Fortsetzung Die Saisonpause


In der heutigen Zeit wird das gern eingespart. Auch an Personal. Jeder weiß, unter Einhaltung gesetzlicher Richtlinien, gäbe es keine Gastronomie in dem Umfang.

Zum Glück geben meine Chefs die bestellten Speisen im Tellerservice ab. Das schont auch etwas den Behälter für Biomüll. Der Name steht tatsächlich auf den Tonnen. Lebensmittel sind damit Müll.

Das Frühstück zieht sich natürlich hin wegen der Zubereitung auf Bestellung. Mich stört das so nicht. In der Zeit werden die Vorbereitungen für das Mittagsgeschäft gekocht. Das Tagesgericht ist heute etwas Wild. Nicht als Braten. Als Ragu zur Pasta. Ragu ist der Italienische Name für Ragout. Damit ist das Ragu Bologneser Art gemeint. Das wird mit einem Fleischwolf zubereitet. Das Gericht ist preiswert und wird entsprechend oft nach gefragt. Schnitzel ist wahrscheinlich die deutsche Hauptspeise. Im Westen. Neuerdings sicher auch im Osten. Rouladen und solche Spezialitäten kocht heute kaum noch jemand. Vielleicht als Tagesgericht. Die mangelnde Nachfrage läßt aber kaum die Vermutung aufkommen, es mit einer deutschen Nationalspeise zu tun zu haben. Mit einem Schnitzel essen die Kunden aber soviel altes Brot wie Fleisch. Und das in einer Speise. Witzigerweise wollen sie aber kein belegtes Brot essen, das älter als ein Tag ist. Gleiches gilt auch in Beziehung zum Gehackten und deren Bratgerichte. Im Gehackten wird nur etwas Brot eingesetzt, um das Gericht zarter zu halten. Und schon hat dieses Gericht einen schlechten Ruf.

Eine Wurstsemmel hingegen, hat keinen schlechten Ruf. Genau so wenig wie Aufschnitt. Soll einer diese Trottel verstehen.

Natürlich gibt es wieder Belehrungen über Frühstückseier. Die physikalischen Kenntnisse der Gäste offenbaren uns den Bildungsgrad der fünften Klasse. Ich frage mich langsam, ob die Alle schon in der fünften Klasse abgebrochen haben. Vielleicht hatten die Schulen im Westen ab der fünften Klasse geschlossen?

Die kleinen Positionen der Bestellungen haben natürlich einen gewaltigen Nachteil. Ausgerechnet jene, die sparen wollen, müssen für ihre kleinen Bestellungen mehr bezahlen. Georg kauft Wurst und Fleisch, einhundert Gramm weise. Kilopreise von zwanzig Euro aufwärts sind da keine Seltenheit. Ganz einfach, weil die Verpackung und Logistik viel kostet.

Wild hingegen, schießt er selbst. Das Zerlegen und Einfrieren in diesen kleinen Portionen, ist eine Tagesaufgabe.

„Wir frieren Alles in Einzelportionen ein.“

Allein der Aufwand an Folien und Kunststoffbehältern, ist atemberaubend.

Kurz nach dem Mittagessen, fragen unsere Gäste tatsächlich nach Backwaren. Nach Strudel und Torte. Ausgerechnet das Sortiment, das tonnenweise und billig in den Märkten herum liegt, wollen die Gäste frisch vom Gastwirt. Bäckt der Gastwirt einen Strudel, liegt der entweder in der Gefriertruhe herum oder vergammelt binnen zwei Tagen. Man hat schließlich nicht jeden Tag Appetit auf Strudel.

Ich empfehle Georg, die Backwaren zu backen und die portioniert einzufrieren. Er zeigt mir den Inhalt der Truhe. Wir müssen zusammen lachen. Die Gäste bekommen frischen Strudel aus der Mikrowelle. Ich soll eine Portion probieren. Sein Strudel schmeckt wirklich gut.

„Braucht Ihr für dieses Geschäft wirklich einen Koch? Ihr seid doch Beide, Köche.“

„Eigentlich brauchen wir eine Küchenhilfe.“

„So sehe ich das auch. Sollen wir das beenden?“

Georg drückt mir einen Fünfziger in die Hand und wünscht mir Glück bei der weiteren Suche.

