Fortsetzung Die Motive


„Über unsere Pilze sind die Trottel auch gefahren“, jammert Marco. Er hält einen schönen Steinpilz in der Hand, den die Radfahrer teilweise zermatscht haben.

Vor der Hütte Monikas sehen sie von Weitem, hunderte Fahrräder.

„Naturschutz pur“, lästert Marco. Toni sieht einen Riesensteinpilz und läuft hastig hin.

„Du stehst in einem Scheißhaufen, Toni“, ruft Marco.

Toni schaut auf seinen Schuh.

„Das hätte ich eigentlich sehen müssen. Hier liegt eine ganze Papierfabrik.“

„Es fehlt nur Butterbrotpapier“, scherzt Marco.

„Jetzt weißt du wenigstens, was unsere Kühe und Schafe krank macht.“

„Nicht nur die!“, antwortet Marco aufgeregt. „Da kannst du auch blind werden bei am Anblick von so einem fetten, rosa Hintern.“

„Das Schnitzel hast du dann umsonst gegessen.“

Die Unterhaltung lässt die Zwei den Weg vergessen. Schon stehen sie vor der Hütte in einem Meer aus herum liegenden Fahrrädern.

„Wenn wir hier ohne Beinbruch durchkommen, dürfen wir unserem lieben Herrgott danken.“

Auf dem etwas entfernten Hubschrauber Landeplatz, steht ein Hubschrauber der Bergrettung. Sie verfrachten gerade ein Unfallopfer.

„Die zählt Keiner bei uns“, lacht Toni. „In den Nachrichten kommen fast nur Motorradopfer vor.“

„Ist ja logisch. Die sind auch bedeutend mehr als Autofahrer.“

Monika bedient gerade Gäste am Buffet. Ihr Papa löst sie ab als er Toni sieht. Alle setzen sich ins Stübchen. Hier herrscht eine herrliche Ruhe. Gegen die Lautstärke vor dem Haus, ist das eine wirkliche Erholung. Monikas Papa kommt mit Kaffee und Strudel in der Hand. Die Mama bringt aus der Küche einen Extrakuchen.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Motive


Mit der Technik wird es zwar leichter, einen Täter zu finden. Aber nur, wenn die Fahnder an die Speicher heran kommen. Die Speicher sollten vielleicht an Stellen verbaut werden, an die nur Profis in einer Werkstatt heran kommen. Die Freiheit des Rasens wird zwar etwas eingeschränkt, dafür erhöht sich aber die Sicherheit. Für Radfahrer ist das fast schon unmöglich, das Speichermedium zu verstecken.

Im Falle der Testfahrer benötigen die Zwei dringend wieder die deutschen Kollegen. Die müssen heraus bekommen, welche Routen die Testfahrer zurück gelegt haben. Eigentlich benötigen sie das nur für den Abgleich der Spuren.

Trotzdem rücken wegen der Spuren, die Radfahrer in den dringenden Tatverdacht.

Den Radfahrern hat Marco den Spurenbefund mitgeteilt.

Deren Raum für Ausreden, wird kleiner. Marco plant wieder eine Einzelbefragung.

Die zwei Kommissare besprechen einen Schlachtplan. Die Auswertung der vorhandenen Spuren zeigen schon konkrete Verdächtige im Fall Alfred. Bei den Radfahrern sind sie fast am Ziel. Das ergibt sich bei der kommenden Befragung und dem Abgleich der Spuren mit den Aussagen. Wenn jetzt keine neuen Spuren und Motive hinzu kommen, können sie den Fall fast als geklärt ansehen.

„Wie wäre es mit einer kleinen Wanderung zur Boxerhütte“, fragt Toni seinen Kollegen.

