Fischklöße


Fischklöße

Fischklöße sind ein kinderleichtes Gericht.

Fisch zusammen mit Wurzelgemüse, Ei, Salz, Pfeffer, vielleicht Dill oder andere Kräuter, etwas Reismehl/Dunst oder Semmelbrösel so lange kuttern, bis wir mit dem Löffel, Nocken abstechen können.

Einige kleine Tipps habe ich noch dazu.

Für Fisch gibt es das 3-S-System. Säubern, Salzen, Säuern.

Das ist natürlich hier anwendbar und auch zu empfehlen.

Zur geschmacklichen Gestaltung kann der Koch verschiedene Saucenkonzentrate, Gewürzkonzentrate, Essigkonzentrate usw. benutzen.

Zu finden ist das unter mise en place.

Soll der Knödel mit der Hand formbar werden, müssen wir so lange Semmelbrösel einkneten, bis sie formbar sind. Natürlich lässt sich das Semmelmehl auch mit anderen Füllstoffen ersetzen. Das muss der Koch geschmacklich berücksichtigen. Als Füllstoffe eignen sich sowohl gekochter Reis, gekochte Pasta als auch Kartoffelflocken. Bei der Verwendung dieser Füllstoffe ist dringend auf das Verhältnis zu achten. Zuviel davon, geht zu Lasten der Bindung.

Als Sauce empfehle ich eine alte Deutsche Sauce, die wir mal kurz als Senf-Weinsauce titulieren. Zu der schnellen Saucenherstellung kommen wir noch.

Fleischklöße


Fleischklöße

Fleischklöße kennen wir vorwiegend als Königsberger Klopse. Das sind zwar Fleischklöße, aber eine spezielle Form gemischt mit Fisch. Ich weiß, dass hunderte Abarten auch als Königsberger bezeichnet werden. Etwa wie das Wiener Schnitzel, das eigentlich aus Kalbfleisch besteht.

Bleiben wir also ganz fachlich und beschreiben die einfachste Herstellungsart des Fleischkloßes.

Generell ist Hackfleisch die beste Methode neben Wurst und Pastete, etwas festeres Fleisch genießbar zu machen. Der unbestreitbare Vorteil des Hackfleisches ist die Geschmacksannahme. Ich kann das Fleisch praktisch mit Allem erfolgreich würzen, das mir zur Verfügung steht. Bekannt dürfte vielleicht sein, dass ausgerechnet die ungenießbaren Bestandteile des Fleisches, die mineral- und vitaminreichsten sind. Nicht nur das. Diese Teile lassen sich im Haushalt auch am schwierigsten verarbeiten.

Zunächst befreien wir unser Fleischstücke von den Sehnen. Die Sehnen setzen wir zu einer Brühe an. Sehnen liefern einwandfreie Gelatine, die nicht vegetarisch ist. Der Witz ist eigentlich die weitere Verarbeitung des Sehne. Nach dem Kochen lasse ich die Sehnen abkühlen und gebe sie dann mit dem Fleisch in den Kutter zur Herstellung des Hackfleisches. Sehnen verlieren ihre bindenden Eigenschaften nicht durch das Kochen. Beachten Sie, Sehnen liefern Vitamine des D- und B-Komplexes. Wir reden also von unseren Knochen, Haut und Haaren, sprich, von der viel gelobten Schönheit. Ich weiß, dass man heute dafür eventuell Pillen frisst, zum Absaugen oder Operieren rennt. Das überlassen wir Jedem, wie er es mag. Ich persönlich habe lieber ein gut verarbeitetes Lebensmittel im Mund als das Skalpell eines sich Arzt nennenden Pfuschers.

Als Bindung für Fleischklöße wird generell Ei und Semmelmehl verwendet. Zur Abwechslung würde ich mal ein Reismehl oder einen Dunst probieren. Generell kann der Koch zum Lockern des Fleischkloßes auch gekochten Reis oder gekochte Pasta verwenden. Zur farblichen und geschmacklichen Gestaltung empfiehlt sich Wurzelgemüse, das man schlicht im Blender oder Mixvorsatz verflüssigen oder pürieren kann.

Wenn wir nur mit dem Kutter arbeiten, verwende ich das Fleisch im gefrorenen Zustand. Wir müssten sonst Eis dazu geben. Gefrorenes Fleisch können wir mit einer Brotaufschnittmaschine (gezahntes Messer) gut in dünne Scheiben schneiden. Am besten schneiden wir es wie oder nur etwas dicker als Carpaccio. Das Ganze würzen wir unserem Geschmack entsprechend. Bei Schweinefleisch würde ich eine Gyrosgewürzmischung oder Majoran, Kümmelöl, Knoblauchöl, Zwiebelöl, Salz, Pfeffer und eine kleinste Prise Zucker empfehlen. Rind oder Wild allein, ist wahrscheinlich etwas zu trocken beim Verzehr. Bei trockenem Fleisch muss der Koch mit etwas Saftigem dafür sorgen, dass es saftig bleibt. Das erfordert auch eine kleine Korrektur bei der Ei – Zugabe. Es braucht ein Ei mehr. Als Saftspender empfiehlt sich gekochter Reis, gekochte Pasta, gekochtes Gemüse oder feuchte Semmelbrösel. Das Alles zusammen, kuttern wir. Es entsteht eine ziemlich bündige Masse, die wir entweder in Nockenform abstechen, in Silikonformen drücken oder einfach mit feuchten Händen rollen können. Eigentlich entsteht dabei eine vorzügliche Brühe. Das Wasser darf nur sieden. Im Dämpfer fangen wir die Brühe ebenfalls auf. Und diese Brühe nehmen wir dann auch für unsere Sauce. Dafür brauchen wir eigentlich nur ein paar getrocknete Kartoffelflocken für Püree, die wir in diese Brühe einrühren.

Je nachdem, wie hoch Sie den Fleischanteil gestalten, benötigen Sie natürlich Beilagen oder nicht.

Eine Variante möchte ich trotzdem noch anführen und die funktioniert mit Knödelbrot. Kneten sie in die Fleischmasse einfach Knödelbrot ein, lassen sie das wie üblich, zwanzig bis dreißig Minuten ziehen und formen sie dann die Knödel. Dafür benötigen Sie sicher nur Sauce, die Sie beim Dämpfen locker dazu bekommen.

Fleischklöße schmecken besonders gut zu Kartoffelstampf mit reichlich Schnittlauch und Petersilie.

Sobald Sie gehobelten Hartkäse einkneten in den Teig, lässt sich das auch als gebackener Fleischkloß verzehren. Dazu würde ich eine Peperonata und Reis servieren.