Viel mehr hätte er auch nicht bezahlen können. Wenn ich das auf einen Monat hochrechne, hätte ich dort für die Mineralölgesellschaft gearbeitet. Sicher nicht für unser Auskommen.

Die Ausfahrt und das Kennenlernen der jungen Unternehmer war mir trotzdem viel wert. Zumal mir die Gegend bisher nur vom Hörensagen bekannt war. Die weniger erschlossenen Gebiete hier in Südtirol bedürfen doch eines unternehmerischen Ehrgeizes. In erster Linie sollten die Unternehmerfamilien ihr Fach beherrschen und selbst den Gastgeber samt allen Tätigkeiten ausfüllen. Das ist kein Zuckerschlecken. In vielen kleinen Betrieben ist dazu auch noch die Viehzucht und Landwirtschaft fällig.

In dem Fall, dürfen wir von einem wirklich erfüllten Leben sprechen.

Mich zieht es wieder nach Algund. Dort waren noch zwei Termine fällig. Auch in Schenna und Meran. Ich muß mich entscheiden, welche Termine ich absage. Das ist nicht zu schaffen. Damit beginnt aber auch ein Lottospiel. Treffe ich die richtige Wahl? Ich muß mich mal etwas bei meinen Nachbarn erkundigen. Wer hat einen relativ guten Ruf? Wo erwarten mich die wenigsten Probleme?

Zu Hause sehe ich bereits wieder neue Emails. Dieses Mal reichen sie bis auf den Brennerpaß, den Reschen, die Dolomiten als auch bis Innichen. Sterzing erscheint mir interessant. Weil ich dorthin die Autobahn nutzen kann. Mit dem Motorrad ist das etwas günstiger als mit dem Auto. Bei Staus kann ich den Seitenstreifen nutzen, um pünktlich auf Arbeit zu sein. Mit dem Auto ist das nicht möglich.

Zuerst gehe ich nach Algund. Schlosserhaus nennt sich der Betrieb. Ich muß ganz schön suchen, um nicht an dem Haus vorbei zu fahren.

Chef treffe ich keinen. Die Chefin empfängt mich. Der Stimme nach zu urteilen, habe ich mit ihr gesprochen und gedacht, ich rede mit dem Chef. Das Hotel würde mir gefallen. Es liegt günstig und das Haus ist nicht zu groß.

Im Garten sitzen ein paar Gäste. Das Foyer ist dunkel. An der Rezeption steht niemand.

„Guten Tag. Wir haben keine Zimmer frei.“

„Ich bin hier um mich als Koch auf ihre Anzeige hin zu bewerben. Karl mein Name.“

Sie schaut mich von Oben bis Unten an.

„Wir suchen keinen Koch.“

Ich hole mein Telefon raus und zeige ihr, ihre Anzeige im Stellenportal. Dazu mache ich auf meine Bewerbungsunterlagen aufmerksam, die ich per Email geschickt habe und die geöffnet wurden.

„Sie sind doch das Schlosserhaus?“

„Ja. Aber wir suchen keinen Koch.“

„Ist Frau Magdalena da?“

„Ja. Das bin ich.“

„In der Antwort steht, ich soll mich bei Frau Magdalena melden.“

„Ich suche keinen Koch.“

Jetzt wird es mir zu bunt. Die Schallplatte hat einen Sprung.

„Entschuldigen sie bitte, dass ich sie belästigt habe.“

Ich verabschiede mich nicht und sie auch nicht.

Im gleichen Ort habe ich noch einen Termin. Der klingt gut und ist ein Altersheim. Dort erwarte ich nicht das Gehalt wie in Hotels, aber zumindest eine geregelte Arbeitszeit. Das Gebäude zu finden, ist für einen Ortsfremden ziemlich kompliziert. Der Eingang sieht fast aus wie das Foyer eines Hotels. Ich trete ein. Die Leute dort scheinen ziemlich beschäftigt. Es dauert fast zwanzig Minuten, ehe mich Jemand anspricht.

„Guten Tag. Bitte?“

„Sie suchen einen Koch? Karl mein Name.“

Ich werde langsam etwas vorsichtiger mit meiner Anfrage. Wenn die in dem Ort vergessen, ob sie jemand suchen, ist die Anfrage schon mit Vorsicht zu stellen. Und das, obwohl deren Anzeige heute erst erschienen ist.

