Fortsetzung Das Ende unseres Hotels


Der Abend geht noch lange. Unsere Jugend, unsere Freunde und Bekannten, verabschieden sich und gehen zu Jochen in die Bar. Das Spektakel vertreibt sie förmlich. Mischa hat dem Filmteam ein kleines Buffet gerichtet. Belegte Brote und ein paar Happen. Sonja, die Betrunkene, stürzt sich wie besessen auf die sauren Gurken und Zwiebeln. Ihren Namen hörte ich nebenbei aus dem Mund eines ihrer Kollegen, der versuchte, sie zu beruhigen. Nach dem Verzehr ging es ihr plötzlich etwas besser. Sie entschuldigte sich bei mir und griff mit fester Hand in meinen Schritt. Noch so ein Griff und ich kann zukünftig auf Sex verzichten. Und das nach dem schönen Nachmittag.

Andrea geht zu Jochen und Renate verabschiedet sich mit einem Küsschen. Mischa geht mit Andrea. Ich soll ihnen bei Gelegenheit folgen. Joana hält Wache. Sie lässt sich bei dem Filmteam selten sehen. Es fehlen nur noch die offenen Fenster. Die Musik ist schon ziemlich laut. Vater hätte jetzt klassische Musik aufgelegt und teilweise aufgestuhlt. Das Team macht keine Anstalten, schlafen zu gehen. Und das nach dieser Woche.

Gegen Fünf verabschiedet sich Alex. Er kommt extra in die Bar zu mir. Wir haben zwischenzeitlich etwas Billard gespielt. Jochen lässt mir gerade den sechsten Kaffee durch. Alex gibt mir einen Breshnew – Kuss und steckt mir zweihundert Mark extra zu. „Für Deine Mühe“,sagt er. Er hat keinen Schluck getrunken. Ich lade ihn zu einem guten Cognac ein. Den habe ich mal im Delikat gekauft. Ein kleines Glas trinken wir zusammen. Ein Genuss.

„Ich muss jetzt schnell ins Bett. Nach dem Schnaps bin ich besoffen.“

„Wir gehen zusammen, mein Freund.“

Joana hat schon das Licht ausgeschaltet und wartet.

„Die Letzten musste ich fast raus schmeißen. Die Frau hat noch gestrippt. Mein Gott! Die Unterwäsche sah aus. Pfui!“

Alex entschuldigt sich mehrfach. Auch bei Joana.

„Wann kommt ihr frühstücken?“

„Gegen Acht. Wir reisen morgen auch ab.“

„Das wissen wir von Klaus.“

„Wir lassen trotzdem unser Gepäck bei Euch, bis wir mit dem Drehen fertig sind.“

„Ist gut, Alex. Wir legen Alles in ein Zimmer“, antworte ich ihm.

Fortsetzung folgt

Fortsetzung Der Betrieb läuft


„Früher haben wir wenigstens Ausfahrten und Konzerte bekommen. Das ist wie weg geblasen.“

„Ja. Aber Du hast gesagt, Kommunisten sind Scheiße.“

„Jetzt muss ich sogar beim Doktor bezahlen. Der will zehn Mark und hält mir seinen Lauscher an die Brust. Das wars.“

Ich muss die Drei nach Hause fahren. Sie haben nicht mal das Fahrgeld, das sich verzehnfacht hat. Manne kann den Arzt nicht mehr bezahlen. Gerlinde auch nicht. Die Drei leben in Existenzangst. Wir packen ihnen etwas Essen zusammen, ein paar Brote, Konserven und ich fahre sie nach Hause. Trostlos endet was hoffnungsvoll begann.

Das kommende Wochenende kommt schon der erste Bus. Unser Ort hat jetzt angeblich eine Partnergemeinde im Westen. Und die besuchen uns. Die blöden Kommentare unterscheiden sich kaum von den Kommentaren der Gäste unserer ersten Gaststätte. Im Gegenteil. Sie sind erniedrigender. „Warum schmeißt Du die nicht raus“, zischt Joana. „ Die angepinselten Nutten mit ihren großen Fressen. Keine von denen hat je gearbeitet.“

Joana hat schon Recht. Geschenke haben die keine mit. Nicht mal Souvenirs. Wer hat denen die Fahrt gezahlt?

„Wir haben eine Spendensammlung für Wunderbachwitz gemacht. Der Pfarrer freut sich.“

„Das glaub ich gerne. Der hat es auch bitter nötig.“

„Was gibt es denn heute zu Essen?“

„Die Gemeinde bezahlt Ihnen heute:

Champignonsuppe

Salatteller

Roulade mit seidenen Klößen und Anhaltiner Spargel

Eierschecke mit einem Kirschlikör“

„Spargel haben wir selbst zu Hause, massenhaft.“

„Aber der Gemeinderat, dem auch maßgeblich Bürger ihrer Stadt angehören, hat dieses Menü genehmigt.“

Nach dem Essen sagen mehrere, „der Spargel schmeckt besser als unserer:“

„Vielleicht kann ich ihn besser kochen?“

Der Anhaltiner Spargel war griechischer. Der wäre dem Westpublikum zu billig gewesen. Uns nicht.

So habe ich wenigstens dabei, für etwas voreingenommene Unterhaltung gesorgt.

Am frühen Morgen lernen wir das erste Mal, wie sich Westdeutsche an einem Frühstücksbuffet benehmen. Sie packen Alles ein, was nach Essen aussieht. Aber auch unsere Dekoration. Mundgeblasene Vasen aus Lauscha. Jetzt ist das privates Westeigentum, das mit Waffen verteidigt wird im Notfall. Die kleinen Schnitzereien aus unserer Glasvitrine, sind auch in ihren Taschen gelandet. Ich frage sie bei der Abreise, ob sie zufälligerweise etwas mitgenommen hätten.

„Nej“, schallt es fast einhellig aus ihren breiten Fressen.

„Soll ich erst die Polizei holen?“

„Unsere Polizei ist doch schon da“, antwortet dieses Drecksvolk, laut lachend.

Ich rufe auf der Gemeinde an und sage Bescheid, dass ich dieses Gesindel nie wieder aufnehme. Die haben bei uns Hausverbot!

Fortsetzung folgt