Begraben im Weiher


Toni verabschiedet sich von Sibyla.

„Besuch mich mal wieder“, sagt sie zu ihm.

„Gerne. Ich bringe mal Monika mit. Du hast einen schönen Garten.“

„Nicht nur das.“

Toni wird nicht mehr rot. Er kennt inzwischen alle doppelsinnigen Anspielungen.

Er muss jetzt zu Danka. Vorher ruft er Paul an. Seine Rezeptionistin geht ans Telefon.

„Paul ist nicht da im Moment.“

„Ist Danka im Haus?“

„Da muss ich auf der Etage und in der Wäscherei anrufen.“

„Mach bitte kein Trara. Ich muss sie nur etwas fragen. Entweder in eurem Extrazimmer oder an der Rezeption.“

„Ist gut. Ich lasse sie kommen. Wann sind sie hier?“

„In zehn Minuten.“

Oh. Toni hätte eine größere Zeitspanne sagen sollen. Zehn Minuten sind etwas knapp. Obwohl er gerade auf die MEBO auffährt.

Toni kommt pünktlich an. Danka steht noch nicht an der Rezeption.

„Danka ist auf ihrem Zimmer. Sie muss heute Abend abdecken.“

Toni weiß bereits wo ihr Zimmer ist. Er geht hin. Er muss nicht mal anklopfen. Danka steht bereits in der offenen Tür. Wahrscheinlich hat die Rezeptionistin schon angerufen. Sie ist auch Slowakin.

„Ich habe jetzt Zimmerstunde.“

„Das ist aber zeitig.“

„Ich muss heute Abend noch abdecken und die Sauna putzen.“

„Darf ich rein kommen?“

„Ja. Meine Kollegin ist auch da.“

Die Kollegin ist recht dünn angezogen. Sie stellt sich mit Lenka vor. Lenka ist nicht so schön wie ihre Kolleginnen. Eher etwas maskulin mit ziemlich kurzem Haar und einer, eher sportlichen Figur. Toni muss in sich lachen. Die Zwei schlafen im Doppelbett.

„Ich habe eigentlich nur ein paar Fragen. Die brauche ich der Vollständigkeit halber.“

„Und die Fragen wären?“, sagt Danka. Danka spricht sehr gut Deutsch.

„Geht ihr mit euren Kolleginnen in die Laterne zum Tanz?“

„Ja.“

Die Antwort ist Toni etwas zu knapp.

„Geht ihr immer alle und zusammen?“

„Wenn ein Mädchen abdecken muss, geht sie nicht mit.“

„Das Abdecken dauert wohl ziemlich lange?“

„In manchen Zimmern zu lange.“

Toni versteht den Wink nur zu gut. Er fragt nicht tiefer nach. Außer in einem Fall.

„Wie sieht das mit einem deutschen Hotelier aus?“

„Bei dem dauert es immer besonders lange. Er möchte uns in seinem Betrieb haben.“

„Alle?“

„Ja.“

„Und wie sieht es damit aus?“

Toni klopft mit einer flachen Hand auf die andere, die er zur Faust zusammenrollt.

„Ja. Genau deswegen.“

„Er zahlt wohl gut?“

„Seine Frau rechnet mit uns ab.“

„Er hat eine Frau?“

„Ja. Sie ist auch da.“

Toni möchte das nicht weiter erfragen. Ihn interessiert das nur nebenbei. Er befürchtet sonst, den Faden zu verlieren.

„War’t ihr letzten Dienstag in der Laterne?“

„Ich nicht. Aber Lenka war mit.“

„Lenka. Wie Viele war’t ihr?“

„Wir waren zu viert.“

„Wie lange war’t ihr zusammen?“

„Eigentlich bis zum Schluss. Wir treffen uns immer für den gemeinsamen Heimweg.“

„Iva, Ema, Sibyla und du?“

„Nein. Danka hat uns abgeholt.“

„Also war’t ihr zu Fünft?“

„Nein. Iva hat sich von uns verabschiedet und ist zurück gegangen.“

„Hat auf sie Jemand gewartet?“

„Sicher. Sie hat gesagt, sie hat eine Verabredung.“

„Mit wem, hat sie euch nicht gesagt?“

„Nein. Sie sprach nur von einem Riesending.“

Toni fragt das nicht weiter. Er kann sich vorstellen, was die Frauen meinen. Er muss Monika auf die Mädchen ansetzen. Vielleicht erfährt Moni mehr. Langsam erklären sich auch die vielen Spermaspuren bei Iva. Er schüttelt mit dem Kopf. Schlammreiter.

