Neues vom 130521


Gestern habe ich eine kleine Ausfahrt gemacht. Die Mendel rauf und den Gampen runter. Fotos brauchte ich keine zu machen. Eher Beweise. Das Wetter war gerade mal so, um nach der Runde trocken anzukommen.

Das ist der Blick auf die Brenta
Etwas freundlicher der Blick über das Ulten nach Meran

Die Grenzöffnung


Die Grenzöffnung

Unser Stammtisch ist leer. Zwei alte Bergmänner sitzen bei uns und wir reden von der offenen Grenze.

„Das bringt nichts Gutes!“, säufst Kurt. „Ich muss da nicht hin. Die haben Angehörige meiner Familie jahrelang eingesperrt, weil sie Kommunisten waren.“

„Du bist doch gar kein Kommunist, Kurt.“

„Ich habe die Vereinigung mit der SPD nicht mit gemacht.“

„Ja. Aber Du bist ja Verfolgter des Naziregimes.“

„Mich graust bei der Vorstellung, die kommen jetzt ungestraft hier her.“

Joana hat Kurt einen Kirschlikör ausgegeben. Kurt trinkt keine harten Schnäpse. Er, mit seiner Bergmannslunge, kommt dabei fürchterlich ins Husten. Kurt hat mir immer seine Monatsration von Bergarbeiterschnaps verkauft. Ich habe den zu Kirschlikör gemacht. Schwarz. Das Zeug hat sich gut verkauft. Mitunter habe ich daraus mit Puddingpulver, Eierlikör hergestellt. Der verkaufte sich zeitweise, extrem gut in Schokobechern. Unsere Frauen waren verrückt nach diesem Gesöff. Viele Kollegen fragten mich neidvoll, woher ich die Schokobecher habe. Das war zeitweise Mangelware wegen der hohen Nachfrage. Jetzt, da Joana da ist, finde ich bisweilen die Zeit, ein paar Dutzend zu gießen.

In den kommenden drei Tagen konnten wir uns auf unseren Einzug konzentrieren. Andrea hat uns mit Jürgen zusammen, die Wohnung geräumt. Neben einem Bett, einem Schrank und dem Fernseher brauchten wir nicht viel für unsere erste gemeinsame Wohnung. Unser Leben spielte sich in den Gasträumen und beim Einkauf ab.

Zwischendurch fanden wir schon die Zeit, an unseren Ruhetagen im Sommer, baden zu gehen. Wie fast alle DDR Bürger, bevorzugten wir FKK. In unserer Nähe gab es reichlich Badeseen und Bäder mit diesem Angebot. Unser neues Auto war dafür das beste Bewegungsmittel.

Im Spätherbst fuhren wir eher in die CSSR, um uns da Dinge zu kaufen, die wir bei uns eher seltener fanden. Ölsardinen und Dorschleber waren bei uns Zweien eine beliebte Schmuggelware. Schon deshalb, weil wir die selbst gern aßen. An Ruhetagen fuhren wir nach Prag, in den Harz oder ins Erzgebirge.

Mit der Grenzöffnung änderte sich das. An den ersten drei bis vier Tagen gab es hundert kilometerlange Staus in Richtung Franken. Wir hatten mit dem Ruhetag nach der Grenzöffnung das Glück, nicht endlos im Stau stehen zu müssen. Es lag eine Woche dazwischen. Im Grunde wollten wir nur etwas Westgeld holen und dabei Land und Leute kennen lernen. An zwei Ruhetagen ist kaum mehr möglich. Bei uns am Stammtisch trafen schon die Ersten ein, die Drüben waren. Die Gesichter zeigten uns keine Begeisterung. Den Erzählungen nach, könnte das eher am Stau und den Warteschlangen vor den Geldausgabestellen gelegen haben. Das erste Mal in meinem Leben, hörte ich, wie DDR Bürger, Ihresgleichen schlecht machten. Ein Tag und die Gesellschaft war gespalten. Das setzte sich am Stammtisch rege fort. Wir wurden neugierig, was es da zu sehen gab, das so viel Streit auslöste.

Am Wochenende gab es wieder eine Trauerfeier. Unser Nachbar wurde beerdigt. Er wurde keine siebzig Jahre. Seine Kinder lebten im Westen. Sie waren zugegen.

„Wieso habt Ihr zwei Ruhetage? Unsere Gastwirte machen einen pro Woche.“

„Wir haben bei uns die Vierzig-Stunden-Woche. Sie nicht?“

Joana und ich waren schockiert von dieser Frechheit. Was glaubt dieser Trottel, wer er ist?

