen und bedanken sich herzlich bei Toni. Toni bemerkt keine Tränen. Auch die Trauer hält sich in Grenzen. Entweder sind die Eltern sehr gefasst oder sie haben damit gerechnet. Wahrscheinlich haben in der Familie schon entsprechende Gespräche statt gefunden. Toni will jetzt nicht spekulieren. Die Anhaltspunkte sind noch zu schwach.

„Morgen gehen wir ins Hotel Pradwurst. Dort ist das Team Sattel. Mal sehen, was die uns so berichten können.“

Monika findet das gut. Dann wäre ihre Befragungsrunde schon mal komplett für heute. Die Zwei fahren jetzt auf den Aschbach. Die Kollegen warten dort schon. Das Motorrad lassen sie Unten stehen. Sie fahren mit der Seilbahn nach Oben. Marco hat die Seilbahn bestellt und bezahlt. Für die Nacht hat er ein Taxi bestellt. Richard‘ s Shuttle aus Rabland holt sie Oben ab.

Kaum sind sie da, werden sie mit Musik empfangen. Marco hat tatsächlich einen Teil der Algunder Musikkapelle hier her eingeladen. Zünftiger geht es schon gar nicht mehr.

Marco Namensvetter und Vorgesetzter, der Brigadegeneral, ist zugegen. Er freut sich über die Ankunft der letzten geladenen Gäste. Toni ist nicht mehr überrascht. Der Brigadegeneral nimmt die symbolische Beförderung seines Namensvetters vor. Für die Gäste. Marco wurde schon auf der Kommandantur befördert. Es gibt Spanferkel. Nicht nur eins. Zwei. Toni tropft der Zahn.

Marco ist etwas aufgeregt. Er steht in seiner neuen Uniform vor Toni und Monika. Seine Brust scheint zu schwellen. Immerhin ist das eine der schönsten Uniformen Europas.

Im Laufe des Abends erwähnt Marco gegenüber Toni, die Prader Kollegen sind gerade im Hotel Suldenklotz.

„Wir werden morgen einige Ergebnisse hören.“

Toni ist hoch zufrieden. Das ist wahrscheinlich die einzige Methode, dort Antworten zu bekommen. Toni schätzt, die Kollegen werden einige Sachen mitnehmen, um die Teammanager zu zwingen, ins Bozner Büro zu kommen. Deren Aussagen sind dann Protokolle. Wenn zufällig ein paar Spritzen oder medizinische Gerätschaften gefunden werden, wird es schon reichlich Protest hageln. Dagegen sind nur die Carabinieri gefeit. Toni und Monika waren das Angebot, die Ermittlung recht friedlich zu führen. Offensichtlich wollen die Mannschaften eine anständige, kostenlose Werbung in den Medien. Toni würde sich nicht wundern, wenn alle Fahrer und Teammitglieder in leuchtenden Trikots mit reichlich Plakaten und Fahnen zu sehen sind. Natürlich müssen dann auch die Produkte der Partner gut präsentiert werden.

Fortsetzung Steinschlag im Suldnertal


Vorerst haben Toni und Monika mehr erfahren, als sie vermuten konnten. Trotzdem sind beide im Suldenklotz angemeldet. Dort treffen sie die Teams Kette und Griff. Das wird ein Stück Heidenarbeit. Zwei Teams mit etwa zehn Fahrern pro Mannschaft. Marco hat keine zusätzlichen Kräfte abgestellt. Es gibt keine zusätzlichen Kräfte. Toni dachte, vielleicht kann uns die Carabinieri Mannschaft aus Prad etwas helfen. Er telefoniert mit dem Maresciallo – Carlo. Kaum ist Carlo am Telefon, erfährt Toni, Marco, sein Chef, ist befördert worden. Er ist jetzt Maggiore. Toni dreht fast durch als er das hört.

„Der hat uns nicht gesagt, dass er befördert wurde.“

„Wer?“, fragt Moni.

„Marco!“

Er wird Marco nur noch mit Maggiore anreden. Das wird ihn etwas ärgern. Etwas Rache muss sein. Vielleicht wollte er auch die Feier etwas verschieben wegen dem Fall.

Gerade in dem Augenblick ruft Marco an.

