Leseprobe Der Saisonkoch Wintersaison – Dritter Monat


„Ich muss schnell los. Sonntags wird viel Betrieb sein. Tschüss.“

Bis auf ein paar Abreisen, herrscht im Ort Totenstille. Das setzt sich auf der Straße fort. Ich treffe niemand. In einer dreiviertel Stunde bin ich schon im Schnalstal. Ein absoluter Rekord für mich auf dieser Strecke.

Martin ist noch nicht Unten. Sepp gibt mir einen großen Kaffee und stellt mir die Panna di montare hin. „Wie war die Fahrt?“

„Ich konnte heute einen Rekord aufstellen. Keine dreiviertel Stunde. Die Straße war leer.“

„Ich fahre auch gern Sonntag früh. In der Nacht ist mir das zu anstrengend.“

Wir ratschen noch etwas. Ratschen ist der Südtiroler Begriff für Tratschen. Für mich ist das wichtig, weil ich auf diese Art, Südtiroler Begriffe und wichtige Nebensächlichkeiten erfahre.

Martin kommt und fragt, warum ich nicht schon koche. Sepp schüttelt den Kopf. Julia kommt mit Martin zusammen. Sie zieht ihm am Ärmel. „Stai calmo!“

Ich gehe in die Küche und lasse die Salate durch. Mir geht gerade durch den Kopf, ich könnte meine Arbeit etwas genauer nehmen.

Martin kommt in die Küche und sagt mir, er braucht heute um die zweihundert Knödel.

„In Deiner Qualität schaffe ich das nicht bis Mittag.“

Keine Antwort. Ich mache die Zwiebel fertig, den Speck und behandle das wie immer.

„Ich möchte die Zwiebel als Würfel.“

„Als Würfel gehen Zwiebel nicht zu schneiden. Mach mir das bitte vor.“

Ich überlege, was den Mann geritten haben könnte. Haben die keine Betten? Hat die Agathe die Tage? Was ist los mit dem?

„Ich will die Zwiebel handgeschnitten.“

Okay. Schneide ich sie ihm mit der Hand. Ich hole drei Zwiebeln, halbiere sie mit der Schale, ziehe die Schale ab und schneide die Zwiebel. Den Speck kuttere ich wie immer, mische die Zwiebel samt Butter unter und stelle das in den Dämpfer bei hundertzehn Grad. Brühe ist keine da. Ich nehme gekörnte Brühe. Die mixe ich mit Wasser, Salz, Pfeffer,und Ei. Die Brühe soll nicht grün werden. Die Kräuter habe ich vorher etwas geschnitten. Die gebe ich zum Brot. Knödelbrot ist zu wenig da. Ich kann trockene Brötchen jetzt per Hand ziemlich flott in Scheiben schneiden oder halbe Brötchen in den Kutter geben. Ich schneide die erste Hälfte mit der Hand und gebe die Anschnitte in die Maschine. Die Zwiebel samt Speck ist fertig. Der Speck ist jetzt auch etwas weicher. Der Speck und die Zwiebel sind jetzt etwas abgekühlt und schon kann ich die zwei Ansätze zusammen gießen. Allein die Prozedur kostet mich dreißig Minuten mehr. Eigentlich kann ich das nur beim Knödel drehen aufholen. Wenn er da verrückt spielt heute, muss er mitdrehen. Sonst schaffen wir das nicht. Beim Knödel drehen ist eigentlich nur eins wichtig. Die Oberfläche muss eine glatte, homogene Fläche, ohne Risse und Brüche sein. Das erreicht man nur mit feuchten Händen. Um die ständigen Unterbrechungen durch das Anfeuchten der Hände in einer Schüssel zu vermeiden, stelle ich mir das warme Wasser des Wasserhahnes auf tropfend. Das erspart mir auch die umständliche Reinigung des Arbeitsplatzes. In der Nähe des Wasserhahnes geht das eben doppelt schneller. Martin spielt tatsächlich verrückt. Er nimmt sich wie ein Kind, die Hälfte des Knödelteiges und dreht die Knödel an seinem Arbeitsplatz. Er will ein Wettdrehen veranstalten. Wehe, ich bin schneller. Kurz. Ich drehe drei, während er Einen dreht. Und es sieht nicht zum Kotzen aus an meinem Arbeitsplatz. Jetzt könnte er noch eine Schablone nehmen und messen, ob seine Knödel runder sind als meine. Der Nächste, der die Knödel auf seinem Teller bricht, wird ihm sagen, meine Knödel schmecken besser. Und dann ist Schluss mit extra rund. Das erspart uns auch die Frage, wo es die Knödel zu kaufen gibt.