„Sind Gastwirte keine Menschen?“

Fortsetzung folgt

Neues vom 110521


Neues vom 110521

Ab diesem Wochenende gibt es erhebliche Erleichterungen für die Einreise ins Italienische.

Aus dem Grund, möchte ich Ihnen mal etwas Appetit machen.

Im letzten November habe ich mal ein paar Fotos von Santa Massenza und von Arco gemacht.

Schauen Sie sich das ruhig an, während Sie im Stau stehen:-))

Joana als Gastwirtin


Weil Joana Verkäuferin gelernt hat, lag es uns natürlich am Herzen, dass sie die Bedienung und den Service übernimmt. Die Entscheidung war gar nicht so übel. Joana bekam einfach mehr Trinkgeld als ich. Zu aller Erst musste meine Joana lernen, Bier zu zapfen. Das Anschreiben und Abrechnen war ihr eine Leichtigkeit. Joana verlor auch nicht den Überblick. Zusehens spürten wir, der Beruf macht Joana extrem glücklich. Sie fand es einfach besser als im Laden zu stehen. Meine Gäste fanden das auch besser. Von einem Tag zum Anderen, war ich nicht mehr ihr Ansprechpartner. Sie verlangten immer Joana als Bedienung von mir.

Damit konnte ich mich endlich mehr um die Küche bemühen. Im Nu waren wir Gesprächsthema Nummer zwei im Ort. Also, kurz nach den aktuellen Neuigkeiten.

Unsere Staatsführung gab das alte Preisniveau teilweise auf. Wir Gastwirte bekamen plötzlich das Angebot, eine neue Preisstufe beantragen zu können. Wir sollten das neue Delikatsortiment in unsere Kalkulationen einfließen lassen. Das war natürlich auch abhängig von der Preisklasse. Ich konnte also nicht über Nacht, Champignons auf alle Gerichte schmeißen. Auf die Art, versuchten viele Kollegen, ihr Angebot etwas zu verteuern. Es lockte eine etwas größere Handelsspanne. Plötzlich gab es wieder endlos beliebte Likörsorten. Leider gab es wenig Nachfrage, bei den Preisen. Dafür gab es aber harte Diskussionen am Stammtisch. Joana konnte diese Diskussionen gut abmildern. Im Grunde blieb Alles beim Alten. Der Einkauf wurde für mich etwas komplizierter.

Neuerdings kamen zu uns unsere vietnamesischen Freunde. Sie hatten oft Dinge im Gepäck, die bei uns am Stammtisch ziemlich gefragt waren. Es entwickelte sich ein kleiner Zusatzmarkt. Sozusagen, Straßenverkauf mit Prämien als Zusatzangebot. Darunter waren auch Körpersprays aus dem Westen oder zumindest mit einem Westmarkenname. Unsere vietnamesischen Freunde hatten praktisch die Überschüsse der DDR Lizenzproduktion an den Mann gebracht. Die Produkte waren nicht billig. Zudem waren sie wirklich schwer absetzbar. In der DDR gab es Besseres zu günstigere Preisen. Aber damit wurde am Stammtisch eine Welle erzeugt, die ernstere Folgen provozierte. Ich bekam jetzt häufiger Besuch von unserer Volkspolizei auf der Suche nach Schwarzhändlern. Ich wurde auch erwischt beim Verkauf. Sämtliche Waren wurden konfisziert und ich durfte mir einige Tage lang, schwere Vorwürfe, Schulungen und Belehrungen anhören.

Die Volkspolizei war sehr engagiert, uns Sündenböcke nachhaltig aufzuklären.

Montags, zu unserem Ruhetag, fanden jetzt komische Versammlungen auf unseren großen Plätzen der Kreisstadt statt. Teile unserer Stammgäste luden uns zu so einem Treffen ein. Wir gingen einmal mit. Als Sprecher und Sprecherin stranden ausgerechnet Ärzte auf dem Podium. Und die schwätzten etwas von Demokratie. In einer Demokratie, von der die da schwärmten, wären sie nie Arzt geworden. Das verschwiegen die uns. Die Leute machten sich damit lächerlich. Die knapp zweihundert Zuhörer gingen kopfschüttelnd vom Platz. Wahrscheinlich wurden solche Treffen, wöchentlich abgehalten. Ehrlich gesagt, Gastwirte haben für so einen Stuss einfach keine Zeit. Mittwochs war das natürlich Thema bei uns im Lokal. Es gab auch ein paar Antragsteller auf Ausreise in den Westen. Zwei meiner Stammgäste waren da und gaben sich alle Mühe, die Leute von der Realität im Westen zu überzeugen. Joana konnte etwas mitreden bei dem Thema. Sie hatte Westverwandtschaft und auch eigene Geschwister da.