„Ich habe heute Abend auf dem Aschbach ein Abendessen für uns Alle bestellt. Wir treffen uns dann unten an der Seilbahn.“

Die Zwei kommen gerade im Suldenklotz an. Sie werden von einem Familienmitglied begrüßt. Julia, die Chefin. Monika kennt Julia noch aus der Fachschule. Sie sind gute Freundinnen. Toni hofft auf ein leichtes Spiel bei den Ermittlungen. Bei der Hilfe. Er rollt mit den Augen. Julia ist eine schöne Frau. Monika lächelt verschmitzt über Tonis Blick.

Auf die Frage, wo denn die Radmannschaften seien, antwortet Julia ohne nachzudenken. Die sind in der Garage. Alle. Der Suldenklotz hat eine Riesengarage. Die ist in den Berg gearbeitet. Im Winter nutzt der Suldner Straßendienst bei Bedarf diese Garage mit.

Beim Betreten der Garage, die sogar ziemlich warm wirkt, treffen unsere zwei Detektive die Fahrer samt Techniker der zwei Mannschaften. Die Fahrer sitzen auf ihren Rädern, die in Ständer gehangen sind. Sie fahren sich warm oder trainieren ab. Eigentlich müssten sie schon fertig sein mit ihrer Giro. Die Techniker, nicht wenige, hantieren an den Rädern, während die Jungs treten. Sie scheinen an den Einstellungen zu arbeiten, die für jeden Fahrer, extra, eingerichtet werden müssen. Die Fahrer hören nicht auf mit Strampeln, als die Zwei herein kommen. Sie werden von zwei Trainern angesprochen. Zum Glück reden die Zwei Deutsch. Italienisch wäre auch gegangen. Bei den anderen Sprachen sähe es schon etwas komplizierter aus.

Monika kann etwas Englisch; Toni etwas Französisch. Für Befragungen wären die spärlichen Kenntnisse aber ungeeignet.

„Haben sie etwas vom Tod Marco‘s gehört?“

„Marco war bei uns einmal Teammitglied. Ein hervorragender Bergfahrer.“

Der zweite Trainer, der vom Team – Griff, kannte Marco nur von seinem Auftreten bei Wettkämpfen her. Trainiert hat er mit ihm noch nie.

„Wie sieht das mit den Fahrern aus?“

„Einzelne ältere Fahrer, kennen Marco noch. Die jungen-, nicht.“

„Ah; die sind erst neu als Profi dabei.“

„Ja. Die haben als Amateure angefangen und haben dann gewechselt.“

„Was verdient so ein Fahrer?“

„Das ist unterschiedlich. Ohne Titel wird er etwa so viel verdienen wie ein Schlosser der Industrie.“

„Also, ist er damit ein normaler Arbeiter.“

„So in etwa.“

„Verstehen die Fahrer alle Deutsch? Kann ich sie etwas fragen?“

„Zwei ältere Fahrer verstehen Deutsch. Der größte Teil kann etwas Englisch.“

„Wie verständigen sie sich mit den Fahrern?“

„Wir haben Dolmetscher für die wichtigen Fahrer. Oft übernimmt das auch deren Manager.“

„Sind deren Manager vielleicht zugegen?“

„Aber sicher. Dort steht Perone.“

Monika wartet nicht lange. Sie geht gleich zu Perone. Er ist Spanier, glaubt sie. Etwas Italienisch wird der schon verstehen. Kaum ist sie bei ihm, stellt sich heraus, er ist Kolumbianer. Er versteht Moinika sehr gut. Perone spricht auch Deutsch. Monika ist überrascht davon. Perone spürt das und fängt gleich an zu flirten.

„Sie sind eine schöne Frau. Wollen sie nicht in meinem Team arbeiten?“

„Sie suchen wohl einen Koch?“

„Unser Catering könnte schon eine Verstärkung gebrauchen.“

„Was bieten sie mir denn als Gehalt?“

Monika geht wirklich jedes Mal bis an die Grenze. Toni staunt immer wieder, mit welchen Methoden, Monika ihre Gesprächspartner aushört. Monika setzt wirklich auch ihr Aussehen und ihre weibliche Figur ein. Offensichtlich trifft sie mit ihrer Südtiroler Figur genau den Geschmack des Kolumbianers. Der rollt sichtbar mit den Augen.