Er erfährt viel Nebensächlichkeiten von den Frauen. Vielleicht ist dieser oder jener Anhaltspunkt dabei. Er hat alles aufgenommen. Heimlich. Den Mädchen hat er das nicht gesagt. Er wollte, das sie hemmungslos auspacken.

„Gute Nacht“, sagt Toni beim Abschied von den Zweien.

„Komm ruhig mal wieder“, antwortet Danka. Sie zeigt dabei etwas Oberschenkel.

Toni möchte Paul noch etwas fragen. An der Rezeption bekommt er gesagt, Paul sei unterwegs.

Eigentlich möchte Toni jetzt noch die anderen Hotels besuchen. Die Zeit wäre günstig. Wir nähern uns der Zimmerstunde und Mittagspause.

„Was gibt es denn heute bei euch zum Mittag?“

„Hähnchenschenkel, so viel ich weiß“, ist die Antwort der Rezeptionistin.

Vielleicht gibt es im Wanderhut etwas Besseres. Mal sehen.

Toni fährt zum Wanderhut. Rainer, der Chef, erwartet ihn schon. Toni hatte sich telefonisch angemeldet.

The seasonal chef – in English as Ebook


Der Saisonkoch in Englisch als Ebook.

I’ll leave it blank for a week and then put it under a password that you can ask me by email.

Ich lasse das eine Woche frei und lege es dann unter ein Passwort, das Sie mittels Email bei mir erfragen können.

http://www.dersaisonkoch.com/serendipity/categories/163-Ebooks-in-English

Ausfahrt 300921


Ausfahrt 300921

Geschrieben von BeyerKH am Freitag, 1. Oktober 2021 | Eintrag bearbeiten

Wir waren in Schnals. 

Mich zog es mal an eine Arbeitsstelle, die ich leider durch „Besitzerwechsel“ verlor. Es war die erste Arbeitsstelle in meinem Leben hier, bei der ich einer reellen Arbeitszeit nachgehen konnte und recht gut entlohnt wurde. Das Hotel liegt etwas außerhalb der Höhe, die für Menschen aus dem Mittelgebirge, beschwerdefrei, aufgesucht werden kann. Es gibt anfangs, leichte bis schwere Kopfschmerzen auf 3200m Höhe. Motorradfahrer sind in der Beziehung etwas abgehärtet. Um diese Zeit, trainieren in der Grawand diverse Nationalmannschaften des Wintersports. Als arme Sau kann ich uns natürlich keine Auffahrt bezahlen. Eigentlich wäre mir der Besuch, wer von meinen Kollegen noch da ist, recht gelegen gekommen. 

Leider wird in dem Naturschutzgebiet zur Zeit recht heftig gebaut. Es gibt auch Streit wegen Neubauten usw., die von der Schnalser Bevölkerung, glücklicherweise abgelehnt werden. Trotzdem sind die Schäden durch Unwetter enorm!

Die Straßen im Tal sind vom Belag her in gutem Zustand. Leider kommt wegen der Baubelastung die Räumung etwas zu kurz. Wie üblich, müssen in den Bergen die Steinschläge täglich geräumt werden. Zumal die erschütternde Belastung durch den Schwerverkehr, zusätzliche Steinschläge auslösen. Motorradfahrer sollten deswegen etwas vorsichtig fahren. Ich frag mich manchmal, für wen ich das schreibe. Die Rennfahrer wollen das eh nicht verstehen. Okay. Schreibe ich das für jene Zweiradfahrer, die mit ihrem Zweirad, die Natur und heimische Gastronomie besuchen wollen, statt das Krankenhaus. Ich muss gerade lachen, weil ich frisch aus dem Krankenhaus komme. Nebenbei erwähne ich aber, dass ich hier pro Jahr ohne Pandemie, rund 60-70 tausend Kilometer fahre. Manche überforderte Hitzköpfe der Landstraßen überleben nicht mal die zehntausend-, die sie pro Jahr fahren. Also, Ihr Lieben; bevor ich in die Berge fahre, möchte ich mich bitteschön schon auf der Herfahrt warm fahren, statt das Zweirad mit einem Transporter hier her zu bewegen. Wir reden vom „Biken“ und nicht vom Protzen! Die Zweiradfahrer mit dem heimlichen Elektromotor sind genau so gemeint, wie die stark motorisierten. 