Bei uns trafen sich immer mehr junge Paare und junge Leute. Wir diskutierten über Partys, Konzerte, gemeinsame Abende und anstehende Feiern. Es entwickelten sich gute Freundschaften. Wir glaubten das zumindest. Zwei der Paare wollten in den Westen und hatten einen Antrag zu laufen. Es konnte also jeden Tag die Nachricht eintreffen, dass deren Ausreise genehmigt wird.

Die Schwester eines befreundeten Ehepaares hatte sich bereits verhurt im Westen und galt als deren Vorbild. Sie hat sich einem windigen Geschäftsmann geangelt und haute gewaltig auf die Welle. Eine alte Kollegin von Joana, auch eine Verkäuferin, war dadurch in den Verwandtschaftskreis dieser Dame geraten. Sie kam mit ihrem Mann häufig zu uns. Er war Hilfsarbeiter, später Heizer. Ein gut bezahlter Beruf in der DDR. Man feierte praktisch, ein halbes Jahr lang, den endgültigen Abschied von der DDR. Von diesen Feiern ließen sich natürlich auch ein paar vereinzelte, trinkfeste Stammgäste anstecken. Die wollten plötzlich auch ausreisen. Die alten Bergmänner und Genossen an meinem Stammtisch winkten ab: „Um die ist es nicht schade.“ Ein alter Lehrer sagte: „Das Ventil hätten wir eher öffnen sollen.“

In unsere Vereinszimmer, in dem mit dem Billard, trafen sich neuerdings zwei Züchtervereine. Der eine züchtete Rassekaninchen und die anderen waren eine Gartengemeinschaft. Der wirklich rege Betrieb bescherte uns die Möglichkeit, ein gebrauchtes Auto kaufen zu können. Es war ein Trabant mit vergrößertem Tank, extra Geräuschdämmung zum Motorraum und einem Faltdach. Den bekam ich für runde zehntausend Mark. Ab jetzt war der Einkauf einfacher und zudem ein mancher Ausflug möglich. Endlich konnten wir mit Herbert und Brigitte zusammen, Ausflüge unternehmen. Die Zwei haben sich das wirklich verdient. Herbert wurde zusehens stolzer auf Joana und mich.

Es gab einen Nachteil, den wir schnell abstellen wollten. Joana hatte noch keinen Führerschein. Sie kam nach ihrer Mutter. Die wollte keinen. Herbert hatte auch keinen. Es hat einige Zeit gedauert, Joana davon zu überzeugen, einen Führerschein zu erwerben.

Doch plötzlich stehen wir am Stammtisch, hören mit unseren Gästen Radio und hören von einem Zug aus Dresden in Richtung Prag. In Prag würden DDR Bürger begehren, in den Westen zu kommen. Kaum kommt die Nachricht im Radio, springen ein paar Stammgäste auf und wollen mit diesem Zug fahren oder zumindest, den Insassen zuwinken. Ich dachte, jetzt wäre ich endlich die problematischsten Trinker für immer los. Wenn die in den Westen gehen, müsste bei mir kein Volkspolizist mehr stehen und die Polizeistunde durchsetzen.

Die Freude war etwas zu früh. Am Tag darauf waren wieder Alle da. Ab dem Tag bestand ich darauf, nicht mehr anzuschreiben. Die Anschreiber mussten sofort zahlen. Das wirkte besser als die Revolution von 1917. Ab da, musste ich nie wieder einen Gast rausschmeißen. Disziplin zog ein.

Nach der Öffnung der Grenzen starben mir viele Genossen weg. „Dafür haben wir jeden Samstag Subotniks gemacht?“ „Für diese Verräter?“ Binnen drei Wochen starben mir vier echte Genossen; Bergmänner der ersten Stunde. Beste Freunde. Ich konnte zusehen, wie sie von ihren zwei Bier auf ein Bier und eine Limo und später, nur auf eine Limonade umbestellten. Kein Bier mehr, kein Schnäpschen. Schon am folgenden Tag kamen die Meldungen über deren Ableben. Der Schock war überwältigend.

Plötzlich kommt die Meldung, die Grenze wäre offen. Man könnte in den Westen fahren und bekäme noch Geld dafür. Joana sagt mir, wir könnten ja unsere Verwandtschaft besuchen fahren. „An unserem Ruhetag, ja.“

Hinweis 090521


Hinweis 090521

Ihr Lieben,

ich habe heute nichts geschrieben. Dafür habe ich auf meinem:

dersaisonkoch.com

…die Seite etwas aufgeräumt und mit meinem dritten Teil ergänzt.

