Fortsetzung Tag 79


Danke sag ich aber, wenn ich nicht grob beschissen werde. Und das ist sehr selten.

„Ich rufe an, wenn ich Dich wieder brauche.“

Das klingt jetzt bissl komisch. Für was, außer Kochen, kann ich denn sonst noch gebraucht werden? „Ist denn der Streit mit Fausto behoben?“

„Welcher Streit?“

„Sie haben zu mir gesagt, Sie hätten sich mit Fausto gestritten und der will wo anders anfangen.“

„So? Hab ich das gesagt?“

Eigentlich wird es Zeit, dort wegzukommen. Schneefall hat eingesetzt. Das wird lustig. Algund ist ein ziemliches Niederschlagsloch. Dort regnet es besonders viel, scheint mir. Immer, wenn ich in Tiefdruckzeiten durch Algund muss, werde ich nass. Neben Sinich, macht sich diese Gegend durch wirklich starke Niederschläge bemerkbar. Oft dachte ich, bis nach Hause schaffe ich es trocken. Algund hat oft gereicht, meine Lederkombi restlos aufzuweichen. Das Schlimme dort ist, es gibt keinen einzigen Fleck, an dem man sich schnell mit dem Motorrad unterstellen könnte. Zwei Kilometer Weg reichen, um eine Volldusche zu bekommen. Nicht selten steht dort das Wasser auf der Straße, zwanzig bis dreißig Zentimeter hoch. Das ist für Autofahrer nicht ungefährlich.

Bei dem Schneefall denke ich zuerst an die untertunnelte Ausfahrt von Meran Mitte. An deren Einfahrt auf die MEBO, kann ich immer noch überlegen, wie ich weiter fahre. Auf der MEBO liegen nur ein paar Krümel Schnee. Wahrscheinlich wirkt dort noch ein Rest schon aufgebrachten Salzes. Es ist nur etwas feucht. Für Zweiradfahrer ein gefährlicher Straßenzustand. Zum Glück ist recht wenig Betrieb in die Richtung. In die Gegenrichtung, ist ein richtiges Gedränge. An der Forstbrauerei ist jeder Parkplatz belegt. Dort gibt es Stau. Das erinnert mich an DDR- Ausfluglokale im Erzgebirge oder an diversen Stauseen wie Kriebstein. In Burg – Kriebstein hatten mal zu DDR – Zeiten, Westspione die sächsische Nationalkunst geplündert. Sie gingen damit ihrer Gewohnheit nach; Plündern und Zerstören. Mit dem Fall der Mauer wurde dieser westdeutsche Nationalsport auf dem DDRgebiet kultiviert. Das war die Hochzeit für die alten verurteilten Kriegsverbrecherfamilien aus Bayern und Schwaben.

Ich bin schon zu Hause. Heute lohnt es sich, zu Joana zu fahren. Sonntags ist in meine Richtung sicher kein Stau zu erwarten.

Bis Schlanders treffe ich nur Stau auf der Gegenseite. Ich könnte an keinem Fleck einen Traktor überholen. So dicht ist der Rückreiseverkehr.

Kaum bin ich aus Schlanders raus, kommt mir der gleiche Stau wieder entgegen. Dieses Mal habe ich einige Kurvenschneider dabei, die mich weit über den rechten Rand zwingen. Ein Ochse schneidet als Erster die Kurve und alle Trottel machen es ihm nach als hingen sie bei ihm an einem Abschleppseil. Ab der Abfahrt Allitz wird Luft. Jetzt beginnt ein Wettrennen, bei dem sich alle frei fahren, die sich beengt und behindert fühlten. Und das in meinem Gegenverkehr. Drei Autos neben einander. Das ist dort die Grundnorm. Durch Eyrs ist Stau. Viele Polizisten stehen am Rand. Hin und wieder stehen auch Autofahrer bei ihnen, die sicher abkassiert werden. Ab Spondinig ist plötzlich Ruhe. Ich will es kaum glauben. Wahrscheinlich fahren die Besucher des Reschen, eher nach Hause als die aus dem Stilfser Gebiet kommenden. Bis Mals geht es schnell und ab dort, treffe ich nur noch ein paar Kollegen, die nach Hause fahren.

Alfred steht mit Dursun vorm Hotel. Sie entspannen jetzt etwas. Alfred winkt mit der Hand abfällig. Die Zwei scheinen froh zu sein, den Tag geschafft zu haben.

„So viele Reklamationen wie an diesem Sonntag, hatte ich noch nie.“

„Was ist denn reklamiert worden?“

„Der Preis.“

„Also, wie üblich. Das Buffet drei Mal leer fressen und dann reklamieren.“

„Die haben sogar für die Heimfahrt das Jausenbuffet abgeräumt.“

„Da sind wenigstens die Reste vom Frühstücksbuffet mit verräumt.“

„Zum Glück. Obwohl; unsere Schweine hätten sich auch gefreut drüber.“

„Geh mal zu Marco. Der hat Dir ein Leckerlie gekocht.“

Ich gehe zu Marco. Joana ist auch da. Marco hat mir eine Riesenschüssel Backhähnchen gekocht. Ich werde fast verrückt bei dem Anblick. Jetzt noch ein Pfund gut abgeschmeckte, selbstgemachte Mayonnaise und dann ins Bett.

„Wo bist Du morgen?“

„In Schenna. Ich glaube nicht an ein festes Engagement. Schenna hat erst im April Saisonbeginn.“

„Schenna. Ein Einfamiliengeschäft. Ni gut“, sagt Marco.

„Ein Name, eine Firma, eine Familie.“

„Genau das.“

„Danke, mei Gutster und gute Nacht.“

Joana geht mit aufs Zimmer. Wir reden noch etwas von dem Tag und verdrücken zusammen die Riesenschüssel, Backhähnchen.