Je nachdem, wie Sie das Huhn essen möchten, wird es zwischen 45 Minuten und einer Stunde im Grill gegart. Ich habe es für den kalten Verzehr für einen Giro mit Kartoffelsalat vorbereitet. Also, etwas trockener.

Fortsetzung Die Saisonpause


Darf ich erwähnen, in der DDR wurde selbst verurteilten, kriminellen Gefangenen der Tariflohn für den ausgeübten Beruf ausgezahlt. Wenn ein ehrlicher Unternehmer oder Gründer eines Unternehmens, den Tariflohn nicht zahlen kann, ist er zumindest angehalten, den geschuldeten Wert in Form von Firmenwertanteilen zu überschreiben. Damit ist wenigstens das Risiko gerecht geteilt. So wären in Südtirol sicher einige Firmen in Streubesitz. Verteilt auf ganz Osteuropa. Es gibt sicher auch einige Einheimische, die auf gleiche Art beschissen wurden.

Eine Vorstellung in Meran ist fällig. Dort habe ich mich der Not und des extrem kurzen Arbeitsweges halber, als Salatkoch beworben. Sozusagen, als Dritter, der ganz sicher auch Teile des Desserts mit zu fertigen hat. Von der Küchenreinigung und dem Drumherum ganz zu schweigen. Der Gedanke, in diesen Kreisen keine Verantwortung tragen zu müssen, war mir sympathisch.

Die Einladung nehme ich sofort an und wir verabreden uns auf den frühen Vormittag. Bei unseren täglichen Staus kann ich kaum auf die Minute genau einen Termin vereinbaren. Meine Arbeitgeber wissen das. Das Restaurant liegt direkt an der Passer. Dort kann Unsereiner mit reichlich Arbeit und einem Jahresengagement rechnen. Ich möchte also zum Sandplatz fahren und von dort das Restaurant Passerblick aufsuchen. Schon an der Brücke zum Sandplatz empfängt mich ein Verbotsschild. Drunter sind Zeiten geschrieben, die noch nicht erreicht sind. Ich passiere das Schild, um zu sehen, ob überhaupt Jemand auf dem Sandplatz oder dem Besucherparkplatz steht. Auf den Sandplatz stehen wie immer, reichlich motorisierte Zweiräder. Ich denke mir, das gilt auch für mich. Vor dem hiesigen Gesetz sind wir schließlich Alle gleich. Ein Plätzchen findet sich gerade so zwischen Rollern und Motorrädern. Die Fahrräder stehen extra. Meist an Stellen, wo man sie anketten kann. Am Arbeitsamt bemerke ich eine Schlange, die sicher mit den Meldungen zum Abschluß der Wintersaison zu tun hat. Ich freue mich, dieses Mal nicht in dieser Schlange stehen zu müssen.

Der Empfang am Passerblick fällt bescheiden aus. Ich treffe Kollegen. Wie scheint, die besseren. Zuerst gehen wir durch die Küche. Alle Kollegen grüßen. Ich höre wieder sämtliche Europäische Sprachen.

„Warte mal draußen. Der Chef kommt gleich“, bekomme ich gesagt. Am Tisch auf der Terrasse frage ich mich, was denn in einem Restaurant für ein Umsatz erwartet wird, der diesen Personalaufwand rechtfertigt. Immerhin zähle ich ein Dutzend Kollegen. Der Gedanke erzeugt in mir etwas Mißtrauen.

Nach etwa zwanzig Minuten begrüßt mich ein Kollege. Meine Unterklagen hat der nicht gelesen. Darin bin ich mir sicher. Trotzdem hat er meine Unterlagen mit. Er will sie wahrscheinlich mit mir zusammen lesen. Die vielen Fragen, ob ich kochen kann oder die einheimische Küche beherrsche, bleiben mir erspart.

„Wie lange bist du schon bei uns?“

„Fünfzehn Jahre.“

„Warum willst du als Dritter Koch arbeiten?“

„Keine Verantwortung, kurzer Arbeitsweg und damit wenig Kosten.“

„Was willst du bei uns verdienen?“

„So viel wie möglich.“

Damit sage ich ihm, ich erwarte zumindest den Tarif. Mit der Forderung ist er einverstanden. Scheint mir.

