Der Betrieb läuft


Unsere Hausgäste sind alle schon weg. Sie kommen im Laufe des Tages wieder. Dann haben wir auch unser Restaurant geöffnet.

Mischa kommt wieder. Er will mir etwas helfen.

Rolf und Julia bauen oben in unserer Dusche. Dann geht er teilweise noch bestimmte Leitungen abdrücken und kontrollieren.

„Alles bestens. Wir sind fertig.“

„Wunderbar.“

Er gibt mir die Rechnung. Mit der Heizanlage, möchte er über zweihundert Tausend. Den Materialkauf haben wir schon vorfinanziert. Es gab zwischendurch Ärger, weil die Bank einen Lieferanten nicht zahlte. Rolf und Julia sind mit uns auf die Bank gefahren. Er hat getobt dort. Zwei Tage später war das Geld da. Wir stellten uns gerade vor, Rolf wäre ein DDR Handwerker. Julia schüttelt den Kopf. Sie kann die Gebaren nicht verstehen.

„Die fühlen sich hier auf wie der letzte Abschaum. Zu Hause würden die sich das nicht getrauen.“

Die Zwei schämen sich aufrichtig für ihre Landsleute aus dem Westen.

Joanas Mutter ruft an. „Es ist was Schlimmes passiert!“

„Was?“

„Nicht am Telefon. Kommt mal her. Allein!“

Wir entschuldigen uns bei Steffen und Mischa. Sie sollen derweil mal auf unser Haus aufpassen. Sie versprechen das.

Fortsetzung Joana wird Hotelier


Am genannten Zimmer, das neu eingerichtet wurde, stand niemand. Wir klopften, gingen hinein nach der Aufforderung von Innen und standen vor einer uns unvertrauten Gruppe von Männern. Zwei entfernten sich aus dem Zimmer und wir blieben mit einem Herrn allein.

Wir möchten ein Gebäude von der Treuhand kaufen und dafür ein Darlehen.

„Was ist Ihre Absicht mit dem Gebäude?“, fragt mich der Sachbearbeiter in Fränkisch. Ich wundere mich. Joana auch. War nicht von Schwaben die Rede? Sind die etwa schon weiter gezogen oder haben die sich den Bezirkshauptsitz genommen.

Dort standen wahrscheinlich die größeren Kassen.

Der Sachbearbeiter stellt sich mit Franke vor. Der Franke aus Franken.

„Hier sind meine Unterlagen. Kosten-Nutzen-Rechnung, Lebenslauf, Werdegang, Finanzierungsplan, Treuhandbestätigung.“

„Die Bestätigung ist nur eine Kopie. Haben Sie das Original?“

„Die Treuhand ist Ihre Behörde. Reden Sie bitte mit den Damen und Herren. Wir waren schon fünfzig Mal da.“

„Wir machen mit Ihnen eine Besichtigung und Sie können dort Ihr Projekt verteidigen.“

„Ist gut. Ich gehe mal los, Handwerker zu suchen.“

„Das ist Ihre Sache. Wir kommen morgen gegen neun Uhr.“

Wir verabschieden uns und freuen uns irgendwie über deren Freundlichkeit. Joana findet ihre Freundlichkeit zu sehr gestellt. Etwas übertrieben.

Am kommenden Morgen kommen die Banker. Zu Viert. Jeweils Zwei in einem Fahrzeug. Sie waren mit Fotoapparaten und Riesenaktentaschen bewaffnet.