Dafür gibt es heute ein paar Bilder vom letzten Ausflug.

Ausfahrt 080521


Ausfahrt 080521

Heute, bei diesem Wetter, wollte ich natürlich zuerst kontrollieren, ob ich das Penser Joch bereisen kann.

Natürlich über den Ritten.

Gesperrt!

Passstraßenmelder

Also; aus dem Sarntal zurück nach Bozen und hinauf in Richtung Kastelruth. Von dort fahre ich meist gleich etwas weiter. Das Grödner Joch ist gesperrt. Auch wegen Steinschlag. Was bleibt? Eine Runde zu meinem Buchcover des Ersten Teiles. Und schau: es steht noch.

Natürlich war ich nicht der Einzige bei dieser Seelenruhe. Die einheimischen Motorradfahrer waren unterwegs.

Ohne Grünem Pass, muss man natürlich draußen einen Kaffee trinken und ein Panino essen. Mir bleibt das natürlich erspart. Arme Schweine müssen sich Alles mit nehmen.

Nur nebenbei: Gestern habe ich feinsten Spargel gekauft. 22-26 mm von Herrn Condin in Moos/Auer.

Und schau: 9,90€. Frisch und beste Qualität.

Herr Condin

Kleine Ausfahrt heute 060521


Heute war ein durchschnittliches Wetter. Nicht zu kalt und anfangs, trocken.

Die kleine Runde führte mich durch das Eggental über Lavazza und Auer, auf den Mendelpass und zurück nach Lana.

In den Wetterberichten war von einem Tief aus Deutschland die Rede. Ehrlich gesagt, hätte ich auch nichts Anderes erwartet.

Gen Süden war der Himmel anfangs blau. Zumindest in den Bergen.

Nach Hause habe ich es gerade noch trocken geschafft.

Gleichzeitig möchte ich Euch zeigen, was die Sturmverwüstung angerichtet hat. Ein sehr trauriger Anblick.

Hinweis 050521


Hinweis 050521

Der Dritte Teil wurde jetzt vom Amazon-Team genehmigt. Danke an dieses Kollektiv.

Der Dritte Teil ist bisher der einzige Teil, den ich Korrektur gelesen habe. Den Ersten und Zweiten Teil habe ich teilweise aus meinen Blogs und aus alten Notizen zusammen gesetzt.

Den Ersten Teil lese ich gerade Korrektur. Zudem passe ich die Schriftgröße an auf 12Pt an. Das erleichtert das Lesen, denke ich. Natürlich wird dann auch die Seitenzahl erheblich höher.

Dazu habe ich mich entschlossen, die drei Teile zukünftig auch als Serie zu setzen. Es betrifft in erster Linie die Wintersaison.

In dem Zusammenhang freue ich mich natürlich, auch eine Sommersaison ankündigen zu dürfen.

Nach meinem Plan, ist das erst ab dem kommenden Winter druckreif.

Zwischendurch, den Sommer über, versuche ich einen Liebesroman und folgend, einen Krimi zu setzen. Wie üblich bei mir, verlasse ich das Umfeld meiner Saison – Tätigkeit nicht. Alles spielt sich in Hotellerie und Gastronomie ab.

Aktuell arbeite ich noch an der Veröffentlichung in anderen Portalen. Ich versuche dabei, ein eigenes Cover zu gestalten. Für einen Laien ist das nicht einfach, darf ich gestehen. Profis sind mir da leider zu teuer.

Als Cover nutze ich grundsätzlich sehr schöne Aussichten unserer Bergwelt, die ich persönlich fotografiere während meiner Motorradtouren.

Diese Cover verstehe ich als Markenzeichen eines Handwerkers, die sich absichtlich von den von Profis erstellten Covern unterscheiden sollen.

Insgeheim möchte ich auch etwas Werbung machen für die Bevölkerung unserer Gastgeberländer, die uns so liebevoll aufgenommen haben nach dem vorläufigen Ende der DDR.

Am wichtigsten erscheint mir, darauf aufmerksam zu machen, in welcher Umgebung wir uns zum und vom Dienst bewegen. Kleine Unaufmerksamkeiten, können leicht zu Unfällen führen. Wir bewegen uns täglich, auch mitunter mehrmals täglich, auf Straßen, die nicht selten an hunderte Meter tiefen Abgründen entlang führen. Und das, bei regem Touristenverkehr zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter. Lassen Sie nicht außer Acht, dass die Höhen vielen Gästen und Touristen ein Schwindelgefühl vermitteln. Gerade in höher gelegten Automobilen führt das zu einer großen Unsicherheit, der wir sehr viele Fahrfehler und Unfälle zu verdanken haben.