„Ich melde mich. Danke für deine Vorstellung.“

Die Aussage interpretiere ich als Absage. Das war es. Ich soll mir noch ein Getränk bestellen. Natürlich bestelle ich einen Kaffee. Nebenbei schaue ich auf das Telefon. Meine Emails und Anrufe von zu Hause, lasse ich mir am Telefon anzeigen. Ich rufe gleich am Tisch zurück.

Wie sich heraus stellt, sind es zwei Antworten aus Meran auf meine Bewerbung.

Eine kommt von Gegenüber. Ich schätze, aus unserem neuen Badeparadies. Das befindet sich aber nicht in Südtiroler Hand. Der andere Anruf kommt aus den Lauben. So richtig sicher bin ich mir nicht. Das Restaurant scheint ziemlich versteckt. Egal, denke ich mir. Hauptsache in unserer Nähe.

Zuerst gehe ich in die Lauben vom Sandplatz aus. Der Plan war gut. Ich muß nicht zu lange in meinen Motorradklamotten laufen. In den Gassen ist es früh schon zu heiß.

Fortsetzung Der letzte Arbeitstag


Es gibt aktuell zwar weniger Touristen. Aber eine gewisse Hektik in Vorbereitung der Feiertage ist spürbar. Der Grüne Donnerstag als auch Ostern, sind in unmittelbarer Nähe. Wir feiern diese Tage nicht. Für uns bedeutet das Arbeit. Und das, nicht zu wenig.

Auf der Seiser Alm versuche ich es mit einem Anruf kurz nach unserer Ankunft zu Hause. Keine Antwort. Vielleicht geht eine Email? Auch Nichts. Ich gehe davon aus, die Chefitäten sind ausgeflogen.

Eigentlich hätte ich gern eine Stelle, bevor ich an Urlaub denke. Schon auf Arbeit habe ich mir diverse Angebote angeschaut. Für mich interessante Angebote, habe ich markiert und in mein Adressbuch aufgenommen. Bevor wir das Haus verlassen, muss ich daran denken, sämtliche Bewerbungen abzuschicken.

Nachdem wir unser Geld zusammen gelegt haben, geht es an die Haushaltkasse. Wir haben zu ermitteln, wie viel Geld wir für unsere Kosten aufzubringen haben. Nach dem Abzug der Kosten, die wir großzügig bis Juni kalkulieren, ergibt sich unsere Urlaubskasse. Wir kalkulieren bis Juni, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich rechtzeitig eine Stelle bekomme. Zu berücksichtigen gilt auch, die um einen Monat verzögerte Lohnzahlung im Falle einer Einstellung.

Unsere Urlaubskasse lässt nach der Inventur keine großen Sprünge zu. Kredite für Urlaub, Fahrzeuge und Überziehungen sind nicht unser Ding. Wieso sollen wir Dinge doppelt bezahlen, wenn uns schon der normale Erwerb zu sehr belastet? Schließlich belastet uns schon ein Menschenrecht zu sehr. Das Recht auf Wohnen.

Jetzt, nachdem unsere Pflichtaufgaben erledigt sind, feiern wir unseren Urlaub mit einem Bier.

Bei dem Besuch der Heimat vor der Wintersaison, haben wir uns etwas Bier unserer Lieblingsbrauerei mitgebracht. Ein dunkles Bockbier. Eigentlich verschenke ich davon eine Kostprobe an die Monteure in unseren Werkstätten. Die sorgen schließlich dafür, dass wir rechtzeitig auf Arbeit fahren können. Für unseren Durst lege ich uns vier bis fünf Flaschen zurück, die wir im Laufe eines Jahres genießen. Neben einem gelegentlichen telefonischen Kontakt mit Familienangehörigen, ist das mit der einzige Weg, seiner Heimat zu gedenken.

Am kommenden Morgen dürfen wir dann auf das Arbeitsamt in Meran fahren. Das Parken in dieser neuen Umgebung ist gebührenpflichtig. Wenn der Parkplatz nicht geöffnet ist, gibt es kilometerlange Wege durch die Stadt. Fahren wir mit dem Motorrad, droht uns ein Busgeldbescheid, der sich gewaschen hat. Neuerdings steht auf der Brücke in Richtung Sandplatz ein Verbotsschild. Vielleicht ist es besser, das Amt gar nicht zu besuchen. Das wiederum, wird ganz sicher auf dem Rentenbescheid zu sehen sein.