„Die frische Luft wird uns gut tun. Danach verhören wir die Deutschen.“

„Willst Du das wirklich noch heute tun oder bis morgen warten?“

„Naja. Es sind noch ein paar Beweise unterwegs.“

An ihnen fährt gerade eine Gruppe Mountainbiker vorbei. Die sprechen auch Deutsch. Keiner fährt auf dem Weg. Alle reißen fleißig die Grasnarbe auf. Dabei geben sie Laute ab, wie „Jeeh!“ und „Geil!“ Toni zweifelt schon langsam an deren Zurechnungsfähigkeit.

„Sind die frisch entlassen worden?“

„Klingt so.“

Die Zwei lachen laut.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Motive


„Willst du Hüttenwirt werden?“

„So nebenbei, kann das nicht schaden, denke ich.“

„Kochen kannst du ja. Auch noch gut. Streite dich ja nicht mit den anderen Köchen herum.“

„Dafür bin ich einfach zu selten da.“

„Damit hast du Recht.“

„Die Genproben der Radfahrer sind identisch. Die Jungs waren auch im Pustertal.“

„Ich glaub es kaum.“

„Die trainierten für einen Alpencup, der bis zum Garda geht.“

„Haben die gedacht, wir finden deren Motive und Spuren nicht?“

„Nein. Das müssen wir erst noch erkunden. Ich denke, die sehen die Opfer nur eher als die Anderen. Die sind mit dem Rad unterwegs und sehen Alles genauer.“

„Könnte sein. Welche Spuren sind denn am Motorrad der Opfers?“

„Es sind wieder Lackspuren. Der ähnliche Lack, wie wir ihn auch bei Alfred gefunden haben. Es ist nicht der gleiche. Aber, ein moderner Lack, der bis jetzt noch nicht mit Fahrzeugen verkauft wurde.“

„Also, sind wir wieder bei den Testfahrern?“

„Sieht fast so aus.“

„Was ist, wenn ein Fahrer seinen Wagen mit diesem neuen Lack versehen hat?“

„Deine Frage ist gut, Toni. Wir müssen sehen, welche Lacke bisher verkauft wurden.“

„Die Lacke werden ja auch speziell angefertigt.“

„Oje. Ich glaube, mit dem Lack finden wir keine belastbaren Beweise. Es sei denn, wir haben den Fahrer.“

Langsam wird es komplizierter für die Zwei. Es könnte fast der Eindruck entstehen, Fahrerflucht lohnt sich. Ein grausiger Zustand. Für Zweiradfahrer wird es wahrscheinlich immer wichtiger, unbemerkt von anderen, Videomitschnitte vom Verkehr zu machen. Nach einem Unfall werden die Verursacher beim Opfer immer ein Speichermedium suchen.

„Deswegen sind wahrscheinlich auch die Taschen unserer Opfer so gründlich durchsucht worden“, bemerkt Marco.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Motive


„Du hast Alles, was mir fehlt. Du bist sauber, klug, fleißig und sehr schön. Was ist mit deinem Freund?“

„Der ist eh nie da, wenn ich ihn brauche. Ich rede mit Vater und Mutter darüber. Wir passen sehr gut zusammen. Soll ich heute bleiben?“

„Ich muss aber noch etwas arbeiten. Deine Gegenwart gibt mir neue Impulse.“

„Ich koche dir noch einen Kaffee.“

„Danke, meine Liebe.“

Marco hat geschrieben, bei dem tödlichen Unfall im Pustertal, wurden dem Opfer auch die Taschen ausgeräumt. Man hat Genproben. Es sind wieder Proben, die in Italien noch nicht erfasst wurden. Er schreibt, die Genproben gleicht er mit den Proben der inhaftierten Radfahrer ab. Morgen würden sie sich gegen Acht, bei ihm in der Hütte treffen. Toni ruft gleich an. Marco scheint neben dem Telefon zu schlafen. Das heißt, wenn er überhaupt schläft. Die Antwort klingt recht munter. Schon beim zweiten Klingelton ist Marco ran gegangen. Er sagt, er hat noch nicht geschlafen.

„Bring bitte gleich frische Brötchen mit“, beauftragt ihn Toni. Ein paar Minuten später ist Marco schon da.