Fortsetzung Der Beginn


Nach der Besichtigung fahren wir wieder nach Hause zu Joana. Ich bekomme einen Platz mit ihr zusammen im Kinderzimmer. Der wurde frei, als ihre Schwestern in die BRD umsiedelten. Sie sind mit ihren Männern ausgewandert.

In der DDR war das scheinbar nicht einfach. Funktioniert hat es aber trotzdem, wie wir sehen durften. Und sie haben das sogar lebend geschafft. Und das, ohne arbeitslos zu werden oder gar in Not leben zu müssen. Ausreisewillige wurden in der DDR von ihren Kollegen eher etwas heimlich belächelt. Von ihren Freunden hingegen, wurden sie bewundert. Witzigerweise sind jene, von denen wir dachten, sie würden sicher gehen wollen, geblieben.

Unseren ersten Arbeitstag verbrachten wir zusammen. Joana wollte sich bei mir als Gaststättenhilfe anmelden und bei sich auf Arbeit, kündigen. In der DDR gab es dafür keine Fristen. Auf der neuen Arbeitsstelle, konnte der Betreffende, sofort neu anfangen. Ich weiß jetzt nicht mehr wie das hieß. Ich schätze, wir haben einen Aufhebungsvertrag gemacht. In aller Regel wurden beliebte Mitglieder eines Kollektives, mit einem kleinen Fest verabschiedet. Das wurde von den Kollegen organisiert. Wir feierten das bei uns in der Gaststätte, die wir auf die Art auch gleich den Kollegen vorstellten.

Als Gastwirt war ich natürlich selbstständig. Uns blieb also nicht erspart, die Anmeldung selbst durchzuführen. Und schon da zeigte Joana ihre besondere Fähigkeit, mit Beamten umgehen zu können. Schon in der DDR war mir das ein Graus. Irgendwie bin ich zu einer Art Eigenbrötler erzogen worden von meinen Eltern. Vielleicht komme ich auch zu sehr nach meinem Vater. Der hatte grundsätzlich Probleme damit, Beamte zu mögen.

Abends redeten wir gern über unsere Pläne, träumten zusammen von einer Zukunft und versprachen uns, keine Kinder zu wollen. In der DDR ging das leicht zu realisieren. Wobei ich eigentlich einen großen Fehler gemacht habe. Ich hätte mich sollen sterilisieren lassen. Zwei Kinder aus der ersten Ehe sind eigentlich schon Belastung genug für einen Vater. Für die Mutter natürlich auch. Aber in der DDR fiel das nicht so gravierend auf, wie heutzutage im Kapitalismus. Die Belastung des Vaters trägt natürlich auch seine neue Frau mit. Und das ist eigentlich das Böse an diesem System. Zuerst müsste also die Frage gestellt werden: Wer wollte die Kinder? Und genau das sollte auch ein Vertragsgegenstand einer Ehe sein.

Wir Zwei wollen keine Kinder und Joana steht dazu. Und das ist ein Liebesbeweis, den ich selten von einer Frau erwarten kann. Frauen bevorzugen Kinder als Erpressungsmittel. Ob ausgesprochen oder nicht. Deren Ehe steht sozusagen, auf einer kriminellen Basis. Auf Grundlage dieser Basis, kann sich unmöglich eine feste Liebe entwickeln. Auf dieser Basis entwickelt sich eine Zweckgemeinschaft. Das kennen wir aus den Rechtsformulierungen. Dort wird das Zugewinngemeinschaft genannt. Die Ehe wird damit ein Sachgegenstand. Liebe ist in so einer Ehe, Zufall.

Ausfahrt040521


Gestern bin ich natürlich eine mittlere Runde gefahren bei dem relativ schönen Wetter.

Die Giro dauerte genau fünf Stunden.

Meran, St.Felix, Dimaro, Madonna di Campiglio, Ponte Arche, Molveno, Fondo, Meran.

Eigentlich haben wir schon alle Bilder der Runde gesehen. In Blau-Weiß-Grün natürlich.

Gestern war das Wetter nicht so berühmt, das es als Fotowetter bezeichnet werden könnte.

Das ist der etwas andere Blick auf Molveno:

Das ist der Blick von St.Lorenzo auf die Brenta: