Warum ist auf meinen Fotos so viel Schnee zu sehen?


Ganz einfach:

Die Sommersaison beginnt im März bzw. April und sie endet im November.

Die Wintersaison beginnt im Dezember und endet im März/April.

Wir sehen, der „Urlaub“, sprich, die Suche nach einer Arbeitsstelle mit den entsprechenden Vorstellungen, findet im November und bestenfalls in ein paar Tagen im März statt. Und genau zu der Zeit, liegt eben Schnee in den Bergen.

Wer täglich auf Arbeit fährt, fährt Früh im Dunklen und am Abend, sicher auch.

Zu 80% fährt man abends im Regen bzw. auf feuchten Straßen. In den Bergen regnet es meist abends.

Auf den entsprechenden Höhen ist das nicht selten Schnee.

Im Schnee und im Regen funktionieren sehr weiche Reifenmischungen gut. Wenn die Reifen zu wenig Profil haben (ist oft bei weichen Mischungen), kann Ihre Werkstatt sicher ein Profil zusätzlich nachschneiden.

Es gilt zu beachten, in den Bergen gibt es Rinnsale, die manchmal das Volumen eines Baches aufweisen.

In der Nacht, mit einem schwachen Reifen, allein, zu stürzen, dürfen Sie als besonderes Risiko betrachten.

Die Regenkombi sollte, bitte schön, hell leuchten. In einer schwarzen Kombi sind Sie für den letzten Gang, ganz sicher richtig gekleidet.

Als Schneeketten eignen sich notfalls, ausreichend Gürtel, Seile, Gurte, saubere Unterhosen und Strumpfhosen von Jungfrauen.

Ich habe mir immer zwei 15mm Seile a zwei oder drei Meter eingepackt.

Jungfrauen waren keine zu finden auf Arbeit.

Das ist ein Vorteil, den Saisonkräfte genießen dürfen: Stille und Leere

Die Hochzeitsreise


Die Hochzeitsreise

Kaum sind wir bei Steffen angekommen, begrüßt uns Karin wieder in ihrem üblichen Outfit. Sie schlägt an der Tür die Beine übereinander wie Marilyn Monroe auf dem Bademoden Laufsteg. Steffen hat uns Kaffee gekocht und sagt, wir müssten ziemlich flott aufbrechen. Die Besetzten müssen sich gefälligst nach Frankfurt – West begeben, um in die Karibik zu fliegen. Die Zone hat schließlich keine Flugplätze.

Karin fragt Joana, ob sie sich noch etwas frisch machen möchte. Was sie meint, ist uns klar. Steffen schmunzelt. Joana ist ziemlich aufgeregt und antwortet Karin, im Moment würde das wenig bringen. Karin hat ein Einsehen. Sie kann warten. Trotzdem geht Joana sich etwas waschen. Karin hilft ihr sicher dabei.

Steffen fragt mich derweil, wie wir zu dem schönen Auto gekommen sind. „Essen außer Haus, gute Beziehungen und etwas Geld.“

„Du bist jetzt wirklich pleite?“

„So kann man das auch nennen. Alle meine Konten sind gesperrt.“

„Ich hab es Dir gesagt. „

„Vielleicht schauen wir mal im Urlaub, wie es mit uns weiter geht. Das Amt hat mir eine Stelle als Sozialarbeiter angeboten.“

„Eine Frechheit! Die produzieren Not und schieben die Opfer, Opfern zu.“

„Fast wie im Kindergarten.“

„Haben die Dir wenigstens eine anständigen Lohn geboten?“

„Soweit sind wir nicht gekommen. Ich habe das vorher beendet. Für Besatzer arbeite ich nicht. Schon gar nicht, für Kriminelle.“

„Naja. Dann lass uns los fahren!“

Unser Auto lassen wir bei Steffen. Dort steht es etwas sicherer, denken wir. Immerhin hat bei uns jetzt die Westkriminalität, Einzug gehalten. Unsere Omas und Opas halten ihre Haustür jetzt grundsätzlich geschlossen. Andere würden dazu, eingesperrt, sagen.

Es kommt eben darauf an, wer hinter dem Lautsprecher sitzt.

Wir wollen in der Nacht fahren. Den Tagesverkehr kennen wir zur Genüge. Wobei wir das ganz sicher nicht als Verkehr bezeichnen können. Wenn ich Millionen Autos produziere, möchte ich bitte auch dafür sorgen, die Käufer damit fahren zu lassen. Zumindest, wenn ich von Reisefreiheit schwafele.

„Willst Du fahren, Joana“, fragt Steffen.

„Jetzt, nachdem ich das Fahrzeug kenne, geht das schon. Aber bitte erst auf der Autobahn. Hier ist mir das zu hektisch.“

Wir laden unser Gepäck um.

„Du bist aber sparsam“, sagt Karin zu Joana.

„Karl ist der Sparsamste. Er kommt mit einem Drittel Koffer aus.“

„Trassenerfahrung“, sagt Steffen.

Fortsetzung folgt nicht

Fortsetzung Das Ende unseres Hotels


In der Woche gibt es noch viel zu planen. Das Essen ausfahren ist schon fast Nebensache. Ich rufe Steffen an uns sage ihm Bescheid. Zunächst wollen wir einen Urlaub mit Suche nach einem Arbeitsplatz antreten. Karin hört mit und ruft: „Wir fahren mit!“ Steffen sagt, „wir buchen und bezahlen das.“ Langsam kommt der Punkt, an dem ich mich schäme. ‚Er hat das sicher nicht so gemeint‘, denk ich mir.

