Fortsetzung Der Saisonkoch – Sommersaison


Auf der Alm ist der Weg für Motoristi weniger gut gepflegt. Dafür aber für Wanderer und Radfahrer. Wobei ich den Radfahrer auch als Motoristi sehe. Ich treffe selten Radfahrer, die das Vehikel aus eigener Kraft bewegen. Die Batteriebehälter werden immer größer. Auch die Hintern der Fahrer.

Kaum bin ich da, werde ich empfangen. Nicht von Rudolf. Vom Hausmann. Er stellt sich mit Matej vor. Sein Name scheint slowakisch zu sein. Auch sein Dialekt.

„Bist du Slowake?“

„Ja.“

„Ist der Chef schon auf?“

„Nein.“

Matej ist neu im Betrieb. Mit meiner Kündigung, haben sich wahrscheinlich auch meine Kollegen verabschiedet.

„Ich muss mich umziehen.“

„An deinem Zimmer steckt der Schlüssel.“

Suchen muss ich nicht lange. Es ist mein gewohntes Zimmer. Ich muss gleich lüften. Die neuen Möbel verstreuen einen ungewöhnlichen Geruch.

Jetzt habe ich noch etwa eine Stunde Zeit bis zum Personalfrühstück. Früher habe ich mich etwas hingelegt. Heute tu ich das auch. Mein Telefon ist der Wecker. Hoffentlich höre ich den. Am ersten Tag möchte ich nicht unbedingt zu spät kommen.

Der Dienst beginnt. Gemütlich bewege ich mich in Richtung Küche. Schon im Keller höre ich aufgeregten Streit. Ich dachte, die Stimme kommt dir bekannt vor. Ein Lieferant.

„Bist du wieder hier?“

„Mal sehen.“

„Na dann. Viel Glück.“

Der Wunsch wurde in einer Tonlage abgegeben, die mich etwas stutzig macht.

Beim Lieferanten steht ein Koch. In der Sommersaison. Das habe ich die anderen Jahre allein gemacht. Die Familie hat mich am freien Tag vertreten. Will Rudolf das nicht mehr machen? Was ist mit Joseph? Mori, der Hausmann, ist nicht mehr da. Komisch. Ich gehe mit dem Koch in die Küche. Begrüßt werde ich nicht von Rudolf. Gerda, die Tochter begrüßt mich. Rudolf kommt gleich mit einem Kaffee.

„Ich habe das Geschäft auf Gerda und Oliver überschrieben.“

„Also, habe ich zwei neue Chefs?“

Rudolf lacht.

„Nein. Vier. Gerda und Oliver sind verheiratet.“

So schnell geht das in Südtirol.

„Das habt ihr aber ohne mich gefeiert.“

„Das ist im Urlaub passiert.“

Die fahren nach Ägypten in den Urlaub, heiraten dort womöglich noch und krempeln den gesamten Betrieb um. Mit Gerda habe ich mich nie gut verstanden. Die saß im Büro und hatte hunderte Allergien. Ihr sollte ich immer ein extra Essen kochen. Eine halbe Stunde für eine Kraft, täglich. Von meiner Freizeit.

Gerda hält mir auch gleich einen Zettel hin. Auf dem steht das Menü. Das Menü wird sie schreiben und vorgeben. Eigentlich wäre das für mich von Vorteil. Das bringt mir etwas mehr Freizeit. Denke ich. Nur, wer meldet wohin den Warenbestand?

Ich lese das eine Menü durch.

„Ist das das Einzige? Oder habt ihr die Menüs bereits vor geschrieben?“

„Ja. Hier sind die anderen.“

Ich lese auch die durch. Die Rohstoffe wiederholen sich permanent in den Menüs. Nirgends eine Abwechslung. Eintönig.

„Soll ich die Menüs umschreiben?“

„Nein. Die bleiben so.“

„Tut mir leid. Das kann ich weder kochen, noch würde ich dafür meinen Namen hergeben.“

Zum Glück habe ich noch nicht ausgepackt. In der Regel ließe sich das ausdiskutieren. Fehlanzeige. Bei diesen Menüs würde ich ungeheuer viel Müll und Reste produzieren. Außerdem wäre der Einkauf viel zu teuer. Das lehne ich ab. Wohl in dem Wissen, ich werde der sein, dem das vorgeworfen wird. Die Hälfte der Speisen wären Fertigprodukte. Das geht nicht.

„Für die Menüs könnte ich keine Verantwortung übernehmen. Das lehne ich ab.“

Rudolf verkriecht sich gleich wieder. Oliver auch. Gerda scheint mein Verhandlungspartner.

„Ich habe das gelernt und dabei bleibt es.“

„Dann würde ich sagen, du kochst das selbst.“

„Du willst das nicht machen?“

„Nein. Das ist auch mein letztes Wort dazu. Du weißt, ich lehne solche kindischen Dialoge ab. Entweder schreibe ich die Menüs, die ich koche oder ich koche nicht.“

„Na gut. Danke für deine Bewerbung.“

„Tschüss. Grüße Oma und Opa von mir.“

„Opa lebt nicht mehr.“

Tja, dachte ich mir. Der Sklave ist zuerst gegangen.

Er wollte den Müll in der Mülltonne zusammen treten.

Beide sind zusammen umgefallen. Die Tonne hat es überlebt.

Beim Verlassen des Hotel traf ich nicht einen Menschen. Die stehen wahrscheinlich hinter den Gardinen. Ich muss mich neu kümmern. Die Saison ist total hinüber.

Autor: dersaisonkoch

Meisterkoch der DDR

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