„Das kommt etwas darauf an, was du kannst.“

Perone sagt das in einem Ton, der sehr viel vermuten lässt.

‚Der balzt‘, denkt sich Toni.

„Was wäre denn das Mindestgehalt?“, schiebt Monika nach.

„Naja. Als Managerin des Caterings, würden sie bei mir sicher achtzig Tausend im Jahr bekommen. Spesen extra.“

Monika überlegt.

‚Das ist ja drei Mal mehr als ich jetzt verdiene. Und dann noch die hübschen, sportlichen Jungs… .‘

Fortsetzung Steinschlag im Suldnertal


Frederico hat Marco nur beim Training geholfen. Sozusagen, als Schrittmacher. Keiner kannte Marco so gut wie er. Genau aus dem Grund, wollen Toni und Monika, Frederico so genau kennen lernen und mit ihm sprechen. Frederico reist nicht ab. Er möchte die Klärung des Falles miterleben. Das hat er versprochen. Toni geht es auch um die fachlichen Ratschläge. Bei dem Gespräch um Doping erfährt Toni viel Neues. Jedes Team benutzt die Präperate seines Vertragspartners. Ist das einem gegnerischen Team nicht recht, wird einfach bei der Doping Kommission ein Protest eingelegt. Und das regelmäßig und oft. Bei zu vielen Protesten wird eben ein Hilfsmittel, das zweifelsfrei notwendig ist in diesem Sport, als verboten erklärt. Der Hersteller mit dem meisten Einfluss scheint zu gewinnen. Sportveranstaltungen sind eigentlich die Testläufe für neue Erfindungen. Ob das jetzt technische sind oder medizinische, ist egal. Bestimmte Substanzen, die nachweislich Schaden anrichten, sind verboten. Was ist dazu besser geeignet als ein Wettkampf unter Testpersonen? Profisportler sind die Testpersonen für normale Verbraucher.

Monika hat das in der Dimension nie betrachtet. Trotzdem ist Beiden als Motorradfahrer klar, Einer oder Mehrere müssen das testen, was sie als Motorrad kaufen.

Die Feindseeligkeiten unter den Fahrern werden oft über genau diese Produkte und deren Anwendung ausgetragen. Die Preisgelder sind einfach zu verlockend. Eigentlich ist das bei jedem Rennsport der Fall. Ob das jetzt Ski sind, Motorräder oder Autos. Den Rennfahrer interessiert dabei der jeweilige Titel. Herr Ammann bei den Skispringern, ist ein solcher Athlet, der stets Proteste auf sich zog wegen seiner Erfindungen.

Toni erfährt von Frederico und Colo, Informationen mit dem gleichen Hintergrund. Marco hatte neuartige Pedalen und Schuhe entwickelt und wollte die ausprobieren. Auch Motifikationen an der Gangschaltung hat Marco P entwickelt. Paolo ist sein Techniker. Der ist gerade angereist. Der kennt sich damit aus.

Toni sagt zu Colo, er soll mal bitte Paolo rufen.

Paolo kommt gerade in den Garten und nimmt bei Toni und den Anderen, Platz.

„Wir möchten gern etwas über die Entwicklungen von Marco erfahren.“

„Sehr Viel gibt es dazu nicht zu sagen. Wir sind gerade bei der Erprobung.“

„Sind das schon Patente oder noch nicht.“

„Eigentlich noch nicht. Sämtliche Entwicklungen von Marco sollten zuerst einmel getestet werden.“

„Hast du Marco bei der Entwicklung geholfen?“

„Nur bei der technischen Umsetzung. Von den Entwicklungen selbst, habe ich bis auf die Gangsschaltung, kaum Kenntnisse.“

„Wer hat Marco dann bei den Pedalen und Schuhen geholfen?“

„Die Pedalen hat Marco eine Werkstatt in seinem Wohnort gebaut. Die Schuhe hat Marco bei einem heimischen Schuhmacher anfertigen lassen.“

„Habt ihr Ersatz mit, wenn die Neuentwicklungen nicht funktionieren?“

„Ja, aber natürlich.“

Toni ruft Marco, seinen Kollegen an.