Mit dem Fahrrad brauche ich von München bis hier her, sechs bis acht Stunden. Mit dem Moto, zwei. Und wenn das Alle auch tun, gibt es glücklicherweise auch keinen Stau von überladenen, schlecht steuerbaren rollenden Toiletten! Dazu gibt es erlebbare Natur und wirklich, gastfreundliche Wirtsleute.

Das ist der bereits vorhandene Hotelkomplex:

Das die Grawand. Mit einen Suchrätsel: Wo sind die Gondeln?

Und jetzt etwas ursprüngliches Schnalstal:

Fortsetzung Die Eröffnung


Zu der Zeit war der Plan leicht umsetzbar. Es gab einfach zu wenig Zimmer. Ein Berater aus dem Westen sagt uns, in der ersten Woche des Monats müssen sämtliche Kosten des gesamten Monats verdient sein. Unter dem würde das Geschäft nicht laufen. Wir sollen bei allen Preisen einen Hebesatz von Fünf anwenden. Also, Nettoeinkaufspreis mal Fünf. Die Ersten, die sich bei uns über die Preise beklagen, sind ausgerechnet Westdeutsche. Die Berater wurden uns meistens von der Bank geschickt. Sie begleiten uns sehr lange. Wir sehen das als gute Geste der Bank. Unsere Hausbank bucht auch sehr oft Zimmer bei uns.

Nach dem Mittag habe ich etwas Zeit und die möchte ich gern nutzen, endlich mal die Inhalte der Päckchen zu testen, die mir Karin und Steffen mitgebracht haben. Ich klopfe bei Steffen.

Selbstzensur

Fortsetzung folgt

Joana wird Hotelier


Joana wird Hotelier

Nach der Genehmigung durch den Bürgermeister, wird unser Anliegen im Gemeindeausschuss behandelt. Dabei profitierten wir von dem guten Ruf der Eltern. Sämtliche Ausschussmitglieder waren häufig zu Gast bei meinen Eltern. Die Genießer Seilschaften gaben uns Grünes Licht für das Vorhaben.

Zunächst haben wir Begehungen organisiert, zu denen ich auch Steffen und Karin einlud. Beide kamen. Ich wollte unbedingt hören, was die Beiden zu sagen haben. Einige Familienmitglieder wollten auch sehen, was wir da vor haben. Vor allem die Geschwister von Joana. Besonders Herbert, der gerade frisch aus dem Krankenhaus kam, war stark interessiert. Er bot sich sofort als Hausmeister an. Joana musste ihn erst Mal beruhigen.

„Wir müssen das erst noch bauen.“

Herbert vergaß seine Krankheit komplett. Er war wie neu geboren. Vor allem, als er erfuhr, dass an dem Haus eine Gedenktafel angebracht war. Wir haben ein Denkmal an einen großen Arbeiterführer gerettet. Karl Liebknecht. Wir waren von recht viel Optimismus geführt. Wohl in der Kenntnis, unseren gläubigen Gegnern passt das nicht. Das ließ auch den Kaufpreis entstehen.

Unser Saal war gesperrt. Ein Balken hat seine Kraft verloren. Mit Tanzveranstaltungen brauchten wir nicht kalkulieren.

Für gewöhnlich, war an DDR Kulturhäusern ein recht brauchbarer Garten, Grünanlagen und reichlich Parkplatz. An sich war das Gebäude recht solide gebaut, nicht nass und relativ gut intakt bis auf den Saal.

Die vielen Zimmer wollten wir zu einem Gasthof umbauen. Sozusagen, zu einem Hotel.

Ich schrieb ein Konzept und wir gingen zur Bank. Unsere erste Bank war natürlich die örtliche Sparkasse. Beim Betreten schon merkten wir, von örtlich kann keine Rede mehr sein. Der komplette Vorstand bestand aus Westbesatzern. Unsere früheren Ansprechpartner waren entweder Hausmeister oder Gärtner dieser Anlage geworden. Alle grüßten freundlich beim Betreten der Räume und gaben auch gleich gewisse Augenzeichen. Ordentlich geschulte Banker einer gemeinnützigen Volkswirtschaft wurden plötzlich Hausmeister und Sekretärin. So schnell wird aus einem Angestellten im Eliteberuf, ein Handwerker.

Unser ehemaliger Nachbar, ein recht dominanter Banker und Westgeldbewunderer, wurde plötzlich Pförtner am Eingang zur Sparkasse.