Also, wie kommen wir jetzt zu diesem Amt? Joana überlegt.
„Wir fahren mit dem Motorrad. Nur so kommen wir zeitnah und preiswert dort hin.“

Es steht immerhin die Befürchtung im Raum, alle Parkplätze der näheren Umgebung sind belegt von Arbeitern, die sich arbeitslos melden müssen. Mit dem Motorrad kommen wir etwas näher ran.

Gesagt, getan. Wir schnappen uns die Unterlagen. Joana überfliegt noch einmal genau sämtliche Dokumente.

„Hoffentlich haben wir Nichts vergessen.“

Wir fahren los und finden gegenüber des Sandplatzes einen Platz für unser Motorrad. Der Weg zum Sandplatz ist fast einen Kilometer lang. In Schutzkleidung für das Motorrad, kann das ziemlich anstrengend werden. Mit Helmen und Taschen, ist auch für reichlich Handgepäck gesorgt. Trotzdem haben wir gewaltig gespart. Für die Fahrt zu Zweit, von zu Hause aus, hätten wir zehn Euro bezahlt. Ein Taxi wäre vielleicht preiswerter.

Vor dem Haus angekommen, werden wir von einer Schlange erwartet, die ich bestenfalls bei den ersten Grünen Gurken in der HO der DDR angetroffen hätte. Die Grünen Gurken kamen immer pünktlich vor der Jugendweihe frisch aus Rumänien. Das Kilogramm kostete damals sieben Mark dreißig. Für das Geld, würde sich heute kein Kunde in eine Reihe stellen, um Grüne Gurken zu kaufen. Dafür stehen wir aber in einer Menschenmenge, um uns arbeitslos zu melden. Es ist schon erstaunlich, aus welchem Grund heutzutage, Menschen in Schlange stehen. Heute stehen wir für einen Stempel, etwas Misshandlung oder für eine Schüssel warme Suppe.

Passeiertal im Juni

Fortsetzung Die Ermittlung


Das Handy klingelt. Die Sekretärin von Marco geht ran. Sie sagt, auf der Seiser Alm hätte Darek mit Jolka und auch Soltan, in mehreren Betrieben gedient.

„Jetzt wird’s lustig“, ruft Marco. „Wir können hier auch noch andere Betriebe abklappern.“

Der Aussage der Sekretärin folgend, dürfen sie noch eine Hütte und zwei Hotels besuchen. Eine neue Runde beginnt.

Sie fahren gleich wieder los. Noch am gleichen Tag.

Der Kofelblick und der Zirmadler sind noch fällig. Die Drei sind sich einig, es sind mehr Hotels und Hütten als diese zu besuchen. Einen schaffen sie noch. Den Rest werden sie mit Terminen von zu Hause aus erledigen.

Die Auffahrt zum Kofelblick ist für sie schon fast ein Kunststück. Die Wege sind versandet und teilweise mit Kies belegt. Marco fährt das wie ein Profi. Toni, eigentlich der Mann mit mehr Fahrpraxis, eiert gewaltig auf den Wegen. Monika verkrampft sich teilweise. Sie begegnen Wanderern, die einfach keinen Platz machen wollen. Kühe und Schafe hingegen, machen bereitwillig Platz. Sogar die Hunde, das Wachpersonal der Herden, gehen respektvoll ur Seite.

Der Kofelblick ist eigentlich eine gut ausgebaute Hütte. „Hier könnten wir auch Etwas essen“, sagt Monika. Die frische Luft scheint bei ihr das Hungergefühl zu beleben. Aus dem Schatten des Schlern sieht die Seiser Alm wie ein Garten aus. Der Plattkofel leuchtet im Nachmittagslicht wie eine Goldkuppe.

Bei einem Gespräch mit der Chefin des Hauses stellt sich schnell heraus, Darek und auch die Anderen waren hier. Alle gehen ins Büro und kopieren die entsprechenden Unterlagen. Die Chefin weiß, Soltan war allein bei ihr. Auch Jolka. Darek hat zu dieser Zeit nur kurz bei ihr geholfen. Am freien Tag von ihrem Kellner. Darek arbeitete eigentlich schon im Zirmadler. Der Weg dahin ist etwas umständlich und nur zu Fuß in knapp zwei Stunden möglich. Darek hat Jolka deshalb nicht jeden Tag besucht. Wie scheint, hat Soltan die Fehlzeit ersetzt.