„Habt ihr das Fahrrad sicher gestellt?“

„Natürlich. Ist etwas damit?“

„Das ist nach Aussagen von seinem Techniker, ein Prototyp. Habt ihr auch noch die Anziehsachen von Marco?“

„Im Labor.“

„Da sind auch Prototypen dabei. Stellt das mal bitte sicher.“

„Wir wollten das nach der Untersuchung der Familie schicken. Das geht dann nicht mehr.“

„Ich muss Luise fragen, ob die Familie schon da ist.“

„Gut. Sag mir bitte Bescheid, wenn die kommen. Die Familie muss zu mir ins Büro kommen.“

Mittag im Kiosko

Fortsetzung Steinschlag im Suldnertal


Nach dem Gespräch mit Seppi, dem Ortspolizist, fahren sie Zwei weiter zu Luise. Vor dem Hotel arbeitet Reinhold, der Wirt. Toni ruft Guten Tag. Reinhold reagiert nicht.

„Reinhold hat immer in der Disco gearbeitet. Sein Gehör hat darunter gelitten“, sagt Monika zu Toni.

Luise bemerkt die Zwei und kommt sofort gelaufen. „Frederico ist schon wieder da. Er kann euch etwas sagen.“

Eigentlich hatte Toni auch vor, Frederico zu befragen.

Monika ist auch ganz gespannt. Frederico hört die Zwei kommen und geht sofort zu ihnen. Die Zwei kommen nicht schlecht ins Staunen, weil Frederico sie deutsch anspricht. Er kann zwar nicht viel Deutsch, aber genug für die höfliche und oberflächliche Unterhaltung.

„Ich wollte mit Ihnen mal sprechen“, sagt er zu Monika. Monika gefällt ihm wahrscheinlich etwas mehr als Toni. Sie findet Frederico auch schön und etwas anziehend. Toni bemerkt das Liebesgeplänkel und lacht.

Frederico erzählt von den gemeinsamen Touren und auch von den Gesprächen, die sie während der Touren so führen. Monika und Toni erfahren sehr viel über Blutdoping und Streitereien der Fahrer untereinander. Fast würden sich daraus bestimmte Motive ergeben. Zumindest Motive, dem Anderen, Schaden zufügen zu wollen. Keine körperlichen Schäden, sondern eher Schäden am Leumund. Die einzelnen Gegner sind demnach bemüht, den jeweils Anderen, gelegentlich und versteckt, auf diese Art zu schaden. Sabotagen an Rädern und wichtigen Zubehör gibt es auch. Das ist aber nicht die Aufgabe der Fahrer. Die würden das in den seltensten Fällen tun. Das ist die Aufgabe von bestochenen Technikern des Gegners. Gleiches gilt natürlich auch für Substanzen und Präparate, die dem Gegner untergeschoben werden sollen. Die Aufgabe übernehmen sowohl Journalisten, Gastronomen, Zimmermädchen als auch Kollegen des Fahrers. Und darüber haben sich Marco P. und Frederico auf ihren langen, einsamen Runden unterhalten. Marcos Personaltrainer Colo und seinem Freund Frederico ist das aufgefallen. Colo hat bisweilen Präparate, Getränke, Speisen und Substanzen untersuchen lassen. Angefangen bei Zahnpasta bis zu Wasser und Speisen. Darunter fällt auch Schokolade. Marco hat keine Sachen zu sich genommen, die nicht untersucht waren.

Der Hinweis zwingt Monika, sich zu setzen. Sie ist schockiert, wie weit solche Auseinandersetzungen gehen können. Daran hätten die zwei Ermittler nie gedacht oder wenn, nur ansatzweise. Auf die Frage, ob das Colo und Frederico auch bezeugen würden, haben Beide geantwortet. Erst dann, wenn sie nicht mehr in Abhängigkeiten arbeiten müssten. Selbst als Pensionisten wären sie dabei sehr vorsichtig.

Toni wird sofort klar, sie müssen die Beweise finden nach einem Tipp. Der Tipp ist jetzt ausgesprochen. Leider können sie dann keine Beziehung zu den eigentlichen Tätern herstellen. Sie stacheln sozusagen im Moos. Vielleicht gäbe es noch die Möglichkeit, mit Markern zu arbeiten. Bei der üblichen Dopingkontrolle, könnte man dann die Spuren der Marker finden. Damit wäre eine Überführung oder die Vorbereitung einer Überführung möglich. Colo gefällt der Gedanke. Frederico fährt nicht mehr bei Wettkämpfen. Er hat sich das abgewöhnt. Von den Verhältnissen zwischen Colo, Frederico und Marco P. wissen nur die Drei. Sonst Niemand.