„Bist du mit der Gondel gefahren?“

„Ja. Zurück nehmen wir dein Motorrad.“

Wenn Marco wüsste, wie der Weg beschaffen ist, würde er nicht damit spekulieren.

„Ich heirate!“, schreit Toni, Marco fast an.

„Wann?“

„Sofort, wenn es klappt.“

„Wen?“

„Monika.“

„Ah. Die Juniorchefin der Boxerhütte.“

Monikas Hütte wird im Volksmund so genannt. Ich glaube, das ist jetzt auch der offizielle Name.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Die Motive


„Habt ihr den Koch gewechselt?“

„Nein. Flavio hat die gekocht.“

„Der wird langsam immer besser.“

„Ohne ihn wäre es bedeutend schwerer. Der schmeißt das halbe Geschäft.“

„Willst du noch duschen?“

„Hältst du die Gießkanne?“

„Wenn du lieber Karl willst, bitte.“

Endlich kann Toni wieder mal lachen. Das hat gefehlt in den letzten Tagen. Toni hat sich über seine Dusche ein Becken eingebaut. Das Becken heizt er mit einem Tauchsieder. Das System ist ihm lieber als fertige Duschwannen. Die sind ihm innen eh viel zu glatt. Das mag er nicht. In seiner Dusche hat Toni Terrakotta Fließen verlegt. Er stellt sich gerade vor, er würde allein in der Duschwanne ausrutschen. Frühestens am kommenden Tag, käme eine Hilfe. Dann erginge es ihm wie Alfred.

Das Wasser ist jetzt warm. Nicht heiß. So mag es Monika. Toni hilft ihr beim Einseifen. Als er sie so einreibt, denkt er schon an eine Hochzeit mit ihr. Zuerst reibt er den Rücken ein. Monika dreht sich um und stöhnt. Toni sieht das schön blanke, volle Falzl.

„Wenn ich dich so streichle, denke ich schon darüber nach, dich zu heiraten. Du fehlst mir oft abends.“

„Soll ich bei dir einziehen?“

„Das bist du doch fast schon.“

„Ich meine, für immer.“

Fortsetzung folgt

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Fortsetzung Die Motive


Geschafft. An der Hütte hängt ein Beutel von Monika. Zwei Gläser Pilze sind darin. Monika ist nicht da. Das würde jetzt noch fehlen. Er schaut vorsichtig hinter seine Hütte. Dort steht seine Hollywoodschaukel neben einem Grill. Auf der Schaukel sitzt Monika.

„Ich habe heute frei.“

Sie schlägt die Beine übereinander. In der Hand hat sie eine Kaffeetasse. Was das heißt, wenn Monika die Beine übereinander schlägt, muss Toni nicht erraten. Monika hat eh sehr wenig an. ‚Und das jetzt‘, denkt Toni. ‚Naja. Den Lohn hat sie schon her gehängt.‘

„Hast Du viel zu tun?“

„Ich habe mehrere Verdächtige und auch mehrere Spuren.“

„Kann ich dir etwas Ordnung in die Suche bringen?“

„Kommt drauf an, wie lange du suchen möchtest.“

„Naja. Ich denke, das wird relativ schnell gehen bei dir.“

‚Wie Recht sie hat‘, denkt Toni.

Nach zwei Stunden will Monika noch etwas Essen kochen. Sie hat Hunger. Toni auch. Monika wirft den Grill an. In der Tasche hat sie zwei Riesensteaks. Schon fertig gewürzt. Was will Toni mehr? Toni hat in der Hütte zwei leere Blechdosen, die er als Topf benutzt. In eine der Dosen gibt er den Inhalt von einem Glas Pilze und stellt sie mit auf den Grill. „Natur pur“, stöhnt Monika. Monika macht einen recht zufriedenen Eindruck. Toni auch. Ihm kommt vor, als wäre der Kopfinhalt jetzt frisch sortiert.

Das Essen schmeckt prima. „Was glaubst du, wer es war?“

„Eigentlich rede ich nicht gern in diesem Stadium darüber. Es gibt mehrere Verdächtige.“

„Du traust mir nicht?“

„Schon. Aber, ehrlich gesagt, will ich vermeiden, über Unschuldige zu richten. Was ich dir sage, ist schnell im Volksmund.“

„Du hast Recht. Manchmal kommt schon diese oder jene Bemerkung unkontrolliert heraus. Du kennst ja die hellen Ohren unserer Gäste.“

„Habt ihr heute auf?“

„Wir haben immer auf. Das weißt du doch.“

„Hat die Mama heute Dienst.“

„Ja. Papa ist auf der Jagd.“

„Und wo ist dein Freund?“

„In Bulgarien oder in der Türkei.“

„Ist er schon lange weg?“

„Über einen Monat. Willst du etwas von ihm?“

„Nein. Nur von dir.“

„Du Scherzbold!“

Die Pilze zum Fleisch schmecken vorzüglich.

Fortsetzung folgt

Sieht aus wie die Brenta:

Fortsetzung Die Motive


„Wir können das nicht. Wir bekämen im ganzen Land nie wieder eine Arbeit. Das wissen wir von Kolleginnen.“

„Alles klar. Danke ihr Zwei.“

„Eine Frage habe ich noch. Was für ein Auto hat der Chef?“

„Er hat mehrere. Ein Dienstauto und ein Privatauto. Das Privatauto ist ein Sportwagen. Einige Kolleginnen sind schon mitgefahren in dem Wagen. Zum Essen und so.“

„Wo steht der Privatwagen?“

„Das wissen wir nicht.“

„Seid ihr schon mit gefahren?“

Die Zwei schauen sich untereinander an.

„Ja.“

Sie werden etwas rot dabei.

„Wann ihr mit gefahren seid, wollt ihr mir nicht sagen.“

„Das ist schon länger her.“

„Das waren also kleine Spritztouren.“

„Jaja. Sehr kleine Spritztouren.“

Die zwei Frauen lachen ziemlich laut. Wenn das Alois hören würde, wäre deren Arbeitsverhältnis beendet.

„Danke.“

Die Zwei gehen. Toni hat sehr viel heraus bekommen.

Er schaut den zwei Frauen hinter her. ‚Da könnte ich auch nicht widerstehen‘, denkt er sich. ‚Mit so einer Frau in meiner Hütte…würde mir sicher nicht kalt werden.‘

Der Fall bewegt Toni recht sehr. Auf dem Telefon sieht er, eine Nachricht von Marco ist da. Das ist die beste Gelegenheit, etwas Büroarbeit auf der Hütte nach zu holen.

Der Weg zur Hütte wird eine Geduldsprobe. In beide Richtungen steht der Verkehr. Mit einem Mofa wäre Toni schon zu Hause. Er versucht, ein paar Schleichwege durch die Apfelplantagen. Dort ist eigentlich jetzt auch Stau. Die Apfelernte läuft bereits. Er fährt in Naturns durch das Gewerbegebiet und die Straße hinten entlang durch die Apfelplantagen. Es ist weniger Stau als er vermutete. Im Gegenteil. Auf dem Sägeweg in Plaus gibt es etwas Verkehr. Das war es auch schon. Die Ried hinten durch nach Rabland, sind ein paar Traktoren zu sehen. Die stehen aber alle in der Plantage. Außer ein paar Einheimischen, trifft er niemand. Da in Richtung Töll auf der Hauptstraße dicke Luft herrscht, entschließt sich Toni kurzerhand, den Wanderweg in Richtung Bad Egart zu fahren. Das ist eigentlich ein Wanderweg. Aber, die jungen Leute des Ortes fahren den auch ziemlich oft mit ihren Geländemaschinen. Auf diesen Weg, muss Toni die Zunge ziemlich gerade in den Mund nehmen. Der ist stellenweise etwas nass und weich.