Langsam aber sicher, ergibt sich für die Drei eine Spur.

Nach Feierabend schauen die Drei, ob schon Törggelen angeboten wird. Noch nicht. Es finden aber schon Weinfeste statt. Toni meidet das. Er mag keinen Wein. Marco hingegen sagt, er gibt einen Suser aus. In Bozen. Am Magdalener wird schon der Suser ausgeschenkt. „Dann gibt es sicher auch schon etwas Törggelen“, sagt Monika.

„Ich mag keine warme Blutwurst“, sagt Marco.

„Aber das Bauchfleisch von hübschen Schweinchen, magst du ganz sicher“, antwortet Toni. Marco kann nicht widersprechen und Monika lacht. Der Suser hat Toni geschmeckt. Toni hat nur ein kleines Glas getrunken. Marcos Glas war doppelt so groß. „Jetzt kannst du nicht mehr fahren“, sagt Toni zu seinem Kollegen. „Der Suser hat nur ein Prozent Alkohol“, antwortet Marco. „Das Gläschen wird kaum messbar sein. Meine Weinbrandbohnen im Schreibtisch haben mehr Alkohol.“

„Aber hinfallen darfst du heute nicht mehr“, antwortet Toni.

„Wir fahren eben vorsichtig nach Hause“, sagt Monika.

„Wir treffen uns morgen im Büro“, gibt Toni zum Besten. In Meran trennen sich die Drei.

Auf Tonis Hütte kommt Monika auf den Punkt. „Ich glaube nicht an die Schuld Dareks. Das war sicher jemand Anderes.“

Toni scheint sich nicht sicher zu sein. „Wir brauchen mehr Spuren.“

Fortsetzung folgt

Kleine Ausfahrt mit Lieferung 310521


Natürlich muss ich auch gelegentlich meine Bücher ausliefern. Dazu hatte ich auch die Sorge, einen Motorradfreund verloren zu haben. Im Ultental ereignete sich ein tödlicher Unfall mit einem deutschen Motorradfahrer. Auf dem Pressefoto sah die Unfallmaschine so aus, wie die meines Motorradfreundes.

Die Zeit war kurz und ich konnte Euch nur vom Weg, zwei Fotos aus dem Etschtal in Richtung Meran machen.

Aktuell arbeite ich an diesem Buch an der italienischen Übersetzung parallel zu dem Liebesroman „Joana“.

Tag 66 Fortsetzung


Fortsetzung Tag 66

Ich komme an. Eine Rezeptionistin empfängt mich. Die Rezeptionistin ist keine Südtirolerin. Eher, eingeheiratet. Blutmischung nennt sich das hierzulande. Südtirol präsentiert sich am Hotelempfang mit slowakischem Akzent. Ich muss leicht lächeln. Die Kinder der Arbeiter- und Bauerndiktaturen erobern still Europa. Ihre Eltern haben sie dafür gut vorbereitet.

Ich soll in die Küche gehen. Der Chef ist in der Küche. ‚Welch ein Glück‘, denk ich mir. ‚Der Chef ist ein Kochkollege‘. In dieser Küche steht nicht der Südtiroler Bevölkerungsdurchschnitt. Da stehen ausnahmslos Gastarbeiter. Zu der Zeit. Ich frage mich, ob das einheimische a la carte wirklich so gut genutzt wird, um so eine große Küchenmannschaft zu halten. Der Chef wirkt auf mich freundlich und zuvorkommend. Fast schon einschleimend. Er möchte, dass ich bei ihm eine Probearbeit annehme. Komisch. Die Probezeit ist eh vierzehn Tage. Ich frag ihn, wann es ihm recht ist. „In dieser Woche.“

Ich kann das noch nicht bestätigen und verspreche, es telefonisch oder per Email zu machen. Es ist eh Zeit bis ins Frühjahr. In der Anzeige war das leider nicht konkret aufgeführt. Dort stand sofort. Mich fragt Keiner, ob ich eventuell einen Kaffee trinken möchte oder überhaupt einen Durst habe. Zum Glück nehme ich mir auf solche Touren immer etwas zu Trinken mit; auch Kaffee. Durch den Termin bin ich mal nicht in Zeitnot geraten. Der war wirklich kurz. Ich kann also recht pünktlich weiter fahren.