Fortsetzung Steinschlag im Suldnertal


Die ersten Motive

Nach dem Mittag brechen die Zwei auf. Luise in Prad erwartet sie schon. Vielleicht bleiben Monika und Toni über Nacht. Das Zimmer steht bereit.

Die Fahrt vom Aschbach in die Töll ist heute etwas abenteurlich. In der Nacht hat es ziemlich streng geregnet. Am Morgen ist kaum noch etwas zu sehen am Himmel.

Frieda hat den Zweien, Kalbskrapfelen und Ultner Brot eingepackt. Toni schüttelt mit dem Kopf.

„Frieda hat tatsächliche Angst, wir würden unterwegs verhungern.“

„Ohne Speis und Trank im Gepäck, verlassen wir nie das Haus“, antwortet Monika.

Toni muss lachen. Eigentlich sollte er ihr Recht geben. Er verzichtet.

Zuerst fahren sie ins Hotel Suldenklotz in Prad. So viel sie erfahren haben, sind dort zwei Mannschaften. Team – Kette und Team – Griff. Das sind wahrscheinlich deutsche Firmen. Die Fahrer dürften gemischt sein wie bei den anderen Teams. Das spekulieren die Beiden. Marco war schon mal dort. Die Teams hat er dort aber nicht komplett angetroffen. Damit fehlen den Ermittlern ein paar Aussagen.

In Prad angekommen, bemerken die Zwei einen gewaltigen Trubel vor dem Hotel Mücke. Das macht sie neugierig. Vorm Hotel steht auch der Gemeindepolizist, Seppi. Bei dem halten die Zwei an und fragen, was da los ist.

„Das Team Schoko hat eine Pressekonferenz gegeben und hundert Kilo Schokolade verschenkt.“

„Wie scheint, ist das deren Gewohnheit.“

„Die machen das überall.“

„Verschenken die richtige Schokolade oder Pilotenschokolade?“

„Ich weiß nicht. Hier sind zwei solche Minitafeln für euch. Was ist Pilotenschokolade?“

Seppi hat auch zu gegriffen. Toni würde eine probieren und die andere ins Labor schicken. Heimlich. Es gibt keine Anzeige.

„Pilotenschokolade ist mit Koffein.“

„Hab ich nicht gewusst.“

„Es gibt auch Schokolade mit Abfürmitteln.“

„Die ist aber sicher nicht für Piloten“, antwortet Seppi lachend.

„Gab es Medienanfragen wegen dem Tod von Marco?“

„Unser Südtiroler Regionalfernsehen hat das aufgezeichnet.“

„Wir werden dort mal eine Kopie anfordern. Mich interessiert die Reaktion des Teams.“

„Viel Glück bei der Klärung des Falles. Wir können das nicht gebrauchen hier in Prad. Obwohl das zu mehr Popularität bei getragen hat.“

„Die Hoteliers wird es feuen.“

„Die sind so und so belegt mit den Radfahrern und Fans.“

‚Deswegen sind hier so viele Caravan – Fahrzeuge‘, denkt sich Toni. Er fragt sich langsam, woher das die Leute gewusst haben. Wie scheint, haben ausländische und Italienische Nachrichtenagenturen fleißig Meldungen verkauft. Komisch. Ein Toter bringt diesen Leuten auch noch Gewinn. Dabei scheint es Unterschiede zu geben. Ein toter Afghane oder Libyer bringt offensichtlich, weniger.

Fortsetzung Steinschlag im Suldnertal


Mit dem Quad fahren die Zwei in Monis Hütte. Papa Lukas ist noch da. Er richtet den Zweien die Kalbspflanzerln. Toni möchte drei. Monika auch. Lukas lauscht den Zweien. Langsam zieht es ihm die Augen zu, trotzdem das, was die Zwei erzählen, spannend ist. Er kann das einfach nicht fassen. Er bewunderte Marco P. ganz besonders.

Monika geht zuerst aufs Zimmer. Sie steht unter der Dusche als Toni ihr folgt. Drei aufreizende Gesten von ihr und Tonis Müdigkeit scheint überwunden. Toni schüttelt mit dem Kopf bei dem Anblick. Ein Engel steht unter der Dusche. Allein. Nichts hält ihn.

Lukas weckt die Zwei am späten Morgen. Er hält das Telefon in der Hand. Marco ist dran.

„Nach unseren Erkenntnissen waren es ein oder mehrere Fahrer aus einem gegnerischen Team.“

„Wie? Was?“

Toni ist noch nicht bei der Sache.

„Wir haben an den Steinproben, Spuren von Radfahrerhandschuhen gefunden.“

„Die Handschuhe benutzt doch jeder Amateur heutzutage.“

„Aber nicht die. Eigentlich waren die Handschuhe nur die Überträger.“

„Ich kann deiner Spur nicht folgen.“

„Wir haben Spuren von einer Sitzcreme gefunden, die noch nicht auf dem Markt ist und von Profis als Test benutzt wird.“

„Da muss erst Mal Einer drauf kommen.“

„Für uns war das auch neu. Ein italienischer Kollege, Radfahrer, hat uns drauf gebracht.“

„Jetzt müssen wir nur das Team finden, das die Creme benutzt.“

„So einfach ist das nicht. Der Hersteller hat mehrere Teams beliefert.“

„Wir fangen also wieder von Vorne an?“

„So auch nicht. Jetzt geht es darum, heraus zu bekommen, wer an diesem Tag oder zuvor, in dieser Gegend gefahren ist.“

„Naja. Das ist wenigstens auch genug Arbeit.“

„Wir sehen uns frühenstens heute Abend. Ich warte immer noch auf Proben und Laborergebnisse.“

Monika hat Alles mit gehört.

„Wir können noch Mal.“

„Unersättlich das Weib.“

Toni fügt sich in Erwartung eines richtigen Wiener Schnitzels.

‚Etwas Lohn muss sein‘, denkt er sich.

Papa Lukas hat schon Kaffee und Kuchen mit gebracht.

„Den hat Frieda gebacken.“

„Der schmeckt nach Frieda“, sagt Monika.

Lukas schaut Monika in die Augen und verschwindet ohne ein Wort zu sagen.

‚Was hat sie ihm für ein Zeichen gegeben?‘, fragt sich Toni.

Gegen Mittag wecken Beide auf. Sie gehen nach Unten in die Küche. In der Küche steht, wie in vielen Südtiroler Küchen, der Personaltisch. Alle sitzen beisammen und essen Krapfelen vom Kalb. Luici der Koch, hat eine Zwiebelsauce und Stampfkartoffeln dazu gekocht. Es riecht köstlich. Als sie Toni und Monika bemerken, kichern sie etwas.

„Geht es dir gut, Toni?“, fragt Lukas. Alle kichern noch einmal. Monika wird etwas rot.

„Ich hab Hunger“, antwortet Toni. Jetzt lacht Monika.

„Ich auch.“

„Und du, Luici? Hast du auch Hunger?“

Jetzt wird Magdalena, die Tutto fare, rot.

‚Volltreffer‘, denkt sich Toni. Monika lacht etwas lauter. Sie kennt Luici schon lange und weiß von dem Verhältnis. Luici ist verheiratet. In Mailand.

Die Hüttenwirte erwarten heute einen großen Ansturm. Vor der Hütte sind schon sehr viele Wanderer mit Kindern. Sie reiten gerade auf dem Hausesel. Dem Esel scheint das zu gefallen. Toni hört ihn in der Küche. Die Grauen sind etwas weiter Unten auf der Weide. Kommende Woche will sie Lukas umsetzen. Toni soll ihm dabei helfen. Monika auch.

Die Zwei sind dankbar, bei all dem Schlechten, auch Gutes erleben zu dürfen. Ein schöner Zeitvertreib.

Die ersten Kräuter zeigen sich schon. Auch der Bärlauch im Familienversteck.

Auf dem Zimmer besprechen die Zwei das weitere Vorgehen. Monika will mitfahren und helfen. Toni sagt nicht Nein. Zuerst wollen sie zu Luise nach Prad fahren. Es geht immer noch um die Mannschaften, Zeugenaussagen, andere Hotels und um Spuren. Monika traut den Ermittlungen – so, nicht.

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