Fortsetzung Die Suche


Rosa hatte Recht behalten. Das ist der Beweis. Sie und ihre Genossen, werden das Zweite mal hinterrücks ermordet. Ihre Nachfolger gleich mit. Von den gleichen Tätern und ihrer Brut. Die wollen nicht arbeiten. Die wollen stehlen. Die Helfer der Alibabas, sitzen jetzt von Drüben importiert, bei uns in den Ämtern. Sie bekommen ein Almosen der Beute und fühlen sich wohl dabei. Bei ihnen zählt keine Bildung. Was zählt, ist pure Frechheit und Sadismus.

Wir gehen also der Empfehlung entsprechend auf die jeweiligen Gemeinden. Dort sitzen auch schon die Besatzer. Meistens vor der Kasse als Berater. Sie meinen es gut mit den Bürgern der Stadt, sagen sie. Der DDR Bürgermeister geht mit oder er hat einen Autounfall. Es gibt sehr viele Unfälle. Sie können alle mit den neuen Autos nicht umgehen, die verblödeten Ossis. Goebbels, ihr Lehrmeister, hatte den Kosenahmen erfunden.

Wir reden sehr oft mit neuen Bürgermeistern. Die ersten zehn Sätze sind eine einzige kriminelle Handlung. Erpressung. Ich überlege schon verzweifelt, ob ich mir nicht ein Diktiergerät einstecken sollte.

„Bist Du verrückt“, sagt mir meine Mutter.

„Die legen Dich um!“

Wir überlegen uns gemeinsam mit Joana und den Geschwistern, wie wir diesem kriminellen Haufen widerstehen können. Wir werden ein Clan, würde jetzt der Propagandaminister sagen. Ein Clan, der gegen einen kriminellen Clan antritt. Der Nachteil ist, wir müssen die Gesetze achten, auch wenn sie erfunden sind.

Unsere Kulturhäuser bekamen von den Arbeitern und Bauern, Namen, die dem Gedenken an ihre Kämpfe und Opferbereitschaft gewidmet waren. Das ist schon mal eine gute Gelegenheit, ihrem Kampf zu gedenken. Zuerst still, aber nicht unbemerkt von den Besatzern. Die haben die Listen der Gedenksteine. Sie suchen immer eine Gelegenheit, mit dem Bagger die Gedenksteine zu entfernen. Bei dem Gedenken könnte ja ihr Familienname mit fallen. Und das geht nicht.

Fortsetzung folgt

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Am Büro angekommen, sollen wir erst Mal warten. Eine Stunde geht vorbei und Joana holt für uns schon den dritten Kaffee. Die Blaumäntel kommen raus und die Frau aus dem Büro ruft uns herein.

„Eigentlich sind wir hier die Hausherren“, sage ich lächelnd zu der Frau.

„Sie waren in Berlin?“

„Ja.“

„Haben Sie Unterlagen bekommen?“

„Die Sachbearbeiterin hat zu mir gesagt, sie hätte die Ihnen geschickt.“

„Wir haben hier Nichts.“

„Das sind meine geschriebenen Anträge dabei.“

„Und die anderen Unterlagen?“

„Ja. Dazu muss ich doch bitte erst mal wissen, welches Objekt Sie mir verkaufen.“

„Ja. Wir haben hier vier Kulturhäuser.“

„Die sind ihren Westkollegen wohl etwas zu groß?“

„Ja, um ehrlich zu sein.“

„Ehrlich müssen Sie in dem Zusammenhang nicht wirklich betonen.“

„Sie sind ein ganz Ausgemachter!“

„Was wollen sie denn für so ein Kulturhaus der DDR?“

„Naja. Schauen Sie mal auf die Liste. Allgemein kommen Sie mit 250 Tausend recht gut zurecht.“

„Muss ich diese Summe zahlen oder geht es preiswerter.“

„Da brauchen Sie etwas Geduld. Dann beginnt ein Bieterverfahren. Es erhält der den Zuschlag, der am meisten bietet und die meisten Arbeitsplätze verspricht.“

„Also ist das der Richtpreis, den Sie vorschlagen.“

„Genau.“

„Bei dem Richtpreis muss ich aber keine Verpflichtungen für Arbeitsplätze eingehen?“

„Nein.“

„Wie kann ich diese Objekte besichtigen?“

„Fragen Sie bei den entsprechenden Gemeinden nach.“

„Machen Sie die Termine?“

„Gut. Dann machen Sie bitte die Termine für diese vier Kulturhäuser.“

„Alles klar. Ihre Unterlagen benötige ich trotzdem noch.“

„Rufen Sie bitte in Berlin bei der Sachbearbeiterin, Ihrer Kollegin an.“

Das war es. Jetzt entscheidet die Zeit und die Bank.

Joana war mit Drinnen. Bei Herausgehen schüttelt sie den Kopf:

„Wie ein Nuttenstall.“

„Der Strich ist die Hotelbar.“

„Aber sicher.“

Die ersten neuen DDR Geschäftsleute haben wie wir, nur Großobjekte bekommen. Den Bereich, den sie für ihr Geschäft nutzen möchten, haben sie farblich gestaltet. Den Rest nicht. Billardbars, Discotheken und Ramschläden schießen wie Pilze aus dem Boden. Das Geld dafür nicht. Millionen DDR Bürger verlassen das Land. Manchmal haben wir den Eindruck, durch Geisterstädte zu laufen.

Um unsere Häuser schleichen nur noch ältere Menschen, die in hundert Meter langen Schlangen vor den Kassenschaltern der Rentenstellen stehen.

Unsere Kinder organisieren sich in Banden. Uns fehlt jetzt die Ordnung der sowjetischen Besatzungsmacht. Die freundlichen Soldaten, die mit uns ein geröstetes Zuckerbrot teilen. Selbst das klauen uns die Westbarbaren.

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