„Hast Du umgeschult?“

Er schaut auf die Wände, die alle mit Kameras ausgerüstet waren. Es waren neue Kameras. Unsere Stasi brauchte das nicht.

„Ich muss zu einem Gespräch mit einem Kreditantrag für einen Treuhandkauf.“

Als Banker war er noch voll im Saft. Gehe zu dem Schwaben im Zimmer Neun. Die Treuhand ist dem seine Spezialität. Er sagt es relativ leise. Wahrscheinlich haben die neuen Herren überall noch Mikrofone. Ich muss mich fast auf den Boden legen, um seine Augenzeichen zu lesen. Joana beobachtet Alles aus einer gewissen Entfernung. Das sorgt bei uns Beiden für den kompletten Überblick. Danach sagt mir Joana, was sie gesehen hat und wir gleichen das untereinander ab. Joana bemerkt mehr als ich. Ich bin oft zu sehr mit der Materie beschäftigt.

Fortsetzung Tag 89


Alle die Gespräche zwingen mich zu allerhöchstem Respekt für dieses aufopferungsvolle Leben. Die Devise: Alles für die Familie, wird voll bestätigt. In den vielen Gesprächen mit Schilderungen aus der DDR konnte ich bei meinen Zuhörern sehr oft deren Bedauern über die Westdeutsche Annexion vernehmen. Viele meiner Gesprächspartner hätten zu gern in der DDR gelebt. Einige waren bei uns. Sie berichten genau das, was ihnen Westschreiberlinge täglich ins Gehirn amputieren. Persönliche Erfahrungen haben sie höchstens als Touristen, Fahrer oder Montagearbeiter. Dabei hätte ich zu gern verglichen, welchen Lohn ein DDR Montagearbeiter im Gegensatz zu ihnen bekam. Sie hätten nicht schlecht geschaut. Den DDR Verantwortlichen aus dem Volk war die Trennung von Heimat und Familie, Einiges wert.

Im Westen bekommen sie das Geld sogar noch geklaut. Italien und Österreich haben wenigstens für Kost und Logis nichts kassiert. Und dafür sind wir unseren neuen Landsleuten sehr dankbar. Die Trennung von der Familie ist und bleibt trotzdem unvergütet. Leider. Genau das macht unsere Lebenswege vergleichbar. Die Südtiroler Senioren verstehen das wegen ihrer Erfahrungen. Wir sind aber vierzig bis fünfzig Jahre weiter. Genau in dem Fall, können wir nicht von Entwicklung sprechen. Ich sehe das als dramatische Rückentwicklung.

Bei allen Gesprächen interessiert mich als Koch natürlich, was meine Gäste gern essen und was sie früher gern aßen. Die Berichte sind teilweise erschütternd. Ein Volk stellt die besten Lebensmittel her und kann sich die selbst nicht leisten. Traurig. Selbst im Altersheim wird billigster deutscher Käse verköstigt, der alles Andere ist als Käse. Man scheut sich auch nicht, das Produkt mit Namen wie Edamer, Feta oder Tilsiter zu beschmutzen.

Zum Kaffee, hierzulande Jause, habe ich einen gedeckten Apfelkuchen gebacken. Keinen Strudel.

Das Abendessen war leicht vorzubereiten. Neben diversen Aufschnitten, habe ich ein Pastagericht vorbereitet. Auf die direkte Nachfrage, wollten meine Seniorenkunden morgen ein paar gute Knödel. Speckknödel. Ich habe ihnen das für morgen versprochen.

Nach der Küchenreinigung und der Abendvorbereitung, ruft die Chefin mich ins Büro. Es waren etwa zehn Belehrungen und die damit verbundenen Unterschriften fällig. Man versucht vom Bürostuhl aus, die Verantwortung auf Arbeiter abzuwälzen. Schließlich entstehen Fehler nur bei der Arbeit. Die Belehrungen haben in etwa Romanumfang. Kein Mensch kann diesen Kram an einem Tag, geschweige, in einer Woche lesen. Die reichen diese Formulare mit einem Lächeln aus und stellen sich mit einem Kugelschreiber dahinter. Auf drei Zeilen frage ich, was damit gemeint ist. „Das steht da immer“, ist die Antwort. Eine gescheite Antwort angeblich Studierter. So funktioniert Unterdrückung. Nicht anders. Der Benutzer des Schleudersitzes teilt seinen Sitzplatz mit dem Kollegen. Und das nennen die Freiheit. Ich muss laut lachen; auch wegen der Unterschriften.