Bisquitknödel/Knödelsouffle


Bisquitknödel/Knödelsouffle

Eine alte Regel für Bisquitteig ist, auf acht Eier werden zweihundert bis zweihunderfrünfzig Gramm Mehl verrührt. Das ist dann praktisch ein Eins zu Zwei – Teig.

Auf zehn Gramm Ei kommen zwanzig Gramm Mehl.

Von den acht Eiern würde ich mindestens vier trennen und das Eiweiß mit etwas Salz, steif schlagen. Die restlichen vier Eier und Eigelb kann man nach und nach zugeben. Das Ei darf nicht zusammen fallen. Ist das Ei jetzt steif genug, geben wir langsam, das Mehl zu. Dabei wird etwas sanfter gerührt.

Diese Masse füllen wir entweder in kleine Silikonformen oder in Tassen/Gläser und so weiter.

Die Gefäße mit dem Teig stellen wir in wenig kochendes Wasser oder in Dampf und lassen das um die zehn bis fünfzehn Minuten, zugedeckt, dämpfen.

Der Bisquitknödel ist fettarm und passt zu allen Saucengerichten.

Köche, die einen kleinen Umluft-Grillbackofen haben, können das auch in Nockenform auf dem Backblech kochen/backen. In das untere Fach gibt der Koch ein Blech mit Wasser und in das obere-, die Nockenknödel.

Einhundertzwanzig Grad würde ich dabei nicht überschreiten.

Nussknödel


Nussknödel

Dank moderner Technik, können wir heute Knödel konsumieren, an die wir vor ein paar Jahrzehnten nicht mal im Schlaf dachten.

Darunter zählen z.b. Nussknödel.

Mit Nüssen meine ich natürlich sämtliche Nüsse von Haselnüssen bis hin zu Kastanien.

Damit offenbart sich eine Geschmacksvielfalt, die bisher nie erreicht wurde und die trotzdem regional ist.

In einen Blender geben wir z.B. Kastanien, mixen die mit zwei bis vier Eiern, etwas Nelke, Salz, einer winzigen Spur Zimt, etwas Wasser, nicht zu wenig Butter oder Nussöl und einer Prise Zucker.

Die Mixture gießen wir auf unser Knödelbrot, rühren das um und lassen es, wie gewohnt, zwanzig bis dreißig Minuten ziehen.

In der Zeit setzen wir unseren Dämpfer an oder das Kochwasser mit Salz. Bekannt ist, dass ich Knödel am liebsten dämpfe. Die werden so am besten.

Dazu würde ich etwas mit Rotkohl essen und Rotkohl wiederum passt eben gut zu dunklem Fleisch. Entenbrust und Brathähnchen ist da inbegriffen.

Eine weitere Variante ist Haselnuss mit dunklem Knödelbrot. Sozusagen, ein Nougatknödel. Dazu würde ich Haselnuss, Eier, Wasser, Salz, etwas Pfeffer, eine Prise Zucker, gut Butter und, jetzt kommt’s, eine Prise Kakao mixen.

Das Schwarzbrot, Graubrot, Mischbrot oder wie sie alle heißen, schneiden wir in Würfel und gießen diese Mixture drüber. Das rühren wir um und lassen es ziehen.

Dieser Knödel schmeckt zu, jetzt raten wir mal etwas, Wild und Sauerbraten.

Übrigens: Knödelmassen, die noch etwas verfestigt werden sollen/müssen, werden mit Semmelbrösel oder gekuttertem Brot (Frischbrösel) verfestigt.

Tag 53


Tag 53

Ich freue mich direkt wieder, zusammen mit meiner Frau aufzuwachen. Eine Arbeitsstelle gibt mir scheinbar eine innere Bestätigung. Jetzt fehlt mir nur noch der Arbeitsvertrag.

Joana geht heute etwas später zur Arbeit. Das Foyer putzen heute ihre Kolleginnen. Ich erzähle Etwas von der Stelle. Joana sagt zu mir, ich ginge etwas zu euphorisch zu Werke. „Warte erst mal ab, was passiert!“

Eigentlich hat sie recht. Meine Begeisterung muss ich irgendwie zügeln. Die Begeisterung ist aber auch der Ursprung von meiner Erfindungskraft. Stumpfes Abarbeiten der anstehenden Aufgaben liegt mir nicht. Ich möchte immer Irgendetwas verbessern. Meine Nachfolger sollen spüren, hier war ein Fachmann am Werk.

Wir gehen gemeinsam zu Marlies und trinken Unten noch einen Kaffee. Dabei schwätzen wir etwas mit unseren Kollegen, die schon da sind. Neben der stumpfen Arbeit wirkt das fast schon die ein Restaurantbesuch. Wir erzählen uns etwas von zu Hause, von der Arbeit im Ausland, von der Familie und den Kindern. Mitunter bemerken wir etwas Sentimentalität. Dursun versteckt das hinter aufgesetztem Witz. Reka, unsere Rezeptionistin, wirkt eher etwas aufgezogen. Dursun schlägt mit dem linken Handteller auf die rechte, die er zu einem Becher geformt hat. Reka sieht das und lacht verschmitzt.

„Unserer Reka fehlt ein Mann“, sagt Dursun.

„Woher willst Du das wissen?“, fragt Reka zurück.

Wir müssen nicht lange rätseln, warum Dursun so spekuliert. Marlies gibt Dursun ein paar Augenzeichen. So in etwa, ‚Halt auf damit‘. Dursun ist ein schöner, fleißiger Mann und damit sehr begehrt bei den Damen. Seine handwerklichen Fähigkeiten machen ihn zu einem Star in Frauenkreisen. Selbst unsere weiblichen Stammgäste bestellen bei Reka sehr oft Dursun für gewisse Reparaturen. Mich würde nicht wundern, wenn dabei ganz neue Rassen entstehen. Ahu nimmt das jedenfalls bedeutend gelassener als man denken mag.

Marlies hat noch etwas Quarktorte vom hiesigen Bäcker. Der hat das als Zugabe mit geliefert. Gäste bekommen das nicht. Dursun sagt, in der Torte wären türkische Sultaninen. Er erzählt uns, wie die seine Landsleute herstellen. Die Hirten hätten davon die Hosentaschen voll. In der einen Hosentasche, Nüsse und in der anderen, Sultaninen. Er schwört auf die potenzsteigernde Wirkung und gibt die entsprechenden Zeichen von sich. Italiener äußern ähnliche Schwüre bei Parmesan, diversen Weinsorten und Meeresfrüchten. Trotzdem beklagen Italien und auch die Türkei, Bevölkerungsrückgänge. Es muss irgendwie stärkere Kräfte geben als diese Aphrodisiaka. Und die scheinen zeitweise zu gewinnen.

Ich fahre los. Eine Stunde Weg habe ich berechnet. Acht Uhr will ich da sein. Um diese Zeit muss ich mit einigem Verkehr rechnen. Bis Mals ist kaum Jemand zu treffen außer ein paar Kollegen. Die Malser, Burgeiser und Hotels am Reschensee sind gut besucht. Deren Parkplätze sind voll.

Dieses Mal fahre ich von Vezzan aus nach Latsch. Der andere Weg war mir wegen der Bahnüberquerung zu riskant. Die Zeit von einer Stunde ist fast aufgebraucht. Die meiste Zeit habe ich in Schlanders verloren.

Im Einkaufszentrum brennt schon Licht und ich bemerke ein reges Treiben in den Geschäftsräumen. Die Türen sind noch verschlossen. Ich klopfe an das Fenster. Eine Reinigungskraft zeigt auf eine Seite, wo sich wahrscheinlich der Personaleingang befindet. Ich hab den Eingang gefunden. Jetzt erst bemerke ich die Sanitäreinrichtungen und Garderoben. Das gibt es also doch für das Personal. Sogar zentral gelegen, für alle Angestellten.

Alle grüßen mich freundlich und fragen gleich, ob ich der neue Koch bin. Schon mit der zweiten Frage nach dem heutigen Menü, bekundet man ein gewisses Interesse. „Ich koche heute“:

Salatteller

Hirtenmaccheroni

Champignonschnitzel, Reis, Zucchini

Obstsalat

Jetzt wird auch die Ausgabe erheblich komplizierter. Zumal meine Essensteilnehmer nicht auf Einmal kommen.

Im Gang oben, ziehe ich mich wieder um. Rolfo ist noch nicht da.

Zuerst schicke ich in den Dämpfer, bei sechzig Grad, zehn Stück von den kleinen Fleischpäckchen. Ich muss feststellen, was das ist und ob es für Ragout geeignet ist. Die zwei Schweinsstränge lege ich auch gleich mit rein. So werden die Schnitzel zarter und nicht so trocken fasrig. Nach dem Abkühlen schneide ich die dann und grille sie auf einer Seite an. Das ist der Plan. Die Zucchini schneide ich fertig. Nicht in Scheiben, sondern in Stücke von längs geviertelten Zucchini. Das würze ich mit Salz, Pfeffer, Oregano, etwas Zucker und Knoblauchöl. Das Öl den Oregano hab ich von Rolfo gestohlen. In der Küche ist nichts Dergleichen. Pfeffer ist nur in weiß da. Fürchterlich. Muskat gibt es nur als Stückchen von Nüssen, die Keiner mehr reiben kann. Die Stücke mixe ich in Öl. In der Zwischenzeit schneide ich Salate. Vor allem, reichlich Krautsalat. Kümmel gibt es nur ganz. Den ganzen Kümmel mixe ich auch kurz mit Öl und lasse ihn absetzen. Den Pfeffer für das Kraut auch. Der Krautsalat wird braun von Kümmel und Pfeffer. Den Reis setze ich in einem Topf an. Der Chef hat Arbolio da. Der geht gut für Pilaw. Arbolio setze ich eins zu eineinhalb an. Parboiled Reis liegt nirgens. Gerade für das Geschäft, wäre das die bessere Wahl.

Zwischenzeitlich kommt Rolfo. Er grüßt überfreundlich aber nicht falsch. Wir reden bei einem Kaffee zusammen. Er sagt mir, „ich weiß nichts von einem Streit zwischen dem Chef und der Köchin und von einer Kündigung.“

Kurz darauf kommt der Chef. Ich sage ihm, was er alles benötigt für eine reibungslose Essensausgabe. Er nimmt sich einen Zettel und schreibt sich das auf.

Ich bestelle bei Ihm zwei mobile Bain Maries mit den entsprechenden Behältern drinnen. Gleichzeitig sage ich ihm, dass er diese Behälter doppelt benötigt. Außerdem braucht er einen Blender. Einen Kutter haben wir schon.

Dazu sage ich empfehle ich ihm ein oder zwei Iduktionsplatten. Wenn Arbeiter vor mir stehen und das Essen zufällig alle ist, muss ich schnell nacharbeiten können. Außerdem ist die Vorbereitungszeit sehr kurz.

„Die ganzen unbeschrifteten Reste müssen eigentlich weggeworfen werden.“

„Wir werfen Nichts weg. Verarbeite das bitte. Das sind Lebensmittel.“

Wo er Recht hat, hat er schon Recht. Nur, das hätte er der einheimischen Kollegin erzählen müssen.

„Ich tu, was ich kann.“

Rolfo schüttelt mit dem Kopf. Er versteht das nicht.

Ich koche inzwischen, etwas nebenbei zum Gespräch, die Champignonsauce. Das Fleischsortiment für das Ragout ist jetzt aufgetaut. Ich zeige es ihm. Zwei Stücke sind Lamm. Für das Ragout ist das ungeeignet. Es ist auch Gefrierbrand zu sehen.

„Was machst Du damit?“

„Ich gebe das weg. Das ist Müll.“

Sein Gesicht zeigt die Enttäuschung.

„Ist mein Arbeitsvertrag schon fertig? Wird es eine Vollbeschäftigung?

Laut Tarif ist eine Vollbeschäftigung in Sechs-Tage-Woche mit sechs dreiviertel Stunden erreicht. Ich müsste sozusagen, von acht bis fünfzehn Uhr arbeiten.

Eine Pause ist da nicht möglich bei dem Geschäft. Allein schon gar nicht. Das schlage ich ihm vor und er ist einverstanden. Nur die Probezeit scheint mir etwas lang. Er verlangt einen Monat. Bei so einer Probezeit werden ich in Südtirol stutzig. Meist wird so die Urlaubszeit von Kollegen überbrückt. Ich bin damit eine Ersatzkraft. Keiner sagt das so. Das ist eine Form der Täuschung. Einheimische merken das meist, weil sie die entsprechenden Verbindungen im Volksmund haben.

Rolfo fragt mich, ob mir die Pizza geschmeckt hat. Außerdem zeigt er ziemliches Interesse an meiner Art der Kocherei. Nebenbei sagt er mir, er sei auch Koch.

Seine Frau ist eine Holländerin, die sich in Südtirol in ihn verliebt hat. Bei Gelegenheit will er sie mir mal vorstellen. Ich frage Rolfo, ob er abends extra noch Irgendwo dient. „Nur zur Aushilfe. Nix Festes.“

Als Suppe setze ich heute zusätzlich zu meinem Plan, zur Probe, eine Ochsenschwanzsuppe an. Die Fleischreste nebst dem Gemüsevorrat, geben mir dafür genug Material. Zusätzlich zum Ragout.

Der Witz ist eigentlich, dass ich in meinem Menü einen Doppler drin habe. Champignon in der Vorspeise und im Hautgericht. Es wird sich Niemand dran stoßen, ist meine Spekulation.

