Fortsetzung Die Suche


„Den Gastwirt kenne ich persönlich. Den könnten wir mal zu Hause besuchen. Er baut gerade ein Hotel.“

„Im Moment sieht es ungeheuer schlecht aus bei mir. Ich habe weder einen Betrieb noch irgendeine Aussicht, eine halbwegs bezahlte Arbeit zu finden.“

Das Essen bei dem Griechen war wirklich sehr gut.

Der Chef fragt Steffen, ob ich sein Freund wäre. Er erzählt von unserer gemeinsamen Zeit in Sibirien.

„Unsere warme Stube habt Ihr also gebaut?“

„Außer etwas persönlichem Stolz ist uns nicht viel geblieben“, antworte ich ihm.

„Naja. Das ist die Zeit für einen guten Metaxa.“

Christos geht in die Küche und kommt mit einem Metaxa wieder. Den haben wir schon in der DDR schätzen gelernt. Ein edles Gesöff.

„Läuft Dein Geschäft gut, Steffen“, fragt Christos.

„Besser als ich je gedacht hatte.“

„Was machst Du denn“, frage ich ihn.

„Ja. Ich verkaufe Dildos.“

„Und das funktioniert?“

„Naja. Neben Karin habe ich noch zwei Freunde, die Du auch von der Trasse kennst. Die helfen mit.“

„Und Ihr könnt gut leben davon?“

„Das Auto ist jedenfalls bezahlt. Wie ich das sehe, könnte Joana auch bald diese Helfer benötigen. Bei dem Druck, den Du hast, sicher.“

Steffen hat schon irgendwie recht. Joana bestätigt das mit ihrem Blick. Karin sagt zu Joana: „Ich muss an die frische Luft. Gehen wir eine Runde?“

Mein Gott. Wenn ich Karin so hinter her schaue. Steffen bemerkt das.

„Kannst Du Dich noch gut erinnern?“

„Lass uns einen Metaxa ein und wir vergessen den Stress erst mal für einen Tag.“

Christos lässt die Flasche gleich auf dem Tisch stehen. Irgendwie hat der ein Abkommen mit Steffen. Das hinterfrage ich nicht.

„Wie ich das sehe, bist Du momentan ziemlich klamm.“

„Das ist schon recht bescheiden ausgedrückt.“

„Du musst versuchen, Allianzen aufzubauen. Bei Deinen Beziehungen geht das sicher.“

„Naja. Ratschläge bringen jetzt erst mal Nichts. Wir müssen erst mal eine neue Gaststätte bekommen.“

„Die Kredite von diesem Pack sind teuflisch. Pass auf!“

„Du hast es ohne geschafft.“

„Natürlich. Ich habe nur im richtigen Moment angefangen. Aber jetzt brauchen wir schon auch fast eine Lagerhalle.“

„Und die Steuer?“

„Die waren bei mir schon vier Mal die Bücher prüfen. Komisch. Bei meinen Westnachbarn waren die noch nie. Die haben sich schnell, billig, freie Wohnungen gekauft. Seit dem schlafen in unserer Nachbarschaft, Flüchtlinge und Migranten. Viele Russlanddeutsche. Die wollen fast Alle wieder nach Hause.“

„Da hast Du ja Glück. Deine Nachbarn verstehst Du gut.“

„Du wirst staunen. Es sind auch Tataren dabei.“

„Jetzt vermisse ich schon fast den schönen Ural.“

„Jaja. Die Maikäfer -, Ameisen – und Mückensaison.“

„Vergess die Holzböcke nicht. Schwein vom Grill und das Brot von Hermann.“

Karin und Joana kommen zurück.

„Wir gehen inzwischen“, sagt Karin zu Steffen.

„Was? Zu Fuß?“

„Aber sicher. Joana möchte etwas testen.“

„Naja. Dann saufen wir eben noch ne Runde“, sagt Steffen zu mir.

„Lass doch die Zwei mit dem Auto fahren. Sie können uns dann abholen. Besoffen können wir eh nicht fahren.“

„Darauf einen Metaxa“, ruft Steffen, der sichtlich etwas angeheitert wirkt.

Karin lächelt zu dem Geschehen. Sie kennt das noch aus Trassenzeiten. Ich freue mich so sehr darüber, gerade die Zwei zusammen zu sehen. Ein Paar wie aus dem Bilderbuch.

„Deine Joana ist eine sehr schöne Frau. Wann willst Du heiraten. Wir kommen sicher.“

„Ich weiß nicht, ob wir überhaupt heiraten oder heiraten müssen. Die neuen Gesetze geben mir schwer zu Denken.“

„So, wie ich das sehe, braucht Ihr nicht heiraten. Ihr gehört einfach zusammen.“

„Das sehe ich und Joana auch so.“

„Wenn Ihr wieder beisammen seid, fahren wir zusammen zu Christos nach Griechenland.“

„Einen Urlaub könnten wir schon gebrauchen. Bei dem Theater.“

Die Flasche ist fast leer. Christos bringt die nächste und setzt sich jetzt auch etwas mit zu uns. Er hat im Lotto gewonnen und baut zu Hause ein Hotel. Er bleibt nicht mehr hier. Ehrlich gesagt, hat er auch nicht das Gemüt, um in so einer Stadt zu hausen. Das stellt sich schon nach den ersten Worten so dar. Das Heimweh foltert Christos. Miriam, seine Frau, kommt gerade zu uns. Miriam ist eine schöne Frau, die etwas maskulin wirkt. Typisch, südländisch. Christos springt sofort auf und macht ihr Platz, als sie kommt. Er holt sich einen Stuhl.

„Das Möbel ist von uns zu Hause“ betont er. „Handarbeit.“

„Nehme es wieder mit. Es passt nicht zu den Herren hier. Die schmeißen Alles, was ihnen nicht passt, ins Feuer.“

Christos lacht und Miriam nickt. Steffen sagt, Christos wäre Mitglied der KKE.

„Also, liebe Genossen“, antworte ich ihm.

„Das kannst Du für voll nehmen.“

Miriam steht auf, rennt in die Küche und kommt mit einem Dessert wieder.

„Bei den Mengen Metaxa, braucht Ihr sicher einen Kuchen.“

Sie hat einen Hefekuchen in der Hand, der dem Panettone sehr ähnelt. Die Stücken werden abgerupft. Sehr schön.

Karin und Joana kommen uns abholen. Es gibt Küsschen und das Versprechen, Christos und Miriam zu Hause zu besuchen. Christos und Joana helfen mir etwas beim Hinaus gehen. Ich bin besoffen. Steffen schleppt sich bis an die Tür, wo ihn die Beiden auch abholen.

Karin fährt sehr gut und flüssig. Das erinnert mich an meine Fahrlehrerin, die auch Rennen gefahren ist und jetzt als Taxifahrerin arbeitet. Sie hat auch Busse gefahren. Karin hat an der Trasse auch gelegentlich unseren Bus gefahren. Wie sie mit dem Schalthebel umgeht, sucht Ihresgleichen.

Fortsetzung folgt