Ich bitte alle Angestellten und Helfer, bei der Lieferung zu sagen, wir arbeiten die letzte Woche. Unter der Woche gibt es kaum Probleme. Wir sind bei sieben Hundert und Fünfzig angekommen. Pünktlich am Freitag, liegen alle Umschläge und diverse Geschenke bereit. Angefangen bei Socken, Badehosen und Bikinis in DDR Qualität, sind auch Präsentkörbe und wirklich schöne Karten dabei. Das Postfach für Emails quillt über. Der Provider mahnt schon, Platz zu machen.

Zwischendurch bin ich noch auf das Kreisamt gefahren. Ich hab die Schließung samt Konkurs bekannt gegeben.

„Was wollen Sie jetzt tun?“, fragt mich die Beamtin.

„Haben Sie irgend ein Angebot?“

„Sie könnten bei uns Sozialarbeiter machen.“

„Also, ich soll die Leute trösten, die Sie beklaut und betrogen haben?“

„Naja. Zumindest unsere Sozialfälle.“

„Das tut mir Leid. Ich kann Ihnen unmöglich die vielen Handwerker, Pendler, Kollegen und deren Angestellte aus den Särgen holen. Gehen Sie bitte zu einem Richter. Die sind dafür zuständig.“

„Tut mir sehr Leid um Sie. Wir haben gern bei Ihnen und Ihrer Familie gegessen.“

„Ich schreibe ihnen, wenn wir in einer echten Ersatzheimat wieder Essen kochen.“

Sie weint etwas. Ich weiß nicht, ob gekünstelt oder nicht.

Ich frage den Banker, ob wir uns ein Auto kaufen dürfen für unsere Arbeitssuche. Oder ob sie uns das weg pfänden. „Ich schreibe einen Freistellungsantrag. Morgen kann ich Bescheid geben.“

„Danke. Wir lassen Ihnen Alles zur Verwertung stehen wie es ist.“

„Wir werden das Haus versteigern und kümmern uns um die Konkursmasse.“

Das Gespräch ging schnell und unbürokratisch.

Ein kleiner Hinweis zwischendurch


Ein kleiner Hinweis zwischendurch

Angesichts des sturen Staus auf unseren Zubringerstraßen, erlaube ich mir zu erwähnen, warum das Personal der Saisonbetriebe einspurig auf Arbeit fährt.

Eine Saisonkraft arbeitet von 7/8 Uhr bis 13/14 Uhr und von 16/17 Uhr bis 22/23 Uhr. Das heißt, sie arbeiten täglich eine Doppelschicht mit ihrem Arbeitsweg.

Sobald eine Saisonkraft pro Arbeitsweg mehr als eine halbe Stunde benötigt, verkürzt sich auch deren Nachtruhe erheblich. 4 mal eine halbe Stunde ergibt 2 Stunden. Nur für den Arbeitsweg.

Ihnen, in Ihrem SUV nach 10 Stunden Anreise an einem ihrer freien Urlaubstage, kann das natürlich egal sein. Ihr „Fressen und Ihr Saufen“ haben Sie entweder im Kofferraum, im Laden an der nächsten Ecke oder der Hotelchef muss es Ihnen, notgedrungen, selbst servieren.

Also, schalten Sie bitte Ihre dreihundert Gramm unbenutztes Resthirn ein und lassen Sie wenigstens die Saisonkräfte auf ihrer Spur durch. Sie müssen, trotz Ihrer hohen Autoraten, nur rechts fahren.

Noch liegen bei uns keine hungernden Neger auf der rechten Fahrspurseite. Dank Ihrer tatkräftigen Fahrkunst, dürfen Sie das aber erwarten in den kommenden Jahren.

Ihr Saisonkoch

Ostern 2021


Ostern 2021

Ostern ist, wie andere Feiertage, für Saisonkräfte kein Feiertag. Für uns gibt es praktisch auch keinen Grund, das zu feiern.

Im aktuellen Virusgeschehen dürfen meine lieben, treuen Leser und literarischen Freunde miterleben, wie sich Saisonkräfte fern ihrer Familie und Heimat fühlen zu solchen Anlässen.

Ich verbinde diesen Hinweis mit dem Wunsch, jene Leser, die Ostern auch heute feiern können, anzuregen, sich darüber Gedanken zu machen, was es bedeutet, kein einziges Familientreffen wahr nehmen zu können.

Ihre Familienangehörigen zu Hause liegen im Krankenhaus, sterben, erleiden einen Wohnungsverlust oder anderes Ungemach. Sie können weder helfen noch trösten.

Saisonkräfte arbeiten für Ihr Wohl. Das Wohl ihrer Gäste.

In der aktuellen Zeit wird den Saisonkräften der Zuschlag für ihr Engagement an Feiertagen verweigert.

Bitte berücksichtigen Sie das bei ihren Abrechnungen in Hotels und Restaurants.

In dem Sinne, wünsche ich ihnen ein Frohes Osterfest!

Danke

Ihr Saisonkoch