Das Mittag geht los. Die Zucchini koche ich a la minute, wie die Schnitzel. Die habe ich extra dünn geschnitten und sie gehen sehr schnell, weil ich sie pochiert habe. Die ersten Gäste sind sehr zufrieden. Es schmeckt. Leider können wir Köche diesen Aussagen nicht trauen. In der Beziehung wird sehr viel gelogen und geheuchelt.

Mitunter ist auch die unterschiedliche Geschmacksgebung, Ursache für Lob oder Tadel. Ein Koch muss unbedingt das Geschmacksbild der Region berücksichtigen, in der er gerade dient. Da gibt es erhebliche Unterschiede.

Das Mittag geht recht zügig von statten. Es gibt zwei, drei kleine Wartepausen. Ich hatte knapp vierzig Gäste. Das sind immerhin die doppelt mehr als am Tag vorher.

Beachtlich.

Wir gehen jetzt schnell putzen und Rolfo hilft mir etwas. Der Chef ist mit dem Vertrag immer noch nicht da. Rolfo packt mir wieder eine Piazza ein: „Dein Personalessen“, sagt er ganz großzügig.

Wir sind nach fünfzehn Uhr fertig. Ich befürchte etwas Stau auf dem Weg zum Reschen.

Auf der Fahrt bin ich positiv überrascht. Es gibt keine Staus und auch kaum Verkehr. Siesta. Und das, obwohl die Geschäfte schon auf haben. Vor der größeren Kaufhalle in Schlanders ist etwas Trubel. Ansonsten komme ich sehr gut bis Mals.

Über den Reschen ist Alles frei. Keine Schneewehen und keine Unfälle.

Joana wartet mit Dursun und Alfred zusammen vor dem Hotel auf mich. Sie haben eine Zeit gestoppt. Ich hatte angerufen bei meiner Abfahrt.

„Bist Du zufrieden?“, fragt Alfred.

„Die Arbeit ist gut. Vertrag habe ich noch keinen. Deshalb bin ich etwas skeptisch.“

Wir verabschieden uns vorläufig. Eigentlich wollte ich noch mal runter gehen und mit Alfred und Marco etwas schwätzen. Aber nach der Dusche und der Pizza hat es mir die Augen zugezogen.

Tag 52


Wir wecken zusammen auf. Heute fahre ich Joana auf Arbeit und fahre von dort zu meiner Arbeit. Der Arbeitsweg ist zwar etwas länger als von zu Hause, dafür arbeite ich aber wieder in Südtirol. Irgendwie fühle ich mich hier heimisch.

Joana packt uns viel Kaffee ein. Eigentlich ist das nicht notwendig. Bei Marlies kann ich immer noch Kaffee trinken. Ich sage Nichts dazu. Joana ist an solchen Tagen immer etwas nervös. Ich möchte sie nicht zusätzlich reizen.

Einen Vorteil für den längeren Weg erkenne ich trotzdem. Ich kann in Österreich tanken. Das hilft gewaltig Sparen. Ich hoffe, damit werden die Mehrkilometer abgegolten.

Wir fahren gegen vier Uhr los. Montags ist wie üblich, massenhaft Verkehr. Um diese Uhrzeit ist es erträglich. Wir kommen recht zügig voran. Nach Schlanders benötigen wir zwanzig Minuten. Nach Schluderns, dreißig. Nach Mals sind, außer ein paar kleinen Wehen, keine Behinderungen vorhanden. Wir kommen bei Alfred, halb Sechs an.

Marlies ist noch nicht da. Dursun schläft auch noch.

Auf unserem Zimmer trinken wir noch Kaffee zusammen und essen dazu Pfefferkuchen. Joana stellt mir den Wecker auf sieben Uhr, gibt mir einen Kuss und geht.

Sieben Uhr stehe ich auf, gehe ins Bad und anschließend zu Marlies. Ich hab zwar schon sechs Kaffee rein, aber Marlies bringt mir einen Extragroßen. Den trinke ich natürlich auch. Sie legt mir eine Plunderteigmaultasche mit hin. „Die ist mit Nougat gefüllt.“ Da kann ich nicht Nein sagen. Sicher kommt die vom hiesigen Bäcker. Der hat die Maultasche extra noch glasiert. Marlies wünscht mir viel Erfolg bei der neuen Anstellung.

„Ich habe wenig Vertrauen. Dafür ist die Stelle wenigstens in Südtirol.“

„Willst Du bissl Kaffee mitnehmen auf die Fahrt?“

„Die Thermoskanne hab ich Oben.“

„Ich hab ein paar da. Die bringst Du heute Abend wieder mit.“

Mit dem Kaffee und besten Wünschen mach ich mich auf den Weg. Montags bis ich etwas skeptisch des Betriebes wegen. Ich plane eine Stunde Fahrzeit ein.

Bis auf einen Stau in Schlanders, ist der Weg relativ frei. Die Stunde hat gereicht und ich bin etwas eher da.

Ich parke vor dem Haus. Im Inneren sehe ich einige Geschäfte. Ich sche das Schild mit dem Hinweis für das Restaurant. Eine Etage höher. Mitten im Raum geht eine Wendeltreppe aufwärts. Oben angekommen, sehe ich eine geteilte Theke und linker Hand einen Pizzaofen. Am Kaffeeservice auf der rechten Seite arbeiten zwei Frauen. Der Tresen ist voll belegt. Ich bestell einen Kaffee und frage, ob der Chef da ist. Ich wäre der neue Koch. Die junge Frau ruft an und bittet mich, etwas zu warten. Nach zehn Minuten kommt der Chef.

„Wo kann ich mich umziehen?“

„Hier im Gang. Wir haben keine Garderobe.“

Wie immer, wird am Wichtigsten gespart.

„Wie viele Essenteilnehmer kommen? Schätzungsweise! Das reicht mir.“

„Ich weiß nicht. Vielleicht zwanzig?“

Die haben ein Geschäft und wissen nicht, wie viel sie verkaufen. Das ist nicht der Einzige in der Branche.

„Wie viele waren denn gestern da?“

„Ich weiß nicht.“

„Ich muss mal die Kühlzelle sehen.“

Wir gehen zusammen in den Gang und in die erste Zelle. Da liegt frisches Gemüse. Vereinzelt etwas angegriffen.

„Wann ist hier Liefertag?“

„Ich ruf mal meine Frau an. Die sitzt im Büro.“

„Warum ist de Köchin nicht mehr da?“

„Die hatte es irgendwie satt. Es war ihr zu viel Arbeit.“

Das ist ja schon mal ein Anhaltspunkt. In der Fleischkühlzelle liegen zwei Stränge vom Schweinsrücken und zwei Putenbrüste. Ah. In einer Kiste finde ich noch fünf Päckchen Hühnerbrüste.