Der Mittagstisch ist kaum besucht. Ein paar Kirchengänger hängen noch am Tresen fest. Die essen aber nicht. Einer von ihnen wird sogar von seinem Sohn abgeholt. Das wäre mir wieder peinlich. Andere Sitten, andere Gewohnheiten. Dafür bin ich aber in einer Gaststätte aufgewachsen. Ich habe sozusagen, die Peinlichkeit von Kindheit an kennen gelernt. Ich wünsche Keinem, durch seine Kinder oder seine Frau, vom Stammtisch abgeholt zu werden. Ich kenne die Redensarten genau jener Stammtischfreunde, die Zeuge dieser Vorfälle waren. Und wenn das die nach Hause Getriebenen wüssten, würden sie nie wieder mit ihren Saufkumpanen reden.

Streichkäse/Schmelzkäse


Käseabschnitte haben wir in unserem Haushalt sicher genug. Die können wir zu Reibekäse für Pasta oder eben zu Streichkäse verarbeiten.

Der Vorteil liegt klar auf der Hand, weil wir diesem Käse, sowohl Wurst, Kräuter als auch Fleisch zusetzen können. Mit Wurst meine ich selbstverständlich sämtliche verarbeitete Fleischwaren auch in Form von Trockenfleisch, Schinken usw.. Mit Fleisch, gegarte Zutaten wie Braten, Steaks und Schnitzel.

Schmelzkäse wird industriell hergestellt. Der selbst gemachte, ist natürlich besser, weil wir uns die Zutaten, die wir lieben, selbst dazu mischen.

Käse wird im Kutter warm wie auch die anderen Zutaten. Wir sollten also den Kutter nicht zu voll füllen, damit sich die Zutaten auch sehr gut mischen und verbinden. Eventuell können wir Butter oder ein aromatisches Öl zusetzen. Aber sparsam bitte und wenn, dann nur in kleinsten Portionen. Beim dritten oder vierten Mal haben Sie ganz sicher den Dreh raus. Die absoluten Liebhaber von Speckfett (Griebenschmalz), können natürlich auch diesen verwenden. Das Aroma mit Käse ist unschlagbar. Sollte sich zufälligerweise ein Abschnitt von Gorgonzola darunter befinden, dürfen wir von einem ganz besonderen Schmelzkäsegenuss reden. Bei Mozzarella und den geräucherten Varianten davon, können Sie etwas mehr Fett zusetzen. Sie werden staunen, selbst ein paar Krümel Parmesan bleiben Ihnen geschmacklich nicht verborgen.

Leblos im Schnalser Stausee


Leblos im

Schnalser Stausee

eine Kriminalgeschichte

von

KhBeyer

aus der Reihe

Der Saisonkoch

unter

dersaisonkoch.com

oder

dersaisonkoch.blog

(auch in anderen Sprachen verfügbar)

Der Schreck

Wie üblich, fährt Andreas am Montagmorgen zum Schnalser Stausee. Im Tal ist zu dieser Zeit eher der Gegenverkehr in Richtung Meran und Schlanders unterwegs. Andreas kann locker und gemütlich fahren. Der erste Weg führt ihn in die Tankstelle in Pifrol, wo er viele seiner Kollegen und Freunde beim Frühstück trifft. Für Gewöhnlich isst er dort ein großes Panini mit Schnalser Speck und Käse. Die Brötchen der örtlichen Bäckerei mag er besonders. Er will sie nicht gegen irgendwelche Panini anderer Bäckereien tauschen. Die hier, sind einfach eine Wucht und wirklich jeden Cent wert. Den Blick in die Zeitung kann sich Andreas sparen. Die mündlichen Nachrichten der Bewohner des Tales sind tausend Mal überzeugender und wesentlich aktueller als die aus der Landeshauptstadt. Um diese Zeit ist es am Stausee etwas frisch. Andreas lässt sich einen keinen Schuss in den Kaffee geben. Das morgendliche Frostgefühl lässt umgehend nach. Nach dem Blick auf die Uhr, entschließt sich Andreas, los zu fahren.

Die Wirtschaft an der Staumauer hat noch nicht geöffnet. Es stehen schon ein paar Autos auf dem Parkplatz. Sicher die von Anglern oder vom Hotelpersonal der Umgebung.