Fortsetzung folgt

Canazei

Fortsetzung Die Motive


„Hat Christine mit ihrem Krankenschein gearbeitet?“

„Christine war krank? Das ist mir neu.“

„Sie war also täglich hier im Betrieb?“

„Ja!“

„Auch beim Personalessen?“

„Immer. Wir essen auch mit, wenn wir krank sind.“

„Wo hat Christine gearbeitet?“

„In der Wäschekammer und in der Wäscherei. Wir machen das immer so. Vor allem, um Kontrollen aus dem Weg zu gehen.“

„Können sie das bezeugen?“

„Nein.“

„War Christine den ganzen Tag in der Wäscherei?“

„Das weiß ich nicht genau. Wir kommen erst gegen Zwölf dorthin.“

„Und von da an war Christine die ganze Zeit bei Euch?“

„Nein. Sie war nur zwei Stunden da. Sie hatte Kopfschmerzen.“

„Danke, Alena. Wir sind fertig für Heute.“

Toni lässt noch zehn Kolleginnen von Christine antreten. Bezeugen will das keine. Das wird schwer. Er muss einen Weg finden, die Tat direkt aufzuklären. Vielleicht mit einer List. Er telefoniert noch einmal mit Marco darüber. Marco ist enttäuscht von dem Ergebnis.

„Ich werde auch mal ein Verhör starten. Vielleicht gelingt es mir. Wir müssen den Druck erhöhen.“

„Was willst Du machen? Mit der Ausweisung drohen?“

„Das wäre schon mal eine effektive Lösung.“

„Ja schon. Aber ein paar Stichworte sind gefallen bei meinem Verhör.“

„Setze dort mal an. Ich komme morgen hinzu.“

Toni lässt noch einmal zwei Kolleginnen zusammen kommen. ‚Jetzt kann ich sie untereinander austricksen‘, denkt er sich.

Eine fragt er sofort, wann Christine immer frei nimmt.

„Christine geht immer halb Zwei.“

„Täglich?“

„Ja. Immer. Wir haben zu der Zeit viel Arbeit an der Bügelmaschine.“

„Ihr kommt also nicht weg vor Feierabend?“

„Höchstens zu einer Zigarette und zur Toilette.“

„Das Auto vom Chef ist zu der Zeit da oder nicht?“

„Normal steht es immer vor dem Eingang. Nachmittags steht es selten da.“

„Der Chef macht also eine Mittagspause.“

„Immer.“

„Christine geht auch zur Mittagspause?“

„Ja. Immer halb Zwei.“

Damit hat Toni die Bestätigung. Alois und Christine sind ab halb Zwei immer zusammen. Eine der zwei Zimmermädchen sagt, die Zwei würden immer zusammen weg fahren. Jetzt fragt Toni wieder, ob sie das bezeugen können.

Fortsetzung folgt

Limone

Fortsetzung Die Motive


Die Karte funktioniert endlich. Die Nervosität legt sich bei den Hausgästen. Toni kann endlich nach Alois und Christine fragen. Alois hört das und bittet Toni ins Büro.

Auf die Frage, wo er sich bei dem Arztbesuch Christines aufhielt, antwortet er locker. „Ich habe in der Bar einen Kaffee getrunken.“

Toni fragt sofort, ob es ein Kaffee mit Schuss war. Alois empfindet die Frage etwas beleidigend.

„Und wenn?“, antwortet er.

Toni weiß schon, warum er das fragt. Die Südtiroler verrechnen sich ziemlich oft bei der Größe des Schöppchens. Auch das Addieren des Konsums fällt ihnen ziemlich schwer. Null Komma Fünf Promille sind schnell erreicht.

Mit den Daten vom Arzt weiß Toni jetzt, wann die Zwei vermutlich zurück gefahren sind.

„Bist du gleich nach der Behandlung zurück gefahren mit Christine?“

„Ja. Ich habe sie nach Hause gebracht.“

Toni muss etwas überlegen. Wann war der Arztbesuch und wann der Unfall? Das passt nicht zusammen. Er muss Kleinbei geben.