Den Vertigen runter, so nennt sich der Berg zwischen Partschins und Algund, ist recht reger Verkehr. Ich darf wieder Platz machen für meinen Gegenverkehr. Kaum Einer, macht mir Platz. Der Vertigen ist ein äußerst sonnenreicher Berg. Vielleicht kommt die forsche Fahrweise von der vielen Sonneneinstrahlung. Ich vermute das. Jedenfalls kommt mir kein blasses Gesicht entgegen.

Der Nächste Termin wäre im Ultental. Wer dieses Tal halbwegs kennt, weiß, unter einer Stunde ist nicht mal die Anfahrt machbar. Bei der bis jetzt verbrauchten Zeit, wäre das mein letzter Termin. Den lass ich erst mal weg. In Bozen ist ein Termin vereinbart, der mir etwas dringender erscheint. Bei diesem Termin verspreche ich mir mehr. In solchen Situationen habe ich mich leider viel zu oft vergriffen. Wer die Personen hinter den Firmen nicht kennt wie die Einheimischen, wird leicht Opfer solcher Irrtümer.

Auf der MEBO, so nennt man hier die autobahnähnliche Straße zwischen Meran und Bozen, ist reichlich Verkehr. Auch, Zweiradverkehr. Ich ärgere mich darüber. Wäre ich zu Hause auf das Motorrad gestiegen, gäbe es sicher keine Verzögerungen bei den Vorstellungen. Zu viel Gas kann ich nicht geben auf der MEBO. Unter den Brücken an bestimmten Ausfahrten, finden unsere Verkehrspolizisten geeignete Standorte für ihre Stoppuhren. Das ist bei dem Zeitdruck unserer Arbeiter ein recht einkömmliches Geschäft. Immerhin muss ein Großteil unserer Arbeiter im geteilten Dienst, zwei Mal die MEBO benutzen. In ihrer Freizeit, natürlich. Hier im Westen ist der Arbeitsweg keine Arbeitszeit. Und wenn der Arbeitgeber ein Bett in der Besenkammer hat, ist sogar der Arbeitsweg noch kostenpflichtig.

In Bozen ist wie immer um diese Zeit, der Verkehr etwas ruhiger aber trotzdem ziemlich lebhaft. Unsere Stadtarbeiter demontieren den Weihnachtsschmuck. Das sorgt für lästige Staus, die hier scheinbar geduldig ertragen werden.

Mein Termin ist unter den Lauben. Vor meinem Fahrtantritt habe ich mir den Stadtplan auf das Handy kopiert. Eine erhöhte Gebühr für die Datenverbindung ist uns Proleten natürlich zu teuer. Unter die Lauben kann ich nicht fahren. Das ist Fußgängerzone. Irgendwie muss ich jetzt von Hinten in die Nähe meines Termins kommen. Und genau die Suche habe ich mir mit der Kopie erleichtert. Ich finde die Nebenstraße. Die Parkgebühr ist beachtlich. Zwei Euro für eine Stunde. Bei einem Zehn-Stunden-Arbeitstag sind das zwanzig Euro. Ja; und bei einem sechsundzwanzigtägigen Arbeitseinsatz pro Monat, ist gleich mal der halbe Lohn fällig. Ich hoffe auf einen Parkschein von meinem Arbeitgeber. Mit der Anfahrt von zu Hause und dem Fußweg zur Arbeit, bin ich bei geteilter Arbeit, immerhin drei Stunden pro Tag unterwegs.

Wenn keine Unfälle oder Staus das verhindern.

Mein Arbeitgeber ist eine Sprachschule. Tagsüber. Abends soll dort eine Pizzeria aufgebaut werden. Naja. Pizza backen ist jetzt keine Routine in meinem Beruf. Aber das kann ja noch werden. Hauptsache ein Ganzjahresjob. Das hat Vorrang vor allen anderen Angeboten. Es muss eben nur erträglich sein.

Mein Arbeitgeber ist ein Italiener. Ein Walscher, wie man hier bisweilen sagt. Ich weiß nicht, ob das abwertend gemeint ist. In den meisten Fällen wird es in einem liebevollen oder freundschaftlichen Zusammenhang gebraucht. Wenn wir über die Westbesatzer reden, fallen selten liebevolle Worte für die Verbrecher. In einem sozialistischen Italien müssten wir darüber nicht reden. Ein Walscher wäre sicher so stolz wie ein Südtiroler auf seine Herkunft. In sozialistischen Ländern wird Regionalität besonders gefördert. Mir fallen umgehend die Sorben der DDR ein.