Ich werde heute Fried Chicken mit Kartoffelwedges machen. Die Wedges liegen in der Gefrierzelle nebenan. In der Gefrierzelle finde ich zu dem, massenhaft unbeschriftete, lose eingerollte Reste von irgendwelchen Fleischteilen.

Die Stücke sind von einhundert Gramm aufwärts bis rund zwei Kilo. Ein Casino ohne Vergleich. Ich schaff das nicht, das aufzuräumen. Wahrscheinlich muss ich jeden Tag, Etwas machen. Mal sehen.

In der Fritteuse das Fett ist pechschwarz. Ich wechsel das. Die Bain Marie ist keine Bain Marie, sondern ein recht großer Nudelkocher. Ich kann also kaum Etwas warm halten. Naja; ich hab den Dämpfer und einen Holdomat. Was mach ich jetzt?

ich bin fast ratlos.

„Wann kommen die Essenteilnehmer?“

„So gegen Elf fangen wir an.“

Ich hab keine Stunde mehr. Der Pizzaiolo kommt. Endlich ein kompetenter Mann. Der Chef quatscht mit ihm. Er hört nur halb zu, während er den Ofen startet. Der läuft mit Gas. Der Chef geht nach Unten und der Pizzaiolo grüßt mich. Er stellt sich gleich vor mit Rolfo.

„Ich bin Karl. Wie viele Gäste kommen hier zu Mittag?“

„So um die dreißig. Das sind Arbeiter von Nebenan und einige unserer Verkäufer.“

„Ich mache heute Fried Chicken. Wann kommt das Gros?“

„Die Arbeiter kommen alle zusammen. Das sind etwa zwanzig. Die kommen halb Eins. Die Anderen kommen einzeln, nach und nach.“

Viel Zeit ist nicht mehr. Ich schneide schnell ein paar Zitronenkeile.

„Bekommen die auch Salat?“

„Aber sicher!“

Die Blattsalate schneide ich zu Chiffonade. Karotten schäle ich und reibe sie. Es sind ein paar Bohnenkerne da und auch Rote Beete. Tomaten schneide ich in Viertel und Gurken lasse ich geschält in Scheiben durch. Das muss heute reichen. Auf die Ausgabe stelle ich zehn vorbereitet Salatteller. Rolfo hat mit seinem Teig zu tun. Er sieht mich schneiden und fragt, ob ich ihm Tomaten, Peperoni und Champignons mit schneide. Natürlich.

Etwa zehn Portionen Fried Chicken backe ich vor und gebe sie in den Dämpfer bei neunzig Grad. Das Gleiche mache ich mit den Wedges. Eine Salsa rosa verteile ich in kleine Einwegschalen. Ich muss das sicher auch abspülen. Der Chef hat nichts von einem Abspüler oder einer Küchenhilfe gesagt.

Die Arbeiter sind freundlich, grüßen und freuen sich über das Essen heute. Die Ausgabe geht relativ zügig. Ein paar kommen nur, um zu schauen. Viele holen sich eine Pizza von meinem Kollegen.

Rolfo fragt mich, ob ich eine probieren möchte. Ich sage ihm, dass ich die zum Feierabend mitnehme.

Das Geschirr, sämtliche Behälter und die Bestecke wasche ich in einer Maschine. Den Fußboden wische ich. Die kommenden Tage muss ich das anders organisieren.

Für morgen plane ich Champignonschnitzel. Ein Gemüse muss ich mir noch suchen. Rolfo spricht von Suppe und Kompott. Ich schätze, morgen muss ich etwas eher kommen. Das wird sich kaum ändern an den kommenden Tagen.

„Morgen machen wir die Bestellungen“, sagt Rolfo und verabschiedet sich. Wir sind schon fertig mit der Arbeit. Es ist um Zwei.

Ich nehme die Pizza, steige ins Auto und fahre nach Nauders. Die Straßen wirken wie entvölkert im Vergleich zu heute Morgen. Bis Goldrain fahre ich eine Nebenstraße. Auf der Laaser Höhe gab es einen Unfall. Die Polizei ist noch nicht da. Ich frage, ob ich helfen kann. „Wir haben schon Hilfe gerufen.“ Mich hält jetzt Nichts mehr auf. Bis nach Mals treffe ich wenig Verkehr. Die Heide hoch fährt wieder der Winterdienst.

Dursun sieht mich mit dem Pizzakarton. „Pizza heute?“ „Selbstgemacht“, lüge ich ihn an.

„Niemals“, hat er lächelnd geantwortet.

„Ich hab in Bozen schon mal ein paar Monate, Pizza gebacken. Die hier, habe ich aber nicht gemacht.“

„Joana ist Oben. Sie wartet.“

Joana hat Pfefferkuchen in der Hand und trinkt gerade Kaffee. Über die Pizza freut sie sich.

Wir unterhalten uns noch etwas über den Tag. Ich bin müde.

Kräuterknödel


Kräuterknödel

Generell gilt das Rezept für alle Kräuterknödel, angefangen bei Ruccola über Petersilie, Schnittlauch, Thymian, Rosmarin und so weiter. Besonders interessant ist das bei Brombeer-, Brennnessel – und Himbeerlaub, der Basis für diverse Kräuterschnäpse.

Wir geben in den Blender unsere hausgemachte, gekörnte Brühe, etwas Wasser, Butter oder Öl, drei/vier Eier, Salt Pfeffer, Prise Zucker, Zwiebelstücke, das jeweilige Kraut und Mixen das bis zu einer einheitlichen Farbe.

Die Mischung geben wir über über unser Knödelbrot, rühren das um und warten etwa zwanzig bis dreißig Minuten.

Fett macht den Knödel übrigens weich und samtig.

Als Fett kann auch Speckfett, Margarine, Nuss-, Knoblauch-, Kürbisöl usw. benutzt werden. Alles wirkt geschmacksbildend.

Bestimmte Kräuter kann man auch direkt mit Öl anmixen und der Brühe samt Ei zumischen.

Fett löst sämtliche fettlöslichen Vitamine und ist für die menschliche Ernährung extrem wichtig. Nicht das Fett ist der geschmacksgebende Stoff der Nahrung, sondern Vitamine und Minerale, die fettlöslich sind.

Die Knödel würde ich dämpfen. Es geht aber auch das berühmte Kochen in siedendem Salzwasser.

Bei der Zugabe von Käse, kann der Koch die Zugabe von Fett reduzieren.

Kräuterknödel serviert man zu Speisen und Saucen, die wenig bis keinen nennenswerten Eigengeschmack besitzen. Zu nennen wäre gekochtes Fleisch, Wellfleisch, Kalbfleisch, Truthahnfleisch usw..

