Fortsetzung Joana wird Hotelier


Am kommenden Morgen gehen wir auf die Gemeinde, stellen uns vor und beschreiben, was wir vor haben. Die Anträge werden sofort genehmigt.

„Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.“

‚Na gut‘, dachte ich mir. ‚Sie wollen so Karl Liebknecht würdigen.‘ Und das in einem Ort, aus dem sechs bis acht Kriegsverbrecherfamilien getürmt sind vor den Sowjetsoldaten. Die sind jetzt wieder da. ‚Das wird eine lustige Gesellschaft‘, denke ich mir. Deren Handlanger sitzen jetzt auf dieser Gemeinde. In der Gemeindezeitung ist ein Foto, auf dem sich die Vertreter bei einem Buffet begrüßen. Es wird nicht lange dauern, die Parks, Straßen, Werke und Schulen bekommen andere Namen. Andere Vorbilder braucht das Land. Recht schaffende Leute haben hier nichts mehr zu suchen. Sie verlassen den Ort zu Tausenden. Ihre Firmen wurden über Nacht geschlossen. Zehntausende Arbeitsplätze hatte der Ort. Sportbekleidung, Strümpfe, Werkzeugbau, Freizeitbekleidung, Gärtnereien und Fahrzeugbau. Alles weg. Mit den Arbeitern gingen auch die Gastwirte. Die Stille in diesem Ort war erdrückend. Trotzdem bauten an jeder Kreuzung, Westfirmen, Einkaufszentren. Für wen?

Der Papierkram auf der Gemeinde war erdrückend für uns. Kein normaler Mensch kann diesem bürokratischen Abfall folgen. Die Westdiktatur in Hochform. Genau das haben die Propagandisten der Kriminellen uns unterstellt. Der DDR. Wir treten jetzt den direkten Vergleich an. Freie DDR gegen angeblich freie Westbesatzer. Schon am ersten Tag zwischen diesen Papieren wird klar, diese Großmäuler wollen plündern – nicht wirtschaften.

Rolf und seine Frau kommen mit einem Lieferwagen. Eine rollende Werkstatt. Rolf gibt mir den Kostenvoranschlag. Der kostet mich die Hälfte der Summe der Mitbewerber. Und ausgerechnet das kommt von einem Westler. Ich muss nicht lange überlegen. Auf Kredit finanziert, verdoppelt sich der in Anspruch genommene Betrag. Der Ingenieurbetrieb sprach von einer halben Million allein für das Sanitäre und die Heizung. Dieser Handwerker halbiert deren Kostenberechnung.

„Wann fangen wir an“, fragt mich Julia.

„Ich warte noch auf den Baubetrieb. Die arbeiten gerade bei meiner Mutter. In einer Woche geht’s los.“

„Gut. Wir liefern zwischendurch ein paar Rohre und Materialien. Platz hast Du ja.“

„Gut. Wir sind hier.“

Eine Genossenschaft aus dem Kreisgebiet übernimmt den Leichtbau und die Zimmerei. Die haben mir eine Firma empfohlen, welche die Fenster wechselt. Wir bekommen jetzt Westfenster. Deren Vertreter sind gerade gekommen und vermessen die alten Fenster. Wir bauen Kunststofffenster ein.

„Die sind leise, halten die Wärme drinnen und alle Geräusche draußen“, rät mir deren Vertreter. Die Fenster sehen gut aus. Das überzeugt uns.

Eigentlich fehlt uns nur noch die Einrichtung.

Wir gehen zu einem örtlichen Tischler. Der stellt keine Möbel mehr her. Mutter hatte ihre Möbel noch bei einem örtlichen Tischler bauen lassen. Der macht auch keine Möbel mehr. Alle handeln über Nacht, Westmöbel. Und die waren uns zu teuer. Ein Stuhl vierhundert Mark? Ein Tisch, das Doppelte. Und das bei zweihundert Plätzen mit den Zimmern.

Wir entschieden uns für einen Großhändler, der uns wirklich gutes Belgisches Möbel anbot. Für den viertel Preis. Vertreter dieser Firma haben bei Mutter übernachtet. Die Familienseilschaften haben sich wieder Mal als günstig bestätigt. Auf Kredit hätte ich für einen Stuhl, achthundert Mark gedrückt. Menschen können das nicht bezahlen. Auch nicht im heiligen Westen.

Fortsetzung folgt