Andreas läuft auf die Mauer. Das gehört zu seinem Kontrollgang. Im Wasser sieht er einen Gegenstand, der nicht ganz an der Oberfläche schwimmt. Zuerst denkt er, es wäre ein Baumstamm. Dunkel und länglich. ‚Hat Jemand einen Stamm vom Holzschnitt in Wasser geschmissen?‘, denkt er sich. Oberhalb vom See, haben Bauern, Holz in ein und zwei Meter Stücke geschnitten. Wahrscheinlich lässt es sich so besser transportieren. Ein Stück könnte weg gerollt sein.

Das Gelände dort ist stellenweise sehr abfallend. Andreas holt sich einen Haken. Er möchte das Stück Holz an Land ziehen. Kaum hat der Haken den Kontakt mit dem vermeintlichen Stück Holz, muss Andreas feststellen, es ist ein Mensch. Zuerst denkt Andreas an seine Nachbarn. Die haben in den Tagen Holz geschnitten. Er glaubt an einen Unfall. In der Tankstelle, war aber keine Rede davon. Auch keine Rede von einem Unfall in der Nachbarschaft. Andreas ruft den Notdienst an. Mehr möchte er erst mal nicht tun. Er glaubt nicht daran, hier ließe sich Etwas retten. Nach dreißig Minuten kommt schon die Rettung. Die kommen nicht allein.

Die Carabinieri des Ortes haben es nicht weit. Sie sind auch gleich da und sperren die Gegend ab. Sogar die Straße.

Fortsetzung folgt

Abfahrt vom Giau nach Arabba

Tag 75


Tag 75

Joana weckt mich. Wir stehen wieder zusammen auf. Heut ehat Joana schon den Kaffee gemacht. Wir reden etwas über Meran, die Stelle und über meine Hoffnung auf eine Ganzjahresstelle. Joana sagt, ich soll mir keine Hoffnung machen.

Nach dem Kaffee gehen wir zusammen zu Marlies. Heute steht Alfred zusammen mit Dursun bei Marlies. Die Mädels kommen mit uns. Wir begrüßen uns im Foyer. Den Kaffee vor der Arbeit trinken alle stehend. Keiner benutzt dafür den Pausenraum. Das Geschnatter ist trotzdem das gleiche. Es geht wieder über Blusen, Hosen, Röcke Kleider und Unterwäsche. Jetzt fehlt nur noch, die Mädels fangen an, ihre Unterwäsche direkt zu vergleichen. Dursun bekommt schon starre Augen. Ich auch. Die schönen prallen Hintern von Mira und Ahu sind immerhin einen Extrablick wert. Ich grade schon fast ins Träumen. Joana schaut mich scharf an.

Alfred fragt mich, wo ich den heute bin. Ich sage ihm, es wäre schon wieder ein neuer Betrieb. Er kann das nicht verstehen im Angesicht meiner Leistung, die ich bei ihm gelegentlich beweise.

„Das steht aber nirgends. Und die sind selbst zu faul, eine Beurteilung auszuschreiben. Sie verlangen eine und schreiben keine.“

„Fragst Du sie nicht danach? Die müssen Dir eine ausstellen.“

„Ich soll sie fragen, ob ich in der kommenden Saison wieder kommen darf. Ich bettele aber nicht um Arbeit. Entweder sie waren zufrieden mit mir und sagen das oder ich gehe. Den Gästen gehen sie doch auch auf den Geist mit der Frage: Hat‘s geschmeckt?“

„In dem Sinne haste schon Recht.“

„Sie sind dann böse und stellen kein Zeugnis aus. Ich habe auch schon direkt danach gefragt. Nichts. In diesen Kreisen macht sich eine überhebliche Frechheit breit, die Ihresgleichen sucht.“

„Das ist wohl eine passende Einschätzung. Ich wünsch Dir heute etwas mehr Glück.“

„Soll ich ehrlich sein? Ich bin mehr als skeptisch. Ich schätze, dort soll ich eine Vertretung machen.“

„Der Bäcker hat Euch Etwas mitgegeben“, sagt Marlies. Das fehlt gerade noch. Es sind drei Riesenmarmorkuchen mit Schokodecke. Marlies schneidet sie an. „Mei. Die sind ja noch saftig“, sagt Alfred. „Zu gut fürs Personal“, antworte ich ihm. Alfred lacht laut. „Meinen Leuten geht‘s gut!“

„Naja“, antwortet Dursun. Marlies klopft ihm auf die Schulter. „Du hast nix zu beklagen!“ Zack. Iss er ruhig. Es droht eine Sexsperre. Der Kuchen schmeckt spitze. So Ähnlichen habe ich schon mal aus unserem Gefriersortiment gegessen. Normal wird in den Alpen ein verdammt trockenes Marmorgebäck verjubelt. Ein Fürzchen kann so leicht zu einem Nebeleinbruch werden. Schade ums Geld. Die Hersteller solcher Backwaren müssten wir mit diesem Müll zwangsernähren. Ohne Begleitgetränke.

Dursun hat mir schon das Auto gestartet. Heute ist es etwas frischer. Er sorgt sich um meine Gesundheit. „Das ist eine Gewohnheit. Bei uns darfst Du ni krank werden. Da kostet eine Erkältung schon ein Vermögen.“

„Bei uns auch. Ich muss für einmal Stempeln, fast fünfzehn Euro drücken. Eine Überweisung und ich bin dreißig los. Frag mal Einen, der kein Geld bekommt, von was er das bezahlen soll.“

„Ich kenn‘ das.“

„Machs gut. Ich muss los.“

Ich treffe kaum Jemand auf der Straße. Die Fahrt heute wird ziemlich zügig gehen. Das bestätigt sich. In einer knappen Stunde bin ich schon in Algund. Vor dem Restaurant ist der Parkplatz frei.

Ich gehe hinein und die Chefin wartet mit einem Servicemann auf mich.

„Wir gehen gleich in die Küche. Heute gibt es als Arbeiteressen, Schnitzel. Wir machen das natur vom Schwein. Dazu einen Salatteller, eine Suppe und ein Dessert.“ Sie erwartet jetzt bestimmt einen Vorschlag. Dazu möchte ich erst Mal schauen, was da ist an Rohstoffen. Wir gehen ins Lager, ins Kühlhaus und schauen in die Gefriertruhen. Besonders sauber ist es nicht. Es riecht etwas. Nicht nach vergammeltem Essen. Nein. Es riecht nach abgestandenem Bier und Rauch. Der Betrieb wird schlecht belüftet. Wir würden Kneipe dazu sagen. Stelle ich jetzt die Lüftung der Küche an, wird es mir den Geruch von Draußen, reinziehen. Ich muss warten, bis meine Chefin draußen die Lüftung einstellt.

Nach dem Umziehen schreibe ich schnell das Menü. Wir haben heute:

Salatteller

Kartoffelsuppe

Linguine Pesto

Schnitzel in Röstzwiebelsugo, Pilaw, Grüne Bohnen

Bayrisch Creme in Kirschsauce

Eigentlich gibt es ein Dreigangmenü für das Arbeiteressen. Wir haben sozusagen, Wahlmöglichkeiten.

Als Erstes schalte ich die Bratplatte ein. Die Schweinskaiserteile liegen im Kühlhaus. Es ist deutsches Fleisch. Ich schneide und klopfe es. Inzwischen ist die Bratplatte warm. Wir erwarten Gäste für um die dreißig Arbeitermenüs. A la carte geht auch. Die Gäste können das Arbeitermenü als Tagesmenü ordern. In Dreigang und Fünfgang.

Im Pastakocher koche ich die Linguine vor. In einem Suppentopf setze ich die Kartoffeln an. Für sie Suppe brauche nicht zu viel. In drei Minuten sind die geschält, gewaschen und geschnitten.

Das Geschäft beginnt und die Gäste merken sofort, ein anderer Koch ist da. Leider weiß ich nicht, ob es ihnen recht ist oder nicht. Der Kontakt fehlt dem Koch. Für die Köche ist diese Zeit ein Blindflug. Wir müssen den Aussagen der Chefitäten glauben. Und genau das fällt mir in Südtirol schwer. Die erzählen es mir so, wie sie es brauchen; nicht, wie ich es benötige. Köche benötigen die Rückmeldung. In jedem Restaurant gibt es einige Stammkunden. In erster Linie möchten wir Köche die Stammkunden ansprechen und deren Verbrauchsgewohnheiten umsetzen. Köche können das. Sie müssen es nur wissen. Wenn ich als Koch deren Geschmack nicht treffe, liegt das in erster Linie nicht an mir. Ich kann den Geschmack oder die Gewohnheiten der Gäste nicht erraten. Und plumpes, „schmeckt nicht“, hilft da nicht.