Haferknödel


Haferknödel

Für Viele mag das fremd klingen; aber es gibt auch Knödel, die anfangs etwas ungewöhnlich wirken. Dazu zählt der Haferknödel.

Zunächst kann sich der Koch die Haferflocken etwas schroten. Wir geben dazu die Haferflocken in einen Kutter und zerkleinern sie in etwa um die Hälfte.

Nun setzen wir uns etwas Salzwasser an und rühren den Haferschrot in das Wasser ein. Dabei muss eine feste, halbtrockene Masse entstehen, die sich vom Topf löst und nicht komplett gebrüht ist. Nach dem Abkühlen rühren wir ein/zwei Eier unter, etwas Dunst oder Hafermehl, einen Spritzer Honig, etwas fein geriebenen Hartkäse und formen uns Nocken oder mit mehlierten Händen, Knödel.

Am besten funktioniert das Dämpfen der Knödel. Die sind in rund 15-20 Minuten fertig.

Wir servieren die am besten zu Geflügelgeschnetzeltem, Geflügelragout oder, für ganz ausgefallene Wünsche, zu einem warmen Beerenkonfit.

Am besten schmeckt dieser Knödel allerdings zu einem Leberragout, das mit Rotwein hergestellt wurde.

Tag 51


Tag 51

Joana weckt mich. Ich habe keinen Alkoholgeschmack im Mund und fühle mich relativ frisch. Caio hat schon Kaffee gekocht. Uschi ist noch nicht vom Einkauf zurück. Sie möchte uns sicher Etwas mitgeben. Das Bad von den Beiden ist ein schmaler, gut gefliester Gang. Ich muss durch die eingelassene Dusche gehen, um auf die Toilette zu kommen. Waschbecken und Spiegel sind vor der Dusche. Der Gang endet mit einem schulterhohen Fenster in Hofrichtung direkt hinter der Toilette. Eine perfekte Konstruktion. Um zu duschen, muss ich lediglich zwei Falttüren zu ziehen. Die schließen mit dem Boden ab.

Nach meiner Erfrischung im Bad trinke ich mit Caio Kaffee. Caio sucht im Fernsehen, Sendungen von Skisport und Fußball. Er ist ganz abgelenkt. Uschi kommt zurück und gibt Joana einen ziemlich großen Beutel mit Inhalt. Joana sagt ihr, dass das nicht nötig sei. Die Zwei reden sich untereinander Danksagungen zu. Sie entschuldigen sich untereinander für die Mühen. Das Übliche.

„Wann wollt Ihr fahren“, fragt Uschi.

„Jetzt.“

Wir müssen jetzt fahren. Eigentlich ist es schon ziemlich spät. Es ist gegen zehn Uhr. Ich rechne mit diversen Staus und etwa sechs Stunden Fahrzeit.

Die Zwei begleiten uns zum Auto. Zu unserem Schreck, wurde die kleine Dreieckscheibe eingeschlagen. Komisch. Wir hatten im Auto nichts liegen. Caio sagt begleitet uns zu den Carabinieri. Wir geben dort die Anzeige auf und bekommen ein Protokoll für die Versicherung. Für die Fahrt schließe ich die Öffnung mit Pappe. Dadurch sehe ich den Rückspiegel nur eingeschränkt. Reparieren lassen wir das zu Hause. Mittlerweile ist es ein ganzes Stück nach Zwölf. Jetzt wird auch unsere Zeit knapp.

Die Stadtausfahrt geht zügig und unkompliziert. Auf der Autobahn ist in unsere Richtung lebhafter Verkehr. Es wird schon Rückreiseverkehr aus den Skigebieten dabei sein. Auf den Dächern der Autos sind Skier zu sehen. Wir haben von Caio keinen Kaffee mitgenommen. Bei Gelegenheit müssen wir eine Kaffeepause einlegen. Am besten, beim Tanken. Ich spekuliere darauf, dass an der Autobahn der Diesel preiswerter ist als in Mailand am Wochenende. Die großen Preisschilder an der Autobahn geben mir Recht.

In Peschiera staut es bei der Abfahrt. Der Garda ist immer noch ein begehrtes Ausflugsziel zum Wochenende. Motorradfahrer sind auch zu sehen. Wir haben fünfzehn Grad. In Schweden würde man bei diesen Temperaturen, kurzärmelig herum laufen.

In Affi, in einer Tankstelle, wollten wir unsere Rast einlegen. Die war aber brechend voll. Wir verschieben das auf Rovereto in der Hoffnung, dort einen Platz zu finden. Dann ist auch die Zeit etwas günstiger. Unsere italienischen Mitbürger sind sehr pünktlich zum Mittagstisch. Sie gehen eben nur etwas später. Aber dafür alle auf Einmal.

In Rovereto nehmen wir kurz die Ausfahrt. Dort gibt es einen vorzüglichen Imbiss. Der ist nicht billig. Dafür aber extrem gut. Ich brauche jetzt dringend einen Kaffee und vielleicht auch Etwas zu beißen. In dem Imbiss gibt es meiner Ansicht nach, das größte Panino, das Unsereiner in Italien kaufen kann. Ein ähnlich großes habe ich nur an der Rennstrecke in Mugello bekommen. Das ist aber lange her. Jetzt gibt es dort Paninis in der Größe von Trentiner Touristenfallen. Dagegen ist ein belegtes Toastbrot, eine Vollmahlzeit.

Je näher wir Bozen kommen, desto voller wird die Autobahn. In beide Richtungen. Wir treffen den Sonntagsrückreiseverkehr. Abkürzen über den Gampenpass will Joana nicht. Ich verstehe das. Dort ist wahrscheinlich auch dichter Verkehr.

Bozen Süd bietet bei schönem Wetter eine wirklich beeindruckende Kulisse. Wir fühlen uns jedes Mal heimisch, wenn wir da ankommen.

An der Telemaut öffnet sich die Schranke nicht. Eine krächzende Stimme fordert mich in extrem schnell gesprochenem Italienisch auf, meine Einfahrtstation zu nennen. Ich sage Milano. Es dauert mehrere Minuten. Die Stimme krächzt mich wieder an. Wieder in geschnattertem Italienisch. Hinter mir hupen schon die Nachfolger. Ich lass die Scheibe runter und halte meinen Telepass raus. Es passiert Nichts. Ein Kontrolleur kommt zu uns und sagt, ich solle etwas zurück fahren, damit sie die Nummer lesen können. Ich fasse es nicht. Das ganze Areal steht voller Kameras und die fragen mich nach meiner Nummer.