„Das sieht gut aus. Wollen Sie das Kulturhaus renovieren oder hier auf dem Parkplatz ein neues Hotel bauen. Das ist nicht günstiger, aber sicher besser.“

„Das geht nicht. Das Haus steht unter Denkmalschutz.“

„Wenn Sie neu bauen und das Alte nicht anrühren, erledigt sich das von selbst.“

„Naja. Das ist wohl eher die Logik von Bankern. Ich glaube, das kommt hier nicht gut an im Ort.“

„Wir prüfen das gleich mit.“

Fortsetzung folgt

Joana wird Hotelier


Joana wird Hotelier

Nach der Genehmigung durch den Bürgermeister, wird unser Anliegen im Gemeindeausschuss behandelt. Dabei profitierten wir von dem guten Ruf der Eltern. Sämtliche Ausschussmitglieder waren häufig zu Gast bei meinen Eltern. Die Genießer Seilschaften gaben uns Grünes Licht für das Vorhaben.

Zunächst haben wir Begehungen organisiert, zu denen ich auch Steffen und Karin einlud. Beide kamen. Ich wollte unbedingt hören, was die Beiden zu sagen haben. Einige Familienmitglieder wollten auch sehen, was wir da vor haben. Vor allem die Geschwister von Joana. Besonders Herbert, der gerade frisch aus dem Krankenhaus kam, war stark interessiert. Er bot sich sofort als Hausmeister an. Joana musste ihn erst Mal beruhigen.

„Wir müssen das erst noch bauen.“

Herbert vergaß seine Krankheit komplett. Er war wie neu geboren. Vor allem, als er erfuhr, dass an dem Haus eine Gedenktafel angebracht war. Wir haben ein Denkmal an einen großen Arbeiterführer gerettet. Karl Liebknecht. Wir waren von recht viel Optimismus geführt. Wohl in der Kenntnis, unseren gläubigen Gegnern passt das nicht. Das ließ auch den Kaufpreis entstehen.

Unser Saal war gesperrt. Ein Balken hat seine Kraft verloren. Mit Tanzveranstaltungen brauchten wir nicht kalkulieren.

Für gewöhnlich, war an DDR Kulturhäusern ein recht brauchbarer Garten, Grünanlagen und reichlich Parkplatz. An sich war das Gebäude recht solide gebaut, nicht nass und relativ gut intakt bis auf den Saal.

Die vielen Zimmer wollten wir zu einem Gasthof umbauen. Sozusagen, zu einem Hotel.

Ich schrieb ein Konzept und wir gingen zur Bank. Unsere erste Bank war natürlich die örtliche Sparkasse. Beim Betreten schon merkten wir, von örtlich kann keine Rede mehr sein. Der komplette Vorstand bestand aus Westbesatzern. Unsere früheren Ansprechpartner waren entweder Hausmeister oder Gärtner dieser Anlage geworden. Alle grüßten freundlich beim Betreten der Räume und gaben auch gleich gewisse Augenzeichen. Ordentlich geschulte Banker einer gemeinnützigen Volkswirtschaft wurden plötzlich Hausmeister und Sekretärin. So schnell wird aus einem Angestellten im Eliteberuf, ein Handwerker.

Unser ehemaliger Nachbar, ein recht dominanter Banker und Westgeldbewunderer, wurde plötzlich Pförtner am Eingang zur Sparkasse.

„Hast Du umgeschult?“

Er schaut auf die Wände, die alle mit Kameras ausgerüstet waren. Es waren neue Kameras. Unsere Stasi brauchte das nicht.

„Ich muss zu einem Gespräch mit einem Kreditantrag für einen Treuhandkauf.“

Als Banker war er noch voll im Saft. Gehe zu dem Schwaben im Zimmer Neun. Die Treuhand ist dem seine Spezialität. Er sagt es relativ leise. Wahrscheinlich haben die neuen Herren überall noch Mikrofone. Ich muss mich fast auf den Boden legen, um seine Augenzeichen zu lesen. Joana beobachtet Alles aus einer gewissen Entfernung. Das sorgt bei uns Beiden für den kompletten Überblick. Danach sagt mir Joana, was sie gesehen hat und wir gleichen das untereinander ab. Joana bemerkt mehr als ich. Ich bin oft zu sehr mit der Materie beschäftigt.