Genau an dem Punkt sind wir nun angekommen. Ich benötige die konkrete Rückmeldung. Die kommt nicht. Jetzt müsste ich schlussfolgern, die Chefin liebt ihre Kunden nicht. Wenn sie Einen als Partner hat, wird sie ihm doch auch mitteilen, wie sie es gern hat. Das gewisse Extra. Und wenn das gewisse Extra zu kurz kommt, dann wird sie sicher wechseln.

Ich kann an gewissen Bemerkungen hören, ich vertrete einen Stammkoch, der sich gerade ein Extrafrei erstritten hat. Das wäre nicht das erste Mal. In dem Fall wird gelogen, bis sich die Balken biegen. Und das rotzfrech. Mich würde jetzt nicht wundern, wenn noch Aussagen zwecks Sauberkeit und Geschmack kämen. Die kommen nicht. Offensichtlich will die Chefin vermeiden, dass ich sie umgehend allein da stehen lasse.

„Wie lange geht es heute Abend?“

„Bis zehn Uhr.“

„Bis dann.“

Sie antwortet fast schon überfreundlich. Das wirkt nicht aufgesetzt. Es kommt vom Herzen. Machen wir uns Nichts vor. Ich möchte zwischendurch ein paar Cent verdienen. Und die Kollegen geben mir die Möglichkeit. Jetzt könnte ich verlangen, sie mögen das ehrlich tun. Es gibt bei uns in Südtirol irgendeine Kraft, die genau das verhindert. Wir DDR-Bürger sind das nicht gewohnt. Wir sind für ehrliche Verhältnisse und klare Aussagen. So sind wir erzogen. Im Laufe der Zeit, hat sich das bei mir als ein Hauptwiderspruch dargestellt. Komischerweise, reden die Unternehmer mit ihrem Klempner anders; intimer. Aber der kostet Geld. Er verdient ihnen den Lebensunterhalt nicht.

Draußen rufe ich Joana an und teile ihr mit, wann bei mir Feierabend ist.

„Du musst nicht unbedingt danach zu mir rauf kommen.“

„Aber morgen komme ich. Heute werde ich etwas müde sein.“

Die Zimmerstunde nutze ich gleich mal zur Stellensuche zu Hause. Gut. Eine Stunde Ruhe brauche ich dann doch. Mir zieht es die Augen zu.

Gegen halb Fünf fahre ich wieder runter nach Meran. Die Chefin steht hinter dem Tresen.

„Wann schläft die Frau? Hat sie keine Familie?“

Das Gastwirtsleben ist kein Leben für die Familie. Es ist ein Leben für den Kunden. „Wer nischt wird, wird Wirt“, ist ein Sprichwort. Komisch. Bei anderen Dienstleistungsberufen, wie zum Beispiel Friseur oder Verkäufer, sagt das niemand. Es ist Arbeit mit Menschen. Und genau das, scheint mir die wichtigste Arbeit zu sein.

Das Abendgeschäft konzentriert sich eher auf Getränke und mehr oder weniger, fröhliche Runden. Zum Essen kommt hier, unter der Woche, kaum Jemand. Essen ist hier Nebensache. Ein Blick auf die Karte verrät mir das. Trotzdem, auch wenn Essen hier eine Nebensache ist, muss es hier schmecken. Nur das Angebot wird auf normal und notwendig reduziert.

Diesen Abend koche ich um die zwanzig Spiegeleier mit Speck und Röstkartoffeln. Es gibt auch da Abwechslung. Beidseitig gebratene Spiegeleier zum Beispiel. Mit und ohne Speck. Ein Ei mehr oder weniger. Die Röstkartoffeln knusprig oder weniger knusprig, deutlich gewürzt oder nur mit Salz. Man könnte jetzt auswendig lernen, wer welche Speise, wie haben möchte. Vorausgesetzt, der Koch kennt den Gast persönlich oder der Übermittler der Bestellung, personalisiert sie. Das nennt sich dann, Stammkneipe. Das zweite Zuhause von Menschen, die entweder allein sind oder missverstanden werden.

Der Abend ist relativ schnell rum. Ich putze die Küche. Die Chefin bietet mir ein Feierabendbier an. Das lehne ich ab. Ich muss fahren.

Der Abend allein in der Wohnung ist trostlos. Ich glotze etwas Fernsehen und schlafe.