Auf diesen Telepass habe ich mein Motorrad und das Auto angemeldet. Das muss ich dringend ändern. Die stellen sich echt zu blöd an für solche Kombinationen. Bei Gelegenheit muss ich das Motorrad separat anmelden. Dann, so hoffe ich, sind diese Unterbrechungen seltener. Mir ist das peinlich. Immerhin zahle ich um die dreißig Euro Maut für die Benutzung der Straße und für die Arbeitsplätze des Servicepersonals. Für eine Strecke, wohlgemerkt. Wenn ich mir das recht überlege, bezahle ich damit rund einhundert Prozent Aufschlag auf den Dieselpreis. Und der ist schon ganz schön üppig bei uns in Italien.

Wir kommen zu Hause an. Eigentlich könnten wir jetzt noch schnell eine Pizza bestellen bei Doris. Joana sagt, sie macht das etwas später. Ich jedenfalls, will mich gleich hinlegen. Am Montag wartet eine neue Arbeit auf mich. Nachdem ich Joana nach Nauders gefahren habe.

Tag 50


Tag 50

Ehrlich gesagt, ich wecke mit einem gehörigen Kater auf und muss erst mal Wasser trinken. Uschi und Caio sind schon auf und sie sitzen am Frühstückstisch. Joana auch. Joana hat mit einen Liter Kaffee gebrüht. Gefiltert kann man den Kaffee nicht trinken. Caio lacht mich fast aus, als er mich sieht.

Heute soll es auf die Pferderennbahn am San Siro gehen. Draußen hupt es. Wie scheint, ist der gesamte Ort im Aufbruch. Alles bewegt sich in Richtung Stadtausfahrten. Auf den Autos sind oft Skier, Schlitten und Snowboards zu sehen.

„Am besten, wir warten noch Etwas mit unserer Abfahrt“, sage ich zu Uschi. Uschi übersetzt das für Caio sofort. Er nickt und gibt ein paar Kommentare. Einen Großteil davon verstehe ich.

„Si. Poco tempo“, stottere ich ihm hin. Er freut sich. Etwas schneller redend, lässt er mich durch Uschis Mund wissen, wann ich endlich fließend Italienisch kann. Ich antworte über Uschi:

„Wenn er mir sagt, wie ich das bei Sechs-Tage-Woche und fünfzehn Stunden Arbeit pro Tag, im Schlaf lerne, geht es schneller.“

Sein Mitleid hält sich, innerlich, irgendwie in Grenzen. Äußerlich gibt er gestenreich Zustimmung. Das liebe ich an unseren Gastgebern.

Die Parkplätze vor unserem Haus sind wieder leer. Nur Wenige sind besetzt. Vor allem jene vor der Bar. Die ist rappelvoll. Das Lokal scheint gut zu laufen.

Wir gehen vor das Haus zum Auto von Caio. Unterwegs schauen wir bei unserem Auto vorbei. Es ist unbeschädigt. Caio hat sein Auto in einem Innenhof stehen. Das kostet etwas Geld. Uschis Auto steht draußen. Neue oder teure Autos, lassen die Mailänder nicht Draußen stehen. Das System scheint zu funktionieren. Mit dem Diebstahl von alten Gebrauchtautos wird auch gleichzeitig der Schrott entsorgt.

Der Verkehr lässt nach und wir fahren los. So leer, wirkt die Stadt irgendwie schön und übersichtlich. Im San Siro – Gelände sind die Parkplätze gut belegt. Es gibt freie Plätze. Wir parken dort. Vor uns steht das Riesenstadion. Ein Betonklotz. Wir sehen drei vier Leute, die dort putzen und Müll aufräumen. Caio geht zu einem hin und redet kurz mit ihm. Er winkt uns zu. Auf einem stufenlosen Wendelgang gehen wir nach Oben. In jeder Etage ist ein Ausgang. Oben angekommen, gehen wir ins Innere. Ehrlich gesagt, mir bleibt der Mund offen stehen. Ich hab zwar schon einmal ein großes Stadion gesehen. In Leipzig. Bei einem Spiel von Leipzig gegen Marseille. Aber, das ist schlägt mir den Atem aus. Wunderschön. Jetzt kann ich verstehen, warum die Mailänder gern so massenhaft ins Stadion rammeln. Bei dem Verkehr können wir nicht von Gehen reden.

Gegenüber ist die Pferderennbahn. Caio scheint schon etwas nervös und Uschi auch. Ich frage, ob denn heute Rennen sind. „Ja. Gleich“, sagt Uschi. „Gehen wir da hin?“

„Willst Du das auch mal sehen?“

„Joana nickt.“

Vor der Rennbahn stehen massenhaft kleine Buden. Ich frage Uschi, ob wir dort einen Imbiss kaufen können.

„Das sind Buchmacher“, antwortet sie mir. „Imbisse sind Drinnen.“

Die Zwei gehen zu einem der Stände. Sie kommen mit unseren Eintrittskarten wieder. Wir gehen hinein. Es ist eine sehr schöne Anlage. Selbst im Winter ist dort Alles grün. Man könnte meinen, die haben das gefärbt. Platz ist genug. Alles ist überdacht. Wir setzen uns und Caio geht noch mal weg. In der oberen Reihe sind wieder Verkaufsstände. Wir hören einen Signalton. Darauf hin kommen einige Pferde, die von zwei oder drei Begleitern geführt werden. Auf den Pferden sitzen scheinbar Kinder. Keiner ist größer als einssechzig.

„Ist heute Jugendrennen?“

„Nein! Das sind die Jockeys!“

Irgendwie kenne ich das aus Meran. Dort reiten immer Mal Leute mit Pferden über die Gampenstraße. Ich dachte immer, das sind Jugendliche. Meine Unwissenheit hat vielleicht damit zu tun, dass ich diesem Sport Nichts abgewinnen kann. In meinen Augen, ist das kein Sport. Ein Rennen läuft und die Zwei scheinen sich fürchterlich aufzuregen. Sie haben gewettet und verloren. „Alles Betrug“, wettert Uschi.

„Warum kaufst Du dann diese Wetten?“, frag ich sie.

Ich glaub, die wissen das selbst nicht. Keiner von Denen würde jemals im Laden oder auf dem Markt ein Produkt kaufen, bei dem er weiß, dass er offensichtlich beschissen wird. Sie würden es nicht mal kaufen, wenn sie der Meinung sind, es ist zu teuer. Ein Blick auf unsere Speisenkarten und die damit verbundenen Bestellungen, belegt das. Der Tag scheint versaut. Joana treibt. Sie möchte dort gehen. Schweren Herzens gehen die Zwei mit.