„War Christine die folgenden Tage auf Arbeit?“

„Ich weiß nicht“, antwortet Alois.

Toni wird misstrauisch. ‚Alois weiß nicht, ob eines seiner Zimmermädchen, die werdende Mutter seines Kindes, gearbeitet hat.‘

„Wer ist die Gouvernante hier?“, fragt er Alois.

„Alena“, antwortet Alois.

„Die brauche ich jetzt für einige Fragen“, sagt Toni.

Alois lässt Alena von Karin ausrufen.

Es dauert nicht lange und eine sehr hübsche Frau kommt zur Rezeption. Alena. Karin ruft Toni zu Alena und stellt die Zwei untereinander vor. Toni rollt mit den Augen und bringt den Blick nicht weg von dem wunderschönen Weib. Alena bemerkt das und lächelt.

„Wie heißt Du?“

„Alena.“

„Woher kommst Du?“

„Aus Moldawien.“

„So weit? Gefällt es dir hier bei uns?“

„Nein. Ich bin wegen dem Geld da.“

Toni ist von der Ehrlichkeit und dem guten Deutsch etwas beeindruckt. So ein gutes Deutsch sprechen nicht mal seine Landsleute.

Fortsetzung folgt

Valparola

Fortsetzung Die Motive


Toni hat sich deswegen sterilisieren lassen. Mit reichlich Schadenfreude würde er auf eine angebliche Vaterschaft reagieren. Letztendlich könnte er sich extra für die Vaterschaft, die Fruchtbarkeit zurück geben lassen. Das ist zwar etwas teuer. Dafür ist es aber auch wirklich sein Wunschkind und kein Kuckucksei. Er weiß schon, dass die hiesigen Frauen gerne eine Mischung anstreben, um gewisse Erbkrankheiten zu vermeiden. Der persönliche Spaß kommt dabei sicher nicht zu kurz.

In einer Neidgesellschaft führt das bisweilen zu Reibereien. Und die landen eben bei ihm auf dem Schreibtisch. Toni sieht ein, er lebt davon. Traurig.

Auf der Rückfahrt steht er fast eine Stunde im Stau. Der Straßendienst ist bei der Arbeit. Der Herbstschnitt der Straßenränder ist fällig. Er fragt sich gerade, ob das Sondermüll ist oder dem Kompost zu gegeben wird.

Warum wird die Straße ausgerechnet immer im Werksverkehr gepflegt? Toni bekommt langsam etwas Wut. Die Reise in das fünfzehn Kilometer entfernte Naturns dauert weit über eine Stunde. Toni fragt sich, warum er nicht zu Fuß gegangen ist.

In der Gelben Schwalbe angekommen, trifft er wieder Mira. Mira hat gerade mit Gästen zu tun, die sich mit ihr um die Rechnung streiten. Der Inhalt der Hausbar ist denen zu teuer. Mira bemerkt Toni und empfiehlt den Gästen, sich direkt bei der Polizei zu beschweren. Sie zeigt dabei auf Toni. Toni wird etwas rot bei dem Hinweis. Sofort herrscht Ruhe bei den Gästen und sie wollen zahlen ohne zu murren. Ihre Karte wird von dem System nicht angenommen. Die Gäste, eine Familie mit Kindern und Großeltern, werden nervös. Sie schauen sich untereinander etwas zweifelnd an. Toni amüsiert sich innerlich. Der Familienvater zückt sein Portemonnaie. Nach dem Öffnen entfaltet sich eine Kartensammlung, die hier zu Lande vergeblich einen Vergleich sucht. Mira staunt bei dem Anblick. Der Vater zückt eine andere Karte: „Probier die mal“, sagt er zu Mira. Karin kichert etwas am Computer in Richtung Toni.

Karin sieht am Computer den Kontostand der Karte.

Fortsetzung folgt

Castel Belfort