Speckknödel/ Speckkloß


Speckknödel / Speckkloß

Speckknödel proklamieren eigentlich die Südtiroler als ihre Erfindung. Ich mach es kurz: Das ist sie nicht.

Wenn ich von echtem Speck rede, meine ich in erster Linie, den fetten Speck. Das Andere ist Schinken, egal, wie das Südtiroler aus Markenschutzrechten nennen.

Den Speck im Kloß gibt es in Frankreich, im Elsass genau so wie in Sachsen, Polen oder Russland. Ich mag jetzt nicht weiter gehen, denn auch in Amerika, Asien und Afrika ist der Speckkloß heimisch.

Speck ist Trockenfleisch aus Fett. Richtig hergestellt, ist dieses Fett äußerst bekömmlich und mürbe.

Gepökelter Speck ist in Fett gebundenes Wasser der ekligsten Darbietungsform . Darunter zählt leider auch der „moderne Pancetta“. Dieses Fett muss mit allen möglichen Würzmethoden, optisch ansprechend gestaltet werden. Das ist Fett, kein Speck!

Heute kümmern wir uns mal um zwei Arten:

Eine als Semmelknödel und eine als Kartoffelkloß.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass wir gepökelte Fleischteile, praktisch das gesamte Westsortiment an Frisch- und Trockenfleisch, als wenig geeignet zum Braten ansehen. Erstens, weil das gebundene teure Wasser im Fett spritzt, die Küche versaut und Zweitens, Nitrit beim Braten einen abstoßenden Geschmack entwickelt.

Bei gepökeltem Speck sehe ich daher Anbraten als ungeeignet an. Deshalb braten wir die Zwiebel in reichlich Butter an, löschen das mit selbstgemachter Brühe ab und geben jetzt die gepökelten Speckwürfel zum aufkochen dazu. Nach dem Abkühlen geben wir in diesen Ansatz drei bis vier Eier, Petersilie, Schnittlauch und rühren das gut um, bis sich das Ei vollständig auflöst. Erst dann, geben wir das Knödelbrot hinzu, rühren um und lassen das eine halbe Stunde ziehen. Der Knödel wird mit feuchten Händen gerollt. Ich steche ihn mit einem Salatlöffel als Nocke ab.

Knödel werden am besten gedämpft. Kochen können Sie die auch in, wie gewohnt, siedendem Salzwasser.

Bei einer Nocke benötigen Sie zehn, bei einem Knödel, fünfzehn Minuten. Bei mir gewinnt regelmäßig die Energierechnung. Deshalb Nocken.

Sobald Sie über echten Speck verfügen, also fetten Rücken-, Keulen- oder Bauchspeck, der nicht gepökelt, ausreichend getrocknet und geräuchert ist, empfiehlt sich diese Methode:

Die Würfel dieses echten Speckes werden ausgelassen, Zwiebelwürfel hinzugefügt und das zusammen bis zu einem goldgelben Röstpunkt gebracht. Goldgelb heißt nicht Schwarz, liebe Hausfrauen! Die Farbe – Goldgelb kann mit der Zugabe von einem kleinen Stück Butter, besser erreicht werden. Bei Klößen wird jetzt gepresste, gekochte Kartoffel hinzugefügt. Etwas Ei und vielleicht auch Eigelb, dazu Dunst. Dieser Teig ist unkompliziert und sehr schnell fertig.

Bei Semmelknödel müssen Sie mit kalter Brühe aufgießen, gut drei bis vier Eier-, vielleicht Petersilie und Schnittlauch zugeben. Eine extra Fettzugabe ist nicht nötig.

Nocken sind in zehn-, Knödel und Klöße in fünfzehn Minuten fertig.

Die Schnellmethode ist interessant.

Rauchfleischscheiben zusammen mit Zwiebel und Butter kuttern und im Grill/Pfanne kurz anrösten. In einem Blender, Brühe, Ei, Petersilie, Schnittlauch, etwas Salz und Pfeffer mixen. Das Ergebnis in eine Schüssel geben, die gerillte Zwiebel samt Speck und Knödelbrot dazu, umrühren und dreißig Minuten warten.

Ein kleiner Tipp zum Dämpfen:

Wenn Sie einen passenden tiefen Teller in einem Topf legen und diesen mit Wasser untergießen, können Sie in einem dicht abgedeckten Topf, darin dämpfen.

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