Das Wort zu den Feiertagen


Das Wort zu den Feiertagen

Wie gewohnt, gibt es von mir das Wort zu den Feiertagen.

Saisonkräfte haben keine Feiertage.

Aus dem Grund, dürfen Sie, meine lieben Leser, von mir auch keine speziellen oder persönlichen Wünsche erwarten.

—Ich bin kein Bibelforscher–, die ja bekanntlich diese Feiertage ablehnen oder einfach nicht begehen. Angesichts aktueller Tatsachen, könnte man ein Bibelforscher werden.

Angebliche Feiertage sind für uns Arbeitstage, an denen wir mit dem unerträglichsten Teil menschlicher Zivilisation konfrontiert werden.

Und das leider massenhaft in allen Einrichtungen und Orten.

Ich sage Ihnen auch gern, wann für uns Saisonkräfte, Feiertag wäre:

Feiertag wäre für uns, wenn wir nur einmal, wirklich – nur einmal, ohne jede Behinderung und Sorge um die Gesundheit, durch das Vinschgau fahren könnten. Das wäre für mich persönlich der Grund, sämtliche Kirchtürme des Vinschgau zusammen läuten zu lassen.

Feiertag wäre das natürlich keiner. Das wäre bestenfalls die Grundnorm, die wir als Menschen erwarten dürften.

Trotz aller Versprechen, fährt der europäische Transit – Schwerverkehr immer noch durch das Vinschgau, fährt unsere Mitbewohner platt und ruiniert unsere Straßen.

Es gibt also wenig Gründe, diese Feiertage wirklich zu feiern.

Dabei stehen nicht nur diese Fragen zur Debatte:

Wann darf eine Saisonkraft endlich in Fünf-Tage-40-Stunden-Woche arbeiten?

Wann wird die erhebliche Mehrarbeit endlich in die Rente, geleistete Arbeitszeit und Sozialleistung eingerechnet?

Es gibt schließlich reichlich Saisonkräfte, die an einem Tag für zwei arbeiten.

Oder sollen wir tatsächlich erst Karl Marx lesen müssen, um fest zu stellen, wer uns den Mehrwert klaut?

Fortsetzung Der letzte Arbeitstag


In diesem Winter haben wir wieder keine Stelle zusammen bekommen. Der wöchentliche Besuch meiner Frau hat uns reichlich Ärger bereitet.

Einmal bin ich auf einen Eisblock aufgefahren, der sich von den Felswänden in der Völs gelöst hat. Die Reparatur kostete fünftausend Euro. Joana hat geweint am Telefon, als ich nach dem Unfall anrief. Ihre erste Sorge betraf nicht den Zustand des Autos. Sie dachte, ich hätte mich dabei verletzt.

Ein anderes Mal stand ich fast zehn Stunden im Stau. Ich konnte nach dem gemeinsamen Frühstückskaffee, gleich wieder zur Arbeit fahren. Generell war jede Fahrt mit der Sorge verbunden, wegen Umständen, Joana nicht besuchen zu können oder zu spät auf Arbeit zu kommen. Das Wetter in den Bergen ist zu tückisch, um feste Zusagen einhalten zu können.

Auf der Fahrt gehen mir oft Dinge durch den Kopf, die ich fast schon in Selbstgesprächen zu lösen versuche.

‚Was treibt mich, abends, nach einer Fünfzehn stündigen Arbeit an, unbedingt meine Frau in über hundert Kilometer Entfernung, regelmäßig besuchen zu wollen. Eifersucht?‘

„Hat sie endlich einen neuen Freund, deine Frau?“, fragte mich Joseph oft.

„Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, antworte ich meist und Joseph lacht dazu. Joseph kennt meine Joana.

Ist es Liebe, was mich regelmäßig zu meiner Frau treibt? Oder ist es die Sucht auf Abwechslung? Endlich ein mal das schwarze Loch von Küche zu verlassen. Die teilweise herrisch wirkenden Familienmitglieder des Chefs. Wer ist eigentlich der Chef? Alle Familienmitglieder oder nur einer von ihnen? Manchmal hat man den Eindruck, selbst die Kinder der Chefs sind selbst der Chef. Man bekommt ein Familienleben vorgeführt, bei dem es keine Einschränkungen zu geben scheint. Jeder Wunsch der Kinder wird irgendwie erfüllt. Wir erarbeiten das. Der Dank dafür, fällt oft bescheiden aus.

Ich komme nicht selten zu dem Ergebnis, mich zieht es förmlich weg, von dem Ort. Ich möchte nicht auf einem Zimmer sitzen und sinnlos in einen Fernseher glotzen, in dem nur vier Programme laufen. Ich möchte nicht mit Kollegen saufen und oberflächliche Gespräche führen. Meine Zeit ist mir dafür zu schade.

Tageslicht sehe ich nie. Ich komme bei Nacht und fahre in der Nacht. Tageslicht sehe ich höchstens während einer Zigarettenpause.

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