Tagsüber benötigt mein Gesprächspartner eine Art Werksessen für seine Schüler. Die möchten eine andere Sprache lernen als sie eh schon können. Ich würde zu gern etwas Italienisch dazu lernen. Schließlich treffe ich auf meinen Motorradtouren, reichlich Landsleute. Und genau mit denen, möchte ich hin und wieder, ein freundliches Wörtchen wechseln. Ich verspreche mir also Etwas von dem Engagement. Mein Gesprächspartner ist ein freundlicher Typ, der auch ein oder zwei Fitnesscenter betreibt.

Er zeigt mir die Küche. Die ist gut eingerichtet. In der Ecke steht ein Pizzaofen.

„Der ist für abends“, meint er. Ob ich das auch könne. Ich bejahe das mit der Einschränkung, ich hätte das lange nicht getan bis auf ein paar Vorspeisen in den Hotels im Rahmen der Menüs. Er zeigt sich erfreut und stellt sich mit Mario vor.

Das freut mich und ich werde zunehmens lockerer.

Ich sage ihm meinen Name und schon sind wir beim Du.

Der Arbeitsbeginn wäre in einem Monat. Ein arabischer Kollege muss wieder nach Hause. Er heiratet. Mario gibt mir seine Telefonnummer und er ruft an. Wir trinken zusammen einen Macchiato, schwätzen noch über die Parkkarte und die Parkmöglichkeiten und schon muss er weg.

In mir keimt Hoffnung auf. Er hat mir einen wirklich feinen Lohn angeboten. In einer Jahresstelle, dieser Lohn, macht mich etwas euphorisch.

Mittlerweile ist es gegen Dreizehn Uhr. Der große Mittagspausenverkehr setzt ein. Das gibt Stau. Bis nach Hause brauche ich weit über eine Stunde. Normal könnte ich dann schon wieder auf Arbeit fahren. Mit dem Auto wird das so, nichts. Mit dem Motorrad ginge das problemlos. Auch beim Parken.

Ich schaue kurz zu Hause vorbei. Paula grüßt von ihrem Balkon. Antonia schiebt die Gardine beiseite und winkt.

„Ich muss gleich wieder weg“, rufe ich zu Paula.

„Ist Joana immer noch Oben?“

„Da fahr ich jetzt hin.“

„Hast Du Arbeit gefunden?“

Woher weiß Paula, dass ich Arbeit suche? Der ländliche Buschfunk ist voll am Wirken.

„Mal sehen. Vielleicht klappt es.“

Jetzt wird es Zeit, nach Nauders aufzubrechen.

Der Verkehr ist jetzt erträglich. Selbst der Lastverkehr scheint verschwunden. Bis nach Schlanders komme ich gut voran. Ich schaue nicht noch mal bei meinen Bewerbungen vorbei. Obwohl mich das Mittagsgeschäft schon interessiert hätte. Dafür ist es aber zu spät.

An den Laaser Apfelplantagen ist reger Verkehr. Das ist die Stelle mit den Eismuren an den Plantageneinfahrten. Die Straße ist frei aber nicht ganz trocken. Der einheimische Verkehr läuft recht zügig. Nach Schluderns sehe ich auch wieder Lastverkehr. Der bewegt sich in Richtung Reschen. Kurz nach Mals, biegt aber der Großteil ab. Zum Glück. Ich brauche bis zu Alfred, keine zwanzig Minuten.

Dursun steht vor der Tür und schaut mich fragend an.

„Ich bekomme erst heute Abend die ersten Nachrichten.“

„Das‘s gut.“

Joana ist schon fertig und ziemlich neugierig. Wir reden über die Bewerbungen und sie warnt mich wieder vor zu viel Euphorie.

Nach der Tour bin ich müde. Ich schaue nicht auf Nachrichten und Meldungen. Nach langer Zeit nehme ich mal wieder ein Dusche. Das tut wirklich gut jetzt. Joana hilft mir etwas beim Rücken waschen. Wir gehen schlafen.

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