Wir fahren an der Mailänder Messe vorbei und Caio möchte uns noch Monza zeigen. Wir fahren ein Stück auf der Autobahn, ein Stück auf einer Superstrada und schon sind wir im Monzapark. Sehr schön. In dem Park trainieren Rennradteams. Caio erkennt sie am Trikot und ruft ein paar Namen. Zwei winken Caio zu. Wir kommen zum Motodrom. Caio will mir das unbedingt zeigen. Dort trainieren gerade ein paar Rennautos.

„Ich kenne die Rennstrecke. Ich war schon zwei Mal hier. Zum Superbikerennen.“

„Und da hast Du nicht angerufen?“, fragt Uschi.

„Hab ich aber. Ihr wart jedes Mal nicht da.“

Den Besuch solcher Rennen kann ich nicht planen. Generell bekomme ich als Ausländer gesagt, dass zu der Zeit der meiste Betrieb ist auf Arbeit. Selbst, wenn mein Arbeitgeber mir freie Tage schuldet, ist das kaum möglich. Wir gehen hinein und dürfen jetzt die Rennautos anschauen. Anscheinend haben gerade die Ferrarifahrer eine Trainingsstunde gekauft.

Caio will uns ein gutes Restaurant zeigen. Auf dem Weg dahin sehen wir Bogenschützen. Boccia wird unmittelbar vor dem Restaurant gespielt. Und das mit Bedienung. Caio fragt den Kellner, ob Drinnen Platz ist. Der Kellner nickt. Uschi meint, hier gäbe es die größten Mailänder Schnitzel in ganz Mailand. Ich dachte erst, sie haut auf die Welle. Irrtum. Drinnen angekommen, durfte ich sechsunddreißiger Teller sehen, die bis zum Rand mit einem Schnitzel belegt waren. In Deutschland wird Pizza ja auf relativ kleinen Tellern verkauft. Auch bisweilen in Südtirol. Dort sind Pizzateller maximal zweiunddreißig Zentimeter. Hier kommt die Bedienung mit sechsunddreißig Zentimeter großen Tellern. Auch wenn das Schnitzel gut geklopft ist, wird es ganz sicher um die zweihundert Gramm wiegen müssen für diese Größe.

Wir bestellen Schnitzel. Und ausgerechnet hier, gibt es Bier vom Fass. Leider nur bayrisches. Caio bestellt uns zwei. Joana möchte keins. Uschi muss fahren. Bis zu dem Moment, als das Bier kam, war ich noch nicht mal nüchtern vom Tag vorher. Joana guckt schon etwas zornig. Ich kann einfach nicht Nein sagen, wenn ich eingeladen werde.

Der Spaziergang zum Auto mit einem kleinen Umweg war mehr als nötig. Die Luft und die Bewegung tut gut. Mit scheint, als hörte ich jetzt Motorräder. Caio hat das bemerkt und wollte vielleicht selbst, auch mal schauen. Wir gehen einen Zwischenaufgang hinauf. Es stimmt. Motorräder. Einige Maschinen kommen mir bekannt vor. Auf einmal grüßt ein Fahrer und hinter ihm, wein zweiter. Ich bin mir fast sicher, ich kenne die Jungs. Wir warten eine Runde und da kommen sie wieder. Einer hält an, setzt den Helm ab und siehe da, es ist Roman. Roman vom Neumarkter Motorradclub. Sie haben sich eine Stunde gemietet hier, sagt er ganz kurz, verabschiedet sich und fährt weiter. Das hätte ich nie erwartet. Die Welt scheint kleiner zu sein im Moment.

Caio staunt, wen ich alles kenne. „Die sind aus Neumarkt. Vom Motoclub.“

„Neumarkt della Ora?“

„Ja! Ich kann mit ihnen leider selten eine Runde fahren, weil ich am Wochenende kaum frei habe. Aber ich kenne viele von ihnen.“

Joana und Uschi treiben uns etwas. Sie laufen dreißig Meter vorneweg. Am Auto angekommen, warten sie auf uns. Caio hat noch den Schlüssel.

Uschi fährt relativ gut in er Stadt. Die kennt sich aus. Caio gibt immer ein paar Kommentare. Mir scheint, er redet Uschi ständig rein. Uschi antwortet etwas zornig. Desto heftiger werden die Gesten Caios. Vor allem an den Kreuzungen.

„Der glaubt, ich kann nicht fahren. Dabei fahre ich hier jeden Tag“, sagt Uschi.

Wir kommen wieder die Monzaer Straße rein. Jetzt stehen hier hunderte, oft sogar halbnackte Frauen und Männer rum. „Hier können wir jetzt nicht anhalten“, sagt Uschi. „Wenn ich anhalte, kommen gleich die polnischen Nutten an und belagern das Auto.“

„Polnische Nutten?“, fragt Joana.

„Naja. Nicht nur polnische. Hier stehen Nutten aus Brasilien, Tschechei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Ukraine und dem Baltikum.“

„Das ist die kapitalistische Freiheit und Gleichberechtigung für Frauen.“

Uschi redet nicht weiter. Sie hat früher immerhin von diesem System geschwärmt. So lange sie selbst da nicht stehen muss, geht das ja.

Wir kommen zu Hause an. Unser Auto ist unbeschadet. In der Bar ist es so voll, dass nicht mal mehr Autos von Gästen, Parkplätze finden.

„Warum geht Ihr nicht in diese Bar? Ist die zu teuer?“

Caio antwortet. „Tutto fascio.“

Uschi ergänzt das. „Schau mal auf denen ihre Klamotten.“

Die sind tatsächlich alle schwarz gekleidet. Viele lassen die Autos laufen. Sie stehen in Dreierreihe. Ein Anwohner möchte raus. Er wartet. Er hupt. Keine Reaktion in der Bar. Er hupt nochmal. Wartet. Jetzt legt er den Rückwärtsgang ein. Zwanzig Meter weiter hinten hält es. Ich dachte, er wolle die Einbahnstraße abbiegen, auf der unser Auto steht. Irrtum. Er gibt Gas und rammelt mit einem Schwung durch die Autoreihe. Ich sehe einige Seitenspiegel weg fliegen. Jetzt kommen aus der Bar ein paar Leute aufgeregt nach Draußen. Sie gehen die Schäden beurteilen. Diskutieren. Das dauert etwa fünfzehn Minuten. Zwei fahren weg und der Rest geht in die Bar zurück. Es dauert nicht lange und ein paar Carabinieri kommen. Die nehmen den Schaden auf, fotografieren und verschwinden wieder.

Caio holt eine extrem teure Flasche Wein aus dem Schrank. Einen Barbero. Das ist mit das Teuerste in Italien. Joana verschwindet wieder ins Bad. „Ich trinke nicht so viel. Ich muss morgen fahren“, sag ich zu Caio. Er versteht mich. Wir schauen noch etwas Fußball und Skispringen. Caio hat einen Bezahlsender zu Hause. Damit kann er alle Zusammenfassungen sehen.

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