Fortsetzung Der Beginn


Herbert wollte gleich ein Bier probieren. Ein Fassbier. Brigitte wollte einen Kaffee. Den hat Joana für sie gemacht. Unweit der Gaststätte gab es eine Bäckerei. Der Bäcker war ein Mal mein Gast. Seine zwei Kinder waren bei mir fast Stammgäste. Sie gehörten der gut organisierten Jugendgruppe an. Ich rannte schnell hin, um uns ein paar frische Windbeutel zu holen. Windbeutel waren in der DDR äußerst beliebt. Die Bäckerin bot mir noch ein paar Liebesknochen an, die sie heute auch frisch gemacht hatten. Liebesknochen war die Bezeichnung für einen mit Sahne gefüllten Eclair. Die Liebesknochen wurden mit reichlich Schokoladenüberzug versehen und waren vergleichbar mit einer Portion Stracciatella. In dem Fall, durften wir die Verpackung aber mit essen.

Unser Kaffeetrinken war damit schon mal gerettet und ich habe meinen zukünftigen Schwiegereltern sicher ein gutes Bild abgeliefert.

Nach dem Kaffeetrinken machte Herbert einen Rundgang durch meine Gaststätte. Er bewunderte das Billard.

„Spieln mer ne Runde?“, hab ich ihn gefragt.

„Das kann ich nicht“, antwortet mir Herbert. Herbert war ein leidenschaftlicher Skatspieler. Das hatte sicher mit seinem Beruf zu tun. Herbert war Brigadier in einer Straßenbaufirma. Bei schlecht Wetter haben die eher geknobelt oder Skat gespielt. Billards gab es nur in wenigen Gaststätten.

Gebäck wollte er keins. Herbert war zuckerkrank. Schon in den kommenden Minuten durfte ich miterleben, wie er sich spritzte.

„Wie oft musst Du Dich spritzen am Tag?“

„Ein bis zwei Mal. Kommt darauf an, was ich esse und trinke.“

Andrea die Bäuerin kommt herein.

„Oh. Das sieht recht gut aus hier. Hast du frisch tapeziert?“

„Ja. Gefällt‘ s Dir?“

„Das ist schön! Willst Du oben die Wohnung sehen?“

„Gerne.“

Wir gehen im Haus zur ersten Etage hinauf und sie schließt uns die Wohnung auf.

„Ich räume aus, was Du nicht brauchst.“

„Ich brauche eigentlich nur ein Zimmer und ein Badezimmer.“

Sie zeigt uns das Badezimmer. Der Badeofen ist elektrisch. Der geht auch als Durchlauferhitzer.

„Im Grunde reicht das. Den Rest haben wir Unten.“

„Übermorgen ist das fertig ausgeräumt.“

„Danke. Wollt Ihr die Miete offiziell oder schwarz?“

„Am liebsten offiziell. Das Andere gibt Probleme. Die wollen wir nicht.“

Schön, dass wir uns so schnell einig sind. Das wäre sozusagen, unser erstes gemeinsames Nest. Joana freut sich darüber.

Eigentlich wäre es jetzt die Zeit, mein Motorrad mit hier her zu nehmen. Das erleichtert mir den Einkauf. Joana ist begeistert. Gelegentlich können wir so auch auf den Automarkt fahren und schauen, ob für uns ein Auto da steht. Ein gebrauchtes. Am besten, ein Kombi.