„Ich unterschreibe das nicht. Ich bin hier zur Aushilfe, weil Ihr mich braucht. Ich lese das nirgends. Was Ihr wollt, bedarf allein einer zweijährigen speziellen Ausbildung.“

„Okay. Bis Morgen. Ich kläre das. Übermorgen kommt die Kollegin wieder.“

Die berühmte Drei-Tages-Krankheit. Oder soll ich Auszeit sagen?

Gut. Der Weg aus dem Ulten ist um diese Zeit umständlich. Ein Bus und ich fahre in Schrittgeschwindigkeit nach Hause. Für Übermorgen kann ich mir dann schon mal eine andere Tätigkeit suchen. Ich bin mir aber sicher, die lässt sich jetzt finden. Ostern ist in diesem Jahr sehr zeitig. Das wird für reichlich Wechsel sorgen nach den Feiertagen. Bei halbvollen Hotels braucht es eben auch nur eine Notbelegschaft. Und da gewinnt die billigste.

Joana wird in diesem Monat bei Alfred fertig. Das gibt eine kleine Abschiedsfeier. Die Kolleginnen wollen mitfeiern. Joana muss in ihrem Sommerhotel die Vorreinigung erledigen. Dazu zählen die Personalunterkünfte und die Grundreinigung des Hotels. Das dauert normal, etwa vierzehn Tage zu dritt. Für den Endspurt kommen dann die restlichen Saisonkräfte. Joana ist sozusagen, ein Vorarbeiter.

In Lana ist schon Stau. Meist vor einem Einkaufszentrum. Ich verliere bis Meran gut eine halbe Stunde. Die Fahrt in Richtung Reschen wird nur von Lastverkehr und geringem Berufsverkehr verlangsamt. Unsere Bauern fangen schon an, ihre Plantage zu bearbeiten. Das sind Vorbereitungen für Neupflanzungen.

Eigentlich wollte ich noch mal in Prad bei Luise vorbeischauen. Aber die Zeit wird zu knapp. Ich trödele mit dem Schwerverkehr in Richtung Reschen.

Gegen Fünf bin ich da. Dursun ist schon in der Küche bei Marco. Alfred auch. Man probiert das Menü.

„Wie wars?“, fragt Alfred.

„Beschissen, wie immer.“

Alle lachen. Sie wissen, was ich meine. Beschissen ist der Normalzustand. Ginge es besser, müsste ich die Arbeit nicht tun. Ginge es schlechter, wäre ich nicht da.

„Ich habe Joana ein feines sächsisches Essen mit gegeben. Sie hat mir mit geholfen.“

„Na dann. Gute Nacht. Danke mei Gutster.“

„Ich hab Joana ein Festbier mit gegeben“, sagt Alfred.

Ich frage mich, welches Fest. Ich bin zu müde, das jetzt zu erkunden.

„Danke.“

Joana hat Roulade auf dem Zimmer. Sächsisch. Mit Zwiebel und Speck. Ich kann‘s nicht glauben. Marco kocht mir ein sächsisches Essen. Und das so gut. Ich muss gleich an meine Mutter denken.

Ostern 2021


Ostern 2021

Ostern ist, wie andere Feiertage, für Saisonkräfte kein Feiertag. Für uns gibt es praktisch auch keinen Grund, das zu feiern.

Im aktuellen Virusgeschehen dürfen meine lieben, treuen Leser und literarischen Freunde miterleben, wie sich Saisonkräfte fern ihrer Familie und Heimat fühlen zu solchen Anlässen.

Ich verbinde diesen Hinweis mit dem Wunsch, jene Leser, die Ostern auch heute feiern können, anzuregen, sich darüber Gedanken zu machen, was es bedeutet, kein einziges Familientreffen wahr nehmen zu können.

Ihre Familienangehörigen zu Hause liegen im Krankenhaus, sterben, erleiden einen Wohnungsverlust oder anderes Ungemach. Sie können weder helfen noch trösten.

Saisonkräfte arbeiten für Ihr Wohl. Das Wohl ihrer Gäste.

In der aktuellen Zeit wird den Saisonkräften der Zuschlag für ihr Engagement an Feiertagen verweigert.

Bitte berücksichtigen Sie das bei ihren Abrechnungen in Hotels und Restaurants.

In dem Sinne, wünsche ich ihnen ein Frohes Osterfest!

Danke

Ihr Saisonkoch

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